Die rote Frau

Erschienen: Mai 2018

Bibliographische Angaben

  • Limes, 2018, Titel: 'Die rote Frau', Originalausgabe

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92

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Heike Stepprath
Die Grenzen der Wohltätigkeit

Buch-Rezension von Heike Stepprath Jul 2019

Wien, 1920. Rayonsinspektor August Emmerich ist in der Abteilung Leib und Leben eingesetzt. Ihm wird die Aufgabe übertragen, ein Auge auf die Schauspielerin Rita Haidrich zu werfen. Die erfolgsverwöhnte Theaterdarstellerin fürchtet um ihr Leben. Sein Assistent Ferdinand Winter, ein junger, ambitionierter Beamter, der ebenfalls ein körperliches Leiden hat, soll ihn dabei unterstützen. Gerade ist Stadtrat Fürst ermordet worden. Die beiden Inspektoren würden sich lieber an der Aufklärung dieser Straftat beteiligen, werden aber vom Chef und den Kollegen nicht als vollwertige Ermittler angesehen. Emmerich bedient sich ganz unkonventioneller Methoden, um einerseits die Schauspielerin in Sicherheit zu wiegen und andererseits einer Spur des Mordfalls nachzugehen.

Detailgenaues Gesellschaftsporträt

Im zweiten Teil der Kriminalserie um Inspektor August Emmerich schafft es Alex Beer erneut, die spannende Handlung vor einer bildhaften Kulisse einer vergangenen Zeit kurzweilig darzustellen. Ihre beiden Hauptfiguren haben zwar ein gesundheitliches Handicap, was sie aber nicht hindert, es mit den Verbrechern ihrer Zeit aufzunehmen. Zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg litt Wien noch arg unter den Zerstörungen. In der ehemaligen Weltmetropole herrscht große Armut in allen Bevölkerungsschichten. Wohnhäuser sind zerstört und es werden nur kleine Lebensmittelrationen verteilt. Von daher ist es plausibel, dass Organisationen wie Misericordiae Vultus gegründet werden, um die allgegenwärtige Not zu lindern. Auch das Männerlogierhaus, in dem Emmerich untergekommen ist, gehört zum Stadtbild. In diesem Fall kommt dadurch eine persönliche Betroffenheit zustande, dass womöglich ein falscher Mörder gefasst wurde. Die Figuren behandeln sich untereinander nicht zimperlich. Fast jeder hatte im Krieg schon Schlimmeres erlebt, was ihn prägte. Um das Lokalkolorit noch zu verstärken, werden einige Dialoge in mundartlicher Sprache geführt.

Die österreichische Autorin verleiht ihren Charakteren eine prägnante Persönlichkeit, ohne dass sie sofort in der Masse auffallen. Sowohl Emmerich als auch Winter versuchen, nach Kriegsende in ein geordnetes Leben zurückzufinden. Ein Granatsplitter im Bein und ein reduziertes Lungenvolumen hindern sie oftmals daran. Die Handlung ist daran angepasst. Das Spannende daran ist, dass die beiden immer wieder eine Lücke finden, um mit Scharfsinn und logischem Ausschlussverfahren einen wertvollen Beitrag zur Ermittlung der Täter beizutragen. Je weiter die beiden ermitteln, desto mehr Verdächtige treten in Erscheinung, sodass der Spannungsbogen langgezogen ist und erst im letzten Kapitel das gesamte Bild zeigt. Sprache und Beschreibungen sind der Zeit angemessen. Alles zusammen vermittelt einen Blick auf das Wien vor hundert Jahren.

