Das Kaffeehaus - Bd.3: Geheime Wünsche

  • Goldmann
  • Erschienen: Oktober 2021
Das Kaffeehaus - Bd.3: Geheime Wünsche
Das Kaffeehaus - Bd.3: Geheime Wünsche
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Alexandra Hopf
93

Histo-Couch Rezension von Alexandra Hopf Dez 2021

Würdiger Abschluss der Wiener Kaffeehaus Trilogie

Sophie von Werdenfels ist tieftraurig. Ihr über alles geliebter Onkel Stephan Danzer ist gestorben. Dieser hat seiner gerade mal volljährig gewordenen Nichte sein Kaffeehaus hinterlassen. Laut Testament soll sie in der Führung vom langjährigen Mitarbeiter Toni Schleiderer unterstützt werden. Sophie gibt ihr Bestes und versucht mit vielen innovativen Ideen ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Allerdings kommt es immer wieder zu Differenzen mit Toni, der sich bei allen Vorschlägen von Sophie querstellt. Das hat sicherlich auch mit der Tatsache zu tun, dass eigentlich er sich Hoffnungen gemacht hat, das renommierte Kaffeehaus zu erben.

Doch auch im Privatleben muss die junge Sophie mit einigen Problemen kämpfen. Ihre Mutter Henriette hat ihren Ehemann Arthur verlassen und ist mit ihrer jüngeren Schwester Milli zu ihr geflüchtet. Millis psychischer Zustand gibt großen Anlass zur Sorge, aber das Mädchen ist sehr verstockt und offenbart sich weder der Mutter noch der Schwester. Etwas Halt und Unterstützung findet Sophie bei ihrer großen Liebe Richard von Löwenstein. Doch leider müssen ihre Treffen geheim stattfinden, denn dieser ist in seiner arrangierten und unglücklichen Ehe mit Amalie von Thurnau gefangen. Wird es der jungen Komtess Sophie gelingen alle Probleme zu lösen?

Authentisches Bild des Wiener Kaffeehaus Flair

Nachdem Marie Lacrosse in den beiden Vorgängern schlagkräftige Zugpferde mit der Mayerling Affäre und dem Leben der Kaiserin Sisi hatte, gibt es diesmal "nur" das Kaffeehaus als Hauptthema. Doch das soll nicht bedeuten, dass dieser Teil dadurch schwächer ist. Die Autorin baut geschickt so viele andere Themen ein, dass keineswegs Langeweile aufkommt. Erstaunlich bei der vielfältigen Themenauswahl ist zudem, dass man trotz der vielen verschiedenen Erzählstränge nicht die Übersicht verliert. Eine besondere Brillanz des Ganzen, ist dann ebenfalls die Tatsache, dass die meisten angesprochenen Vorkommnisse aus der realen Geschichte herausgegriffen wurden und nur mit etwas Fiktion oder kleinen Schummeleien bezüglich des Zeitpunktes der Ereignisse verändert wurden. So bringt uns Marie Lacrosse hier beispielsweise einiges über die Stellung der Frau im Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts näher und wie damals das Scheidungsrecht gehandhabt wurde. Auch mit zahlreichen realen Wiener Persönlichkeiten, die allesamt Gäste im Dreh und Angelpunkt, nämlich dem Kaffeehaus, sind, macht der Leser Bekanntschaft. Darunter sei nur der Nervenarzt Sigmund Freud oder der antisemitisch orientierte Wiener Bürgermeister Karl Lueger genannt, der ja später auch Adolf Hitler entscheidend geprägt hat. Die wirklich große Reichweite des realen Geschehens wird der Leserschaft erst am Ende des Buches bewusst, im umfangreichen und abschließenden Schlusswort der Autorin, mit dem dann auch die letzte offene Frage beantwortet wird.

Besonderer Schreibstil lässt das Buch nur so dahinfliegen

Der für Marie Lacrosse typische Schreibstil ist eingängig aber keineswegs langweilig. Die Sprache ist bildhaft und man kann sich alle Begebenheiten bestens vorstellen. Somit ist es ein Leichtes, komplett im Buch abzutauchen und die Handlung zu verfolgen. Dabei werden die Vorkommnisse nicht einfach nur aneinandergereiht, sondern manche Geschehnisse werden geschickt durch Gespräche oder rückblickende Gedanken der Protagonisten abwechslungsreich erzählt. Die Hauptprotagonisten sind dem Leser, der die beiden Vorgänger gelesen hat, alle bekannt. Die Charaktere sind authentisch und können überzeugen.

Perfekt aufgebauter historischer Roman

Die Anzahl der Protagonisten ist etwas höher, weil eben viele Persönlichkeiten im Kaffeehaus vorstellig sind. Hilfreich ist das übersichtliche Personenregister am Anfang des Buches, wo jeder Protagonist kurz beschrieben wird und reale Persönlichkeiten explicit gekennzeichnet sind. Das vorhergehende reichliche Kartenwerk setzt den Leser optimal ins Bild wie man sich das damalige Wien vorzustellen hat. Natürlich findet man auch dieses Mal wieder ein Rezept einer für das Kaffeehaus typischen Torte. Im Fall des dritten Bandes kann sich die Leserschaft an einer Orangentorte versuchen.

Diese Trilogie konnte begeistern und ich bin dennoch etwas traurig, dass ich nun Abschied nehmen muss. Aber Marie Lacrosse ist es gelungen, die Geschichte mit einem runden und zufriedenstellenden Ende abzuschließen, welches sogar nochmal einen kurzen Bogen zum Beginn der Trilogie spannt.

Fazit

Auch der Abschlussband kann das hohe Niveau, mit dem die Trilogie begonnen hat, halten. Ganz klare Leseempfehlung des gesamten Werkes - und nicht nur für Fans der Habsburgermonarchie.

Das Kaffeehaus - Bd.3: Geheime Wünsche

Marie Lacrosse, Goldmann

Das Kaffeehaus - Bd.3: Geheime Wünsche

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