Vespasian - Bd. 5: Das Blut des Bruders

Erschienen: Juni 2019

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98
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Carsten Jaehner
Fortsetzung der Intrigenspiele in Rom

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2021

Britannien, Frühjahr 45 A.D. Vespasian muss in Britannien seinen Bruder Sabinus suchen und ihn aus den Fängen der Druiden befreien, die ihm den Opfertod androhen. Dabei wird Vespasian von der Auxiliartruppe von Cogidubnus unterstützt, zumal die Druiden magische Kräfte haben und niemand diese richtig einschätzen kann. Zudem treibt der Spion Aurelius sein Unwesen für die Druiden und erteilt als Römer verkleidet immer wieder Befehle, die den richtigen Römern Schaden zufügen. Hier ist also Eile geboten, wenn nicht Sabinus Opfer der Druidenrituale werden soll. Doch eigentlich haben sie es auf Vespasian abgesehen…

Währenddessen herrscht in Rom Kaiser Claudius und erfreut seine Untertanen durch Spiele im Circus Maximus, die außer der Reihe stattfinden, das Volk aber dem Kaiser gegenüber geneigt stimmen. Claudius‘ Ehefrau Messalina derweil schläft sich weiterhin - von ihrem Mann unbemerkt – durch halb Rom und den Senat und plant zudem einen Sturz ihres Mannes. Doch nicht nur Männer teilen ihr Bett, gelegentlich sind auch Frauen zu finden wie Flavia, die Frau Vespasians. Nach seiner Rückkehr nutzt er sie als Spionin und erfährt so interessante Dinge. Eine erneute Heirat soll Messalina auf den Thron bringen. Doch wer hält im Hintergrund die Zügel in der Hand? Mehr und mehr gerät Vespasian in die Fänge der Politik und versucht, seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Am Ende wird wieder Blut fließen – doch wessen Blut wird es sein?

Brutale Druiden in Britannien

Der fünfte Teil von Robert Fabbris Vespasian-Reihe ist so spannend, dass man trotz mancher Verwirrtheit gebannt eine Seite nach der anderen lesen muss. Die Aufteilung der Handlung in zwei grobe Teile – Britannien mit ordentlich Schlachten und Gemetzel und Rom mit Intrigen und Politik – bringt ordentlich Abwechslung in den Roman, wobei sich am Ende der eine oder andere Kreis schließt, sich aber der Inhalt des nächsten Teils direkt ankündigt. Das ist geschickt gemacht vom Autor, bringt er doch so die begonnenen Handlungsstränge zu Ende und geht nahtlos in der Geschichte weiter, die große Namen ankündigt.

Wie im lesenswerten Nachwort zu sehen ist, sind keine Bräuche und Sitten der Druiden in Britannien überliefert, einzig dass sie brutal und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet waren, wie sich im Roman zeigt. (Hier mag ein gewisser Druide aus einem bekannten, unbeugsamen gallischen Dorf eine rühmliche Ausnahme sein.) Fabbri spart nicht an detaillierten Beschreibungen, sowohl was die Riten als auch was die Fähigkeiten der Druiden angeht, ihre gnadenlose Brutalität dem Feind gegenüber auszuleben. Wer hier zart besaitet ist, liest lieber etwas anderes, aber der hat bestimmt schon bei Teil 1 aufgegeben. Rom bleibt Rom und wird sich erst einmal nicht ändern.

Stühlerücken in Rom

Kaum hat Vespasian seine Dienstzeit in Britannien überstanden und sich mithilfe des zwielichtigen Sklavenhändlers Theron eine tüchtige Summe an Geld gesichert, kehrt er zurück nach Rom, wo der sabbernde Claudius herrscht und seinem Volk Spiele geschenkt hat, deren blutige Grausamkeit sehr kreative Möglichkeiten ausschöpft. Fabbri erläutert detailreich und spannend und doch neutral das Geschehen und lässt somit in den Köpfen seiner Leser einen Film ablaufen, der das Leben vor 2000 Jahren wieder erstehen lässt und man sich somit ganz nah dabei fühlt.

Das ist gerade bei den Entwicklungen spannend, die im Palast stattfinden. Claudius hatte drei freigelassene Sklaven in hohe Ämter gehoben, und diese drei, Narcissus, Corvinus und Pallas, ziehen im Hintergrund mit- und gegeneinander die Fäden, um den einen oder die andere ins Spiel oder wieder herauszubringen. Vespasian, seine Frau Flavia und sein Bruder Sabinus geraten zwischen die Mühlen, und auch potenzielle Nachfolger von Claudius bringen sich bereits in Stellung, obwohl sein eigener Sohn Britannicus einmal Kaiser werden soll, doch der ist noch ein Kind und der beste Freund von Vespasians Sohn Titus…

Aufregende Intrigen im Palast

Als schließlich klar ist, dass die Kaiserin Messalina nicht mehr haltbar ist, muss zunächst der Kaiser ebenfalls davon überzeugt werden, was nicht so einfach ist. Robert Fabbri erweist sich in seiner Erzählweise als überaus geschickt und lässt den Leser nie allein im Wirrwarr der Politik. Obwohl man es mit reichlich Personal zu tun hat, verliert der Leser nie den Überblick und kann alle Ränke und Handlungen immer nachvollziehen – auch aus der Sicht aller Beteiligten, was alles nur noch spannender und verständlicher macht. Am Ende bringt sich der Nachfolger von Claudius bereits in Stellung, obwohl er es selber noch nicht weiß – die Geschichtsbücher wissen bereits mehr, und so bleibt es spannend, wie sich der Weg auch gerade Vespasians fortsetzt. Es wird noch fünf Kaiser dauern, bis er an die Macht kommt. Ein weiter, aber äußerst spannender Weg.

Fazit:

„Das Blut des Bruders“ ist der fünfte Teil der Vespasian-Reihe von Robert Fabbri und inhaltlich wie dramaturgisch äußerst spannend zu lesen. Vor allem die Intrigen in Rom, wer sich wie in welche Stellung bringt, das ist faszinierend beschrieben und nachvollziehbar, und man erfährt einiges über die Umstände im damaligen antiken Rom. Nicht nur deswegen ist der Roman allen Rom-Fans zu empfehlen, denn der Autor hat einen flüssigen Schreibstil, und so vergehen die knapp 600 Seiten wie im Flug. Gottseidank gibt es bereits genügend Nachschub mit vier weiteren Teilen.

Vespasian - Bd. 5: Das Blut des Bruders

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