Gelungener Charakteraufbau

Nach dem Auftakt „Der zweite Reiter“ ist dieser zweite Fall für den Inspektor erneut ein kniffliger Fall, bei dem er zudem noch Einschränkungen durch seinen Chef berücksichtigen muss. Seine Ermittlungen führt er dennoch durch, wie man sich das von einem Mann in seiner Position erhofft. Emmerich ist kein Superheld und spürt des Öfteren seine Grenzen. Das trägt dazu bei, dass er trotz seines sperrigen Charakters sympathisch erscheint. Auch seine private Situation entwickelt sich in diesem Buch weiter. Allerdings sind keine Kenntnisse aus „Der zweite Reiter“ zum Verständnis notwendig. Der leichtgängige Erzählstil trägt dazu bei, dass sich die Szenen zu einem Film im Kopfkino zusammensetzen. Trotz der leisen Grundstimmung steigert sich die Handlung in einen Wirbel von Ereignissen, bei denen auch die Ermittler in Gefahr geraten.

Fazit:

Der zweite Fall für August Emmerich überzeugt durch das detailliert gezeichnete Bild von Gesellschaft und Umgebung des historischen Wiens. Der Protagonist hat stets sein Ziel vor Augen und löst den Fall mit unkonventionellen Mitteln. Der Krimi vor historischem Hintergrund ist unbedingt lesenswert.

Die rote Frau

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Letzte Kommentare:
08.07.2018 18:22:09
clary999

»Wien war eine Weltstadt – schon immer hatte es hier unzählige Delikte gegeben, doch seit dem Krieg war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Die Bevölkerung war verroht, Hunger und Not forderten ihren Tribut.«
Zitat aus dem Buch, Seite 139

Zum Inhalt: Wien, im März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter sind jetzt in der Abteilung »Leib und Leben«. Ihre Freude darüber ist allerdings schnell gesunken. Die anderen Kollegen der Mordkommission missachten die beiden neuen Polizisten. Nennen sie verächtlich »Krüppelbrigade«. Der allseits beliebte Stadtrat Richard Fürst wurde ermordet. Emmerich und Winter werden von den Ermittlungen ausgeschlossen. Sie müssen sich mit der sonderbaren Anzeige einer berühmten Schauspielerin befassen. Schon bald wird ein Verdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet, aber Emmerich glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mit Winter im Hintergrund. Von seinem Vorgesetzten bekommt er dafür, wenn auch widerwillig, 72 Stunden….

»Der Krieg hatte sich tief in das Stadtbild eingebrannt. Schrecklich zugerichtete Invaliden, Witwen in Trauerkleidung, rachitische und tuberkulöse Kinder. Stadtrat Fürst hatte stets versucht die Not dieser Menschen einfach und unbürokratisch zu lindern. Wer würde jemand wie ihn ermorden? Und vor allem: Aus welchen Grund? «
Zitat aus dem Buch, Seite 138

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Alex Beer ist fließend und mitziehend. Man fühlt sich in diese Zeit hineinversetzt. Es ist ein kalter März und überall herrschen Not, Hunger, Armut und Krankheiten. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und Theater. Die Filmindustrie hat einen Höhepunkt in den Zwanzigern.

August Emmerich und Ferdinand Winter sind mir schon aus dem ersten Band vertraut und sympathisch. Emmerich ist ein Kriegsversehrter. Der Granatsplitter in seinem Bein bereitet ihm oft Schmerzen. Winter ist erst seit kurzem der Assistent von Emmerich. Nach anfänglichen Misstrauen und ihrem ersten gemeinsamen Kriminalfall haben sich die beiden mittlerweile zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist erfahren und stur. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt. Er bedient sich hin und wieder unkonventionellen Methoden. Winter ist zwar noch unerfahren, aber wissbegierig und zuverlässig.

Bei der Suche nach dem Mörder des Politiker Fürst verfolgen Emmerich und Winter verschiedene Spuren, die mitunter im Sande verlaufen, aber die Erkenntnis daraus, sind manchmal dennoch hilfreich. Das Mordmotiv? Persönlich oder politisch? Ein weiterer Mord geschieht. Gibt es eine Verbindung? Was Emmerich und Winter herausfinden ist schockierend! …

Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich! Gleichzeitig bekommt man einen beeindruckenden Einblick in die Lebensumstände der armen und reichen Bevölkerung, sowie über politische, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die einzelnen Personen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Waisenkinder, Zigeuner, Kriegsveteranen, Politiker, Polizisten, Kleinkriminelle u.v.m..

