Sharpes Gefecht

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 1996, Titel: 'Sharpe's Battle', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Richard Sharpe auf Wolfsjagd

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Feb 2014

Portugal, 1811. Richard Sharpe und sein Regiment werden Zeuge, wie französische Truppen ein ganzes Dorf niedermachen. Sharpe zögert keine Sekunde und lässt zwei der Männer erschießen. Doch damit hat er gleich zwei Probleme: Die Engländer dulden keine eigenmächtigen Erschießungen. Viel bedrohlicher ist jedoch, dass der Kommandeur der Brigade, Guy Loup, Rache geschworen hat und Sharpe erbarmungslos jagen wird. Sharpe ahnt, dass die britische Armee in diese Fehde hineingezogen wird, und muss alles tun, um sein Kommando zu behalten und vor allem um zu überleben.

Für Sharpe wird's persönlich

Im mittlerweile 12. Band der Reihe kennt der Leser seinen Antihelden Richard Sharpe mittlerweile zur Genüge. Er weiß, dass er ungelenk in dem ist, was man gemeinhin Konversation nennt, dass er immer für seine Männer eintritt, und dass er öfters mal handelt, ohne zuvor nachzudenken. Diese Eigenschaft Sharpes bringt die Geschichte in Gang, denn er lässt Franzosen außerhalb von Kampfhandlungen erschießen, nachdem er sie von einer Vergewaltigung abgehalten hat und die Beiden mit ihrer Einheit zuvor ein ganzes Dorf abgeschlachtet haben. Im englischen Kommando um Sir Wellesley sieht man das nicht gerne, denn die Briten bewegen sich aktuell diplomatisch auf allerdünnstem Eis, und der kleinste Skandal kann in die Katastrophe führen.

Und als wäre das nicht genug, versucht offenbar jemand, von außen Zwietracht innerhalb der britischen Armee zu säen. Die Auseinandersetzung mit den Franzosen steuert damit auf einen neuen Höhepunkt zu, der parallel zu Sharpes persönlicher Auseinandersetzung verläuft und sich mit dieser verwebt.

Prinzip bekannt und bewährt

Nein, die Neuerfindung des Rads erwartet einen in den Sharpe-Romanen nicht. Grob laufen die Geschichten immer nach demselben Muster ab, mit kleinen Abweichungen und Spielarten. Dass diese kleinen Abweichungen reichen, um die Geschichte trotzdem jedes Mal aufs Neue zu einem Lesegenuss zu machen, kann man dem Autor nicht hoch genug anrechnen. Stilistisch sind die Geschichten immer leicht und flott zu lesen im zwölften Band kann der nicht vorgebildete Leser auch die Begriffe rund um die Rifles im Schlaf.

Die große Kunst des Autors ist es jedoch, jedes Mal aufs Neue eine spannende Geschichte zu erzählen, den Leser jedes Mal aufs Neue mit den Figuren hoffen und hadern zu lassen und durch immer neue Figurenkonstellation immer wieder neue Facetten an seinen Figuren aufzuzeigen. So ist das Lesen eines Sharpe-Romans meist wie ein Wiedersehen mit alten Freunden: Man kennt ihren Charakter, man kennt ihre Marotten, und trotzdem verlieren die Wiedersehen nie an Reiz.

Politische Intrige als Topping eines spannenden Abenteuer-Romans

Neben der eigentlichen Geschichte um die Schlacht von Fuentes de Onoro und der Rachegeschichte um Sharpe und Guy Loup spielt hier auch die politische Komponente wieder mit hinein. Wellesley muss Oberbefehlshaber die Armee werden, wenn die Truppen eine Chance gegen die Franzosen haben sollen, doch dort wehrt man sich mit Händen und Füßen - und auch in London sind nicht wenige Diplomaten der Meinung, das Abenteuer auf der iberischen Halbinsel müsse ein Ende finden.

Diese politischen Aspekte sind nicht etwa ermüdend, sondern werden vom Autor harmonisch in die bestehende Geschichte eingewebt - lehrreiche Unterhaltung eben. Deshalb werden Sharpe-Fans auch hier nichts falsch machen können!

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