Honigtot

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2014, Titel: 'Honigtot', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Temporeicher Roman mit einigen Stolpersteinen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2015

Eine junge Frau begibt sich auf die Suche nach ihrer Mutter, die plötzlich verschwunden ist. In einem Hotel in Rom findet Felicity ihre Mutter schließlich inmitten von alten Zeitungsausschnitten. Dies ist im Großen und Ganzen die in der Gegenwart angesiedelte Rahmenhandlung des Romans Honigtot von Hanni Münzer. Danach taucht die Geschichte ab in die frühen 1920er Jahre. Im Mittelpunkt stehen zunächst die gefeierte Sängerin Elisabeth und ihr Ehemann Gustav, ein jüdischer Arzt, der seine junge Ehefrau vergöttert. Das Glück des Paares erlebt einen Höhepunkt, als Tochter Deborah geboren wird. Obwohl die Zeiten schlechter werden, scheint die Familie in einem Kokon zu leben. Zwar begegnet Elisabeth dem jungen, aufstrebenden Hitler, der von der Münchner Gesellschaft, in der sich Elisabeth bewegt, gefördert wird. Doch vermögen weder sie noch ihr Mann dem ehrgeizigen und selbstbezogenen Adolf Hitler viel abzugewinnen. Als sie erkennen, dass die Nazis das Land langsam in ihrem Würgegriff haben, planen die Eheleute, sich ins Ausland abzusetzen. Doch immer wieder verhindern schicksalshafte Momente die Ausreise.

Als es doch so weit ist, dass die Familie zu der inzwischen auch das Wölfchen hinzugekommen ist nach England ausreisen will, verschwindet Gustav spurlos. Elisabeth versucht verzweifelt, heraus zu finden, was mit Gustav geschehen ist und reist nach Berlin. Dort begegnet sie dem Hitler-Gefolgsmann Albrecht Brunnmann, in den sie sich schließlich verliebt. Denn er verheißt Stärke in einer Zeit, in der alles um sie herum ins Wanken gerät. Nach Elisabeths frühem Tod übernimmt Deborah die tragende Rolle im Roman und im Leben des Stiefvaters. Die junge Frau, der eine große Karriere als Musikerin und Sängerin bevor steht, verliebt sich nicht nur in ihren Stiefvater, sie ist auch vom luxuriösen und ausschweifenden Leben geblendet. Deborah, die als sanftes Mädchen galt, erweist sich bald als eine Frau mit intensiven Gefühlen, die auch bereit ist, mit allen Mitteln zu kämpfen.

Manchmal übers Ziel hinaus

Die Geschichte hat viel Potenzial: zwei halbjüdische Kinder entgehen dem Holocaust, weil deren Mutter, eine gefeierte Sängerin, sich mit einem SS-Mann einlässt. Die Gefahr für die Kinder flammt erneut auf, als die Mutter stirbt. Hanni Münzer vermag einen Teil dieses Potenzials abzurufen. Sie zeigt eindrücklich auf, wie sich die Gesellschaft langsam aus einem Taumel von Lebenshunger in eine Atmosphäre von Angst und Misstrauen bewegt, wie Menschen ihre Freunde plötzlich nicht mehr kennen, weil sie der falschen Religion angehören. Und auch, wie Willkür und Menschenverachtung legitimiert werden. In vielen Szenen kommt die allumfassende Macht der Nazis auf eine sehr subtile Weise zum Ausdruck, so etwa in Berlin, als es Elisabeth nur über Umwege gelingt, mit ihrem im Ausland lebenden Schwager zu telefonieren. Leider aber schießt die Autorin immer wieder auch über das Ziel hinaus, dies besonders bei der Figurenzeichnung.

