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Alexandra Hopf
Krönender Abschluss einer mitreißenden Trilogie

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Jul 2019

Im Dezember des Jahres 1917 wird auf Grafensohn Konstantin ein hinterhältiger Mordanschlag verübt. Er wird auf offener Straße niedergestochen. Mit letzter Kraft kann er sich zum Haus der Dorflehrerin Rebecca schleppen. Diese versteckt ihn und pflegt in aufopferungsvoll. Lediglich sein Vater Graf Adolphis weiß darüber Bescheid. Alle anderen denken, er ist verschwunden und wahrscheinlich tot. Mit Beginn des neuen Jahres hoffen die Menschen endlich auf das Ende des Krieges, welches in greifbarer Nähe scheint. Graf Adolphis plagen derweil viele Sorgen. Durch den Ankauf von Kriegsanleihen ist das Gut hoch verschuldet. Er erhofft sich Rettung durch Katkas Heirat mit Prinz Ludwig. Doch Katka sträubt sich nach wie vor, den unsympathischen Prinzen zu heiraten. Nach ihrer missglückten Flucht mit Julius wird sie von ihrer Mutter wie eine Gefangene in ihrem Zimmer gehalten. Während das Land von der Spanischen Grippe überrollt wird und viele Todesopfer fordert, entwickelt die junge Komtess einen waghalsigen Plan: Ihr gelingt die erneute Flucht und sie kann sich bis nach Berlin durchschlagen. Doch hier gerät sie mitten in die Wirren der Novemberrevolution. Das Deutsche Reich zerfällt, die Monarchie wird gestürzt und mit ihr stürzt der Stand des Adels.

Umbruch und Aufruhr zu Kriegsende

Hanna Caspian gelingt es auf faszinierende Weise, die Leser anhand ihrer fiktiven Geschichte um Gut Greifenau das Ende des Ersten Weltkrieges beeindruckend gut recherchiert zu schildern. Lebhafte Beschreibungen zum Kriegsende und dem Zerfall des Deutschen Reiches kann man gebannt folgen und bekommt fast den Eindruck, selbst alles mitzuerleben. In diesem abschließenden Band der gelungenen Trilogie stehen die historischen geschichtlichen Ereignisse mehr im Vordergrund als in den Vorgängern. Da aber alles sehr spannend erzählt wird und meisterhaft in die Handlung rund um die Romanfiguren eingebaut ist, empfindet man diese Tatsache keinesfalls als störend. Es ist besonders interessant, die Veränderungen, die nun im Land auf die Bevölkerung zukommen, aus den verschiedenen Blickwinkeln der Protagonisten zu sehen. Während es für die adligen Familien undenkbar ist, dass ihre Bediensteten nun nur noch acht Stunden bei ihnen im Haus arbeiten sollen, können die Angestellten endlich auch mal ein bisschen an ein selbstbestimmtes Leben denken. Die Abschaffung der Zweiklassengesellschaft und die Einführung des Wahlrechts für alle sind eine der vielen einschneidenden Veränderungen. Auch die Thematik rund um die Spanische Grippe kann die Autorin realistisch wiedergeben. Machtlos und ohnmächtig stand die damalige Medizin dieser Pandemie gegenüber.

Viele dramatische Verwicklungen, die teils noch aus Band zwei stammen, werden hier weitergesponnen und auch aufgelöst. Da die Handlung des dritten Bandes nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers anschließt, ist es ratsam, diesen im Vorfeld zu lesen.

Beliebte und weniger nette Charaktere

Die durchweg authentisch dargestellten Charaktere sind beim Leser unterschiedlich beliebt. Wie schon bekannt, sind Konstantin und Katka besonders sympathische Protagonisten. Ihr Schicksal lässt den Leser regelrecht mitfiebern. Insbesondere bei Katharina, die sich doch in großer Gefahr befindet. Aber sie beweist eine Stärke, die niemand hinter der kleinen wohlbehüteten Komtess vermutet hätte. Tapfer und unerschrocken trotzt sie allen Gefahren und geht ihren Weg. Ihrem unbeirrbaren Ehrgeiz verdankt Julius letztendlich sein Leben.

Doch nicht alle Charaktere machen eine derart positive Entwicklung durch. Es gibt auch Charaktere, die einen tiefen Fall hinnehmen müssen. Und so wird der Leser auch mit einigen tragischen Todesfällen konfrontiert.

Viel Geschichte spannend verpackt

Auch optisch steht der Band seinen beiden Vorgängern in nichts nach. Das Coverthema wiederholt sich wieder; eine elegant gekleidete Frau und im Hintergrund ein herrschaftliches Anwesen. Diesmal dominieren hier leichte Rottöne, auch die Coverschrift ist in rotem Metallic gehalten. Das Lektorat lässt vereinzelt zu wünschen übrig. Ein Fehler, der nicht passieren darf, ist die Tatsache, dass bei der Zusammenfassung auf dem Buchrücken Julius fälschlicherweise als Sebastian bezeichnet wird.

Fazit:

Eine durchweg beeindruckende Trilogie. Die mit dem ersten Band schon hoch angesetzte Latte wird von Band zwei und drei noch angehoben. Ein außergewöhnlicher abschließender Band, der dem Leser eindrucksvoll die Entbehrungen des ersten Krieges und das Elend nach dem verlorenen Krieg vermittelt. Eine ganz besondere neue Zeit beginnt für Deutschland. Traurig nimmt man Abschied von den Bewohnern des Gutes Greifenau. Bleibt zu hoffen, dass es sich Hanna Caspian doch noch einmal überlegt und eine Fortsetzung der eigentlich abgeschlossenen Reihe liefert.

Gut Greifenau - Bd. 3: Morgenröte

Gut Greifenau - Bd. 3: Morgenröte

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