Vespasian - Bd. 6: Roms verlorener Sohn

  • Rowohlt
  • Erschienen: August 2019
Vespasian - Bd. 6: Roms verlorener Sohn
Vespasian - Bd. 6: Roms verlorener Sohn
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Carsten Jaehner
86

Histo-Couch Rezension vonJun 2022

Vespasians geheime Mission

Rom, 51 nach Christus. Kaiser Claudius wird immer schwächer und unberechenbarer, und wichtige Kreise überlegen bereits, wen sie wann als dessen Nachfolger installieren. Die erste Wahl wäre sein Stiefsohn Nero, der zwar ein brutaler Kaiser zu werden droht, aber leichter zu steuern wäre. Claudius‘ legitimer Sohn wäre Britannicus, aber er ist jünger als Nero, und Nero wäre eher erwachsen und Claudius immer unhaltbarer als Kaiser.

Auch Vespasian ist in die Überlegungen mit einbezogen, wird jedoch nach Armenien entsandt, wo er einen Kriegsschauplatz entfachen soll, einen Nebenschauplatz, der von den Geschehnissen in Rom ablenken soll. Diesen Auftrag benötigt Vespasian dringend, um sich bei Claudius‘ mächtiger Frau Agrippina wieder beliebt zu machen. Agrippina treibt natürlich voran, ihren Sohn und Geliebten Nero zu fördern. Während Vespasian allmählich dämmert, was alle Weissagungen für ihn bedeuten könnten, gerät er in Armenien in unerwartete Schwierigkeiten, die seinen Aufstieg in Rom unerwartet verzögern.

Vespasian als Spielball römischer Politik

Robert Fabbri beleuchtet mit dem sechsten Teil seiner Vespasian-Reihe die letzten Jahre von Kaiser Claudius bis hin zum Beginn der Herrschaft von dessen Stiefsohn Lucius Domitius Ahenobarbus, genannt Nero. Nero ist zu dieser Zeit vierzehn Jahre alt und wird in das Erwachsensein eingeführt, sodass er im Falle von Claudius‘ Ableben auch dessen legitimer Nachfolger wäre, sofern die Senatoren ihn rechtzeitig ausrufen. Die Vorbereitungen hierzu laufen längst, denn allen ist klar, dass Claudius als Kaiser eine Witzfigur ist und nicht länger auf dem Thron haltbar. Geschickt und für jeden verständlich erklärt Fabbri das Gefüge und die Machtverhältnisse in Rom, so dass auch der Leser von dieser einzigen logischen Lösung überzeugt ist und ahnt, was letztlich passieren muss und wird.

Dabei bedarf es einigen historischen Anlauf. In seinem interessanten und lesenswerten Nachwort sagt Fabbri, dass über den betreffenden Zeitraum des Buches nichts über den Verbleib Vespasians bekannt ist, und so hieß es, entweder diesen Zeitraum zu überspringen, oder ihn mit Fantasie und Logik durch eine fiktive Handlung zu überbrücken, die zumindest in die Vita Vespasians passt. So entschied sich der Autor für den Gang Vespasians nach Armenien, wo er im Auftrag von Pallas, dem Diener und Geliebten von Agrippina, einen Gegenschauplatz zu Rom zu schaffen, der von den inneren Querelen ablenkt.

Unerwartete Gegner

In Armenien gerät Vespasian an den Präfekten Paelignus, einem unwilligen ignoranten Soldaten, der sich von Vespasian befehligen lassen muss, aber nachher Ruhm und Ehre dafür einstreichen darf, damit Vespasian nicht in den Erwähnungen vorkommt. Doch Paelignus erweist sich als hinterlistige Schlange und beschwert Vespasian schwere Zeiten, da er nicht nur dumm, sondern auf der anderen Seite auch hinterlistig ist. Gerade als sich alles zu fügen scheint und Vespasian seinen Auftrag erfüllt zu haben scheint, fällt ihm Paelignus unerwartet in den Rücken und Vespasian wird gefangen genommen.

Fabbri versteht es, die geschichtliche Lücke mit einer spannenden und logischen Geschichte zu füllen, die sich aus Lesersicht tatsächlich so hätte zutragen können. Wenn Vespasian nach Rom zurückkehrt, bewegt sich der Autor wieder auf sicherem historischem Boden, was man der Stringenz der Erzählung auch anmerkt. Dennoch ist die Erzählung aus Armenien und die Rückkehr – zum Teil auf Kamelen, auf denen die Römer nie zuvor geritten sind – gelungen und immerhin bekommt Vespasian vom nabatäischen König Malichus ein wertvolles Geschenk, das ihm in Rom noch viel Freude bereiten wird.

Nero wird Kaiser

Robert Fabbri pflegt einen gewohnt einfachen, aber spannenden Erzählstil, einzig ein Glossar wird weiterhin vermisst, das militärische und historische Fachbegriffe erklären würde. Dennoch lässt sich der Handlung uneingeschränkt folgen. Am Ende des Buches ist Nero Kaiser, und wenn man dachte, unter Claudius ginge Rom allmählich dem Untergang entgegen, so weiß man noch nicht, was der neue Kaiser alles anstellen wird. Der Nachfolgeband wird also mit Spannung erwartet.

Eine Karte des Römischen und des Partherreiches, in dem Armenien liegt, ein Nachwort und eine Leseprobe des Folgebandes ergänzen einen spannenden „Zwischenroman“, der teilweise nicht auf wesentlichen Quellen beruht, sondern auf einer fiktiven Geschichte, was aber im Nachwort gut erklärt wird. So vergehen die knapp 530 Seiten aus dem Rowohlt Verlag wie im Flug.

Fazit

Teil sechs der Vespasian-Reihe ist eine gelungene Weiterschreibung der Geschichte, wenngleich in großen Teilen diesmal nicht auf historischen Quellen beruhend, da aus dieser Zeit nichts über Vespasian bekannt ist. Dennoch füllt der Autor diese Lücke gekonnt mit einer fiktiven, aber stimmigen Geschichte, und auch hier lernt der Leser viel über Sitten und Gebräuche der Zeit, eingebettet in historische Fakten. Man kann erahnen, was in Teil sieben passieren wird, wenn Rom unter Kaiser Nero regiert wird. Die Spannung steigt.

Vespasian - Bd. 6: Roms verlorener Sohn

, Rowohlt

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