Die Gottessucherin

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2009, Titel: 'Die Gottessucherin', Originalausgabe

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Kirsten Lambeck
Ein beeindruckendener Roman über Frömmigkeit und Fanatismus

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Aug 2009

Kurzgefasst:

Lissabon 1528: Die zwangsgetaufte Jüdin Gracia verachtet ihren Mann, denn in ihren Augen verleugnet er seinen Glauben. Trotzdem versündigt sie sich, um ihn vor der Inquisition zu retten. Doch zu spät: Mit ihrer Tochter flieht die junge Frau durch ganz Europa. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem sie ihren Glauben frei ausüben kann. Dafür riskiert sie ihr Leben und das Glück der Menschen, die sie liebt. Doch darf man für die Liebe zu Gott die Liebe zu den Menschen opfern?

 

Der Prolog beginnt dramatisch: Als im Jahre 1497 die Dominikaner die jüdischen Bewohner Lissabons gewaltsam auf dem größten Platz der Stadt zusammentreiben, entgeht die zwölfjährige Philippa nur um Haaresbreite der Erdrosselung durch den Vater, der die geliebte Tochter vor der Zwangstaufe bewahren will. Ein Pfeil trifft den Vater tödlich - und Philippa wird mit ihrer Mutter und der gesamten jüdischen Gemeinde zu Neuchristen.

Glaube im Verborgenen und eine ungewollte Ehe

Jahre später steht Philippas Tochter Gracia - eine historisch belegte Gestalt (1510-1569) - vor der Hochzeit mit einem bedeutenden Kaufmann. Die Familie erfüllt als "Marranen" oder "Conversos" nach außen hin alle christlichen Pflichten, zu Hause aber leben sie den jüdischen Glauben unter einem Gnadenerlass des portugiesischen Königs. Gracia wehrt sich heftig gegen die geplante Hochzeit, ist aber gegen den Vater und die Gemeinde machtlos. So bedient sie sich eines letzten Auswegs: unbemerkt betrügt sie Familie und Rabbi und geht unrein, also ohne rituelle Reinigung zwischen Regelblutung und Hochzeitsnacht, in die erzwungene Ehe mit Francisco. Diesem gelingt es, die stolze und sehr im Judentum verwurzelt junge Frau für sich zu gewinnen, den Verrat an ihrem Ehemann wirft Gracia sich aber lebenslang vor.

Familienleben am Rand des Untergangs

Gracia lebt an der Seite ihres Mannes und mit der kleinen Tochter Reyna das Leben reicher Kaufleute, praktiziert ihren Glauben im Verborgenen, als die Feindlichkeit den Juden gegenüber in Portugal immer weiter ansteigt: besonders ereifert sich der Mönch Cornelius Scheppering, für den die Bekehrung der Juden, besonders aber der schönen Gracia, zur fixen Idee wird. Francisco, Gracias geliebter Mann, ist eines der ersten Opfer der Verfolgungswelle, er stirbt an einer schweren Krankheit, kaum den Folterkellern der Kirche entkommen. Gracia übernimmt nicht nur das Geschäft ihres Mannes, der, neben seinen Geschäften in ganz Europa, zahllosen Juden zur Flucht aus Portugal verhalf, sie wird auch zum Oberhaupt der Familie.

Flucht durch Europa auf der Suche nach einem sicheren Zufluchtsort

Als die Stimmung in Portugal unterträglich wird, emigriert Gracia mit Tochter, Schwester und dem gesamten Geschäft nach Antwerpen, von wo aus sie weiter den Verfolgten Hilfe leistet und mit eiserner Hand den Handelsbetrieb leitet. Innerhalb der Gemeine wächst ihr Ruf stetig, bis man von ihr als "neue Esther" spricht. Doch der kirchliche Antisemitismus beginnt sich in ganz Europa auszubreiten - Gracia bringt ihre Familie über Venedig nach Konstantinopel, immer verfolgt von dem langsam dem Wahnsinn der Syphillis verfallenden Mönch Cornelius.

Eine sperrige Protagonistin

Gracia ist eine faszinierende Persönlichkeit, deren ganzes Leben ihrem Glauben und der Tilgung ihrer als Braut begangenen Sünde gewidmet ist, die der Rabbi, dem sie sich anvertraute, ihr auferlegt hat. Dazu soll sie Opfer bringen. Das tut sie selbst, aber verlangt diese vor allem von ihrer Schwester und der Tochter, die einen Mann heiraten soll, der die Mutter dem Traum von einem jüdischen Land näher bringt. Auch sie selbst lebt nach dem Tod des letztendlich geliebten Ehemanns ein isoliertes Leben, sie verliebt sich mehrmals, ordnet diese Beziehungen aber immer ihrem Kampf für die Rettung der europäischen Juden unter.

Die Protagonistin ist keine Figur, die zu mögen leichtfällt. Mag man ihre Handlungen auch nachvollziehen können, ist Gracia dem Leser oft zutiefst zuwider, ihr Fanatismus regt auf. Im selben Maße, indem sie für die jüdische Gemeinde zur Retterin und Sprecherin wird, zerfällt ihre Familie und alle ihre Beziehungen. Die Geschichte ist spannend konsequent auf die Frage angelegt, wie sich Gracia zwischen ihrem Glauben und dem Glück ihrer Tochter entscheiden wird.

