Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

Markus Weber (Illustrator), Dietmar Schmidt (Übersetzer), Rainer Schumacher (Übersetzer)

Couch-Wertung:

80

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Carsten Jaehner
Von der Gründung eines Ortes im tiefsten Mittelalter

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2020

Combe in England, 997 nach Christus. Mit viel Glück überleben der junge Bootsbauer Edgar, seine Mutter und seine beiden älteren Bruder einen Überfall der Wikinger auf ihre Hafenstadt, woraufhin sie eine erbärmliche Hütte im Landesinneren im winzigen Weiler Dreng’s Ferry zur Verfügung gestellt bekommen. Mehr schlecht als recht beginnen sie dort ein neues Leben. Dreng, der Besitzer der Wirtschaft und des Flosses, das von seiner Sklavin Blod gelegentlich über den Fluss gerudert wird, ist ein mürrischer Mann und den neuen Anwohnern nicht wohlgesonnen. Zudem sind er und sein Bruder Degbert Cousins der adligen Herren Wynstan, Wigbert und Wilwulf, die vom größeren Ort Shiring aus über den Landstrich herrschen. Wynstan ist Bischof, Wigbert Soldat mit wenig Grips im Kopf und Wilwulf, der jüngste, ein gutaussehender aussichtsreicher Edelmann.

In Cherbourg in Frankreich soll die adelige Tochter Ragna einen Edelmann heiraten, den sie nicht möchte und verliebt sich stattdessen in den bereits erwähnten Wilwulf, der gerade zu Gast ist und sich ebenfalls in sie verliebt. Doch er muss abreisen und lässt gerade noch anfragen, ob sie seine Frau werden will. Sie will, und somit reist er voraus und Ragna ihm nach England hinterher, wo sie in Shiring heiraten und sie in die Intrigen zwischen seinen Brüdern gerät.

Zudem will der Mönch Aldred in Shiring eine Bibliothek aufbauen, macht sich aber Bischof Wynstan zum Feind. Aldred verliebt sich zudem in Edgar, der in dem Dreng’s Ferry bald das Floss gegen ein Fährboot austauscht, mit dem man sicherer und mehr Leute übersetzen kann. Das bringt mehr Geld ein und es kommen mehr Leute. Doch Neider gönnen ihm seine Klugheit nicht, und Bischof Wynstan strebt nach mehr Macht, koste es, was und wen es wolle…

Der vierte Streich

Mit „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ kehrt Ken Follett bereits zum vierten Mal nach Kingsbridge zurück und präsentiert einen Roman, der rund 200 Jahre vor seinem Welterfolg „Die Säulen der Erde“ spielt. Auf 1016 Seiten liest man über die Gründung des Ortes und erfährt auch, woher er seinen Namen hat, auch wenn das erst gegen Ende des Buches wirklich passiert. Dieser vierte Roman ist also ein Prequel und muss sich daher auch mit den anderen Teilen der Reihe messen lassen, auch wenn es außer dem Ort eigentlich keine Gemeinsamkeiten, jedenfalls keine personellen, gibt.

Was natürlich immer gleich ist, sind die Intrigen. Das Böse ist an der Macht und ist gierig nach mehr, wohingegen die kleinen Leute unterdrückt werden und keine bis wenige Rechte haben. Das ist alles irgendwie schon einmal dagewesen, auch Ken Follett wird das Rad nicht neu erfinden. Neu ist in jedem Fall die Konstellation der Hauptfiguren. Die Hauptfigur des Romans, Edgar, entwickelt sich über die neun Jahre, die der Roman beschreibt, vom kleinen achtzehnjährigen Bootsbauerssohn über mehrere Stationen zu einem wissbegierigen Handwerker, der sich sagt, wenn ich das eine kann, kann ich auch das andere lernen. So baut er eine Fähre, ein Brauhaus, arbeitet mit Holz und Steinen, baut eine Brücke über den Fluss und macht sich so bei den einen beliebt, bei anderen unbeliebt. Er macht die wohl stärkste Entwicklung im Roman durch und lässt sich auch von Intrigen gegen ihn nicht aufhalten.

