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Alexandra Hopf
Fortsetzung des vielversprechenden ersten Teils

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Sep 2019

Zu Pfingsten des Jahres 1911 befindet sich Mimi Reventlow, die eigentlich Wanderfotografin ist, immer noch in Laichingen. Ihr geliebter Onkel Josef ist immer noch schwer erkrankt. Es zeichnet sich ab, dass er wohl nicht mehr genesen wird und Mimi beschließt, bei ihm zu bleiben und ihn zu pflegen. So lange führt die leidenschaftliche Wanderfotografin das Fotoatelier des Onkels im Ort.

Sie sieht sich mit vielen Problemen konfrontiert. Da ist einmal die Pflege des Kranken und das Führen des Haushaltes, mit beiden hat sie keinerlei Erfahrung. Doch mit ihrem eisernen Willen und mithilfe der lieben Nachbarin Luise kann sie die Aufgaben bewältigen. Schwieriger wird es mit dem Geld verdienen. Zunächst beäugen die Laichinger die Fremde nur skeptisch. Zudem hat die Bevölkerung wenig Zeit und wenig Geld für den Besuch eines Fotografen. Doch mit ihren vielen neuen Ideen bei der Fotogestaltung, schafft sie es doch immer mehr, Leute ins Atelier zu locken.

Aber sie macht sich nicht nur Freunde. Mit ihren innovativen Gedanken schafft sie sich dort auch Feinde wie den Webereibesitzer Gehringer. Sie versucht die eingefahrenen Zustände auf der Schwäbischen Alb zu verändern und ermuntert die jungen Dorfbewohner, ihren Vorlieben und Wünschen zu folgen und gegen den üblichen Trott aufzubegehren. Trotz all diesem Gegenwind schafft sie es doch, sich eine gewisse Stellung im Ort zu erarbeiten und sie lebt gerne in Laichingen. Zudem ist da ja auch noch Hannes, der nach etlichen Jahren wieder in seinen Heimatort zurückgekehrt ist und den Mimi schon von ihrer Zeit als Wanderfotografin her kennt. Seitdem ging er ihr nicht mehr aus dem Kopf. Doch wird ihre Liebe erwidert und aus den beiden ein Paar werden?

Das harte Leben auf der Schwäbischen Alb

Diesmal ist Mimi eine „ansässige“ Wanderfotografin. Der zweite Teil spielt nur in Laichingen. Anschaulich und sehr ausführlich vermittelt die Autorin, welch hartes Leben die Menschen damals dort führten. Die Männer arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen teils bis zu zwölf Stunden in engen düsteren Fabriken an den Webstühlen. Ihre Frauen mussten zu Hause die Feldarbeit verrichten und noch zusätzlich Stickarbeiten fertigen. Selbst die größeren Kinder mussten überall mit anpacken. Trotz all der Anstrengungen führten sie ein sehr armes Leben und kamen gerade so über die Runden. Petra Durst- Benning schildert das triste Leben sehr lebhaft und eindrucksvoll.

Die sehr gut recherchierten Details führen dem Leser das beschwerliche und traurige Leben der Laichinger vor Augen und machen doch recht beklommen. Es war selbstverständlich, dass die Kinder in die Fußstapfen der Eltern traten. Man war sogar froh, wenn ein Junge nach der Schule ebenfalls in der Fabrik, wo schon bereits der Vater tätig war, als Weber eine Lehre beginnen konnte. Es war undenkbar, dass ein Jugendlicher eigene Wünsche äußern durfte und nach seinen Vorlieben zum Beispiel lieber Schreiner werden wollte. Das Mimi sich derart für die Belange der Jugendlichen einsetzte und ihnen half ihre Träume zu verwirklichen, war vorher undenkbar und glich im traditionsbewussten Laichingen fast schon einer Revolution.

