Das Ballettmädchen

Erschienen: Dezember 1901

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 1890, Titel: 'Maihime', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Karriere und Loyalität oder Die große Liebe - Ein zeitloses Dilemma

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2010

Kurzgefasst:

Der japanische Student Toyotaro lernt 1888 in den Straßen Berlins die Balletttänzerin Elis kennen, ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Es ist seine große Liebe. Gemeinsam erlebt das ungleiche Paar Monate des Glücks bis Toyotaro von seinem früheren Leben eingeholt wird. Man stellt ihm eine große Karriere in Aussicht und drängt ihn zur Rückkehr nach Japan. Doch inzwischen ist Elis schwanger! Im Konflikt zwischen seiner Liebe und der Stimme der Vernunft muss Toyotaro eine Entscheidung fällen...

 

Schon früh verliert Toyotaro Ota seinen Vater und konzentriert sich ganz auf sein Studium an der Juristischen Fakultät. Mit achtzehn Jahren erhält er sein Diplom und damit eine Anstellung in einem Ministerium, für das er wenige Jahre später ins weit entfernte Berlin reisen soll. Doch fern der Heimat kommt der junge Toyotaro nicht so ganz zurecht. Seinem juristischen Studium kommt er kaum noch nach, findet sein privates Glück mehr in den Studien von Geschichte und Literatur. Zudem ist er ein Außenseiter, der von den anderen japanischen Studenten mit Argwohn betrachtet wird.

Eines Abends auf dem Heimweg trifft Toyotaro auf ein junges Mädchen namens Elis, das schluchzend an einer verschlossenen Kirchentür kauert. Von ihrem Anblick angetan, bietet Toyotaro seine Hilfe an und erfährt, dass Elis' Vater kürzlich verstorben sei. Für die Beerdigung fehlen ihrer Mutter und Elis die nötigen Mittel und so erhält Elis, die als Tänzerin im Victoria-Theater arbeitet, nur unmoralische Hilfsangebote, die sie entrüstet ablehnt.

Toyotaro hilft so gut er kann und so freunden sich die beiden wenig später an. Obwohl es zunächst nur eine rein freundschaftliche Beziehung ist, wird Toyotaro bei seiner Gesandtschaft angeschwärzt, woraufhin er kurzerhand von der Beamten- und damit der Gehaltsliste gestrichen wird. Man stellt ihn vor die Wahl: Zurück nach Japan ohne abgeschlossenes Studium und mit schlechtem Leumund oder weiterer Aufenthalt in Berlin auf eigene Kosten. In dieser Situation kommt unerwartete Hilfe durch Aizawa Kenkichi, den Privatsekretär des Grafen Amataka. Toyotaro kann zunächst nur ein kleines Einkommen verdienen, und um besser über die Runden zu kommen, zieht er bei Elis und deren Mutter ein. Graf Amataka bietet Toyotaro alsbald an, ihn als Dolmetscher auf einer Russlandreise zu begleiten. Angetan von dessen Arbeit erhält Toyotaro wenig später gar das Angebot, auf eine gut dotierte Stelle nach Japan zurückzukehren. Dies bringt Toyotaro in eine verzweifelte Lage, denn seine große Liebe erwartet ein Kind...

Eine vorzügliche Novelle

Das Ballettmädchen erschien erstmals 1890 (Originaltitel Maihime) und hierzulande 1917 unter dem Titel Die Tänzerin. Autor Rintaro (persönlicher Name) Mori (Familienname), der sich selber Ogai (Schriftstellername) nannte, führte mit der hier besprochenen"Berliner Novelle" einen neuen Prosastil (in Japan) ein, denn es ist die erste Ich-Erzählung der modernen japanischen Literatur, zu deren wichtigsten Persönlichkeiten Ogai zählt. Vor allem als Übersetzer zahlreicher Klassiker - u. a. Goethe, Lessing, Schiller - machte sich Ogai einen Namen als Förderer der Kultur zwischen "Deutschland und Japan".

Das Ballettmädchen ist eine kurze, aber nach wie vor vorzügliche Novelle über eine - wie so oft in der japanischen Literatur - tragisch endende junge Liebe. Von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt, wählt der Protagonist den für ihn vorgesehenen Karriereweg; mit dramatischen Konsequenzen für seine junge Geliebte.

Die Novelle enthält sehr starke autobiografische Züge des Autors, der selbst ab 1884 einige Jahre in Berlin lebte, darunter eine kurze Zeit in der Klosterstraße, in der auch Elis mit ihrer Mutter lebt. Ogai stand im Vergleich zu den meisten anderen Intellektuellen seines Landes lange Zeit im "Zentrum der Macht", wurde unter anderem 1907 ranghöchster Militärarzt des japanischen Heeres (später Präsident der Reichsakademie der Künste bis zu seinem Tod 1922), und so musste er sich oftmals wie seine Figur Toyotaro zwischen traditioneller Loyalität gegenüber den Vorgesetzten und moderner, künstlerischer Freiheit entscheiden. Hierbei resignierte er bis zu seinem Tod immer mehr.

Auch heute noch ist Das Ballettmädchen, welches 1989 verfilmt wurde, eine lesenswerte Novelle, die die Tageszeitung Die Welt einst als "japanischen Werther" bezeichnete. Die FAZ sprach gar von einer "regelrechten Offenbarung". Die Erzählung in der Ausgabe der Japan-Edition des be.bra-Verlages (2. Auflage 2010) erscheint mit zusätzlichen Auszügen aus Ogais Deutschlandtagebuch 1884-1888, sechs historischen Fotografien sowie einem Nachwort von Ursula Berndt, der Ehefrau des 1993 früh verstorbenen und preisgekrönten Übersetzers Jürgen Berndt. Dieser gründete 1984 an der Humboldt-Universität zu Berlin eine Mori-Ogai-Gedenkstätte und übersetzte auch die vorliegende Geschichte. Die Gesamtausgabe von Ogais Werken einschließlich seiner Tagebücher und Übersetzungen umfasst übrigens über 23.000 Seiten.

 

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