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Carsten Jaehner
Faszinierender und zugleich abstoßender Thriller aus Stockholm

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2019

Stockholm, 1793. Während in Frankreich die Revolution tobt, brodelt es in Schweden unter der adeligen Oberfläche. In einem See bei Stockholm finden Kinder den entstellten Leib eines Mannes, dem Arme und Beine abgeschnitten wurden, dies allerdings von professioneller Hand. Dies bringt den Ermittler und Juristen Cecil Winge auf den Plan, der bei der Stockholmer Polizei für besondere Verbrechen zuständig ist. Durch eine Tuberkulose im Endstadium weiß er, dass dies sein letzter Fall sein wird. Zur Seite steht ihm der traumatisierte Kriegsveteran Mickel Cardell, dessen linker Arm eine Holzprothese ist.

Gemeinsam versuchen sie, aus den wenigen Informationen, die sie dem Leichenrest und dem Fundort entnehmen können, Hinweise auf Opfer und Täter zu erlangen, was sich als nahezu unmöglich herausstellt. Ihre Nachforschungen führen sie in die Niederungen Stockholms, wo sich die unterste Volksschicht gerade so über Wasser halten kann. Nur ganz allmählich enthüllt sich ihnen die Wahrheit, und die ist grausamer und abgrundtiefer, als sie es sich vorstellen konnten.

Nichts für zarte Gemüter

Der schwedische Autor Niklas Natt och Dag entstammt einer der ältesten schwedischen Adelsfamilien und hat sich schon von Kindheit an mit der Geschichte seines Landes beschäftigt. Mit seinem Romandebüt legt er ein Werk vor, das, so darf man bereits verraten, nichts für zart besaitete Leser ist. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, sollte sich auf einiges gefasst machen.

Der Autor hat, wie auch dem Nachwort zu entnehmen ist, gründlich recherchiert und malt dem Leser ein Bild des Jahres 1793, das authentischer nicht sein könnte. Abgesehen von zwei Protagonisten, die beide Randfiguren der Gesellschaft sind und die nur wegen ihrer individuellen Fähigkeiten miteinander arbeiten, beschönigt er nichts und beschreibt ein Stockholm mit seinen Gossen, Hurenhäusern, Wirtshäusern und Gassen, dass jeder Leser beim Umblättern die Nase rümpft und sich ein Tuch vor die Nase halten möchte, damit der Gestank der Exkremente und sonstigen Hinterlassenschaften nicht aus den Seiten steigt. Der Autor schont den Leser nicht, und man ist dankbar, Stockholm in dieser Zeit nicht erlebt zu haben. Zudem scheint man diese Zeit nüchtern nicht ertragen zu können.

"Der Schnee und die Kälte haben mich durstig gemacht. Ich weiß, dass Sie von Schnaps nichts halten, aber ein betrunkener Mann denkt anders als ein nüchterner. Wenn in Ihrem enormen Schädel noch irgendeine Idee stecken sollte, die von allein nicht kommen will, dann sollten wir sie mithilfe von Branntwein freispülen."

Der Roman ist in vier Teile aufgeteilt. Im ersten Teil werden die beiden Ermittler vorgestellt und der Leichenfund. In den beiden folgenden Teilen werden die Geschichten von Opfer und Täter erzählt, wobei nicht immer klar ist, wer hier Opfer ist und wer Täter. Das bleibt bis zum Ende spannend, und die handelnden Personen, seien sie schuldig oder nicht, bewegen den Leser auf die eine oder andere Art, man mag Mitleid haben, man mag mit dem Kopf schütteln, aber schließlich baut sich ein Bild auf, das man so bald nicht vergisst. Dass der zweite Teil in Briefform geschrieben ist, wird noch seine Bedeutung bekommen, die noch lange nicht zu erahnen ist.

Die Abgründe des menschlichen Daseins

Im dritten Teil wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die wegen Hurerei in die Spinnerei verbannt wird, und das ist zu dieser Zeit das Schlimmste, was einer Frau passieren kann. Der Autor berichtet in seinem Nachwort, dass dort vorkommende Personen wie die Wärter und der Pastor tatsächlich existiert haben und dass alles in dieser Sequenz tatsächlich so gewesen sei. Das ist noch erschreckender, als wenn die Geschichte ausgedacht wäre, und da würde man als Leser schon denken, was in dem Autor wohl vorgehen müsse, sich so etwas auszudenken.

