Der Graf von Sainte-Hermine

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 1869, Titel: 'Le Chevalier de Sainte-Hermine', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Ein neuer Roman von Alexandre Dumas

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mär 2010

Kurzgefasst:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar...

 

Die Französische Revolution ist seit sieben Jahren zu Ende. Napoleon ist Erster Konsul der Französischen Republik, bewohnt mit Ehefrau Josephine die Tuilerien. Der angehende Kaiser Napoleon, mehr noch Josephine, führt ein Leben, dass sich durchaus dem der Adligen annähert. Es werden rauschende Feste statt blutiger Kriege gefeiert.
Der Graf von Sainte-Hermine, Hector, ist ein Ritter, dessen Vater und älterer Brüder während der französischen Revolution für die Royalisten gekämpft und ihr Leben gegeben haben.
Die Krönung Napoleons zum Kaiser steht bevor, und Hector, dem sein Adelstitel aberkannt wurde, wird aus dem Gefängnis entlassen unter der Bedingung, dass er Frankreich und Napoleon dient. Hector bleibt so am Leben und durchsteht eine Menge Abenteuer im Dienste des Feindes seiner Familie. Dabei ist er ständig bemüht um seine Geliebte, die er nach Aberkennung seines Titels nicht mehr sehen durfte.

Die Entdeckung eines Romanfragments

Alexandre Dumas war Zeit seines Lebens sehr verschwenderisch: mit Ideen und mit Geld. Sein hoher Bedarf an Geld erklärt auf einfache Weise seinen hohen Output. Deshalb war es Herausgebern ein Leichtes, ihn zum Schreiben zu bewegen. Er schrieb Reiseberichte, Essays, Rezepte, Romane. Und nicht alles von ihm ist der Nachwelt in Buchform zugänglich. Es gibt noch viele Beiträge, die irgendwo in alten Zeitungen der Entdeckung harren. Ob sie alle veröffentlichungswert sind, dies ist eine andere Frage.
Dass Der Graf von Sainte-Hermine kürzlich auf Deutsch erschienen ist, ist jedenfalls ein Ereignis, das außer Frage steht. Der unvollendete Roman, als Fragment immer noch rund tausend Seiten umfangreich, ist nicht einfach nur die letzte Eroberung aus dem Reich des berühmten Dumas. Er ist eine Art Missing Link im großen Vorhaben des Schriftstellers, die französische Geschichte von der Renaissance bis in seine Tage fiktional abzuarbeiten. Sein großer Roman über die Zeit des Konsulats Napoleons und des Empire.
Claude Schopp entdeckte den Zeitungs-Fortsetzungsroman 1988 in Archiven der französischen Nationalbibliothek. Bis 2005 hielt er den Fund vor der Öffentlichkeit verborgen. Nur sein Herausgeber Jean-Pierre Sicre und der Literaturkritiker Christophe Mercier waren eingeweiht. Schopp, ein angesehener Dumas-Fachmann in Frankreich, arbeitete zehn Jahre an der Herstellung des Romans, korrigierte offensichtliche redaktionelle Mängel und fehlerhafte Angaben von Namen und Orten. Am 3. Juni 2005 wurde der Roman in Sicres Verlag Editions Phebus veröffentlicht und wurde sofort ein Bestseller.
Das Romanfragment im Großformat endet in der deutschen Fassung auf Seite 941. Es folgt ein Anhang von rund hundert Seiten, der ein instruktives Nachwort des Herausgebers von 36 Seiten Umfang enthält, 45 Seiten aufschlussreicher und gerne gelesener Anmerkungen und Erläuterungen, eine biografische Notiz, eine Bibliographie und eine Zeittafel. Die Übersetzung wurde gefertigt von Melanie Walz, die auch Bücher Annie Proulxs ins Deutsche übertragen hat. Sie lässt sich hervorragend lesen.

Am Anfang der Erzählung stehen hohe Schulden

Allein der Beginn des Romans ist großartig. Josephine spricht mit Napoleons Sekretär Bourrienne darüber, wie sie ihren erheblichen Schuldenstand ihrem Mann erklären soll.

 

 

"Zum Teufel!", sagte Bourrienne. "Damit ist nicht zu spaßen! Haben Sie Ihrem gesamten Hofstaat erlaubt, sich bei dieser Dame auszustatten?" - "Nein, mein lieber Bourrienne. Diese Handschuhe für vierzigtausend Francs waren nur für mich."

 

Zwar gelingt das Vorhaben, aber nur mit einiger Aufregung. Josephines Schulden sind noch um vieles höher, als die Handschuhszene vermuten lässt. Ihr Schuldenstand, der auch Bonapartes Schuldenstand ist, lässt sich nicht über eine kleine Steuererhöhung oder eine andere Form der Umverteilung wegschminken. Aber im Folgekapitel erfahren wir, welchen Beitrag die Stadt Hamburg leistet.

