Sendboten des Teufels

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2014, Titel: 'The Devil's Seal', Originalausgabe

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Annette Gloser
Der lange Schatten Roms

Buch-Rezension von Annette Gloser Dez 2014

Im Herbst 761 wird eine Reisegruppe überfallen, im Wald, gar nicht weit entfernt von der Königsburg Cashel. Angehörige der Leibgarde des Königs finden jedoch einen Überlebenden unter den Leichen und bringen ihn mit auf die Burg. Der junge Mann ist offenbar ein Mönch und auch sein älterer Begleiter schien ein frommer Mann gewesen zu sein. Zur gleichen Zeit wird eine weitere Reisegruppe angekündigt: Sendboten Roms wollen Cashel mit ihrem Besuch beehren. König Colgú weiß nicht so recht, was die Besucher eigentlich von ihm wollen, zumal diese auch einige kirchliche Würdenträger auf die Königsburg bestellt haben. Für theologische Fragen jedoch sieht sich der König nicht zuständig. Außerdem plagen ihn ganz andere Probleme, denn ein Bote der romtreuen Gruppe wurde ermordet in der Burgkapelle gefunden.

Colgú beauftragt Fidelma mit der Aufklärung des Mordes. Gemeinsam mit Bruder Eadulf macht sie sich an die Arbeit. Eadulf jedoch ist mit den Gedanken nicht recht bei der Sache, denn jener junge Mönch, der den Mordanschlag im Wald überlebte, ist sein totgeglaubter Bruder. Dann aber wird ein Attentat auf Fidelma und Eadulf verübt und der Täter ist ganz offenbar jener seltsame heidnische Prophet, der seit einigen Tagen auf Cashel zu Gast ist. Aber hat er auch die anderen Morde verübt?

Alte Bekannte

Mit Sendboten des Teufels liegt Band 23 aus der Fidelma-Reihe vor. Peter Tremayne schreibt seit mehr als 20 Jahren immer neue Folgen der spannenden Krimis und offenbar gehen ihm die Morde nicht aus. Auch in diesem neuen Histo-Krimi gibt es wieder diverse Leichen und natürlich das Pärchen Fidelma und Eadulf, die mit nunmehr langjähriger Erfahrung zu Werke gehen. Das Angenehme an den Fidelma-Krimis ist, daß man als lesender Serientäter immer wieder auf alte Bekannte trifft. Viele der Protagonisten kennt man bereits aus früheren Romanen, weiß sie einzuordnen und freut sich, ihnen mal wieder über den Weg zu lesen. Immer wieder gibt es Verweise auf Ereignisse in früheren Büchern, so auch dieses Mal. Allerdings geht es in Sendboten des Todes um Geschehnisse, die in den allerersten Bänden der Reihe stattfanden und nun immer wieder in das heutige Geschehen hinein spielen. So erhält die Geschichte viel Authentizität. Das ist auch für Neueinsteiger kein Problem, denn alle Verweise auf jene früheren Ereignisse werden so im Text verpackt, daß man problemlos mit den altgedienten Fidelma-Lesern mithalten kann und keine Informationsdefizite befürchten muß.

Tremayne schafft es, gerade die ständig in seinen Krimis agierenden Protagonisten mit jedem Roman ein Stück weiter zu entwickeln und neue Facetten ihrer Persönlichkeit zu zeigen. In Sendboten des Teufels bekommt Eadulf die Chance, ein paar bisher an ihm unbekannte Qualitäten zu zeigen, und auch das Familienleben von Fidelma und Eadulf  wird ein wenig genauer beschrieben.

Ein wenig konfus

In fast allen Romanen aus der Reihe spielt die Auseinandersetzung mit der römischen Kirche eine wichtige Rolle. In Sendboten des Teufels steht dies auch im Mittelpunkt, weitaus mehr als in den meisten anderen Büchern. Allerdings erzählt Tremayne diesmal wenig konzentriert, mit vielen Abschweifungen zu Nebenschauplätzen. Dies ist sicher auch dem Verwirrspiel geschuldet, das der Mörder inszeniert. Zusätzlich jedoch gibt es weitere Konflikte, so daß man als Leser mitunter innehalten muß um das Gelesene zu sortieren und den Faden nicht zu verlieren. Trotzdem bleibt es spannend und man tappt bei der Suche nach dem Mörder als Leser doch gelegentlich in die vom Autor aufgestellten Fallen.

Ein großes Plus der Fidelma-Krimis ist das große Wissen ihres Autors um irische Geschichte. Auch wenn uns manches ungewöhnlich erscheint, so kann man sich doch darauf verlassen, daß Peter Tremayne genau weiß, was und worüber er schreibt. Auch die Kriminalfälle sind glaubwürdig. Allerdings erscheint ein Teil der Lösung des Kriminalfalls in Sendboten des Teufels zumindest naturwissenschaftlich fragwürdig. Und ebenso verwundert, wenn im Vokabular eines Arztes im Jahre 761 das Wort desinfizieren auftaucht. Das bunte Kolorit des Romans, die lebendige Darstellung des Lebens im frühmittelalterlichen Irland und die sympathischen (oder unsympathischen), realitätsnahen Protagonisten jedoch entschädigen voll und ganz  für derartige Ausrutscher.

Dauerbrenner

Zu Fidelma-Krimis kann man immer wieder greifen und sich in eine lang vergangene, hoch interessante Welt entführen lassen. Der Aufbau Verlag hat hier einen Dauerbrenner am Start. Sendboten des Teufels ist vielleicht nicht das stärkste Buch der Reihe, aber auch hier wird Spannung mit gut recherchierten Fakten über die irische Geschichte kombiniert, so daß Spaß beim Lesen garantiert ist. Wer die Reihe kennt und liebt, der muß diesen neuen Krimi sowieso haben. Und wer noch nie etwas von Fidelma gehört hat, der kann mit diesem Roman genauso in die Reihe einsteigen wie mit jedem anderen. Und Fidelmas Charme kann man dabei kaum noch widerstehen.

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