Gerit Bertram

08.2018 Die Histo-Couch im Interview mit Peter Hoeft und Iris Klockmann über Cover, Inspirationen und ihre Zusammenarbeit.

Gerit Bertram, zwei Autoren, die sich verstehen

Histo-Couch: Hinter dem Namen Gerit Bertram verbergen sich ja zwei Autoren, möchten Sie sich kurz vorstellen? Oder ist dieses Pseudonym geheim?

Peter Hoeft: Nein, es handelt sich bei Gerit Bertram um ein offenes Pseudonym. Ich lebe mit meiner Frau in der Region Hannover, bin 61 Jahre alt und habe früher in der stationären Altenpflege gearbeitet. Das Schreiben war schon als Jugendlicher meine große Leidenschaft und ich war sehr stolz, als die BRAVO einen Beitrag von mir abdruckte. Damals schrieb ich mit meinem besten Freund Abenteuergeschichten in Schulhefte. Etwa zehn Jahre später – inzwischen war ich junger Familienvater – sandte ich ein Manuskript an einen Jugendbuchverlag in Süddeutschland, es wurde angenommen und nun ging es Schlag auf Schlag. Mittlerweile gibt es gut dreißig Buchveröffentlichungen aus meiner Feder, bzw. Tastatur.

Iris Klockmann: Seit 2007 bin ich die andere Hälfte von Gerit Bertram. Ich glaube, ich war sieben, als ich mit dem Schreiben anfing. Das Geschichtenerzählen gehört einfach zu meinem Leben, mache ich mal ein paar Tage Pause, fehlt es mir. Als Mutter habe ich mir für meine Töchter jeden Abend neue Gutenachtgeschichten ausgedacht. Die beiden waren es auch, die mich baten, sie aufzuschreiben, damit sie nicht verloren gehen. Inzwischen schreibe ich seit Jahren auch Romane unter den Pseudonymen Anna Levin und Mina Baites, und wenn meine Zeit es erlaubt, auch gern Kurzgeschichten und journalistische Beiträge.

Histo-Couch: Wie wird das Schreiben bei Ihnen aufgeteilt? Hat jeder seine bestimmten Aufgaben? Und wenn ja, mögen Sie ein wenig davon erzählen?

Iris Klockmann: Wir erarbeiten den Plot gemeinsam, bei aufwendigen Recherchen oder mehreren Perspektiven schreiben wir zusätzlich einen Szenenplan. Eine konkrete Aufgabenverteilung haben wir jedoch nicht. Vielleicht kann man es am besten so beschreiben: Peter ist der Architekt und ich die Innenausstatterin. Er skizziert sozusagen eine Szene und ich baue sie aus, damit sie lebendig wird.

Histo-Couch: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, zu zweit Romane zu schreiben? Wenn Sie möchten, würden Sie kurz erzählen, wie Sie sich gefunden haben?

Iris Klockmann: Wir waren 2007 beide Mitglieder eines Schreibforums und Peter suchte einen Schreibpartner für ein historisches Projekt. Ich habe mich darauf gemeldet und wir fingen ohne Erwartungen an, miteinander zu arbeiten. Damals hätten wir im Traum nicht damit gerechnet, tatsächlich ein Jahr später bereits in einem Publikumsverlag zu veröffentlichen.

Histo-Couch: In Ihrem aktuellen Roman „Die Flöte von Rungholt“ erzählen Sie über die Zeit im 14. Jahrhundert in Rungholt und im nördlichen Schleswig-Holstein, haben Sie einen persönlichen Bezug zu diesem Landesteil?

Peter Hoeft: Ich liebe den Norden, sowohl Nord- als auch Ostsee. Meine Urlaube führen mich immer wieder an die Küsten. Auf Nordstrand, dem übriggebliebenen Teil unseres Schauplatzes, habe ich auch schon schöne Wochen verbracht.

Iris Klockmann: Wir sind beide Nordlichter und lieben unsere Heimat. Da es bisher nur wenig Romanstoff über Rungholt gibt, lag der Gedanke nahe, uns diesmal dem Teil Deutschlands zu widmen. Die Geschichte von dem Atlantis des Nordens ist irre interessant und hat uns sofort gefesselt.

