Gut Greifenau - Bd. 1: Abendglanz

Erschienen: November 2018

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2018, Titel: 'Gut Greifenau - Abendglanz', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Alexandra Hopf
Beginn einer vielversprechenden Familiengeschichte

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Mai 2019

Im Jahr 1913 ist für die Grafenfamilie Auwitz-Aarhayn, die auf ihrem stattlichen Landgut in Hinterpommern lebt, die Welt in bester Ordnung. Doch diese Ordnung gerät für die gesamte Familie ins Wanken, als der Familienpatron Donatus bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Plötzlich soll sein Sohn Adolphis das Gut leiten. Doch dieser hat sich für diese Dinge noch nie sonderlich interessiert. Sein ältester Sohn Konstantin hat soeben sein Studium der Landwirtschaft beendet und hat viele Ideen, wie man die Arbeit auf dem Gut modernisieren und verändern könnte. Doch er kämpft nicht nur gegen seinen Vater an, der am liebsten möchte, dass alles wie gehabt und ohne großen Arbeitsaufwand seinerseits weiterläuft, sondern auch gegen den alten Gutsverwalter Thalmann, der vom Einsatz moderner Maschinen in der Landwirtschaft gar nichts hält.

Gräfin Feodoras Trauer um den Schwiegervater hält sich in Grenzen. Ihre Sorge gilt einzig, dass sie durch die Trauer im gesellschaftlichen Leben eingeschränkt ist. Ihr ganzes Schaffen gilt derzeit, zwei ihrer fünf  Kinder besonders vorteilhaft zu verheiraten. Zum einen ihren Erben, Konstantin, der keinerlei Anstalten macht, ein standesgemäßes Mädchen zu umwerben. Und andererseits ihre jüngste Tochter Katharina. Sie ist zwar erst dreizehn, aber der Neffe des deutschen Kaisers, Ludwig von Preußen, zeigt sich interessiert. Aber beide Kinder haben ganz andere Pläne. Konstantin ist in die Bürgerliche Rebecca Kurscheidt verliebt, die als Dorflehrerin in Greifenau arbeitet. Allerdings ist diese Liebe ein Spiel mit dem Feuer. Die überzeugte Sozialistin ahnt nicht, dass es sich bei ihrem Liebsten um den Erben Greifenaus handelt, denn er hat sich als Kutscher des Gutes bei ihr vorgestellt. Und auch Katkas Interessen liegen woanders. Sie ist in Julius verliebt. Er ist der Sohn eines Großindustriellen und somit beim alten Adel trotz all seines Geldes als nicht standesgemäß angesehen. Somit kommen viele Probleme auf die Familie zu. Auch der neue Kutscher, Albert Sonntag, wird von einem besonderen Geheimnis umgeben, welches für die Familie noch unangenehm werden könnte. Und außerdem ist der Ausbruch des Ersten Weltkrieges nur noch eine Frage der Zeit.

Vergleich mit Downton Abbey durchaus berechtigt

Die  Trilogie der Autorin Hanna Caspian wird oft mit der bekannten Fernsehserie Downton Abbey verglichen und in der Tat gibt es da viele Parallelen. Auch hier wird einem der große Unterschied zwischen Arm und Reich sehr deutlich vor Augen geführt. Während die Familie Auwitz-Aarhayn im oberen Teil ihres Anwesens Greifenau lebt, führen die Dienstboten im unteren Teil des Hauses ein ganz anderes Leben. Es wird sehr deutlich, dass in der damaligen Zeit der Weg eines Menschen unabänderlich schon durch seine Geburt festgelegt wurde. Wer in eine arme Familie geboren wurde, wird sein Leben lang ein Diener der gehobenen Schicht sein. Und egal wie fleißig oder klug jemand ist, wird er nie einen Aufstieg schaffen.

Diese Ungerechtigkeit macht auch so manchem Bediensteten auf Gut Greifenau zu schaffen. Ihr Leben lang heißt es zehn bis zwölf Stunden arbeiten und der adligen Familie zu Diensten sein. Letztendlich muss man dankbar sein, so eine Anstellung gefunden zu haben. Wer das Glück hat, in eine adlige Familie geboren worden zu sein, führt zwar ein scheinbar sorgloses Leben, aber auch ihnen sind durch bestimmte Vorgaben Grenzen gesetzt. So dürfen zum Beispiel die jüngeren Kinder  Katharina und Alexander nie wirklich Kind sein. Sie werden von Anfang an von Kindermädchen und Hauslehrern erzogen und dabei zählen nur gesellschaftliche Etikette und nicht individuelle Wünsche der Kinder. Diese gesellschaftlichen Unterschiede werden perfekt von der Autorin dargestellt. Auch die Tatsache, das Geld nicht gleich Geld ist, kann Frau Caspian wunderbar vermitteln. So möchte der alte deutsche Adel doch keinesfalls mit den sogenannten Neureichen, die durch den industriellen Wandel wohlhabend geworden sind, auf eine Stufe gestellt werden. Auch wenn diese teils mehr Geld als sie selbst besitzen, wird über diese Familien, wie zum Beispiel die Familie Urban, die Nase gerümpft und man meint aufgrund des alten Adelstitels mehr wert zu sein.

