Elisabeth Büchle

„Mein Autorenleben ist eine Mischung aus Chaos und Disziplin“

08.2014 Die Histo-Couch im Interview mit Elisabeth Büchle über den Ersten Weltkrieg, ihre Familie und die Planung von Buchcovern.

Histo-Couch: Sie haben ja vor der Trilogi,e die in der Zeit des Ersten Weltkriegs spielt, schon einige Romane geschrieben. War das Schreiben schon immer eine Passion von Ihnen oder wie kamen Sie dazu?

Elisabeth Büchle: Es ist tatsächlich so, dass ich zu schreiben begonnen habe, kaum dass man mir die ersten Grundlagen des ABCs nahegebracht hat. Am Schreibtisch habe ich meine überreiche Fantasie „untergebracht“ und mich dabei von den Blessuren meiner etwas wilden Kindheit erholt.

Histo-Couch: Im Genre des Historischen Romans scheinen Sie gerade in der Zeit Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts „zuhause“ zu sein. Warum bevorzugen Sie gerade diese Epoche?

Elisabeth Büchle: Das ist eine schwierige Frage. Generell finde ich, dass Historie etwas ungemein Spannendes ist und wir viel aus den Geschehnissen vergangener Tage lernen können. Aber das gilt natürlich auch für weiter zurückliegende Ereignisse. Weshalb ich diese nahe Vergangenheit bevorzuge – ich kann keinen wirklich guten Grund dafür angeben, nur so viel: Ich lese auch bevorzugt aus dieser Zeit, Romane aus früheren Jahrhunderten fasse ich selten an. Vielleicht liegt es also einfach daran, dass ich das schreiben möchte, was ich auch gern lesen würde?

Histo-Couch: In Ihren Geschichten spiegelt sich ja die damalige Zeit wieder. Wie recherchieren Sie und bereisen Sie auch Ihre Schauplätze?

Elisabeth Büchle: Zuerst recherchiere ich im Internet, vertiefe und überprüfe das Gelesene dann anhand von Fachliteratur oder lese auch mal einen Lebensbericht aus der damaligen Zeit. Oft stapeln sich hier die Bücher aus der Bibliothek. Einige meiner Handlungsschauplätze habe ich besucht, andere wiederum nicht. Aber dank Bildbänden, Reiseführern, Kontakten ins Ausland und dem Internet ist das heute kein Problem mehr.

Histo-Couch: In Ihren Romanen gibt es ja stets jede Menge an Figuren. Woher nehmen Sie diese und würden sich Verwandte oder Bekannte in Ihren Figuren wieder finden oder gar Elisabeth Büchle selbst?

Elisabeth Büchle: Ich habe die Angewohnheit, sehr viel in meine Romane hineinpacken zu wollen. Deshalb tauchen da auch oft sehr viele Personen mit ihren ganz eigenen Schicksalen auf. Sicher gibt es darunter einzelne, die jemandem aus meinem Bekanntenkreis ähnlich sehen oder spezielle Eigenheiten dieser Person aufweisen, bewusst mache ich das weniger. Was da unbewusst abläuft ist natürlich etwas anderes. Immerhin merke ich, manchmal erst hinterher, was ich beim Schreiben wieder so alles aus meinem eigenen Erleben „verarbeitet“ habe.

Histo-Couch: Welche Autoren lesen Sie persönlich am liebsten und gibt es welche, die für Sie als Vorbild fungieren?

Elisabeth Büchle: Ich unterscheide weniger in Autoren als vielmehr in Genres. Es gibt Themen, die mich einfach nicht reizen, von diesen lasse ich dann auch die Finger, da meine Zeit ohnehin knapp bemessen ist. Die Frage nach dem Vorbild ist so eine Sache … denn ich hatte noch nie welche, wie zum Beispiel Jugendliche das gern haben. Popstars, Fußballer … Ich beobachte gern die Menschen und möchte von ihnen das lernen, was sie besonders gut können; ich bewundere eine ihrer Fähigkeiten, ohne sie als Person an sich zu „vergöttern“.

Histo-Couch: Sie haben ja eine große Familie, fünf Kinder, da will man meinen, man fände zum Schreiben keine Zeit. Wie bringen Sie das alles unter einnm Hut und wann finden Sie Zeit zum Schreiben?

Elisabeth Büchle: Mein Autorenleben ist eine Mischung aus Chaos und Disziplin. Natürlich ist es nicht immer einfach, zuhause zu arbeiten, wenn man dabei von einer Baustelle zur anderen stolpern könnte. Aber da ich seit einigen Jahren meine Schreibstube habe, geht das eigentlich ganz gut. Es hat schließlich auch seine Vorteile, wenn man daheim ist. Ich bin da, wenn die Kinder mich brauchen, denn ich habe keinen Chef, der mich anmahnt, weil ich seit vier Tagen nichts getan habe …

Histo-Couch: In Ihrer Trilogie geht es um die Familie Meindorff, die gesellschaftlich angesehen und finanziell durch ihre Tätigkeit in der Industrie sehr gut gestellt ist. Aber in der Geschichte gewähren Sie dem Leser auch Einblicke in die arme Bevölkerungsschicht und Ihre Sorgen und Nöte. Hat sich dies einfach so ergeben oder wollten Sie bewusst eine Botschaft vermitteln?