Im vierten Teil werden alle Fäden, die in den drei Teilen zuvor gesponnen wurden, langsam zusammengefügt und ergeben mit einigen weiteren Überraschungen ein Bild der Zeit, das den Leser zugleich gruselt, anekelt und doch fasziniert. In einer Passage wird beschrieben, wie sich die Französische Revolution und ihr Gedankengut auf den Weg nach Stockholm macht, ein Aspekt, der für viele Kontinentaleuropäer unbekannt sein dürfte. Hier bietet sich eine ungewöhnliche Geschichtsstunde, die im Leser noch lange nachhallen dürfte.

Geschickt konstruiert

Wer zu "1793" greift, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich um einen ungewöhnlichen Kriminalroman handelt. Sein Aufbau ist dramaturgisch sehr geschickt und hält bis zur letzten Seite Überraschungen parat. Da der Autor den Leser inhaltlich nicht schont, tut er dies auch sprachlich nicht. Zu Beginn ist es etwas schwierig, sich in den Stil einzulesen, wenn man sich aber daran gewöhnt hat, wird man förmlich in die Zeit hineingezogen und wechselt zwischen Ekel und Faszination. Man muss das Buch zwischendurch immer wieder weglegen um zu reflektieren, ob das nun wirklich da gestanden hat, was man gerade glaubt gelesen zu haben, aber dann greift man wieder zum Buch und muss einfach weiterlesen. Eine Reaktion, die Bücher heutzutage leider nur noch selten hervorrufen.

Das bereits erwähnte Nachwort sollte man unbedingt (nach der Lektüre) lesen. Das Cover des Buches ist derart interessant gestaltet, dass es eigentlich schon keinen normalen Krimi "von der Stange" erwarten lässt. Wer sich auf "1793" einlässt, wird mit einer spannenden und geschickt konstruierten Geschichte belohnt werden, die noch lange nachhallt. Nicht für jeden Geschmack, aber faszinierend und abgründig in jedem Fall. Ob der Roman das Krimigenre revolutionieren wird, wie scheinbar vom Autor Arne Dahl geweissagt, wird man sehen, aber es ist in jedem Fall ein außergewöhnlicher Beitrag für das Genre. Empfehlenswert.

Deine Meinung zu »1793«

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Letzte Kommentare:
27.05.2019 19:06:32
Dirk_R

Ich kann viele hier nicht verstehen.

Die Story verläuft sich zeitweise in Nichtigkeiten, die versuchen, Details abzubilden... was aber nur als langatmig erscheint.

Eine Spannung wird nicht aufgebaut... nach etwas mehr als der Hälfte lege ich das Buch ab.
Für mich nicht mals ansatzweise so gut, wie erwartet.

24.05.2019 21:03:10
Darts

Bei 1793 von Niklas Natt och Dag handelt es sich um einen historischen Roman, der in eben diesem Jahr in Schweden spielt. Der knapp 500 Seiten dicke Roman ist in die vier Jahreszeiten aufgeteilt, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge. Er beginnt im Herbst 1793. Stadtknecht Jean Michael 'Mikkel' Cardell sitzt in der Schänke, als er von ein paar Kindern herausgerufen wird. Sie führen den Kriegsveteranen mit dem Holzarm zum Fatburen, einer Kloake, denn dort schwimmt eine Leiche - ohne Arme und Beine, ohne Zähne und auch die Augen und der Gehörgang wurden zerstochen. Dies wird festgestellt bei der Leichenschau bei der Mikkel den Juristen Cecil Winge unterstützt. Dieser leidet unter der Schwindsucht, die sich bereits im Endstadium befindet. Ihn hält nur eine Frage am Leben: Wer ist der Tote? Er möchte Gerechtigkeit für diesen. Also machen sich die beiden ans Werk.

In den Abschnitten Sommer und Frühling erfährt der Leser mehr darüber, wer der Tote ist und wie es zu den Verstümmelungen kam. Außerdem sind die Kapitel jeweils einer anderen Protagonistin/ anderem Protagonisten gewidmet. Im abschließenden vierten Kapitel Winter 1793 laufen alle Fäden zusammen.