Gut gegen Böse

Zur Seite steht ihm der Mönch Aldred, der ihm hilft, wo er kann, womit er sich gelegentlich gegen den intriganten und aufstrebsamen Bischof Wynstan stellt. Wynstan ist der deutliche „Böse“ des Romans, tut alles für seine Familie und seine Karriere und geht buchstäblich über Leichen. Das liegt in der Familie, seine Brüder sind ebenfalls keine Kinder von Traurigkeit und die Cousins in Dreng’s Ferry ebenfalls, was Edgar immer wieder zu spüren bekommt.

Erst als Ragna nach England kommt, scheint Edgars aufstrebendes Leben eine neue Wendung zu bekommen. Sie ist die Braut des Aldermanns Wilwulf und ihr gebührt es, in dessen Abwesenheit seinen Platz einzunehmen, was Richten und Geldeintreiben angeht. Das hat bislang Bischof Wynstan getan, der dabei vor allem in die eigene Tasche gewirtschaftet hat, doch nun kommt die gerechte Ragna und kommt ihm in die Quere. Ärger innerhalb der eigenen Familie ist vorprogrammiert, zumal Wilwulfs Mutter Gytha zusätzlich ihre eigenen Intrigen gegen Ragna spinnt und einen zusätzlichen Gegenpart bildet. Ragna ist die bei Follett so oft wiederzufindende starke Frauenfigur, die alles Leid der Welt aushält, und so ist sie neben Edgar die heroische weibliche Hauptfigur des Romans.

Hier werden den „Guten“ also ständig von den „Bösen“ Steine in den Weg gelegt, doch als Leser fragt man sich des Öfteren, was denn dieser Weg eigentlich ist, der mit Steinen gepflastert wird. Natürlich weiß man wegen des Buchtitels, worauf alles am Ende hinauslaufen wird, aber der Roman plätschert über weite Strecken vor sich hin. Es passiert immer irgendetwas, dann kommt eine Intrige, die wird verarbeitet, dann kommt die nächste Intrige. Wer Bücher von Ken Follett kennt, weiß, dass am Ende das Gute siegt und das Böse zu Fall kommt, und das ist auch hier so. Fast alle Figuren sind charakterlich festgelegt und nehmen keine großartige persönliche Entwicklung vor, außer eben Edgar vielleicht.

Einfache Sprache

Ken Folletts Sprache ist einfach gehalten und nicht kompliziert, es gibt keine unverständlichen Fachbegriffe oder nicht nachvollziehbare Handlungen. Allerdings ist auffällig, dass man bei Problemen immer sogleich auf die richtige Lösung kommt und keine Fehler macht. Die einfache Sprache bewirkt allerdings auch, dass Follett es dadurch versteht, dem Leser die Zeit um die Jahrtausendwende gut darzustellen. Sitten und Gebräuche werden wenig dafür aber vor allem Rechtslagen klar dargestellt, was gerade bei den vielen Handlungssträngen nicht unwichtig. Wer hat das Recht über wen zu herrschen, und wenn nicht, wer dann?

Durch die einfache Sprache ist es allerdings auch so, dass Dinge klar angesprochen werden. Die wenigen Kämpfe werden sachlich beschrieben, und leider auch die Dinge, wenn zwei Menschen miteinander schlafen, freiwillig oder auch gelegentlich unfreiwillig. Durch seine direkte Sprache nimmt Follett dem Leser den Zauber der Fantasie, was gerade in intimen Momenten schade ist. So wirken dann alle Erzählungen irgendwie gleich, neutral, und es fällt schwer, große Spannungsbögen zu entwickeln und zu erkennen. 

Den 1016 Seiten aus dem Hause Lübbe sind in den Buchkappen eine Karte von Kingsbridge im Jahr 1005 und eine Karte von England und Frankreich beigestellt, zudem gibt es eine kurze Danksagung am Ende des Buches. Dass im Klappentext (innen wie außen) der Name von Aldred in „Alfred“ vertauscht wurde, ist im Lektorat wohl niemandem aufgefallen, als Leser sucht man den Namen Alfred im Roman vergeblich.

Fazit:

„Kingsbridge“ als vierter Roman der historischen Reihe von Ken Follett kann an seinen geschichtlichen Nachfolger „Die Säulen der Erde“ nicht heranreichen, dennoch merkt man eine deutliche Verwandtschaft. Der Roman bietet nette Unterhaltung ohne sprachlichen Anspruch und kann flüssig weggelesen werden. Zwar bietet er von seinen Charakteren her wenige Überraschungen, hält aber viele interessante historische Fakten und Gegebenheiten bereit, die das Grundgerüst des Romans bilden.

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit

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