Die Mörder der Queen

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Christine Gaspard (Übersetzung)

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Jörg Kijanski
Kann der Opiumesser die Queen retten?

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2019

Februar 1855. London, die größte Stadt der Welt, wird von Schnee und Kälte heimgesucht. Zudem hinterlässt der Krimkrieg seine Spuren, erst vor wenigen Tagen wurde die Regierung gestürzt. Sieben Wochen zuvor wurden Detective Inspector Sean Ryan und der berühmt-berüchtigte Opiumesser Thomas De Quincey bei der Aufklärung eines Verbrechens verletzt. In der Wohnung von Lord Palmerston sind sie weitgehend genesen und möchten dies angemessen mit einem Gottesdienst begehen. Anschließend will De Quincey mit seiner Tochter Emily zurück nach Edinburgh fahren, doch es kommt anders. In der ehrwürdigen St. James’s Church im vornehmen Stadtteil Mayfair besucht auch Lady Cosgrove den Gottesdienst und zieht sich hierzu in ihre Privatloge zurück. Wenige Augenblicke später ist sie tot und rutscht mit durchgeschnittener Kehle von ihrer Kirchenbank.

„Ich versteh’s nicht. Wie ist der Mörder in die Loge gekommen, ohne dass ihn jemand gesehen hat? Und wie ist er entkommen?“
„Ja, bei all dem Blut müsste der Mörder ebenfalls Blutspritzer abbekommen haben. Und selbst in dem Gewühl hier hätte er die Kirche nicht verlassen können, ohne dass jemand ihn gesehen hätte. Es sei denn, er ist noch gar nicht entkommen.“

Ryan, De Quincey und der kürzlich zum Detective Sergeant beförderte Joseph Becker übernehmen die Ermittlungen, nichtahnend in welch verhängnisvolles Abenteuer sie hineingeraten werden. Bei der Toten findet Ryan einen Zettel, auf dem der Name Edward Oxford notiert ist, jenem Mann, der im Juni 1840 ein Attentat auf Queen Victoria beging und seitdem in Bedlam, der einzigen Anstalt für geisteskranke Straftäter in England, sitzt. Damals galt er kurzzeitig als Mitglied einer Gruppe, die sich „New England“ nannte und von dem Sturz der Monarchie träumte …

Perfekter Mix aus Historie und Spannungsroman

Dass David Morrell, der dank „Rambo“ (1972) als „Vater des modernen Actionromans“ angesehen werden kann, im fortgeschrittenen Alter auch einmal historische Krimis schreiben würde, war von dem 1943 in Kanada geborenen Autor („Creepers“, „Level 9“, „Massaker“) nicht zwingend zu erwarten. Denn diese verlangen vor allem nach intensiver Recherche, um die damalige Zeit erlebbar zu machen, zumindest, wenn man das anspruchsvolle Lesepublikum überzeugen möchte. Morrell wollte und überzeugt. Wie schon beim ersten Teil „Der Opiummörder“, gelingt der Mix aus Historie und Krimi ganz ausgezeichnet. „Die Mörder der Queen“ (im Original „Inspector of the Dead“, 2015), ist der zweite Teil einer Trilogie, in deren Mittelpunkt ein bemerkenswerter Schriftsteller steht: Thomas De Quincey, der Opiumesser.

„Sie könnten vielleicht erklären, warum irgendjemand will, dass wir diese Morde hier mit etwas in Verbindung bringen, das vor fünfzehn Jahren passiert ist.“
„Ich kann die Antworten nicht aussprechen.“
„Sie können nicht sprechen? Herrgott, das Laudanum hat Sie jetzt doch noch um den Verstand gebracht.“
„In diesem Fall ist es so, dass ich sie nicht auszusprechen wage. Die Antwort grenzt an Hochverrat.“

Für einen normalen Menschen kann ein Esslöffel Laudanum tödlich sein, der von dem flüssigen Opium abhängige De Quincey benötigt einen halben Liter pro Tag. Sein Verstand wird dadurch jedoch keineswegs getrübt, denn einmal mehr trägt er zur Auflösung des Rätsels entscheidend bei. Bis zum Finale, welches rund das letzte Viertel des Romans in Anspruch nimmt, werden viele Menschen sterben, brutal ermordet, kunstvoll inszeniert und mit weiteren Zetteln versehen. Sie alle verweisen auf „New England“ und Personen, die in der Vergangenheit versucht haben, die Queen zu ermorden. Diese Attentate bieten einen Teil der historischen Rahmenhandlung und die Motivation des gesuchten Mörders. Die Schauplätze der Handlung sind solide recherchiert und können auf der anspruchsvoll gestalteten Internetseite des Autors besucht werden.

„In den meisten Mietshäusern hier standen sechs Betten in jedem Zimmer, und in jedem Bett schliefen drei Menschen, obwohl viele Bewohner auch auf dem nackten Fußboden übernachteten. Über hundert dieser Unglücklichen drängten sich in jedem der dreistöckigen Gebäude; die Überbelegung belastete die Wände, Treppen und Böden, bis die Häuser in Gefahr waren einzustürzen. Wasserpumpen gab es hier nicht. Die Durchgänge zwischen den Häusern dienten als Pissoir. Jeder Abtritt wurde von vierhundert Personen genutzt; die Fäkalien liefen über und überfluteten die Keller. Nur diejenigen, die jede Hoffnung verloren hatten, lebten in Seven Dials.“

Das Leben am Hofe nimmt – angesichts des Romantitels wenig verwunderlich – einen gewissen Raum ein, denn schließlich ist das Leben von Queen Victoria erneut in Gefahr. Sie selbst und Ehemann Prinz Albert treten daher wiederholt in Erscheinung und so mag „Die Mörder der Queen“ auch Anhängern des Victorianischen Zeitalters womöglich noch neue Erkenntnisse liefern. Mitunter über das feudale Luxusleben am Hofe, aber sicher über das menschenunwürdige Hausen in den Elendsvierteln der Weltstadt.

Die Geschichte wird (wie der Vorgänger) in der dritten Person erzählt und enthält zudem Tagebucheintragungen von Emily De Quincey (logischerweise in der ersten Person).

Fazit:

Bestsellerautor David Morrell (über dreißig Romane, Auflage rund achtzehn Millionen) überzeugt auch im zweiten Teil der Thomas-De-Quincey-Reihe voll. Wer gut recherchierte, actionreiche Krimis mag, die einen kurzerhand in eine andere Zeit versetzen, kann hier ohne Bedenken zugreifen. „Die Mörder der Queen“ ist eine spannende Reise in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Mörder der Queen

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