Charaktere zumeist entsprechend ihrem Klischee gezeichnet

Im Roman kommt eine Vielzahl an Personen vor. Damit man hier nicht den Überblick verliert, ist das Personenregister am Anfang des Buches sehr hilfreich. Die Gräfin Feodora ist fast schon zu überzogen dargestellt. Sie wirkt äußerst arrogant und hochnäsig. Für sie zählt nur gesellschaftliches Ansehen. Sehr gerne spielt sie auch die Tatsache zu ihren Vorteil aus, dass sie selbst weitläufig verwandtschaftliche Verbindungen zur russischen Zarenfamilie hat. Ihr einziges Ziel ist es, Katharina mit Ludwig von Preußen zu verheiraten. Obwohl auch ihr durch bestimmte Vorkommnisse bewusst wird, dass mit diesem Herrn etwas nicht stimmt, treibt sie ihr Vorhaben gnadenlos voran. Das Wohlergehen ihrer Tochter Katharina zählt nichts, wenn man dagegen die Verbindung ihrer Familie mit der Kaiserfamilie sieht und die Vorteile, die sich damit für sie ergeben werden.

Konstantin ist ein sehr sympathischer Charakter. Er vertritt nicht die angestaubten Ansichten seiner Mutter. Er ist sehr modern eingestellt, sowohl in der Führung des Gutes als auch was die gesellschaftlichen Vorgaben betrifft. Doch auch er hat es schwer und ist unglücklich in diesem Standesdenken. Noch gelingt es ihm nicht wirklich gegen dieses strenge Klassendenken zu rebellieren. Auch seine beiden jüngeren Geschwister Katharina und Alexander fühlen sich in ihren vorgegebenen Rollen unglücklich und versuchen dagegen aufzubegehren.

Fiktive Personen, aber ein Abbild der Gesellschaft

Auf der anderen Seite beeindrucken die Personen des Kutschers und der Dorflehrerin besonders. Beide wirken sehr sympathisch und vertreten vehement ihre Ansichten. Der Kutscher Albert Sonntag agiert im Hintergrund. Doch aufgrund seines besonderen Geheimnisses liegt noch einiges Potenzial in seinem Charakter. Er ist sehr gerecht und steht für andere, wenn ihnen Unrecht geschieht, ein. Ihm hat der junge Stallbursche Eugen einiges zu verdanken. Auch die Figur der Rebecca Kurscheidt ist interessant. Insgeheim Sozialistin, will sie die Klassenunterschiede nicht wirklich akzeptieren und kämpft vehement und mit ganzem Einsatz für die Dorfbewohner und ihre Belange. Bei ihnen und einigen anderen beteiligten Charakteren kann man auf ihre Entwicklung gespannt sein.

Die Familie Auwitz-Aarhayn ist zwar fiktiv, aber sicher gab es Dutzende andere Familien zur Kaiserzeit die ihnen und ihrem Leben ähneln. Die Autorin hat aber diese fiktive Geschichte auf bemerkenswerte Weise mit den gut recherchierten historischen Fakten rund um die Geschehnisse, die zum Ersten Weltkrieg geführt haben, verwoben.

Einige Handlungsstränge und alle bleiben am Ende offen

Der Schreibstil ist lebhaft und unterhaltsam. Das Buch liest sich flüssig weg. Es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das liegt auch daran, dass viele verschiedene Handlungsstränge parallel laufen. Der Wechsel ist aber übersichtlich im Romanverlauf eingebaut. Am Ende bleiben viele Fragen offen und man darf gespannt sein, wie der ein oder andere Verlauf im nächsten Teil fortgesetzt wird.