Anfangs hatte ich leichte Schwierigkeiten, in die, so hochgelobte und ausgezeichnete, Handlung hineinzufinden. Auch die beiden Hauptprotagonisten haben nicht gleich meine Sympathien erweckt. Aber der Gerechtigkeitssinn und die Beharrlichkeit der beiden haben mich umgestimmt und bei den mittleren Kapiteln konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Der Schreibstil war flüssig, aber durch die vielen veralteten Begriffe und die unbekannten Örtlichkeiten ( ich hatte eine Arbeitsfassung zur Verfügung - im Originalbuch ist wohl eine Karte abgebildet) stockte das Lesen dann doch ab und zu.
Der Autor hat aus mehreren wahren Begebenheiten aus 1793 einen tollen historischen Roman geschrieben. Allerdings nichts für Zartbesaitete.
Von mir gibt es 4* und eine klare Leseempfehlung.

22.04.2019 16:29:09
Miss Marple

Ein Mix aus Historie und Krimi
Nichts für schwache Nerven ist das Auffinden und die spätere Leichenschau eines menschlichen Torsos im schwedischen Stockholm im Jahre 1793. So zieht der Autor seinen Leser gleich in den Bann einer unheimlichen Geschichte, bei der der Jurist Cecil Winge und sein neuer Ermittler Jean Michael Cardell, ein versehrter Veteran mit einem Holzarm, einem Mörder auf der Spur sind, der sein Opfer mit chirurgischer Präzision vor dessen Tod folterte. Als sich beide auf die Suche nach dem Mörder machen, kommen sie den Mächtigen der Zeit schnell zu nahe.
Der Autor belässt es aber in seinem Roman nicht bei einem Krimi, sondern präsentiert dem Leser ein grausiges Sittengemälde des späten 18. Jahrhunderts in Schweden, die Machtkämpfe eines schwächer werdenden Königshauses, Intrigen und Standesdünkel, aber auch das furchtbare Leben der armen Stadt-und Landbevölkerung, sodass die Ermittlungen zum eigentlichen Fall etwas in den Hintergrund geraten und mehr und mehr die gut recherchierten geschichtlichen Fakten das Buch bestimmen. Dadurch verliert es jedoch nach und nach an Spannung. Weniger wäre hier mehr gewesen.

03.04.2019 19:29:38
Books4ever

Stockholm im Jahre 1793

Als Schauplatz für seinen Debütroman hat Niklas Natt och Dag die Stadt Stockholm im Jahr 1793 gewählt. Der Kriegsveteran Jean Michael (Mickel) Cardell birgt ein verrottetes Bündel aus dem Fatburen, der Stadtkloake Södermalms. Es handelt sich um die brutal verstümmelten Überreste eines Menschen, dem sämtliche Gliedmaßen sowie die Augen, die Zähne und die Zunge entfernt wurden. Cardell lässt dieser grausige Fund nicht mehr los und so schließt er sich dem Juristen Cecil Winge an, welcher für die Stockholmer Polizeikammer „besondere Verbrechen“ untersucht, um ihn bei der Aufklärung des Verbrechens zu unterstützen. Doch je mehr die beiden Ermittler über die Identität des Toten herausfinden, desto grausiger sind die menschlichen Abgründe, in die sie hierbei blicken…

Mit „1793“ ist Niklas Natt och Dag ein außergewöhnliches Debüt gelungen, welches mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert und gefesselt hat. Aufgrund der bildhaften Sprache, welche zudem an die damalige Zeit angepasst ist, konnte ich mich wirklich gut in das düstere und dreckige Stockholm des 18. Jahrhunderts hineinversetzen. Besonders die Lebensumstände der Bevölkerung, insbesondere auch in den Armenvierteln der Stadt, wurden sehr authentisch dargestellt und man merkt, wie viel Recherche der Autor in seinen Roman gesteckt hat. Herausgekommen ist ein spannender Mix aus historischen Fakten und fiktiven Ereignissen und Charakteren, eine gelungene Genremischung aus einem Historienroman und einem Krimi.

