Wie isst man ein Mammut?

  • DuMont
  • Erschienen: Mai 2023
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Julian Hienstorfer
901001

Histo-Couch Rezension vonJul 2023

Mal amüsante Anekdote, mal erhellende Sozialgeschichte, immer aber kurzweilige Unterhaltung: Uta Seeburg serviert historische Kulinarik in mundgerechten Häppchen.

„Wie isst man ein Mammut? In 50 Gerichten durch die Geschichte der Menschheit“ ist eine Kulturgeschichte des Essens. Die Autorin Seeburg bettet in ihrem neuesten Sachbuch Gerichte ihren historischen Kontext ein, zeichnet so die Vorlieben und Essgewohnheiten der Menschen im Wandel der Zeit nach und nimmt die Lesenden mittels bildhafter Sprache mit in Lebensrealitäten, die sich von den unseren grundlegend unterscheiden.

Zeitlich rangieren die Speisen vom Mammut ca. 11.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung bis zu Kochshows im heutigen Fernsehen. Die Autorin erzählt neben den Gerichten selbst auch von den schier unerschöpflichen Arten und Weisen der Zubereitung des Essens. Von der Entdeckung des Feuers, der Erfindung der Soße bis hin zur Molekularküche. Von marinieren, kochen, fermentieren, garen, schmoren u.v.m.

Ein perfekt abgeschmecktes Potpourri

„Wie isst man ein Mammut? In 50 Gerichten durch die Geschichte der Menschheit“ ist ein Buch, das dazu einlädt, es immer wieder aufzuschlagen, darin zu blättern und zu schmökern. Man kann sich am chronologischen Ablauf der Kapitel entlanghangeln oder direkt zur denen springen, die besonders interessant klingen.

Der ein oder andere Gesprächsstoff für das nächste sommerliche Grillfest ist in jedem Fall dabei – denn wer weiß schon, wie sich die römischen Gladiatoren ernährten, ob die Urmenschen ihr Mammut medium oder well-done verzehrten oder, dass das früheste überlieferte Zubereitungsrezept einer Speise in altbabylonischer Keilschrift verfasst wurde?

Der Mensch ist, was er isst

Aber das ist nicht alles. Essen ist seit jeher mehr als bloße Nahrungszufuhr. Essen ist soziokulturelles Bindeglied. Was, wann und vor allem wie gegessen wird, verrät viel über die Strukturen, in denen wir leben. Uta Seeburg bildet in ihrem Buch die ganze Bandbreite des Themenfelds Ernährung ab: Mangel und Exzess, Hungersnöte und Dekadenz, soziale Hierarchien und gemeinsame Mahlzeiten, Tischsitten, Orte des Verzehrs, Veränderungen der Kulinarik, Arten der Aufbewahrung von Essen. Uta Seeburg erläutert die Zusammenhänge von Kultur und Kulinarik äußerst anschaulich und erklärt beispielsweise den neolithischen Übergang vom Nomadentum zum Sesshaftwerden der Menschen anhand des Weizenbreis, den sie, um ihn genießen zu können, kultivieren und anbauen mussten.

Die Kapitel sind dadurch erstaunlich vielseitig, widmen sich immer wieder neuen Aspekten der Kulinarik und beschreiben auch die Rolle des Kulturkontakts für die Entwicklung von Speisen und Essgewohnheiten. Es ist wie beim All-you-can-eat-Buffett: man kann gar nicht genug bekommen.

Fazit

Uta Seeburg liefert mit ihren 50 Geschichten voll geballtem Wissen und Kuriositäten einen häppchenweise servierten Schmaus für den kulturgeschichtlich interessierten Gaumen. Ein literarischer Leckerbissen, der Lust auf mehr macht!

Wie isst man ein Mammut?

Uta Seeburg, DuMont

Wie isst man ein Mammut?

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