Das Kaffeehaus - Bd.2: Falscher Glanz

  • Goldmann
  • Erschienen: April 2021
Das Kaffeehaus - Bd.2: Falscher Glanz
Das Kaffeehaus - Bd.2: Falscher Glanz
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Alexandra Hopf
93

Histo-Couch Rezension von Alexandra Hopf Nov 2021

Fortsetzung der großartigen Trilogie um das Wiener Kaffeehaus

Es bleibt der jungen Komtess Sophie von Werdenfels nichts anderes übrig, als sich dem Willen der Kaiserin Sisi zu beugen und ihrem Ruf an den kaiserlichen Hof zu folgen. Doch ihre Berufung zur Hofdame, im März 1889, ist keineswegs auf ihren Adelstitel zurückzuführen, sondern wohl eher aufgrund ihrer unfreiwilligen Verwicklung in die Mayerling Affäre. Sophie hatte von ihrer Freundin Mary Vetsera einen Brief erhalten, in dem sie ausführlich zum gemeinsamen Selbstmord mit dem Kronprinzen Rudolf Stellung nimmt.

Der Kaiserhof will die Anwesenheit der jungen Mary vertuschen und Sophie, mit ihrer Einberufung zur Hofdame, zum Schweigen verpflichten. Auch wenn man vermutet, dass es bei Hofe stets glamourös und vornehm zugeht, muss Sophie bald erkennen, dass der Schein sehr trügt. Sie vermisst ihr Leben bei ihrer Familie und vor allem ihren Onkel Stephan und dessen Kaffeehaus, wo sie sich doch so wohl und geborgen fühlt. Auch die Nähe zu Richard von Löwenstein fehlt ihr, den sie zwar liebt, der aber Amalie von Thurnau heiraten muss. Durch ihre Arbeit als Promeneuse ist sie der Kaiserin Sisi sehr nahe und dadurch sehr gefordert. Doch diese Stellung wird ihr von der ungarischen Hofdame Marie Festetics geneidet. Deren Eifersucht und Angst, sie könnte ihre Favoritenrolle bei der Kaiserin an Sophie verlieren, ist so groß, dass sie ihr nicht nur das Leben in der Hofburg schwer macht, sie schmiedet sogar eine ungeheuerliche Intrige gegen Sophie schmiedet.

Interessante und reale Darstellung Sisis

Marie Lacrosse scheint mit ihrer Kaffeehaus Trilogie nicht nur an den Erfolg ihrer Weingut-Trilogie anzuknüpfen, sondern diesen sogar noch zu übertreffen.

Mit "Falscher Glanz" liefert sie den zweiten Teil der Erzählung, der inmitten der Habsburger Monarchie spielt. Treffender hätte man den Titel nicht wählen können. Nachdem der Vorgänger sich intensiv mit den Geschehnissen der "Mayerling Affäre“ befasst hat, führt uns dieser Band direkt an den österreichischen Hof. Der Leser erlebt mit der Hauptprotagonistin das reale höfische Leben. Es gibt zwar glanzvolle Feste und wertvolle Roben. Aber hinter all diesem bigotten Glanz herrscht ein ebenso trauriges wie trostloses Leben.

Sophie verbringt das Jahr unmittelbar nach dem tragischen Selbstmord des Kronprinzen Rudolf am Hof. Sie begleitet die Kaiserin oft auf deren Spaziergängen und Wanderungen. Viele haben durch die bekannten "Sissi" Verfilmungen eine ganz andere Vorstellung von der Persönlichkeit der österreichischen Monarchin. Doch Marie Lacrosse, bekannt für akribische Recherchearbeit, liefert ein ganz und gar gegenteiliges Bild von Sisi ab.

Es ist faszinierend zu erfahren, wie sich die Kaiserin wohl tatsächlich verhalten hat und man ist erstaunt, wie viele absonderliche Eigenheiten Sisi hatte. Man erkennt in ihre eine tragische und unglückliche Figur. Unzählige belegte Informationen werden hier überzeugend zu einer gesamten, runden Darstellung der Kaiserin zusammengefügt. Die wenigen Begebenheiten, die nicht auf Fakten zurückzuführen sind, ergänzt Marie Lacrosse mit stimmigen Details aus der Fiktion.

Dadurch, dass diesmal Sisi und das höfische Leben im Mittelpunkt stehen, tritt das Wiener Kaffeehaus, als ursprünglicher Dreh und Angelpunkt, eher in den Hintergrund. Neben all dem Pomp um den Adel kommt auch die k.u.k. Armee und die damaligen Zustände zur Sprache, ebenso wie das Leben einfacher Arbeiter und deren schweren Arbeitsbedingungen. Die Autorin beruft sich auch hier auf wahre Begebenheiten, wie etwa den großen Arbeiterstreik 1889. Der Spannungsbogen des 750 Seiten langen Schmökers flacht zuweilen etwas ab, nimmt aber schnell wieder Fahrt auf.

Rundum überzeugend

Die Übersicht des doch recht umfangreichen Romans ist dabei stets gegeben. Es umspannt den Zeitraum von eineinhalb Jahren. Auf kleine Zeitsprünge wird in der Kapitelüberschrift hingewiesen. Auch wenn das Buch unmittelbar an die Geschehnisse des ersten Teils anschließt, wäre es denkbar, "Falscher Glanz" unabhängig davon zu lesen, weil jedes Buch ein eigenes, in sich abgeschlossenes, Thema hat.

Für Leser*innen, die sich besonders für die Kaiserin Sisi interessieren ist dieses Buch eine spannende Lektüre. Anhand des anhängigen Literaturverzeichnisses sieht man die beeindruckende Recherchearbeit. Zudem finden sich noch mehrere erklärende Landkarten, ein ausführliches Personenregister und ein Glossar. Besonders hervorzuheben ist das informative Nachwort der Autorin selbst. Eine besondere Beigabe ist das Rezept der im Buch oft erwähnten Mokkaprinzentorte.

Viel Herzblut spürbar

Die Liebe, die Marie Lacrosse in dieses Werk gesteckt hat, ist deutlich spürbar. Sowohl in ihrem einzigartig-verzaubernden Schreibstil als auch bei der Kreation ihrer fiktiven Protagonistin Sophie, die im Verlauf eine bemerkenswerte Entwicklung durchmacht. Man ist so gefesselt vom Romangeschehen, dass man dann aufgrund des Cliffhangers am Ende sofort mit Teil drei fortfahren will

Fazit:

Grandiose Fortsetzung, die sich trotz ihres Umfangs wie im Fluge lesen lässt

Das Kaffeehaus - Bd.2: Falscher Glanz

Marie Lacrosse, Goldmann

Das Kaffeehaus - Bd.2: Falscher Glanz

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