Starke Veränderungen

Die beiden Protagonistinnen Elisabeth und Deborah sind in ihrer ganzen Art sehr starken Veränderungen unterworfen. Die naive in einigen Szenen gar etwas dümmlich erscheinende Sängerin entwickelt plötzlich unerwartete Stärke und großen Durchhaltewillen, nur um wieder in die alte Rolle zurückzufallen und sich einem Mann anzuvertrauen, der alle Werte, an die sie mit ihrem über alles geliebten Gustav geglaubt hatte, mit den Füssen tritt. Obwohl Brunnmann in dem man mühelos die Züge von Adolf Eichmann erkennen kann für die Macht stand, die ihren Mann Gustav auf dem Gewissen hatte, ließ sie sich vollständig auf ihn ein und störte sich auch nicht dran, dass er die einstigen Besitztümer des verschwundenen Ehemanns als sein Gut betrachtete. Diese Naivität steht im Widerspruch zur Rolle, die Elisabeth im Roman mehrfach einnimmt. Es ist aber nicht nur die Mutter, sondern auch die Tochter Deborah, die eine unglaubliche Entwicklung durch macht. Vom sich ritzendenden, unter einem massiven Trauma leidenden Teenager wird Deborah innerhalb kurzer Zeit zu einer selbstverliebten Luxus-Frau, die in sexueller Hinsicht ihre Grenzen erkundet. Da passt jedoch das Bild der liebenden Schwester, die alles tun würde, um den kleinen Bruder Wolfgang zu schützen, einen hinkenden Halbjuden, der ohne die schützende Hand Brunnmanns keine Chance auf ein Überleben gehabt hätte.

Schwieriges Konstrukt

In ihrem Bemühen, möglichst viele der bekannten historischen Figuren in ihren Roman einzubauen, schafft Hanni Münzer ein schwieriges Konstrukt, das zwangsläufig dazu führen muss, größere und kleinere Schnitzer zu offenbaren. Selbst wenn man sich vor Augen führt, dass es sich hier um eine Fiktion handelt, dürfte beispielsweise vielen der Umgang mit den höchst vertraulichen Protokollen von Wannsee etwas sauer aufstoßen. Zu den Punkten, die unverdaulich sind, gehören auch eine unerwartete Genesung von einer Querschnittslähmung und andere zumindest abenteuerliche Entwicklungen.

Hanni Münzer legt einen Roman vor, mit dem man sich einfach auseinander setzen muss. Dass sie dabei einerseits sehr tief in die Kiste der bekannten Persönlichkeiten als Protagonisten greift und andererseits einige trendige Aspekte beimischt, nimmt der Geschichte einen Teil des Besonderen, mit dem sie ansonsten aufwarten könnte. So ist Honigtot ein zwar interessanter und abwechslungsreicher Roman, er hält aber einige geschichtliche, medizinische und menschliche Fallstricke bereit, die den Genuss etwas eintrüben.

Honigtot

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Letzte Kommentare:
24.05.2020 17:20:42
Made

Das was sehr spanned. Ich hatte von meinen Augen einen Film. Die braven und elleganten Frauen kämpfen gegen die bösen Männern. Und dazu spielt die klassische Musik.

Die Autorin hat die Phantasie und Realität gut kombiniert. Aber warum helfen die Polen mit der Ermordung von Heydrich? Diese unrealistische Handlung könnte die Autorin wegschmeißen.

28.10.2017 22:43:35
Anonym

Vielen Dank Frau Münzer, für dieses spannende Buch!
Auch ich habe bei manchen Sätzen über die Logik nachdenken müssen ("wie ein Wolf lächelt." Etc... Siehe Leserbrief oben.).
Allerdings stört es mich nicht! Ich bin tief beeindruckt, wie gut manche Szenen , wie z.b. der Ausflug Deborahs zum polnischen Markt , die bedrückte Stimmung der Menschen damals dort geschildert wird!
Da ich schon lange kein Buch mehr gelesen hatte, bin ich in diese Geschichte eingetaucht und habe dieses Buch, auch wenn es mir zum Teil zu grausam war, verschlungen. Da wir an dem Wochenende der letzten Kapitel in Berlin waren, wandelte ich mit noch mal ganz anderen Gefühlen dort an der Stelle der früheren politischen Gebäude der unmenschlichen, politischen nazi UND DDR Regime.
Eine schreckliche Zeit. Und wir können unseren Großeltern nicht mal mehr unseren Respekt zeigen, dass sie diese Zeit so tapfer und mit so viel Leid durchgestanden haben.

13.10.2016 19:35:30
Emil

Ich habe über den Zweiten Weltkrieg viel gelesen und auch immer wieder gehört. Aber dieses Buch hat mich sehr betroffen gemacht. Es wiederholt sich zur Zeit wieder, nur in anderen Ländern. Müssen nicht die vielen Menschen aus ihrer Heimat fliehen um zu Überleben. Dann gibt es die andere Seite, die den Flüchtlingen Steine (und noch viel mehr) in den Weg legen. Erinnert euch doch an die grausame Zeit, in der unsere Verfahren Hilfe brauchten und größtenteils erhalten haben.

