Der Opiummörder

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Murder as a Fine Art', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Jörg Kijanski
Historisch anspruchsvoll und voller Action

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2015

London, Dezember 1854. Ein grausamer Mehrfachmord erschüttert die Stadt. Fünf Menschen werden bestialisch ermordet, darunter ein Baby, dem die Kehle durchgeschnitten wird. Detective Sean Ryan und Constable Joseph Becker übernehmen die Ermittlungen und stoßen dabei auf den Skandalautor Thomas De Quincey, der in seinem Buch "Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet" ausführlich über die Morde am Ratcliffe Highway, die sich am 7. Dezember 1811 ereigneten, berichtet. Die aktuellen Morde haben frappierende Ähnlichkeiten und so gerät Quincey selber unter Verdacht. Doch schnell stellt sich heraus, dass der vom langjährigen Drogenkonsum gezeichnete "Opiumesser" nicht als Mörder in Frage kommt. So helfen Quincey und seine Tochter Emily den beiden Ermittlern in ihrem schwersten Fall. Derweil ordnet der übermächtige Innenminister Lord Palmerston die Verhaftung von Quincey an, um den wütenden Mob ruhig zu halten. Doch kaum sitzt Quincey im Gefängnis überschlagen sich die Ereignisse ...

Temporeicher Ausflug in das viktorianische England

David Morell, inzwischen über siebzig Jahre alt, darf wohl als Kultautor bezeichnet werden. Seine Karriere begann 1972 mit First Blood, das nicht zuletzt durch seine Verfilmung mit Sylvester Stallone zum Megaerfolg Rambo wurde. Es folgten weitere Hits wie Creepers und Level 9 sowie der eher unbekannte, aber lesenswerte Thriller Der fünfte Beruf. Nach vielen Erfolgen begibt sich der Autor nun auf ein neues Terrain und legt seinen ersten historischen Roman vor. In Murder as a Fine Art, unglücklich übersetzt in Der Opiummörder, finden sich Detective Sean Ryan und Skandalautor Thomas De Quincey zu einem großartigen Ermittlerteam zusammen, welches durch Constable Becker und Quinceys Tochter Emily kongenial ergänzt wird.

 

"Zunächst hat der Mörder dafür gesorgt, dass sie jeden Seemann verdächtigen, den sie finden können. Dann hat er sie zu dem Glauben verleitet, dass ein Polizist jeder beliebige Polizist der Mörder sein kann. Sie vertrauen niemandem mehr und verdächtigen alle Welt. Wirklich brillant."

 

Thomas De Quincey lebte von 1785 bis 1859 und war ein umstrittener Autor, der sich zu seinem langjährigen Drogenkonsum, er verbrauchte unvorstellbare Mengen an Laudanum, in dem Buch Bekenntnisse eines englischen Opiumessers bekannte. Mit Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet löste er ebenso viel Entsetzen aus, wie er begeisterte Leser gewinnen konnte. Man stelle sich vor; im viktorianischen Zeitalter, wo öffentliches und privates Leben streng getrennt waren und es schon als Schwäche galt, öffentlich Gefühle zu zeigen, entlarvt sich ein Autor als Drogenkonsument. Quincey selber benutzte für Laudanum hingegen den Begriff Medizin. David Morell hat umfangreich recherchiert und führt grandios in die damalige Zeit ein, lässt diese vor den Augen der Leser von Beginn an erlebbar werden. Dabei beziehen sich die aktuellen Morde auf jene vom Ratcliffe Highway im Jahr 1811, die auf wahren Begebenheiten beruhen und damals für noch größere Panik sorgten als später die Morde von Jack the Ripper (1888), da dieser "nur" für Prostituierte eine Gefahr darstellte.

Mitreissender Plot

London, 1854, größte Stadt der Welt mit drei Millionen Einwohnern auf 700 Quadratmeilen. 7.0000 Polizisten sollen die Sicherheit garantieren, darunter acht Detectives, unter ihnen Sean Ryan, mit besonderer Ausbildung. Das Straßennetz umfasst stolze 2.000 Meilen, auf denen 50.000 Bettler ihr erbärmliches Dasein fristen und ebenso viele Pferde vor Kutschen, Pferdetaxen und anderen Fortbewegungsmitteln die Straßen versperren. Es boomt die Britische Ostindien-Kompanie, die mit dem Handel von Opium ein Vermögen verdient, welches in England strengstens verboten ist. Gleichwohl ist Laudanum an jeder Ecke erhältlich und gilt bei Beachtung vernünftiger Mengenverhältnisse durchaus als Medizin.

David Morell, der seine Herkunft aus dem Action- und Thrillergenre weder verbergen kann noch will, hat einen mitreißenden Plot geschrieben. Gleichwohl erfährt man viel über die viktorianische Zeit, in der sich vor allem die forsche und für damalige Verhältnisse "ungehörige", will sagen emanzipierte, Emily in den Herzen der LeserInnen ein Denkmal setzt. Auch das ungleiche Duo Ryan/Quincey ist grandios, nicht zuletzt durch die mitunter wirr erscheinenden Gedankengänge des Opiumessers, der zunehmend die Ermittlungen an sich reißt. Lediglich die Auflösung bezüglich des gesuchten Mörders ist eher unspektakulär. Dennoch, so macht action- und lehrreiche Geschichte Spaß, wobei einige Gewaltszenen recht ausartend sind.

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