Der trockene Humor, Sarkasmus und einige Gespräche im Wiener Dialekt (auch für deutsche Leser verständlich ;)), die zwischendurch auftauchen, haben mich ebenfalls sehr gut unterhalten.

Faszinierend und wissenswert sind historische Fakten über die Nachkriegszeit in die Geschichte eingebunden! Manche Details waren mir noch nicht bekannt!

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Band! Das Buch kann allerdings auch einzeln gelesen werden, weil der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist.

Ein spannender historischer Krimi mit viel Interessantem aus den frühen Zwanzigern in Wien!

Sehr lesenswert!

5 Sterne

»Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. - Platon«
Zitat aus dem Buch, Seite 5

(Empfehlenswert finde ich auch den ersten Band! »Der zweite Reiter« von Alex Beer)

15.06.2018 19:59:45
ysa

Wien, März 1920. Der Krieg ist zu Ende, die Monarchie Vergangenheit und Österreich ist eine junge, instabile Republik, in der verschiedenste politische Kräfte um die Macht kämpfen. Das Leben der Menschen ist gekennzeichnet von bitterer Armut, hoher Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, unzureichender medizinischer Versorgung und Hunger. Der Krieg wurde überlebt – aber dieses Überleben war für viele Menschen nur Kampf, Demütigung und Sorge.

Vor diesem Hintergrund ermitteln Rayonsinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter. Die beiden könnten nicht gegensätzlicher sein: Emmerich wuchs in einem Waisenhaus auf, hat bereits von Kind an Elend und Not kennengelernt. Im Krieg schwer verwundet, bereitet ihm diese Verletzung nach wie vor immer wieder Schmerzen und auch sein Privatleben erscheint nach der Trennung von seiner Geliebten hoffnungslos. Er ist draufgängerisch, ehrlich und hat eine sehr differenzierte Ansicht von Recht und Gerechtigkeit.

Winter hingegen stammt aus einer adeligen Familie, die zwar verarmt ist, aber trotzdem noch gesicherte Verhältnisse bietet. Er lebt mit seiner Großmutter in einem Haus, während Emmerich in einem Männerlogierheim schläft. Winter ist klug, vorsichtig, zurückhaltend, wohlerzogen und seinem Vorgesetzten gegenüber unbedingt loyal. Aber gerade durch diese Gegensätzlichkeit ergänzen die beiden einander perfekt und bilden ein außergewöhnliches Ermittlerduo mit zahlreichen Ecken und Kanten.

Binnen kurzer Zeit ereignen sich in Wien zwei grausame Morde: der Stadtrat Fürst und Frau Abele werden ermordet – beides hochangesehene Bürger, allseits beliebte und geachtete Wohltäter. Die Polizei findet rasch einen Täter, der ist allerdings unschuldig. Emmerich und Winter kommen nur über Umwege zu diesen Ermittlungen. Sie sind in der Abteilung „Leib und Leben“ nicht gut angesehen und außerdem sind sie die einzigen, die von der Unschuld des Inhaftierten überzeugt sind. Folglich müssen ihre Untersuchungen im Geheimen stattfinden. Und diese Ermittlungen führen sie in Bordelle und Bäder, illegale Wettlokale, wo Kämpfe stattfinden (und Emmerich sicher den seltsamsten Kuss seines Lebens erlebt), in den Wiener Untergrund ebenso wie in höchste gesellschaftliche Kreise oder in die Welt der Filme und Stars.

Emmerich und Winter arbeiten bei ihrer Suche nach der Wahrheit konsequent, manchmal mit recht hohem persönlichen Einsatz, immer unkonventionell und oft genug am Rande der Legalität. Soviel darf hier verraten werden: sie lösen den Fall extrem einfallsreich, dramatsich und spektakulär – ganz großes Kino mit einem sehr realen Ende!

