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Heike Stepprath
Emmerich beim Benimmkurs - Die Suche nach der verschwundenen Tänzerin

Buch-Rezension von Heike Stepprath Jul 2020

Wien, 1921. Während der frühsommerlichen Hitzewelle beginnt Rayonsinspektor August Emmerich gerade mit einem neuen Fall. Zwei Tänzerinnen wurden in ihrer Wohnung ermordet. Von der dritten fehlt jede Spur. Bevor die Suche nach der jungen Frau beginnt, erhält der eigensinnige Ermittler eine Einladung zum Disziplinarseminar. Zehn Tage soll er hinter verschlossenen Türen an seinem Verhalten gegenüber Vorgesetzten arbeiten. Ihm schwant, dass er bei der Feier seines ehemaligen Chefs zu vorlaut seine Meinung verkündet hat. Sein Assistent Ferdinand Winter muss daher in den Mordfällen erstmals allein ermitteln.

Sieben Monate nach dem Tod seiner geliebten Luise hat Emmerich die Verantwortung für deren drei Kinder übernommen. Der Einzelgänger muss sich nun in seiner kleinen Bleibe mit drei zusätzlichen Personen arrangieren und auch tagsüber immer wieder Hilfe von anderen annehmen. Seiner Vermieterin wird diese zusätzliche Last zu viel und sie kündigt dem Inspektor kurzerhand das Zimmer. Vor Emmerich türmen sich plötzlich enorm viele Probleme auf. Dass er nun zehn Tage nicht nach Hause kann, passt überhaupt nicht in seinen Alltag. Obendrein hat sein Assistent kaum Erfahrung, um einen solchen Mordfall aufzuklären.

Authentische Figuren in realer Umgebung

Im vierten Band der historischen Serie um den kriegsversehrten Kriminalinspektor August Emmerich lässt die österreichische Autorin Alex Beer Einblicke ins Privatleben ihres Protagonisten zu. Er gibt den Kindern seiner ermordeten Lebensgefährtin mit seinen begrenzten Möglichkeiten ein Zuhause. Aus dem einsamen Wolf, der sich bei jedem Verbrechen in die Ermittlungen stürzen kann, ist nun ein alleinerziehender Vater geworden. Durch seine direkte Art, Kritik an politischen Entscheidungen zu üben, eckt er vor allem bei seinen Vorgesetzten immer wieder an. Allerdings ist er auch scharfsinnig und hat keine Scheu, innovative Ideen zur Lösung der Fälle einzusetzen. So schafft er es auch diesmal, dass der Kontakt zu Winter nicht gänzlich abreißt und seines Lebens sicher ist er im Seminar auch nicht. Die Zeit zwischen den Weltkriegen sorgt für eine düstere Atmosphäre, in der das Überleben oft durch Gewalt gesichert wurde.

Der Fall um die ermordeten Tänzerinnen führt den jungen Assistenten Winter in die Hinterzimmer der Lokale. Der unbedarfte junge Mann ist es gewohnt, Befehle anzunehmen und stößt im Umgang mit dem Milieu an seine Grenzen. Er braucht Zeit, um seine Ziele zu erreichen und sich durchzusetzen. Beer lässt den jungen Mann an seinen Herausforderungen wachsen. Die Spannung wird sukzessiv aufgebaut, indem sich der Täter nebulös tarnt. Dadurch werden einige Figuren verdächtig, die im Verlauf der Handlung allerdings auch wieder entlastet werden. Erst auf den letzten Seiten wird das Ausmaß der Verstrickung deutlich. Wie schon in den vorherigen Fällen fließen auch politische Konflikte mit anderen Ländern ein, die das Volk bewegen.

Einfluss der Vergangenheit

Mehrteiler werden durch die Hauptfiguren getragen. August Emmerich ist nicht nur ein genialer Ermittler mit einem kantigen Charakter, sondern hat auch eine Vergangenheit. Aufgewachsen im Waisenhaus ist er schon früh mit den Bedrohungen des Lebens konfrontiert worden. Sein damaliger Widersacher agierte erst in Wiens Unterwelt und nun in der Politik. Emmerich lässt den Gedanken an seine leibliche Mutter seit seiner Kindheit nicht los. Immer wieder bekommt er kleine Hinweise, was mit ihr geschah, dass sie ihren Sohn nicht bei sich behielt. Auch diesmal lässt er sich die Information einiges kosten. Die Szenen unterstreichen die sozialen Verhältnisse nach Kriegsende und rufen Emotionen hervor. Der Kriminalroman endet diesmal mit einem Cliffhanger, sodass mindestens ein weiteres Buch zu erwarten ist.

Fazit:

Der vierte Band um Kriminalinspektor August Emmerich lässt die Leser nicht nur in einem spannenden Mordfall miträtseln, sondern gibt auch Einblick in das Privatleben des Kriegsversehrten. Die inzwischen detailliert ausgearbeiteten Hauptfiguren spiegeln die damalige Gesellschaft und bringen das Empfinden einer Nation mit den politischen Entwicklungen Europas in Einklang.

Das schwarze Band

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