Eine lesenswerte Erzählung

Ähnlich wie in Tolstois Anna Karenina gibt es auch bei Dumas recht lange Passagen, so über den ländlichen Raum, die für manche Leser uninteressant sein mögen. Manche Inhalte ziehen die Leser auch auf dünne Bretter, die im inhaltlichen Zusammenhalt oder der Logik bruchgefährdet sind.
Aber Alexandre Dumas ist einer der großartigen Geschichtenerzähler, denen man gerne auf ihren Wegen folgt. Ob auf der erzählerischen Hauptstraße, ob auf den Seitenwegen, bei denen nicht immer klar ist, worin der unmittelbare Zusammenhang zur Geschichte besteht, bis hinein in Abschweifungen ist es ein großes Vergnügen, Der Graf von Sainte-Hermine zu lesen.
Der Roman erzählt im wesentlichen zwei Geschichten, die miteinander verbunden sind: eine politische der Napoleonischen Zeit und eine private des Grafen von Sainte-Hermine. Dumas bietet uns einige historische und politische Exkurse, bis der Held der Erzählung auftaucht. Hector ist eher unpolitisch, ein lebensmüder junger Mann, der von einem Abenteuer ins nächste gerät und so die verschiedenen Handlungsstränge elegant vereint.

Dieser Roman ist ein historisches Füllhorn, das uns erzählt von unübersichtlichen und undurchschaubaren Ereignissen der Französischen Revolution, vom Aufstieg Napoleons, von Napoleons Beziehung zu Josephine, Abenteuern in fernen Ländern, der Jagd auf Raubtiere im burmesischen Dschungel, der Schlacht von Trafalgar. Sainte-Hermine befreit Italien, tötet Lord Nelson und schützt Frankreich in einem wilden Ritt durch die Geschichte, der historische Fakten und Fiktionen vermischt.

Der Graf von Sainte-Hermine

Der Graf von Sainte-Hermine

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Letzte Kommentare:
03.08.2012 09:37:12
rodr

Was meine Vorkritiker sowohl falsch als auch richtig machen: Sie versuchen das Buch "für sich" zu genießen. Dieser Versuch ist bei Literatur, die mehr als hundert Jahre alt ist, fast immer zum Scheitern verurteilt, wenn man kaum literaturgeschichtliche Kenntnisse hat. Es gilt, das Werk in seiner Entstehung, in seiner Wirksamkeit, in seinem Verhältnis zur Entstehungszeit zu verstehen und wertzuschätzen. Stellen Sie sich einmal vor, Goethe oder Schiller hätten ein solches Buch verfasst! Das wäre eine Sensation! Um hier für etwas Ausgleich zu sorgen und in der Überzeugung, dass dieses Buch es verdient hat, sage ich: Ein gut durchdachtes Buch, dass - gewollt oder ungewollt - die literarischen Konventionen von Kohärenz und einfacher Perspektive durchbricht, indem es seinen Blick mal da, mal dorthin wendet und darüber hinaus interessante Einblicke in die Weltkenntnisse des 19. Jahrhunderts gibt. Mangel an Wissen und Handwerk kann man Dumas zumindest nicht vorwerfen, er ist unheimlich clever.
Für Kenner: 4/5, für an alter Literatur interessierte Laien: 3/5. Alle anderen sollten sich mit Leuten wie Follett begnügen, die ebenfalls gute und allgemeinpublikumstaugliche Geschichten produzieren.

22.07.2012 21:34:44
Dietke

Nach ca. 800 Seiten hab ich aufgegeben - man merkt dem Roman an, dass er nicht "in einem Rutsch" geschrieben wurde.
Dabei fängt er eigentlich ganz vielversprechend an, die Abschweifungen sind unterhaltsam, aber irgendwann geht der Faden völlig verloren, die Geschichten führen ins Nirgendwo. Wenn man bedenkt, was der Autor laut Nachwort noch alles zu Papier bringen wollte, hätten sicherlich auch die nächsten 1000 Seiten nicht zu einem Ende geführt. Schade! Dann lieber gleich ein Buch über Napoleon lesen, auf die ewig gleichen Heldentaten des Grafen kann man gut verzichten. Fazit: Nur für absolute Dumas-Fans oder Literaturhistoriker zu empfehlen.

26.12.2011 21:33:39
gm

Geschafft! Uff! Endlich durchgelesen; war nicht immer leicht die benötigte Energie aufzubringen aber jetzt bin ich letzendlich durch.
Das Buch besteht größtenteils aus zusammenhanglosen Teilen, es gibt keinen "roten Faden".
Personen denen anfangs vermeintlich eine Schlüsselrolle zukommt tauchen nie wieder auf (zB Claire de Sourdis).
Teilweise wird eine bestimmte Person über mehrere Kapitel lang incl. deren Vergangenheit detailiert und ermüdend vorgestellt um dann
anschließend noch ein paar mal als absolute Nebenfigur erwähnt zu werden (zB Chateaubriand) auf die ohne weiteres verzichtet werden könnte
da sie keinerlei Bedeutung für die Handlung (welche Handlung?) hat. Ohne solche Personen wären es vermutlich ein viertel weniger Seiten zum durchkämpfen.

Die Spannung erinnert an ein Telefonbuch, vom Umfang her muß man das Telefonbuch von zB Berlin, München oder Hamburg lesen.

Fazit: Papier- und Zeitverschwendung.

01.10.2011 19:44:41
arno

Ganz schön umfangreich dieses Buch, aber ich finde es hält nicht das was es verspricht. Das Buch, ich finde Roman kann man dazu nicht sagen, ist im Stile einer Reportage gehalten, würde ich sagen. Ich hab mich bis Seite 218 vorgekämpft, und glaube langsam sollte es spannend werden aber ich hab keine Lust mehr. "Abgebrochen"