Die Teufelshaube

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2008, Titel: 'The Serpent's Tale', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

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Katharina Lewald
Sympathisch, spannend, unterhaltsam!

Buch-Rezension von Katharina Lewald Feb 2008

Kurzgefasst:

England, 1172: Die Geliebte Heinrichs II. stirbt an den Folgen einer unheimlichen Vergiftung. Der König tobt - während seine Gemahlin, die machthungrige Eleanor von Aquitanien, triumphiert. Doch steckt wirklich sie hinter dem grausamen Anschlag? Die Rache des Königs wäre unerbittlich - und würde einen Krieg entfachen, der sein mühsam befriedetes Land endgültig zerstören würde! Nur eine ist in der Lage, die Zeichen richtig zu deuten: Adelia, die Totenleserin.

Seit Sir Rowley sich für das Bischofsamt und damit gegen Adelia entschieden hat, hat die junge Pathologin aus Salerno jede Begegnung mit ihm vermieden. Jetzt bittet der Vertraute des Königs sie um Unterstützung bei seinen Ermittlungen. Nur widerwillig lässt sie sich auf die Zusammenarbeit ein. Im tiefverschneiten Oxfordshire bietet sich ihnen ein grausiger Anblick: Die Geliebte des Königs sitzt, über einen Brief gebeugt, an einem Tisch - im Tod zum Eisblock erstarrt. Wer hat sie so sorgfältig arrangiert? Und warum hat das Mordopfer in seinen letzten Minuten Briefe verfasst, die pikanterweise an die Königin gerichtet sind? Ebenso wenig kann sich Adelia einen Reim auf das plötzliche Auftauchen der Königin machen. Als Adelia und Rowley gezwungen werden, sich ihrem Gefolge anzuschließen, können sie nur eines mit Gewissheit sagen: Der Mörder ist unter ihnen...

 

England im Jahre 1172: Rosamund, die Geliebte Henrys des II., wird auf mysteriöse Weise tot in ihrem Turmzimmer gefunden - vergiftet. Die in England auch als Teufelshauben bezeichneten grünen Knollenblätterpilze sind für 90% aller tödlich verlaufenden Vergiftungen verantwortlich. Tückisch an ihnen ist, dass sie einem nach Erbrechen, Durchfall und Unterleibskrämpfen kurzzeitig eine Genesung vorgaukeln - doch in Wirklichkeit greift das Gift Leber und Nieren an.

Sofort fällt jeder Verdacht auf Eleanor von Aquitanien, die Königin. Doch Adelia, der sizilianischen Totenleserin, wird schnell klar, dass diese Erklärung viel zu einfach ist. Auf Befehl des Königs nimmt sie sich des Mordfalls an - wobei sie viel lieber im Sumpf geblieben wäre und Zeit mit ihrer kleinen Tochter Allie verbracht hätte, fernab von Hof, Politik und Intrigen.

Als wenn das alles nicht schon genug wäre, gelangt Adelia zusammen mit ihrer Tochter, ihrer Freundin Gyltha und ihrem mysteriösen Begleiter Mansur in die Abtei Godstow. Bald schon ist die Zuflucht der Nonnen unter Schnee und Eis begraben und niemand kommt mehr herein oder heraus. Adelia weiß, dass der Mörder mitten unter ihnen sein muss. Doch wer ist es? Und was war sein Motiv?

";Teufelshaube" ist keine Fortsetzung

Mit ";Die Teufelshaube" legt die Britin Diana Norman unter ihrem Pseudonym Ariana Franklin den zweiten Roman nach ";Die Totenleserin" vor. Ziemlich genau ein Jahr nur hat es gedauert und schon können die Fans ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern: Nicht nur Adelia, sondern auch Gyltha, Rowley und Mansur dürften Lesern der ";Totenleserin" bereits bekannt sein. Doch auch wer ";Die Totenleserin" noch nicht gelesen hat, wird mit diesem neuen Werk einige unterhaltsame Stunden verbringen. Denn Ariana Franklins zweiter Roman ist keinesfalls eine Fortsetzung, sondern eine in sich völlig geschlossene Geschichte.