Die Handlung selbst ist in vier Abschnitte unterteilt: Alles beginnt mit dem Fund des namenlosen Leichnams im Fatburen, welchen Cardell und Winge auf den Namen Karl Johan taufen, im Herbst 1793. Um die Hintergründe dieses grausamen Verbrechens zu beschreiben springt der Autor zunächst in den Sommer und den Frühling desselben Jahres zurück, um anschließend die verschiedenen Handlungsstränge im Winter 1793 zu einem dramatischen Finale zusammenzuführen. Gekonnt verwebt der Autor die verschiedene Charaktere und ihre Hintergrundgeschichten zu einem großen Ganzen, sodass am Ende die Hintergründe des grausigen Schicksals Karl Johans schonungslos offenbart werden.

Besonders gut gefallen haben mir, neben dem tollen Cover, welches perfekt auf die Handlung des Buches abgestimmt wurde und ein echter Hingucker ist, auch die beiden Hauptcharaktere Cecil Winge und Mickel Cardell. Winge ist Jurist und ein Vertreter der Aufklärung, welcher unheilbar an Tuberkulose erkrankt ist, während Cardell ein traumarisierter Veteran und eher ein Mann fürs Grobe ist. Obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, so eint sie doch das Verlangen nach Gerechtigkeit.

Der Aufbau, die Spannung und die Intensität von „1793“ haben mich wirklich beeindruckt, sodass es von mir eine klare Leseempfehlung gibt!

26.03.2019 06:40:32
Büchermaulwurf

Absolut sensationell!

STOCKHOLM 1793: An einem Herbstmorgen zieht der Kriegsveteran Jean Michael (Mickel) Cardell die brutal verstümmelten Überreste eines Menschen aus der dreckigen Stadtkloake Stockholms. Dem Torso fehlen Arme, Beine, Zunge, Zähne und Augen und schon bald steht fest, dass diese dem Opfer beim lebendigem Leib mit chirurgischer Präzision entfernt wurden. Cardell lässt der grausige Fund nicht mehr los und zusammen mit dem Juristen Cecil Winge, der bei der Polizei für besondere Verbrechen zuständig ist, macht er sich auf die Suche nach dem Täter.
Je näher die beiden der Wahrheit kommen, um so grauenhafter werden ihre Entdeckungen...

Das Cover hat mich begeistert und ich habe es immer wieder gerne zur Hand genommen. Die goldene Jahreszahl 1793 dominiert alles und hebt sich von dem schwarzen Hintergrund ab. Durch die Zahlen erkennt man die historische Stadtansicht von Stockholm und die Blutstropfen weisen auf das blutige Verbrechen hin. Abgerundet wird das Ganze noch durch eine historische Karte von Stockholm im Umschlag, sowie einem Interview mit dem Autor.

Bereits die Eingangsszene von „1793“ ging unter die Haut und hat mich bereits nach wenigen Zeilen gefangen genommen. Niklas Natt och Dag ist eine atmosphärisch ungeheuer dichte Beschreibung des historischen Stockholm gelungen. Der historische Hintergrund ist perfekt recherchiert und bildet den passenden Rahmen für den brutalen Mord, der wie in jedem guten skandinavischen Krimi blutig und grausam ist. Es fehlt auch nicht an menschlichen Abgründen. Atemlos bin ich Mickel Cardell und Cecil Winge auf ihrer Spurensuche durch die Stockholmer Schenken, Bordelle, Gefängnis und Armenviertel gefolgt. Der Sprachstil ist der damaligen Zeit angepasst, lässt sich aber trotzdem flüssig lesen. Die lebendige und bildreiche Sprache hat mich direkt in die schmutzigen Straßen Stockholms entführt und für Kopfkino gesorgt. Ich meinte den Gestank der Gosse förmlich riechen zu können.

Der Aufbau der Handlung ist ihm überaus gut gelungen und hält die Spannung hoch. Das Buch besteht aus vier Teilen, den vier Jahreszeiten des Jahres 1793. Es beginnt im Herbst, springt dann zurück in den Sommer und Frühling, denn um das Verbrechen zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Im letzten Teil, dem Winter, werden die losen Fäden zusammengeführt und der Fall wurde für mich sehr gelungen aufgelöst.

