Himmel über fremdem Land

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Gerth Medien, 2013, Titel: 'Himmel über fremdem Land', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88
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Daniela Loisl
Die Einsamkeit im Haus voller Menschen

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mär 2013

Berlin 1908. Im jungen 20. Jahrhundert heiratet die Niederländerin Tilla van Campen den  Sohn eines Großindustriellen aus Berlin. Dass sie künftig in seiner Heimatstadt leben wird, steht außer Frage. Allerdings besteht Tilla darauf, dass ihre jüngere Schwester Demy sie in nach Berlin als Gesellschafterin begleitet, obwohl diese sich heftig dagegen sträubt. Demy, erst 13 Jahre alt, wird von Tilla im Haus ihres Schwiegervaters Joseph Meindorff als 16jährige ausgegeben, damit sie den gesellschaftlichen Ansprüchen genügt.

Demy fühlt sich im riesigen Haus der Meindorffs alles andere als wohl, denn ihre Schwester ist auf Hochzeitsreise, es gibt niemanden in ihrem Alter und der alte Meindorff ist ihr ohnehin nicht wohlgesonnen. Währenddessen lebt Demys und Tillas Schwester Anki in St. Petersburg als Kindermädchen bei einer adeligen Familie.

Sechs Jahre sind es noch bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, aber die Vorboten des Krieges sind sowohl in Russland als auch in Deutschland schon spürbar…  

Drei Spannungsbögen – drei Schwestern

Elisabeth Büchle erzählt in diesem ersten Band der Trilogie das Leben niederländischer Schwestern fern ihrer Heimat.

So begleitet man einerseits die beiden Schwestern in Berlin, erhält aber auch Einblicke in das Leben des damaligen St. Petersburgs, in dem Anki lebt. Doch es gibt da auch noch Philippe, einen Pflegesohn der Meindorffs, der viel Zeit in Afrika verbringt und so nimmt die Autorin den Leser auch mit auf den schwarzen Kontinent.

Der Perspektivenwechsel zwischen den drei so unterschiedlichen Schauplätzen verspricht nicht nur Abwechslung, sondern wird von Büchle auch gehalten und der Leser braucht sich um stete Spannung nicht zu bangen. Zeigt sich in Berlin schon die Umbruchstimmung vor dem Ersten Weltkrieg, so ist auch in Russland eine regelrechte dunkle Bedrohung spürbar. Die drei Schauplätze sind sehr stimmungsvoll und authentisch in Szene gesetzt. Ein langer Part spielt mit Philippe in Afrika und verdeutlicht, was es für die Menschen hieß, unter Kolonialherrschaft zu stehen.

Jede Menge Darsteller – unterschiedliche Milieus

Die detaillierte Darstellung der Figuren scheint der Autorin am Herzen zu liegen, denn jede noch so kleine Nebenrolle ist liebevoll gestaltet. Demy steht zweifelsfrei im Zentrum des Geschehens, auch wenn die Szenerie immer wieder zu Anki oder Philippe wechselt.

Die Meindorffs sind eine große Familie, und da es noch andere Schauplätze gibt, finden sich auch dementsprechend viele Figuren ein. Elisabeth Büchle hat es aber meisterhaft verstanden, allen Darstellern ihren Platz zuzuweisen und sie für den Leser dennoch so individuell zu zeichnen, dass einem diese nie durcheinander geraten. Das Personenregister am Anfang des Buches erleichtert dies noch zusätzlich.

So unterschiedlich die van Campen-Schwestern, so unterschiedlich sind auch die Meindorff -Brüder. Demy ist ein junger Wildfang. Lebenshungrig, wissbegierig und voller Tatendrang, fühlt sie sich in Berlin sehr fehl am Platz. Oft aus Trotz, aber mehr aus Einsamkeit, versucht sie aus dem riesigen Haus der Meindorffs zu entfliehen, um zumindest für kurze Zeit den strengen Regeln zu entkommen. So findet sie sich eines Tages in einem Viertel wieder, in dem die Armut das erste Mal für sie ein Gesicht bekommt und lernt so die Schattenseiten der Großstadt kennen.

Dadurch zeigen sich auch die verschiedenen Gesichter des gesellschaftlichen Lebens. Durch Demy vermittelt Elisabeth Büchle das wahre Leben hinter der schönen Fassade und sie scheut sich auch nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Ein Vater, der seine Arbeitslosigkeit und sein vermeintliches Versagen im Alkohol ertränkt und auf seine Familie einprügelt zeigt Büchle ebenso gnadenlos wie sie Frauen zeichnet, die durch das harte Leben so geprägt wurden, dass ihnen jegliches Gefühl abhandengekommen ist und sie sogar ihre Kinder im Stich lassen.

Durch die vielen Ereignisse und Themen, die Büchle streift und mit in ihre Erzählung aufnimmt, gibt es keine Spur von Längen in ihrem Buch.

Dass dieses Buch der Auftakt für einen Dreiteiler ist, wird durch so manches feine Detail in Erinnerung gerufen. So erfährt man unter anderem in dieser Geschichte auch nicht, was der wahre Grund dafür ist, weshalb Tilla Demy unbedingt von ihrer Heimat nach Berlin mitnehmen wollte.

Sprachlich ist das Buch leicht zu lesen, was ein flüssiges Vorankommen in der Geschichte erlaubt. Durch Interessante Szenewechsel und ein Reichtum an Erlebnissen, den Büchle ihren Figuren anheimfallen lässt, wird die Geschichte zu einem Lesevergnügen und lässt Vorfreude auf die Fortsetzungen aufkommen.

Himmel über fremdem Land

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