";Die Teufelshaube" zeichnet sich durch vielfältige Charaktere, Spannung und einen schwer zu beschreibenden Charme aus. Es ist eine Sympathie für Adelia, für ihre Gedanken und Gefühle, aber auch ihre Redens- und Denkensart ist irgendwie anders - erfrischend anders.

Adelia, ihres Zeichens weder Ärztin noch Hebamme und somit ziemlich unwissend im Bereich Geburtshilfe, hat gerade ein Kind zur Welt gebracht:

";Donnerwetter, was isses?"
Ganz benommen vor Erleichterung sagte Adelia: ";Es ist ein Kind." Hässlich, blutig, schmierig, froschartig, die Füße Richtung Kopf angewinkelt wie noch im Mutterleib, aber unversehrt und atmend, und als man ihm auf den Rücken klopfte, protestierte es gegen das Leben im Allgemeinen und gegen seinen Eintritt in selbiges im Besonderen - für Adelia der schönste Anblick und die schönsten Laute, die die Welt zu bieten hatte.
";Das ist klar, aber was iss es?"
";Ach so." Adelia legte das Messer weg und drehte das Wunder um. Es war männlich, ganz eindeutig männlich. Sie sammelte sich. ";Ich glaube, die Schwellung des Skrotums wird durch einen Bluterguss verursacht und ist nicht von Dauer."
";Wenn doch, kann er sich später was drauf einbilden, was?", sagte Master Reed.

Geschickt konstruiert, aber...

Was den Grundaufbau der Geschichte betrifft, geht Ariana Franklin sehr geschickt vor und lässt den Großteil derselben in einem abgeschotteten Gebiet spielen - der Abtei Godstow. So klug dieser Schachzug vielleicht auch war - genau dadurch kommen immer wieder einige Längen auf. Denn bis auf kleine Hinweise zur Lösung des Mordfalls, die dem Leser wie präsentiert werden wie dem gierigen Hund der Knochen - passiert in Godstow nicht so viel.

Insgesamt gibt es an ";Die Teufelshaube" nur wenig zu kritisieren. Viele neue Leser und auch die Fans der ";Totenleserin" werden spannende, unterhaltende Abende mit diesem Werk verbringen. Auch eingefleischte Krimileser werden höchstwahrscheinlich nicht so schnell auf des Rätsels Lösung stoßen - denn es kommt - wie meistens - alles anders, als man denkt.

Die Teufelshaube

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Letzte Kommentare:
02.03.2014 19:59:22
vun-de-palz

Ich war begeistert vom ersten Teil der Totenleserin und begann mit entsprechender Erwartung mit der "Teufelshaube". Der Anfang erfüllte meine Erwartung, aber nach dem Tod der Geliebten des Königs in ihrem Turm, verflachte die Handlung und wurde mehr und mehr langweilig.
Es kam mir vor als wären der Autorin die Ideen für die Handlung abhanden gekommen.
Gesamturteil: durchschnittlich.
Da ich den Titel "Der König und die Totenleserin" bereits erworben habe, gebe ich der Autorin noch eine Chance.

01.02.2013 20:29:05
anath

Ein wirklich toller Histo-Krimi! Ich denke, ich werde mal die ganze Serie zusammensammeln, das lohnt sich. Ariana Franklin haEit mit ihrer Vesuvia Adelia Rachel Ortese Aguilar eine wirklich eindrucksvolle Detektivin geschaffen. Die junge Dame, nicht im einengenden mittelalterlichen England aufgewachsen und studierte Ärztin aus Salerno, ist ein erfrischender Gegensatz zu all den von Vorurteilen behafteten Männern rund um sie herum. Ihr unkonventionelles Liebesverhältnis zu einem Bischof bringt frischen Wind in das Buch. Ebenbürtige Partner und auch Gegenspieler findet sie vor allem in ihrem Geliebten und in König Henry Plantagenet. Dabei ist Adelia keine übermächtige Magierin.
Sie hat oft Angst, sie bangt um ihr Kind, sie kann sich eingestehen,wenn sie keine Ahnung hat, und sie wird gelegentlich von mächtiger Neugierde überwältigt. Dies alles macht sie nicht nur sympathisch sondern bei aller Exotik auch realistisch.