Histo-Couch: Wie entstand für Sie die Idee, historische Romane zu schreiben?

Peter Hoeft: Alles begann mit einem Roman, der unter dem Titel „Die Frau aus Nazareth“ veröffentlicht wurde.

Iris Klockmann: Wir hatten beide ein Faible für den Historischen Roman, weil er spannende Geschichten mit historischen Hintergründen verbindet. Damals war das Genre noch relativ neu und wir hatten mehr Ideen, als wir aufschreiben konnten.

Histo-Couch: Dies ist bereits ihr 5. Roman unter diesem Pseudonym, welcher Protagonist/in ist Ihnen dabei besonders ans Herz gewachsen.

Peter Hoeft: Das war für mich im ersten Teil der Geschichte der junge englische Flieger Frank Miller, aber vor allem natürlich unser männlicher „Hauptdarsteller“ Endres Wolfhard.

Iris Klockmann: Neben Endres mag ich auch die Gräfin von Reventlow-Criminal sehr gern, zumal sie eine unserer historisch belegten Persönlichkeiten ist.

Histo-Couch: Woher nehmen Sie die Ideen zu immer neuen Romanen?

Peter Hoeft: Das ist ganz unterschiedlich. Man liest irgendwo etwas oder sieht im Fernsehen eine Dokumentation wie bei unserem aktuellen Buch, tauscht Ideen darüber aus und manchmal wird eine Geschichte daraus.

Iris Klockmann: Die meisten Ideen hatten wir bisher immer, wenn wir uns getroffen haben. Ich erinnere mich zum Beispiel gern an einen Aufenthalt in Frankfurt zur Messezeit, bei dem wir gleich drei Exposés für Folgetitel entwickelt haben. Das war ein Riesenspaß!

Histo-Couch: Das Cover unterscheidet sich diesmal deutlich von den Vorgängern, haben Sie in ihrem neuen Verlag ein Mitspracherecht, was das Cover betrifft? Oder wie zufrieden sind sie selbst mit dem Cover.

Peter Hoeft: Ja, wir hatten Mitspracherecht und nachdem uns mehrere Covervorschläge geschickt wurden, haben wir uns sehr gern für das entschieden, das unser Buch nun „ziert“.

Iris Klockmann: Mir gefiel die Idee, mit dem neuen Verlag auch ein neues Coverkonzept zu wählen.

Histo-Couch: Wenn Sie die Zeit dazu finden, was lesen Sie dann selbst?

Peter Hoeft: Ich habe vor einiger Zeit die skandinavischen Krimis für mich entdeckt. Außerdem lese ich gern Sachbücher über alle möglichen Themen.

Iris Klockmann: Tatsächlich lese ich hauptsächlich Sachbücher, die ich/wir für die Recherchen brauchen. Bei meinem ersten Mina Baites Roman war es ein gefühlter Meter Stoff. In meiner Freizeit sind es neuerdings Hörbücher. Ich finde es wunderbar entspannend, mir eine Geschichte erzählen zu lassen.

Histo-Couch: Welches Buch oder welcher Schriftsteller hat sie so maßgeblich beeinflusst, dass er Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?

Peter Hoeft: Als junger Mensch las ich alles von Karl May, was ich in die Hände bekam und auch heute noch greife ich zur Entspannung gern mal zu einem Buch des „Maysters“ – wie sehr viele Autoren von historischen Romanen übrigens.

Iris Klockmann: Bei mir sind es Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon), Isabel Allende (Das Geisterhaus), Ernest Hemingway (Der alte Mann und das Meer), Federica de Cesco (Muschelseide) und Marc Levy (Am ersten Tag und Die erste Nacht).

Histo-Couch: Und nun wohl die wichtigste Frage für Ihre Leser, arbeiten Sie schon einem neuen Projekt und wenn ja, dürfen Sie schon etwas darüber erzählen?

Peter Hoeft: Es ist zur Zeit kein neues Projekt geplant.

Iris Klockmann: Die nächsten beiden Jahre bin ich leider mit weiteren Romanen als Mina Baites total ausgelastet.

Das Interview führte Karin Speck im August 2018.
Fotos: © Peter Hoeft