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Alexandra Hopf
Teil Fünf des deutschen Downtown Abbey

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Apr 2021

Im Herbst 1923 herrschen in Deutschland immer noch politisch instabile Verhältnisse. Dank der Hyperinflation konnte Konstantin zwar das Gut Greifenau retten, aber die Lage ist alles andere als sicher. Trotzdem geht es den Leuten auf dem Land doch um einiges besser als den meisten Menschen in der Stadt. Deswegen wohnen auch Konstantins Schwiegereltern und seine Schwägerin mit auf dem Gut. Obwohl sich die drei redlich bemühen, sich irgendwie nützlich zu machen, führt das Ganze öfter zu Spannungen. In Berlin wird für Katharina nach einem Streit mit ihrem Ehemann Julius endlich das Medizinstudium beginnen. Doch sie muss feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, sich als Frau in dieser Domäne zu behaupten. Deswegen muss sie umso eifriger lernen, um den Anschluss an die männlichen Kommilitonen nicht zu verlieren. Doch ihr Ehemann und ihre Kinder fordern ebenfalls die nötige Aufmerksamkeit und Katharina muss einen regelrechten Spagat vollführen, um allem gerecht zu werden. Und auch Alexanders Leben ist alles andere als sorgenfrei.  Er schlägt sich mehr schlecht als recht als Klavierspieler in Berlin durch, wo er für die musikalische Untermalung im Kino sorgt. Ohne die finanzielle Unterstützung durch seine Schwester Katharina und Julius wäre es gänzlich unmöglich. Zudem hütet Alexander ein dunkles Geheimnis und dieses wird ihn immer näher an den Abgrund treiben.

Gut Greifenau verzaubert Leserschaft erneut

Hanna Caspian gelingt es nun schon zum fünften Mal ihre Leser mit den Geschehnissen rund um das Gut in Hinterpommern zu begeistern. Dieses Buch führt uns mitten in die Weimarer Republik und behandelt den Zeitraum von 1923 bis 1928. Die politische Entwicklung in Deutschland ist recht instabil. Alle realen Fakten hat die Autorin korrekt recherchiert und wunderbar in die fiktiven Geschehnisse ihres Romans eingearbeitet. Die Handlung setzt unmittelbar an das Ende des Vorgängerbandes an. Doch durch geschickte Rückblenden, die einem die Umstände und den Verlauf wieder ins Gedächtnis rufen, ist man bereits nach einigen Seiten wieder mitten im Geschehen und hat keine Verständnisprobleme. Unterstützend findet man am Beginn des Buches nochmals eine Landkarte und einen Lageplan von Gut Greifenau. Außerdem auch ein Personenregister, auf das man aber kaum zurückgreifen muss. Man ist sofort wieder im Bilde und ein Gefühl des "nach Hause Kommens" ereilt den Leser.

Perfektes Wiederspiegeln der gesellschaftlichen Schichten

Die vielen verschiedenen Handlungsstränge bleiben übersichtlich und sind geschickt miteinander verbunden. Dazu trägt auch die für Hanna Caspian typische lebendige und flüssige Sprache bei. Man erfährt sowohl von den Sorgen und Nöten der Gutsfamilie als auch von der Dienerschaft. Die Handlung spielt sich also nicht nur in den oberen Etagen ab, sondern auch "unten", bei den Angestellten. In diesem Band wechseln wir auch mehrmals nach Berlin um Neuigkeiten aus dem Leben der Geschwister Alexander und Katharina zu erfahren.

Auf den knapp 550 Seiten können die Leser einiges an Drama, Freude und Hoffnung miterleben. Obwohl es in diesem Buch reichlich Kindersegen gibt, wird auch die Trauer nicht zu kurz kommen und man muss von einem liebgewonnenen Charakter Abschied nehmen. Diese Stelle des Buches ist sehr emotional und wird auch den Leser nicht kalt lassen.

Abwechslungsreich und unterhaltsam

Die Protagonisten hat man im Verlauf der Reihe schon mehr oder weniger liebgewonnen und sie haben schon eine beachtliche Entwicklung über diesen Zeitraum durchgemacht. Es ist schön, diesmal mehr aus dem Leben und der Gefühlswelt von Katharina und Alexander zu erfahren. Auch das typische Auftreten der unverbesserlichen Gräfin Feodora möchte man nicht missen.

Von der fiktiven Welt einmal abgesehen, gelingt es der Autorin vortrefflich die damalige Lage in Deutschland zu schildern und dem Leser eine Vorstellung der Zustände zu vermitteln. Keiner weiß so recht wie es weitergehen soll. Doch die Menschen hegen viele Hoffnungen. So zum Beispiel durch die Einführung der Rentenmark. Stellvertretend für all diese Hoffnungen steht der Titel "Silberstreif" am Himmel über Hinterpommern. Doch nicht nur der Titel ist treffend gewählt. Das Cover hat einen hohen Wiedererkennungswert der Serie. Der Himmel wechselt von Dunkel auf Hell in verschiedenen Grautönen im Hintergrund. Der Buchtitel ist treffenderweise in Silber geschrieben. Leider greift sich dieses aber beim Lesen etwas ab.

Die Handlung hält über die gesamte Länge einen gewissen Spannungsbogen und man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Leider endet es dann recht abrupt mit einem fiesen Cliffhanger und man kann das Erscheinen des Finalbandes im August 2021 kaum erwarten.

Fazit:

Für Fans von Gut Greifenau ist der fünfte Band mit dem bezeichnenden Titel „Silberstreif“ natürlich ein Muss – und die hohe Erwartungshaltung wird nicht enttäuscht: Der Leser findet hier besten Lesegenuss!

Gut Greifenau - Bd. 5: Silberstreif

Gut Greifenau - Bd. 5: Silberstreif

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