Der Kriminalfall, oder vielmehr die Fälle, sind für gestandene Krimileser sooo schwer nicht zu lösen. Allerdings gibt es ein paar hübsche Verwicklungen und Sackgassen damit es spannend bleibt. Und die Autorin schafft es auch den Spannungsbogen bis zum Schluß zu halten, selbst wenn man den Mörder schon kennt.
Eines allerdings hat mir während des Lesens arges Kopfzerbrechen bereitet und ich habe noch immer keine Lösung für das Problem gefunden: Das Buch handelt im tiefsten Winter, alle bibbern vor Kälte, zeitweise bleiben alle im Schnee stecken. Woher, verdammt noch mal, hatte der Mörder die Pilze? Selbst wenn man davon ausgeht, daß so eine Pilvergiftung eine Weile dauert bis zum Ende und die Pilze gesammelt wurden, als noch kein Schnee lag- das Wetter wird die ganze Zeit als bitter kalt bechrieben und da findet man keine Pilze, zumindest nicht die, die im Buch als Mordwaffe eingesetzt werden.
Aber ich habe beschlossen, das einfach mal zu ignorieren und mich einfach über einen spannenden und gut erzählten Histo-Krimi zu freuen.

23.07.2012 11:09:10
Elisabeth Puntschart

Höchst Spannend, und mit viel Vergnügen gelesen! - nur in einem Punkt meiner Meinung nach nicht stimmig: der plötzliche Umschlag des Wetters. Von der Vergiftung Rosamunds bis zum Eintreffen der Protagonistin sind höchstens zwei Wochen vergangen. Pilze wachsen bis Oktober, höchstens November. Damit das Eis aber so drastisch zufriert wie im Roman, dass ganze Flüsse völlig zugefroren sind, dazu reicht nicht einfach ein strenger Frost, da muss es schon wochenlang durchfrieren. Damit geht es sich zeitlich und logisch nicht aus.
Den ersten Band habe ich übringens zum Zeitpunkt der Lektüre nicht gekannt, habe ihn mir aber jetzt vorgenommen und gerade mittendrin!!!

22.11.2010 16:19:36
Margitta

Ich habe mir die beiden Bücher eher zufällig gekauft.- Und nicht bereut !
Es ist natürlich Unterhaltung etwas Historie und Spannung !
Was auch sehr schön ist,daß man Protagonisten aus dem ersten Buch wieder trifft .
Insgesamt haben die beiden Bücher mich gut unterhalten !ielelicht gibt es bald einen dritten Band !

15.01.2010 20:01:27
M-L. Bakhaus

Endlich ist sie da, die Fortsetzung der Totenleserin. Die Autorin ist ihrem Stil treu geblieben. Alte Bekannte wie Mansur, Gyltha begleiten die Totenleserin, die immer noch nicht england verlassen darf..Adelia ist nun auch für eine Tochter verantwortlich. Sie ist sehr besorgt als Alleinerziehende, fürchtet aber eine "Glucke" zu werden. Sie bleibt aber ihrer Linie treu, sie erfüllt die Aufgabe, ob es den Hochwohlgeborenen nun passt oder nicht. Ihr Verhältnis zu Sir Rowley ist sehr abgekühlt. Ich habe auch dieses Buch mit viel Freude gelesen.

