Das Lied vom Schwarzen Tod

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2014, Titel: 'Das Lied vom Schwarzen Tod', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Karin Speck
Zwei Waisenkinder und die Pest im 16.Jahrhundert

Buch-Rezension von Karin Speck Apr 2014

Anna und ihr Bruder Sebastian Stäubling leben in Nürnberg des Jahres 1522. Ihre Eltern sind während der Pest gestorben und der Onkel, bei dem die beiden zunächst leben, will sie los werden. Anna wird zunächst in ein Kloster abgeschoben und Sebastian in eine Lehre gesteckt. Doch Anna flieht aus dem Kloster, denn sie will keine Nonne werden. Sie macht sich auf die Suche nach dem geliebten Bruder. Der jedoch ist bei seinem Lehrherren in Ungnade gefallen und entlassen worden. So leben nun beide getrennt voneinander in Nürnberg ihr Leben. Anna findet zunächst Zuflucht bei dem Buchmaler Korbinian Dietl und Sebastian hat sich dem Weltuntergangsprediger Pankratius angeschlossen.

Nürnberg, Albrecht Dürer und ein Buchmaler

Der einfache Erzählstil von Gerit Bertram erlaubt ein zügiges Lesen und so fliegen die Seiten nur so dahin. Allerdings ist die Handlung überschaubar und birgt nicht viele Überraschungen, jedenfalls was die erste Hälfte der Geschichte betrifft. Anna und ihr Bruder geraten zwar oft in Schwierigkeiten, aber immer ist jemand zur Stelle, der ihnen weiterhilft und Trost und Zuwendung gibt. Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung an Fahrt auf und wird spannend.

Nur die Lebensgeschichte von Anna für sich genommen ist interessant und gut erzählt. Ein authentisches Bild dieser Zeit entsteht. Sie erlebt einiges in Nürnberg. Bertram schildert die Lebensumstände und Gegebenheiten der Stadt eindrucksvoll und ein genaues Bild von Nürnberg im 16. Jahrhundert entsteht. Annas Gönner hat obendrein gute Kontakte zu den Oberen der Stadt. Unter anderem hat so auch Albrecht Dürer den Weg in diese Geschichte gefunden. Die Begegnung mit ihm ist wunderbar in die Geschichte um Anna eingebettet. Sie wird glaubhaft geschildert und gewährt einen kleinen Einblick in das Leben des berühmten Nürnberger Malers.

Der Glaube, die Pest und ein fanatischer Prediger

Ein weiteres großes Thema ist nicht nur die Pest, sondern vor allem der gespaltene Glaube dieser Zeit. Der Prediger Pankratius, der alles verabscheut, was mit der neuen Lehre des Martin Luther zu tun hat, wird zum großen Gegenpol der Geschichte. Pankratius wird als Fanatiker geschildert, der alles und jeden vernichtet, der sich nicht seiner Meinung anschließt und danach handelt. Für Anna und ihren Bruder eine echte Herausforderung.

Mit dem Titel Das Lied vom schwarzen Tod verbindet man vermutlich sofort eine spannende Geschichte um und über die Pest. Nicht jedoch hier. Die Pest ist zwar auch Thema, so wird das Leben von Anna und ihrem Bruder vor dem Hintergrund dieser Krankheit geschildert, aber nicht der Leidensweg, den Kranke zu gehen haben, sondern mehr der Glaube, den die Menschen mit dieser Krankheit verloren haben und wie Prediger wie Pankratius sich dies zunutze machten. Dies wird aber durchaus nachvollziehbar und interessant geschildert.

Die Aufmachung dieses Taschenbuchs ist auch gelungen. Gleich zu Beginn steht ein Personenregister, wo nicht nur die Protagonisten vorgestellt werden, zudem sind die historisch belegten Personen auch noch gekennzeichnet. Am Ende klärt ein Glossar die fremden Begriffe und ein Nachwort gibt Auskunft über Fiktion und Wahrheit.

Nette Unterhaltung 

Das Lied vom schwarzem Tod liest sich leicht und flüssig und sorgt somit für angenehme Unterhaltung. Auch wenn die Geschichte um Anna und ihren Bruder zeitweise etwas vor sich hinzuplätschern scheint, so ist es doch angenehmer Lesestoff für zwischendurch.

Das Lied vom Schwarzen Tod

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