Sehr gut hat mir auch das ungewöhnliche Ermittlerduo gefallen. Mickel Cardell ist ein traumatisierten Kriegsveteran mit einem Holzarm, rauflustig und jähzornig und dem Alkohol zugetan, hat er jedoch das Herz am rechten Fleck. Der Leichenfund reißt ihn aus seiner Lethargie und weckt seinen
Gerechtigkeitssinn. Zusammen mit Winge will er für Gerechtigkeit sorgen.
Cecil Winge ist Sonderermittler im Dienst der Stockholmer Polizeikammer. Er ist Jurist und ein scharfsinniger Ermittler - ein schwedischer Sherlock Holmes sozusagen. Und außerdem ein Mann der Aufklärung, der jeden Angeklagten anhört und gestattet sich vor Gericht zu äußern. Obwohl er an Tuberkulose schwer erkrankt und dem Tod geweiht ist, macht er sich zusammen mit Cardell, seinem Mann fürs Grobe, auf die Suche nach dem Täter. Sehr schade, das dies wohl sein letzter Fall sein wird.

Niklas Natt och Dag ist mit diesem historisch perfekt recherchierten und emotional aufwühlenden Krimi ein ganz großer Wurf gelungen. Ein perfekter Mix aus Historienroman und Krimi, der unbedingt lesenswert ist!

11.03.2019 06:35:18
StephanieP

In Stockholm wird 1793 eine stark entstellte Leiche gefunden. Schnell stellen die Ermittler Winge, der vom Tod verfolgt wird, und der traumatisierte und kriegsversehrte Cardell fest, dass der Tote mit chirurgischer Präzision gefoltert wurde. Die beiden Männer begeben sich auf die Suche nach dem Täter und decken dabei so manche schockierende Wendung auf.

Niklas Natt och Dags Schreibstil ist flüssig, mitreißend und unglaublich bildgewaltig. Der Autor kann bereits mit den ersten Seiten Spannung aufbauen und diese zunehmend steigern, bis sie nervenzerreißend wird. Mich konnte das Buch komplett in seinen Bann ziehen und mitreißen, wodurch ich es in weniger als zwei Tagen zu Ende lesen musste. Besonders überzeugen konnten mich die bildgewaltigen Beschreibungen, da diese großes Kopfkino ausgelöst haben. Hierbei muss ich allerdings warnen, dass dadurch auch einige brutale Szenen sehr anschaulich beschrieben werden und daher vermutlich nicht für jeden Leser geeignet sind. Aber auch die Atmosphäre und die gesellschaftlichen Umbrüche bekommen im Buch ausreichend Platz, was für mich den besonderen Reiz des Buches ausgemacht hat. Obwohl die Gesellschaft und historische Fakten immer wieder ausführlich Platz bekommen leidet die Spannung in keinster Weise darunter. Die perfekte Balance zwischen Spannung und Historik macht aus diesem Kriminalroman ein absolutes Lesehighlight.

Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und sehr facettenreich. Niklas Natt och Dag hat Protagonisten geschaffen, die sich deutlich von anderen Kriminalromanen abheben und dadurch zu etwas ganz besonderem werden. Durch ihre Vergangenheit, Schwächen und Erkrankungen erscheinen vor allem die Hauptcharaktere äußerst menschlich und authentisch. Besonders gut gefällt mir, dass sich das Buch in unterschiedliche Handlungsstränge unterteilt, welche am Ende allerdings perfekt und schlüssig zusammengeführt werden. Dies hat zur Folge, dass der Leser mehrere Protagonisten und Perspektiven kennen lernen kann und die Spannung immer wieder gesteigert werden kann.

„1793“ ist mein erstes Buch von Niklas Natt och Dag und gehört bereits jetzt zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe! Ich bin mehr als begeistert und hoffe aus viele weitere Bücher dieses begnadeten Autors. Ich werde in Zukunft ganz gezielt nach Büchern von ihm suchen.

FAZIT:
„1793“ ist ein Meisterwerk und das mit Abstand beste Buch dieses Genres, welches ich bisher gelesen habe! Ich bin restlos begeistert und kann diesen historischen Kriminalroman jedem empfehlen, der einen nervenzerreißend spannenden Fall verbunden mit atmosphärischen und bildgewaltigen Beschreibungen lesen und mit einem ungewöhnlichen Ermittlerteam auf Spurensuche gehen will. Ich vergebe daher 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!