07.01.2009 21:03:25
MyLady

Die Teufelshaube ist im großen und ganzen ein guter Roman der es aber leider nicht ganz an das Format von Die Totenleserin herangeschaft hat. Und trotzdem hatte ich ihn im Nu durchgelesen, fand die Charaktere sehr autentisch, wie auch schon im ersten Teil. Man wird in der Handlung bis zum Schluß auf die falsche Fährte geführt und dann kommt die riesen Überraschung, das gefällt mir sehr gut an Ariana Franklins Art Romane zu schreiben
Im Grunde gibt es nur zwei Kleinigkeiten an der Teufelshaube auszusetzen. Zur Mitte hin begann sich die Handlung etwas in die Länge zu ziehen und den Schluß fand ich sehr abgehakt ( was ich aber auf die Vermutung zurückführe, das vielleicht noch ein weiterer Teil erscheinen könnte ).
Dennoch fand ich den Roman gelungen und er war es allemal wert ihn zu lesen, wenn man auch eingestehen muß das "Die Totenleserin" noch etwas besser war!

13.10.2008 18:13:08
Slafhuot

Nach der 'Totenleserin', meinem absoluten Lieblingsbuch, habe ich mit Freude und Spannung auf die 'Teufelshaube' gewartet - um dann davon gehörig enttäuscht zu werden. Dieses Werk kommt in keiner Weise an das erste Buch heran. Die Geschichte ist schal und unaufregend und geht nur sehr schleppend bis gar nicht voran. Es will und will einfach keine Spannung aufkommen. Während man die 'Totenleserin' kaum aus der Hand legen wollte, fehlt einem hier der Drang, das Buch nach einer Lesepause überhaupt wieder in die Hand zu nehmen. Man ahnt schnell, wer der Täter ist und warum. Wieder und wieder werden - vor allem von der Hauptfigur, die selben Gedanken und Befürchtungen gewälzt, was auf Dauer ermüdend ist. Überhaupt erscheint Adelia völlig verändert, ist plötzlich seltsam schwach, zaghaft und zögerlich. Auch den spritzig-leichtfüßigen Schreibstil von Ariana Franklin vermisst man hier ganz und gar. So steif und erstarrt wie das tiefwinterliche Setting der Geschichte ist auch das ganze Buch. Ein ziemlicher Absturz, der es meiner Meinung nach grade mal auf Körpertemperatur (36 Grad oder so...) schafft.

12.06.2008 12:46:40
tassieteufel

England 1172: Die Geliebte Henrys II stirbt an den Folgen einer unheim-
lichen Vergiftung und während der König tobt, triumphiert seine
Gemahlin Eleanor. Rowley Picot, inzwischen Bischof, bittet seine
immer noch geliebte Adelia um Hilfe, die sich nur widerwillig darauf ein läßt.
Das Buch ist auf jeden Fall atmosphärisch dicht, die Figuren sind liebevoll gestaltet bis hin zur letzten Nebenfigur, die Orte und Schauplätze sind herrlich geschildert, vor allem den tief verschneiten Wormholdtower inmitten des Labyrinths habe ich regelrecht vor mir gesehen, auch die Sorgen und Ängste der einfachen Menschen vor einem erneuten Bürgerkrieg sind glaubwürdig dargestellt und die Story ist an sich zwar schlüssig, da man als Leser aber nur ganz wenig Hinweise auf den Mörder bekommt, zieht es sich doch ein wenig in die Länge. Gefehlt hat mir auch Ulf, der in diesem Teil nicht vorkam und da Rowley über große Teile des Buches hinweg verschollen war, habe ich auch die recht witzigen Wortwechsel zwischen ihm und Adelia vermißt.
Allerdings gibt es nach Henrys Ausspruch am Schluß wohl doch ein
wenig Hoffnung für die Beiden und für den Leser die Hoffnung auf einen weiteren Teil.
Fazit: lesenswerte Fortsetzung, reicht aber nicht ganz an den 1. Teil heran.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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