Das Buch ist beim Knaur Verlag erschienen. Das Cover ist ansprechend gestaltet. Im Vordergrund steht eine adlige Dame, die den Beschreibungen nach gut und gerne Gräfin Feodora sein könnte. Im Hintergrund sieht man ein herrschaftliches Anwesen. Die vorherrschenden Farben sind Sepiatöne und harmonieren sehr gut mit dem metallisch gehaltenen Schriftzug des Titels. Leider hat sich dieser jedoch beim Lesen abgegriffen und entfernt.

Fazit:

Ein vielversprechender Auftakt einer Familientrilogie mit viel Potenzial für die nachfolgende Geschichte. Das offene Ende lässt den Leser mit einem gemeinen Cliffhanger zurück...

Gut Greifenau - Bd. 1: Abendglanz

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Letzte Kommentare:
07.02.2019 08:28:45
wampy

Buchmeinung zu Hanna Caspian – Gut Greifenau. Abendglanz

„Gut Greifenau. Abendglanz“ ist ein Roman von Hanna Caspian, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der Auftaktband einer Trilogie um die Bewohner des fiktiven Gutes Greifenau, die von 1913 bis 1919 spielt.

Zum Autor:
Hinter Hanna Caspian verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Autorin, die ihr Herz ans Rheinland verloren hat. Ihre historischen Liebesromane behandeln spannende Themen der vergessenen deutschen Geschichte. Dabei verwebt sie akribisch tatsächliche historische Begebenheiten mit dem Leben fiktiver Figuren. Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften und Sprachen.
Mit ihrem Mann wohnt und arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Rhein.

Klappentext:
Mai 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau, wagt das Unerhörte: Er verliebt sich in eine Bürgerliche, schlimmer noch – in die Dorflehrerin Rebecca Kurscheidt, eine überzeugte Sozialdemokratin. Die beiden trennen Welten: nicht nur der Standesunterschied, sondern auch die Weltanschauung. Für Katharina dagegen, die jüngste Tochter, plant die Grafenmutter eine Traumhochzeit mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, welch ein Scheusal sich hinter der aristokratischen Fassade verbirgt. Aber auch ihr Herz ist anderweitig vergeben.
Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. So gut sie ihre heimlichen Liebschaften auch verbergen, steuern doch beide unweigerlich auf eine Katastrophe zu...

Meine Meinung:
Von Beginn an habe ich mich in und mit diesem Buch wohlgefühlt. Die Figuren sind erfrischend und zum Teil in erstaunlicher Tiefe mit Ecken und Kanten beschrieben. Neben den Liebesgeschichten der beiden Grafenkinder werden Themen aus der Welt der Bediensteten erzählt. Zusätzlich bringt der Wechsel an der Spitze des Gutes durch den Unfalltod des alten Grafen viel Unruhe auf das Gut. Politische Ereignisse spielen noch im Leben der Bewohner kaum eine Rolle, wohl aber der allgegenwärtige Standesunterschied. Es gibt viele Geheimnisse um die Bewohner des Gutes, die nach und nach an die Oberfläche gebracht werden. Meine Lieblingsfigur wurde Albert Sonntag, der als Waisenkind aufwuchs und nun als Kutscher seinen Dienst versieht. Nebenbei möchte er seine Herkunft klären. Er ermittelt in eigener Sache und unterstützt auch schwächere Bedienstete, wenn er glaubt, dass ihnen unrecht geschehen ist.
Deutlich wird auch der Unterschied zwischen den Söhnen und den Töchtern der Grafenfamilie. Während die Söhne relativ frei aufwachsen, werden die Töchter an der kurzen Leine gehalten. Etwas unglücklich ist das Alter Katharinas gewählt, die mit ihren zwölf Jahren zu jung wirkt. Ihre Mutter behandelt sie wie eine Ware, die sie möglichst günstig auf dem Heiratsmarkt unterbringen will. Überhaupt sind es die kleinen Dramen und Erfolge, die dem Roman Würze verleihen. Manche Figuren sind etwas einseitig gestaltet, aber sie passen dennoch in die Geschichte. Das Leben auf dem Gut wird glaubhaft und realistisch beschrieben und von Zeit zu Zeit passiert etwas aufregendes. Etwas bedauerlich finde ich, das zum Ende des Buches kaum ein Erzählstrang abgeschlossen ist.
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd und bei der Vielzahl der Figuren findet sich für jeden Leser etwas. Mit einigen Figuren fiebert man mit, anderen wünscht man weniger Erfolg. Der Leser weiß von kommenden Weltkrieg, auf den das Gut nicht wirklich vorbereitet ist. So ziehen düstere Wolken am Horizont auf und ich bin auf die Folgebände gespannt.