Alex Beer ist hier eine großartige Mischung gelungen. Einerseits gefällt mir die logisch konstruierte Kriminalgeschichte - extrem spannend und außerdem hat sie mich gleich mehrmals in die Irre geführt. Andererseits ist dieser Krimi auch sehr interessant, weil ich ganz nebenbei vieles über die damalige Zeit, die historisch wichtigen Ereignisse, ebenso wie über die Lebensumstände der Menschen erfahren konnte. Die Atmosphäre der Stadt ,die irgendwie eine heimliche Hauptrolle spielt, wird lebendig vermittelt – auch weil die Autorin ihre Protagonisten immer wieder in gemäßigtem Dialekt sprechen lässt. Cornelius Obonya hat dies in der Hörbuchversion übrigens genial umgesetzt!

Egal ob Buch oder Hörbuch - es ist ein spannender Kriminalroman mit viel historisch interessanten Details und sympathischen Protagonisten, die hoffentlich bald wieder ermitteln werden!

Großartiges Lesevergnügen!

12.06.2018 16:56:19
clary999

»Wien war eine Weltstadt – schon immer hatte es hier unzählige Delikte gegeben, doch seit dem Krieg war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Die Bevölkerung war verroht, Hunger und Not forderten ihren Tribut.«
Zitat aus dem Buch, Seite 139

Zum Inhalt: Wien, im März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter sind jetzt in der Abteilung »Leib und Leben«. Ihre Freude darüber ist allerdings schnell gesunken. Die anderen Kollegen der Mordkommission missachten die beiden neuen Polizisten. Nennen sie verächtlich »Krüppelbrigade«. Der allseits beliebte Stadtrat Richard Fürst wurde ermordet. Emmerich und Wagner werden von den Ermittlungen ausgeschlossen. Sie müssen sich mit der sonderbaren Anzeige einer berühmten Schauspielerin befassen. Schon bald wird ein Verdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet, aber Emmerich glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mit Wagner im Hintergrund. Von seinem Vorgesetzten bekommt er dafür, wenn auch widerwillig, 72 Stunden….

»Der Krieg hatte sich tief in das Stadtbild eingebrannt. Schrecklich zugerichtete Invaliden, Witwen in Trauerkleidung, rachitische und tuberkulöse Kinder. Stadtrat Fürst hatte stets versucht die Not dieser Menschen einfach und unbürokratisch zu lindern. Wer würde jemand wie ihn ermorden? Und vor allem: Aus welchen Grund? «
Zitat aus dem Buch, Seite 138

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Alex Beer ist fließend und mitziehend. Man fühlt sich in diese Zeit hineinversetzt. Es ist ein kalter März und überall herrschen Not, Hunger, Armut und Krankheiten. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und Theater. Die Filmindustrie hat einen Höhepunkt in den Zwanzigern.

August Emmerich und Ferdinand Winter sind mir schon aus dem ersten Band vertraut und sympathisch. Emmerich ist ein Kriegsversehrter. Der Granatsplitter in seinem Bein bereitet ihm oft Schmerzen. Wagner ist erst seit kurzem der Assistent von Emmerich. Nach anfänglichen Misstrauen und ihrem ersten gemeinsamen Kriminalfall haben sich die beiden mittlerweile zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist erfahren und stur. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt. Er bedient sich hin und wieder unkonventionellen Methoden. Wagner ist zwar noch unerfahren, aber wissbegierig und zuverlässig.

Bei der Suche nach dem Mörder des Politiker Fürst verfolgen Emmerich und Wagner verschiedene Spuren, die mitunter im Sande verlaufen, aber die Erkenntnis daraus, sind manchmal dennoch hilfreich. Das Mordmotiv? Persönlich oder politisch? Ein weiterer Mord geschieht. Gibt es eine Verbindung? Was Emmerich und Wagner herausfinden ist schockierend! …

Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich! Gleichzeitig bekommt man einen beeindruckenden Einblick in die Lebensumstände der armen und reichen Bevölkerung, sowie über politische, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die einzelnen Personen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Waisenkinder, Zigeuner, Kriegsveteranen, Politiker, Polizisten, Kleinkriminelle u.v.m..