Elisabeth Büchle: Es war schon bewusst von mir gewollt, diese Gegensätze im Deutschen Kaiserreich aufzuzeigen. Zum einen, weil sie einfach in diese Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges gehörten, zum anderen, weil wir ja wieder auf eine ähnliche Bevölkerungs-Konstellation zusteuern. Lernen aus der Geschichte, es anders, vielleicht besser zu machen als die Generationen vor uns, das ist es, was ich unter anderem mit meinen Romanen vermitteln möchte.

Histo-Couch: Was genau hat sie dazu bewogen einen Mehrteiler in der Zeit des Ersten Weltkriegs zu schreiben und wie war es für Sie, in diese Zeit einzutauchen?

Elisabeth Büchle: Der Anstoß kam vom Verlag Gerth Medien. Das Jahr 2014 stand unmittelbar bevor und sie wollten gern einen Mehrteiler über diese Zeit vor 100 Jahren. Über die Anfrage habe ich mich wahnsinnig gefreut und mich sofort in die, zugegeben nervenaufreibend umfangreiche, aber absolut spannende Recherche gestürzt. Das Eintauchen in die Jahre vor und während des Krieges war eine sehr intensive, verwirrende aber auch lehrreiche Zeit. Allein die Vorstellung, dass es damals noch wenig Telefone gab, die einen ablenkten, kaum Flugzeuge über unsere Köpfe hinwegdonnerten … diese Stille, die Langsamkeit des Lebens … Die Menschen hatten damals wirklich noch die Zeit, Worte wie: Blumenspendenvermittlungsvereinigung auszusprechen (das ist übrigens das heutige Fleurop). Und dann der totale Bruch. Die weltweite, erste industrialisierte Kriegs-Katastrophe!

Histo-Couch: Wie ist es für Sie, wenn – was bestimmt auch vorkommen wird – einem Leser oder Kritiker ein Buch nicht gefällt oder eben eine Rezension ziemlich kritisch ist?

Elisabeth Büchle: Wir Menschen sind sehr verschieden. Gut so, denn sonst wäre das Leben ziemlich langweilig. Dementsprechend sind auch die Geschmäcker verschieden, sowohl die der Autoren, wie auch die der Leser. Ich habe meinen Stil. Ich packe Themen an, die meine Kollegen nicht anpacken, im Gegenzug findet man in meinen Büchern einige „Details“ nicht, die in den meiner Kollegen auftauchen. Eigentlich gut so, denke ich, denn so werden die verschiedenen Geschmäcker der Leser am besten abgedeckt. Wenn ein Leser sich etwas total anderes unter meiner Geschichte vorgestellt hat, dann tut mir das eher leid. Ich kann mit fairer und konstruktiver Kritik leben, lerne daraus ja auch. Was weh tut, sind Verrisse, bei denen ich das Gefühl habe, ich bin total missverstanden worden oder das Buch wurde vielleicht sehr schnell und damit oberflächlich gelesen. Eine Lesermeinung ist immer subjektiv und ich bin dankbar, wenn ich das aus einer Rezension auch herauslese. 

Histo-Couch: Gerade die Trilogie ist ja auch optisch sehr schön aufgemacht. Hat der Verlag das Layout alleine festgelegt oder wurden Sie dazu befragt?

Elisabeth Büchle: Ja, das stimmt. Der Verlag hat sich bei der Trilogie wirklich sehr ins Zeug gelegt. Ich wurde bei jedem Band gefragt, was ich mir als Cover vorstellen könnte. Manches davon konnte der Verlag umsetzen, wie zum Beispiel die Flugzeuge auf Band 2, anderes ging dagegen nicht. Aber sie sind schon ein Hingucker, die drei.

Histo-Couch: Nun möchten wir natürlich noch wissen, ob Sie schon an einem neuen Buch schreiben und wenn ja, dürfen Sie uns ein kleinwenig darüber verraten?

Elisabeth Büchle: Ich schreibe eigentlich immer. Im Grunde bin ich schon zwei, drei Romane weiter als die Leser, über den Inhalt hülle ich mich aber in Schweigen und bitte um Verständnis. Gerade weil ich meine Manuskripte nicht bis knapp vor den Abgabetermin und damit an die Veröffentlichung schreibe, möchte ich ungern etwas über Themen, Orte und Zeiten ausplaudern. Aber der nächste Roman ist für Frühjahr 2015 geplant, und da geht es erst einmal in ein sehr heißes Land …

Das Interview führte Daniela Loisl.