Fazit:
Mich hat dieser Roman positiv überrascht und vor allem hat er mich gut unterhalten. Es gibt aber auch Punkte, bei denen Luft nach oben ist. So vergebe ich gute vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für diese gut erzählte Familiensaga aus.

26.11.2018 11:56:07
Nick Coll

Das ist also der Schmöker von Hanna Caspian, eine Familiensaga schlechthin. Das Thema dieses ersten 555-seitigen Bandes „Gut Greifenau — Abendglanz“ sind die Erlebnisse fiktiver Personen aus Hinterpommern (jetzt Polen) in der realen Geschichte zwischen 1913 und 1914. Verschiedene Handlungsstränge und Geschichten, sowie jede Menge Geheimnisse werden schließlich geschickt zu einem Plot mit authentischen Milieuschilderungen und interessantem Lokalkolorit verwoben.

Obwohl der Anfang des Romans vielleicht dem einen oder anderen schwer fällt (aufgrund der vielen involvierten Personen, die bei den tragischen Ereignissen auf dem Gut auf natürliche Weise sofort auftreten müssen), geht es weiter mit dem Lesen wie geschmiert, dass man das Buch ungern beiseitelegt. Der Roman wird nie langatmig erzählt, immer passiert etwas, was Auswirkungen auf bestimmte Personen oder Geschehnisse hat, ob in Berlin, Sankt-Petersburg oder auf dem Gut. Ein Personenregister, unzählige Karten und die von der Autorin selbst gefertigten Skizzen des Anwesens helfen gleich mit, ein gutes Bild zu bekommen, in welchem Umfeld sich die Geschichte abspielt.

Die historischen Hintergründe Hinterpommerns sind gut wiedergegeben, die Familie Auwitz-Aarhayn zu Greifenau ist hervorragend darin eingebettet. Sowohl die Herrschaften, als auch die Dienerschaft sind wunderbar gestaltet, mit ihren Stärken und ihren Schwächen, ihren Ecken und Kanten, manchmal echten Macken. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und in die Szenen gesetzt. Sie wirken lebendig und authentisch für die damalige Zeit. Besonders sympathisch empfand ich Konstantin, der progressiv und zukunftsorientiert denkt und handelt (im Gegensatz zu seinem Vater). Die Handlungsstränge greifen ineinander, beim Lesen war mir nie langweilig.

Und noch ein paar Worte zum Cover. Es hat eine wunderbare Gestaltung: rot glänzende Buchstaben, das Bild passt hervorragend zum Inhalt des Buches. Das animiert sofort zum Zugreifen und zum Lesen.

Ich bin sehr froh, dass ich mich nach dem Beenden des Buches von den Figuren nicht für lange verabschieden muss, sondern dass es mit dem zweiten Band (erscheint am 22.12.2018) weitergehen wird! Stürmische Zeiten stehen der Gutsfamilie bevor!!!

An dieser Stelle kann ich nur die vollen 5 Punkte vergeben und das Buch wärmstens empfehlen.

21.11.2018 19:18:06
dorli

In ihrer Familiensaga „Gut Greifenau - Abendglanz“ nimmt Hanna Caspian den Leser mit auf eine Reise in die 1910er Jahre nach Hinterpommern und erzählt die Geschichte der fiktiven Grafenfamilie von Auwitz-Aarhayn. Dieser erste Band der Greifenau-Trilogie spielt in den Monaten vor dem Ersten Weltkrieg und macht den Leser mit den zahlreichen Bewohnern des Gutshofes sowie deren Ansichten und Beziehungen zueinander bekannt.

Hanna Caspian zeichnet ein authentisches Bild der damaligen Zeit – neben den alltäglichen Abläufen auf dem Gut werden auch die politische Situation in Europa und besonders die damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Zwänge anschaulich geschildert, so dass man sich alles bestens vorstellen kann und von der vorherrschenden Atmosphäre schnell eingefangen wird.

Das gesamte Geschehen ist lebhaft und besticht durch einen abwechslungsreichen, vielschichtigen Handlungsaufbau. Häufige Perspektivwechsel machen es möglich, dass man die Vorgänge auf dem Gut aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten und damit sehr intensiv am Leben von Herrschaft und Bediensteten teilhaben kann. Die vielen großen und kleinen Handlungsfäden wurden von Hanna Caspian sorgsam miteinander verknüpft, so dass ganz leicht ist, die Übersicht über diese beeindruckende Vielfalt zu behalten.