Bereits wie im ersten Teil kann der interessierte Leser hier auch wieder fundiertes Wissen über das Handwerk der Fotografie und den damaligen Entwicklungstechniken erfahren. Die Tatsache, dass früher wirklich nur zu bestimmten Anlässen (Geburt, Schulabschluss, Hochzeit) ein Foto gefertigt wurde, kann man in unserer heutigen digitalen Zeit kaum noch nachempfinden.

Liebevoll entworfene Charaktere

Die Personen sind dem Leser alle bereits aus dem ersten Teil bekannt. Da die Handlung unmittelbar an das Geschehen des Vorgängers anschließt, empfiehlt es sich, diesen vorab zu lesen. Mimi ist, wie schon bekannt, eine sehr modern eingestellte junge Frau. Unerschrocken vertritt sie ihre Überzeugungen und scheut sich nicht, für diese auch einzustehen. Niemand kann ihr Angst einflößen und sie lässt sich auch nicht von Menschen wie dem Webereibesitzer Gehringer einschüchtern. Dieser ist Widerstand nicht gewohnt, schon gar nicht von einer Frau. Doch so stark Mimi einerseits ist, so schwach und hoffnungslos naiv ist sie in Liebesdingen. Blind vor Liebe fehlt ihr jeglicher Spürsinn, wenn es um ihre Beziehung zu Hannes geht.

Hannes hingegen ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Er hält Mimi mehr oder weniger hin, denn sie könnte ihm ja für seine Vorhaben von Nutzen sein. Er treibt ein doppeltes Spiel und man könnte fast schon Mitleid mit der Fotografin bekommen. Gehringer ist, wie schon bekannt, ein ausgebuffter Geschäftsmann. Er denkt nur an sein Geschäft, die Menschen die bei ihm arbeiten sind ihm völlig egal, auch wenn er selbst sich gerne als guter Mensch und Gönner darstellt. Alle Charaktere sind liebevoll entworfen und sehr lebendig dargestellt. Man meint selbst mittendrin zu sein und die Personen zu kennen.

Mimi verliert sich leider ein wenig selbst

Bei der Covergestaltung des gebundenen Buches beweist der Blanvalet Verlag wieder ein glückliches Händchen. Man sieht eine hübsche junge Dame, die, den Beschreibungen des Buches nach, wohl Mimi Reventlow sein soll. In der unteren rechten Ecke ein paar Häuser, die durchaus wie die Häuser in Laichingen aussehen könnten. Der Schutzumschlag selbst ist aus starkem Papier.

Am Ende des Romans befinden sich mehrere Seiten mit alten Fotografien, was eine sehr unterhaltsame begleitende Besonderheit darstellt. Im Anschluss daran findet der Leser eine längere Leseprobe vom dritten Teil, der Lust macht, gleich weiterzulesen.

Fazit:

Die Thematik rund um das Leben der Weber ist durchaus interessant. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, dass die Handlung etwas auf der Stelle tritt und etwas hängt. Die Geschehnisse könnten ab und an mal etwas Pfiff gebrauchen. Auch die naive Gefühlsduselei, die Mimi ihren klaren bewundernswerten Verstand vernebelt, kann an manchen Stellen etwas nervig sein. Dadurch kann dieser Teil nicht ganz an das Niveau von Teil eins anknüpfen. Doch trotz dieser Schwächen ist der Roman unterhaltsam zu lesen. Da Mimi am Ende des Buches eine wichtige Entscheidung trifft, darf man darauf hoffen, dass die starke Mimi zurückkehrt und man kann gespannt auf den Abschluß der Trilogie sein.

Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung

Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung

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Letzte Kommentare:
10.09.2019 11:32:37
Ariettas Bücherwelt

Es werden 5 Bände ! Weiß es von der Autorin persönlich.
Die ersten zwei Bände sind jedenfalls sehr gut.

07.09.2019 14:32:09
KS

Schöne Rezension zu einem schönen Buch. Auch ich lese diese Reihe sehr gerne und war auch schon bei Lesungen der Autorin.
Ich möchte nur kurz anmerken, dass es sich hier nicht um eine Trilogie handelt - die Reihe ist auf 5 Bände ausgelegt.