04.07.2016 17:09:13
Ellis Menzler

"Stolpersteine" lagen für mich im Umgang mit der Sprache.... Blecheimer ,dessen einzige VERTEIDIGUNG ein Deckel war,....Briten, die ein Wermutstropfen in der Kriegssuppe waren , Haut , die wie frische Sahne schimmert , ein Mann, der "wie ein Wolf lächelt" , Blicke , die ineinander verkeilt sind......Und,und, und.....Oh !

31.01.2016 22:29:51
Nicole Rothenburg

Ein wirklich gutes Buch. Hervorragend geschrieben, spannend und man hat das Gefühl Vorort zu sein.
Die letzten 100 Seiten regelrecht verschlungen.
Und letztendlich flossen die Tränen, als sich heraus stellt das der Bruder lebt.
Ich bin letztendlich froh das ich nicht in dieser Zeit leben musste.
Immer in Gedanken an alle Opfer.

05.09.2015 16:23:38
Mohnblume

Eine Mutter kämpft für das Leben ihrer Tochter
Honigtot


Meine Meinung zum Inhalt:

Felicitty die in Seattle Washington 2012 lebt, hat ihr Medizin Studium beendet, und möchte als angehende Ärztin nach Kabul reisen um bei den Doctors for the Wold zu arbeiten. „ Ich werde das Land der Liebe niemals betreten „ , dieser Satz ihrer Großmutter spuckt ihr während der Vorbereitungen immer wieder durch den Kopf. Was hatte sie damit gemeint? Sehr zum Missfallen ihrer Mutter , Freundin Oivia und ihres Freundes Richard. Eigentlich wollte ihr Mutter sie zum Flughafen bringen, sie kommt aber nicht. Ihre Mutter Martha ist nach dem Tod von Felicitas Großmutter noch einmal ins Altersheim um deren Haushalt aufzulösen und Kopflos davon gerannt.

Martha ist nach Rom geflogen um einem Geheimnis ihrer Mutter Elisabeth auf die Spur zu kommen. Felicity gibt ihre Pläne mit Kabul auf und fliegt nach Rom um ihre Mutter zu suchen. Dank eines Paters findet sie ihre Mutter. Dort machen sich beide auf die Suche nach der Vergangenheit der Elisabeth Malpran, einer Jungen aufstrebenden und begnadeten Sängerin im Jahre 1923. Sie war sie verheiratet mit einem jüdischen Arzt. Die Ehe verlief glücklich , sie bekamen die kleine Martha das Glück schien ihnen wohlgesonnen, bis die dunklen die dunklen Schatten des Nazi Regimes am Himmel aufzogen. Hier beginnt das ganze Drama einer tapferen, kämpferischen und mutigen Jungen Frau und Mutter , die alles tut für die Familie und das Leben ihrer kleinen Tochter kämpft.

Dunkle, erschütternde und tiefe Abgründe tun sich hier für Felicity und ihre Mutter auf. Sie erfahren hier die wahre Geschichte von Elisabeth.


Die Autorin hat hier sehr sensibel und mit viel Fingerspitzengefühl ein sehr authentisches und reale Geschichte geschrieben. Sie schildert alles äußerst spannend in einer klaren und kraftvollen Sprache. Ihre Charaktere kommen sehr Lebendig herüber, man leidet und fühlt mit ihnen mit, man kann die Menschen verstehen und stellt sich selbst die Frage was hätte ich in dieser Situation getan.

Sie erzählt sehr schön von dem Politischen Klima, den Ängsten und Sorgen der Betroffenen und auch der Naivität vieler die sich von Hitlers Politik begeistern ließen. Sie streift auch etwas von Hitlers Bibliografie, dem Putsch und den Ereignissen. Auch die Widerstandsgruppen finden Platz, die für Gerechtigkeit kämpfen. Ein Buch das einem beim Lesen Mitreißt und zum Nachdenken anregt.


„ Ein sehr Starkes und wichtiges Buch , das von der Verzweiflung der Menschen erzählt „

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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