Schwerter des Zorns

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Arrows of Fury', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Unstimmigkeiten am Hadrianswall

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2016

Britannien, 182 n. Chr. Der junge Marcus, geflohen aus Rom vor den Mördern seiner Familie, macht als Zenturio der Neunten Legion eine gute Arbeit. Aufgerieben von den bisherigen Schlachten am Hadrianswall soll er mit seiner Legion an der Ostküste Britanniens in Arbeia Nachschub für seine Männer in Empfang nehmen. Doch dies sind unerfahrene Hamier, Bogenschützen und im Nahkampf nicht einsetzbar. Zusammen mit seinem neuen Optio Qadir macht marcus sich an die Arbeit.

Es bleibt nur wenig Zeit, aus den Hamiern halbwegs einsatzfähige Soldaten zu machen, denn auf dem Rückweg lauern die Barbaren und wollen die Römer abschlachten. Häuptling Cargus hat mit seinen Männern den Wall überwunden und stellt sie nun bei Vindobala. Er und seine Votadini, wegen ihrer Krigesbemalung auch Blaunasen genannt, setzen den römischen Kohorten ordentlich zu. Doch erst am Roten Fluß bei Corstopitum kommt es an den Ufern zur entscheidenden Schlacht im tiefsten Nebel. Und einige Zenturios sind immer noch gerne bereit, Marcus an die Vorgesetzten auszuliefern...

Nichts für schwache Nerven

Anthony Riches hat mit seinem zweiten Roman, der zur Zeit der Römischen Belagerung am Hadrianswall spielt, die Geschichte des Vorgängers Die Ehre der Legion nahtlos vorgesetzt. War man in der "Schlacht des verlorenen Adlers", wie sie nun genannt wird, mit einem blauen Auge davongekommen, braucht man nun Nachschub, den man allerdings selbst in Empfang nehmen muss. Die neuen Soldaten sind nicht wirklich schlachtentauglich, und es bleiben Zenturio Marcus und seinen Optios und Dekurios nur wenige Tage, um die Soldaten so zu drillen, dass sie zumindest eine Chance haben zu überleben.

Der Autor versteht es, dem Leser die damalige Zeit und die brutalen Verhältnisse in der Legion schonungslos nahzubringen. Diese Öektüre ist nichts für zart besaitete Leser, hier geht es ordentlich zur Sache, von der ersten bis tatsächlich zur letzten Seite. Marcus hat sich zwar Freunde in der Legion erarbeitet, aber dennoch gibt es den einen oder anderen, der die Chance sieht, nach oben zu kommen, indem er den gesuchten Marcus mit Beweisen verraten kann. Doch so manche freundschaftliche Bande ist stärker als solche Machenschaften.

Barbaren gegen Römer

Riches' Blick geht allerdings nicht nur zu den Römern, sondern auch zu den Barbaren, wo Häuptling Cargus versucht, durch geschicktes Manövrieren seiner Männer selbst einen internen Konkurrenten loszuwerden und so an die Spitze seines Volkes zu kommen. Das ist politisch interessant und mischt der ganzen Geschichte noch eine weitere bunte Farbe unter.

Lernte Marcus im ersten Teil noch seine neue Liebe, Felicia, kennen, heiraten sie nun, was nicht jeder weiß, und sie arbeitet als Medica in der Legion, mangels männlicher Ärzte. Da Marcus immer länger mit der Legion unterwegs ist, sehen sie sich nicht häufig. Auch hier lernt man in den wenigen Szenen mit ihr, dass das Leben in der Armee als Verletzter kein Zuckerschlecken war.

Was man als Leser allerdings schmerzlich vermisst, sind ein paar Erklärungen am Rande. Zwar gibt es eine Karte des Hadrianswalls, aber das ist auch schon die einzige Beigabe, die der Penhaligon Verlag seinen Lesern mitgibt. Es gibt keinen Glossar, der die Rangliste der Legionäre aufschlüsselt, keine Übersetzung der Ortsnamen oder Völkerstämme, geschweige denn nähere Erklärungen dazu, die in einem Nachwort hilfreich gewesen wären. So schwimmt man als Leser immer wie auf einem Film durch den Roman, der zwar spannend ist, dadurch aber auch nicht wirklich greifbar.

Nebulös

Zudem spielt ein längerer Teil des Romans am Roten Fluß, wo sich die Römer und die Barbaren belagern, sich aber wegen des Nebels nicht wirklich sehen können. Das ist sehr verwirrend, denn mal sehen sie sich besser, mal nicht, dann wird wieder auf den Nebel hingewiesen, und im nächsten Satz hebt der Zenturio wieder den Arm und gibt ein Zeichen, das ja aber eigentlich nur wenige sehen können. Zudem stört an mancher Stelle eine viel zu moderne Sprache, die man vor knapp zweitausend Jahren nicht vermutet hätte.

Trotzdem bleibt ein spannender Roman, der allerdings mit besagten Abstrichen zu geniessen ist. Dennoch darf man auf die folgenden Teile gespannt sein.

Schwerter des Zorns

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