Geschickte Dramaturgie

Der Autor fügt dem Roman eine ausführliche Zeitleiste mit den belegten Lebensstationen der Gracia Nasi an, sodass leicht erkennbar wird, wo der Roman aus dramaturgischen Gründen leicht abweicht oder Lücken füllt. Geschickt setzt sie der historischen Figur Gracia den Mönch Cornelius Scheppering gegenüber, um so auf verschiedenen Ebenen mit den Unterschieden zwischen Glauben und Fanatismus zu spielen. Dies ist der Kern des Romans: Wie weit darf Frömmigkeit gehen? Wann beginnt der Wahn?

Mit Leichtigkeit vermittelt Prange detailreich, aber nicht überfrachtet, einen plastischen Eindruck Portugals im 16. Jahrhundert und des Alltags- und Geisteslebens der jüdischen Marranen. Die Geschichte, die er zu erzählen hat, bleibt durchweg absolut faszinierend. Ein gut gemachter Roman über eine ganz besondere (Anti-)Heldin mit europäischer Berühmtheit in der Zeit der Renaissance.

 

Die Gottessucherin

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Letzte Kommentare:
19.02.2014 16:37:02
Bibo

Ich wollte doch keine Bücher mehr lesen deren Titel mit "Die" anfangen und mit "-in" aufhören. Aber ok. Ich habe es wenigstens versucht. Thematisch ist es schon interessant, Judenverfolgung und Zwangstaufe Anfang der Renaissance. Noah Gordon hat das Thema in "The last Jew" ebenfalls aufgegriffen. Auch ein gutes Beispiel dafür was religiöser Wahn(sinn) bei allen Beteiligten so anrichtet. Und damit ist es für mich auch des Guten zuviel. Jede Entscheidung der gar nicht so sympathischen Gracia wird religiös gerechtfertigt. Lange Seiten werden gefüllt mit ihrer inneren Nabelschau. Auf Seite 199 habe ich eingesehen, dass es nicht besser wird.

11.04.2010 16:28:15
Caren Benedikt

Peter Prange - Die Gottessucherin -

Ich habe schon einige Bücher von Peter Prange gelesen, und mich insoweit auch auf dieses Buch gefreut.
Vom ersten Moment an hat mich der Text gefesselt und komplett eingenommen. Seit ich selbst Romane schreibe ist mir aufgefallen, dass ich sehr oft auf Formulierungen und das Darstellen der Figuren achte. Doch bei diesem Buch bin ich durch die wunderbare Erzählart und den von vorn bis hinten glaubhaften Text und die spannende Darstellung komplett darüber hinweggekommen und einfach vollkommen ins Buch eingetaucht.
Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

10.04.2010 22:27:49
Lena-Sunshine

"Die Gottessucherin" ist das erste Buch von Peter Prange, was ich bisher gelesen habe.
Mit Schreibart und Ausdruck konnte ich mich sehr schnell anfreunden, wenngleich man hie und da einen Absatz nochmal lesen musste, um den Inhalt richtig nachzuvollziehen.

Sehr gut gefallen hat mir von Anfang an die authentische Darstellung der Figuren. Man konnte jedes ihrer Schritte nachvollziehen, obwohl man selbst sicher oft anders gehandelt hätte. Der Roman sticht so aus den üblichen historischen Romanen heraus - keine glänzenden Helden, keine Perfektion, keine richtigen und falschen Entscheidungen. Man "verliebt" sich nicht sofort in die "guten Figuren" - im Gegenteil: Man lernt sie als Menschen und nicht als Helden eines Buches kennen, jeden Einzelnen.
Nie zuvor habe ich in einem Buch solch gewagtes Schreiben entdeckt.

"Die Gottessucherin" ist ein Buch mit Anspruch an den Leser. Man wird dazu aufgefordert, selbst nachzudenken und sich mit dem Thema und den Protagonisten auseinanderzusetzen. Außerdem erfährt man viel über die Lebensweise und Bräuche der Juden in der damaligen Zeit.
Somit nichts für einen ruhigen Urlaub am Strand oder als Auszeit in einer stressigen Woche.

Die reine Unterscheidung zwischen "Gut und Böse" der Protagonisten hat mir allerdings nicht zugesagt und passte meiner Meinung nach auch nicht zur Darstellung der Hauptfiguren.

Weitere Bücher von Peter Prange werden auf jeden Fall in meinem Bücherregal auftauchen; obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das Genre der historischen Romane das passendste ist für diesen Autoren ist.

02.03.2010 11:02:40
R.Lange

Also, ich bin jetzt mit dem ersten Drittel des Buches durch.
es gefällt mir sehr gut und auch packend geschrieben. Ich bin
"vorgeschädigt" durch Iny Lorenz
und Co. Aber ich fiebere mit der Hauptperson mit dass zum Schluss, anders als im Leben, eventuell alles gut ausgeht.
Vor allem sehr detailreich beschrieben was die Bräuche der Juden angeht. Sehr gut recherchiert! der Autor Peter Prange befindet sich schon in meiner Autorenliste. Danke nochmal an den Autor.

12.02.2010 10:39:01
Miyaki

Ich habe mich selten so durch einen Roman quälen müssen. Die Heldin ist eine der unsympathischsten Hauptpersonen, die mir je untergekommen ist. Sie jongliert mit Schicksalen, Fehlschläge werden ausgeblendet oder anderen zugeschrieben. Man nimmt ihr den Glauben nur schwer ab, vielmehr macht sie den Eindruck einer machthungrigen, manipulativen und leicht verrückten Furie. Historisch mag das Ganze eventuell interessant sein, Spaß macht es nicht.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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