Der trockene Humor, Sarkasmus und einige Gespräche im Wiener Dialekt (auch für deutsche Leser verständlich ;)), die zwischendurch auftauchen, haben mich ebenfalls sehr gut unterhalten.

Faszinierend und wissenswert sind historische Fakten über die Nachkriegszeit in die Geschichte eingebunden! Manche Details waren mir noch nicht bekannt!

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Band! Das Buch kann allerdings auch einzeln gelesen werden, weil der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist.

Ein spannender historischer Krimi mit viel Interessantem aus den frühen Zwanzigern in Wien!

Sehr lesenswert!
5 Sterne

»Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. - Platon«
Zitat aus dem Buch, Seite 5

Empfehlenswert finde ich auch den ersten Band!
»Der zweite Reiter« von Alex Beer

11.06.2018 18:53:58
Kessi67

" Die rote Frau" von Alex Beer ist ein sehr spannender Krimi, der mich voll und ganz mitfiebern ließ.

Kriminalinspektor August Emmerich hat ein feines Gespür für die Morde, die gerade in Wien im Jahr 1920, geschehen. Es gibt nur ein Problem, er und sein Assistent Winter sind auf das Abstellgleis befördert worden und müssen niedere Arbeiten erledigen.
Zu gerne würde Emmerich in der Abteilung " Leib und Leben " bei den Mordfällen mit ermitteln. Er und Winter werden arg beleidigt und Krüppelbrigade genannt, denn Emmerich hat eine Kriegsverletzung und Winter hat eine Schulterverletzung.
Bevor es überhaupt dazu kommen kann, dass er überhaupt noch einmal ermitteln kann, soll er den Bewacher für die Schauspielerin Haidrich spielen, da sie um ihr Leben fürchtet. Dann bekommt er die Gelegenheit den Mord an Stadtrat Fürst aufzuklären. Es gibt nur ein Problem, er hat zu wenig Zeit und muss sich mit Winter ganz schön ins Zeug legen.
Plötzlich gibt es noch eine Tote, durch Zufall waren Emmerich und Winter in der Nähe, als eine Frau sie verzweifelt um Hilfe bittet.
Beim Betrachten der toten Frau, fällt Emmerich etwas auf. Doch es gibt ein großes Problem, offiziell dürfen sie nicht ermitteln und ihr Vorgesetzter Brühl schickt sie vom Tatort weg.
Das schreckt das Ermittlerteam Emmerich und Winter keinesfalls ab und von da an beginnen sie heimlich zu recherchieren. Dabei fügen sie ein Puzzleteil mit dem nächsten zusammen, wobei sie oft in die Irre geführt werden. Und ihnen läuft die Zeit davon.
In Wien herrscht nach dem ersten Weltkrieg grosse Armut, Hunger und Wohnungsnot. Da bleibt es nicht aus, dass es viele dubiose Gestalten gibt die ihr Unwesen treiben. Doch ist es dieser Schlag Menschen, die mit der Not leben müssen, die die Morde begangen haben? Oder geht es in die gehobene Schicht von Wien, die ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Mord von Stadtrat Fürst und der toten Frau?

Meine Meinung:
Leider kenne ich den Vorgänger "Der zweite Reiter" nicht, was ich aber sofort nachholen werde, um mich dann auf den dritten Teil in der Zukunft freuen zu können. So begeistert bin ich vom Schreibstil der Autorin gewesen.
Alex Beer hat einen Krimi geschaffen, bei dem der Leser auch noch mit interessanten historischen Hintergründen versorgt wird. Emmerich wie Winter sind mir mit ihren unterschiedlichen Charakteren sehr sympathisch gewesen. Das sie so unterschiedlich sind hat mir gut gefallen. Sie ergänzen sich im Denken und Handeln und genau das macht sie zu diesem tollen Ermittlerteam.
Ein fabelhaftes, spannendes Verwirrspiel, dass bis zum Ende alles offen lässt.