Die Akteure werden allesamt interessant und facettenreich dargestellt. Jeder Einzelne hat seine Eigenarten und Macken, agiert lebhaft und wirkt in seinem Tun überzeugend. Obwohl die Grafenkinder Konstantin und Katharina und ihr Ausbruch aus Standesdenken, Traditionen und althergebrachten Abläufen im Mittelpunkt der Handlung stehen, hat auch jede(!) andere Figur eine eigene Geschichte. Selbst kleine Nebenfiguren rücken mit ihren Erlebnissen, Problemen, Sorgen und Geheimniskrämereien immer wieder in den Fokus. Der Alltag auf dem gräflichen Landgut ist gespickt mit unvorhergesehenen Ereignissen, Auseinandersetzungen, Heimlichkeiten und Bosheiten – man kann ganz wunderbar mit den Akteuren mitfiebern, mit ihnen leben, lieben, leiden und streiten und sich herrlich über das Verhalten des einen oder anderen aufregen.

„Gut Greifenau - Abendglanz“ hat mir sehr gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, die Greifenauer kennenzulernen und sie auf dieser ersten Etappe der Trilogie zu begleiten. Ich bin schon gespannt, was das Schicksal für alle Beteiligten bereithält und freue mich auf ihr Miteinander und Gegeneinander in den folgenden Bänden.

15.11.2018 22:24:14
Bettina Hertz

Gut Greifenau – Abendglanz
Autor: Hanna Caspian

Frühjahr 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau verliebt sich in Rebecca, Dorflehrerin und überzeugte Sozialistin. Die beiden trennen Welten, angefangen vom Standesunterschied bis hin zur Weltanschauung. Gibt es für sie eine gemeinsame Zukunft?
Für die jüngste Tochter Katharina laufen die Planungen auf Hochtouren: Grafenmutter Feodora plant DIE Traumhochzeit ihre Tochter mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, mit welchem Scheusal Katharina ihr Leben verbringen darf, aber alles zum Wohle und Aufstieg der Familie, koste es, was es wolle. Doch auch Katharinas Herz ist vergeben.
Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. Und über allem schwebt die dunkle Wolke des Krieges ...

Gut Greifenau – Abendglanz ist der Auftaktband der dreiteiligen Gut Greifenau Reihe. Dieser erste Band hat mir sehr gut gefallen. Insbesondere lernt man hier in eindrucksvoller Weise so ziemlich alle Figuren des Gutes, allem voran des Herrenhauses und etliche Dorfbewohner kennen, entwickelt Sympathie oder Abneigung.

Der Schreibstil ist super angenehm zu lesen, sehr flüssig, bildhaft und spannend. Die Kapitel fliegen nur so dahin und am Ende möchte man nur eins: wissen wie es weitergeht! Der Folgeband erscheint übrigens am 22.12.2018, also garnicht mehr so lange hin.

Die Charaktere, dafür muss ich Autorin Hanna Caspian ein besonderes Lob aussprechen. Sie sind facettenreich und authentisch dargestellt. Was mir unglaublich gut gefallen hat, war die Vielfalt der Figuren, sowohl der „Herrschaften“, als auch der Dienerschaft bzw. Untergebenen. Man kann einen Blick über die Schulter der Grafensöhne und Töchter, über das Grafenehepaar, und auch über die Köchin, die Stubenmädchen, die Mamsell, den Hauslehrer, den Kutscher und vielen mehr werfen. Man erlebt hautnah den Alltag, die Sorgen, Erfolge, Freude mit den vielen Figuren mit. Interessant für mich: die Hierarchien allein in der Dienerschaft. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Dieser erste Band bildet einen spannenden Auftakt und man darf gespannt sein, wie es mit der Familie, dem Gut insgesamt und den Dorfbewohnern weitergeht und das natürlich vor einer spannenden historischen Kulisse.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Buchgestaltung selbst: das Cover ist absolut gelungen. Eine sehr schöne Darstellung des Anwesens im Hintergrund, vordergründig eine Dame „vom Stand“. Mittendrin der Titel in glänzender Schrift. Ein tolles Cover, das zum kaufen animiert. Hervorheben möchte ich hier unbedingt die Landkarte von Pommern, eine kleine Karte vom Gut und vom Dorf am Anfang des Buches. Daran schließt sich ein Personenverzeichnis an. Diese kleinen Extras liebe ich vor allem in historische Romane.

Mich hat das Greifenau-Fieber gepackt. Ein sehr gelungener Auftakt. Dafür gibt es von mir eine eine klare Kaufempfehlung und fünf Sterne. Es sind nun nur noch wenige Wochen bis zur Fortsetzung, die ich mir nicht entgehen lasse.