Der weiße Reiter

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2005, Titel: 'The Pale Horseman', Originalausgabe

Couch-Wertung:

94
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Carsten Jaehner
Grandiose Fortsetzung der Sachsen-Saga

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2007

Mit einer groß angelegten Fortsetzung geht die Geschichte um Uhtred weiter, den Krieger im Dienste von König Alfred von Wessex. Dabei bleiben die Geschehnisse am Ende des 9. Jahrhunderts im fast komplett von den Dänen besetzten England so spannend und blutig, wie es der erste Teil, Das letzte Königreich bereits vorgelebt hat.

Uhtred, inzwischen 20 Jahre alt und kampferfahren, kehrt zu seinem König Alfred zurück und muss erfahren, dass sich jemand anders seinen grandiosen Sieg an die Brust geheftet hat. Odda der Jüngere wird daraufhin zum neuen Feind Uhtreds in den eigenen Reihen. Doch ein weiteres Problem ist, dass immer mehr Dänen mit ihren Schiffen nach England kommen und versuchen werden, das letzte Königreich zu erobern, das noch nicht von ihnen unterjocht wurde. Unter ihnen sind Guthrum und Svein.

Guthrum, dem Uhtred bereits in der letzten Schlacht begegnet ist, fällt über König Alfreds Sitz her. Dieser konnte allerdings vorher fliehen und verkriecht sich in einem kleinen Sumpfgebiet. Uhtred indes ist mit seinem Freund Leofric unterwegs, um seine Langeweile zu vertreiben. Und das macht man in diesen Zeiten zunächst mit kleineren Raubzügen und Überfällen, denn Silber kann man in Kriegszeiten immer gebrauchen. Auf dieser Fahrt lernt der den starken und berüchtigten dänischen Hünen Svein kennen, der stets ein weißes Pferd reitet, das er auch auf seiner Fahne trägt. Die beiden bestreiten einen kleinen Raubzug zusammen, ehe sich die Wege wieder trennen und Uhtred auch in den Sümpfen bei König Alfred landet. Die letzte Bastion in den Sümpfen rüstet zum Kampf gegen die Dänen. In großer Unterzahl und mit wenig Hoffnung soll Wessex zurückerobert werden. Doch braucht es dazu beherzte Kämpfer - Alfred jedoch ist ein gottesfürchtiger König, der seine Pflichten und Kämpfe lieber durch Gebete als durch das Schwert verrichten würde...

Kampf und Humor für England

Nahtlos knüpft Cornwell in seinem 500 Seiten starken Buch an die Handlung des ersten Teils an und das ist auch gut so. Man ist sofort wieder drin im Geschehen, wenn auch zu Beginn des Buches eine kurze Zusammenfassung der Vorhergehenden nicht geschadet hätte. Cornwell behält seinen Erzählstil aus der Perspektive Uhtreds bei, was ein riesiger Pluspunkt für die gesamte Erzählung ist. Dadurch erfährt man seine gut nachvollziehbaren Gedankengänge und auch seine Kampfstrategien werden klar und verständlich. Da er bei den Dänen aufgewachsen ist, aber für seinen König Alfred kämpft, kennt man trotzdem irgendwie immer beide Seiten des Konflikts. Daher ist die Erzählung aus Sicht Uhtreds mehr als geschickt gewählt.

Sowohl die Teile der Geschichte, die an Bord seines Schiffes spielen, als auch die Szenen an Land sind sehr gut ausgefeilt und strategisch gut erzählt. Dazu kommt eine gehörige Prise schwarzen Humors und derber Situationskomik, die dem Roman jederzeit gut tun und das Lesen jeder Seite noch mehr zur Freude machen. Auch wird nicht an der Benutzung des Schwertes gespart. Uhtred versteht es immer wieder, durch geschickte Wortwahl seine Männer zu überzeugen, wie an einer Stelle, als es darum geht, ein voll beladenes Schiff zu überfallen.

 

Natürlich habe ich recht. Ich bin ein Herr. Ich habe recht und ich werde reich! Wir alle werden reich! Wir werden von goldenen Tellern essen, unseren Feinden ins Maul pissen und aus ihren Frauen unsere Huren machen!"
Während ich diesen Unsinn von mir gab, ging ich zur Mitte des Schiffs und löste das zusammengebundene Segel. "Wir tragen silberne Schuhe und goldene Hüte und werden reicher sein als die Könige! Wir waten durchs Silber, überschütten unsere Huren mit Gold und scheißen Bernsteinklumpen. Zieht die Ruder ein und stopft die Löcher! Wir fahren nach Norden und werden reich wie die Bischöfe. Jeder einzelne von uns!" Die Männer grinsten und ließen sich von meiner Begeisterung nur allzu gern anstecken.

 Wer ist Freund, wer ist Feind?

Uhtred trifft alte Bekannte wieder, aber er lernt auch neue Freunde und Feinde kennen, die allesamt hervorragend charakterisiert sind. Da manchmal Freund und Feind nicht voneinander zu unterscheiden sind und auch gelegentlich die Lager wechseln, weiß man trotzdem immer genau, woran man bei der jeweiligen Person ist - jedenfalls für den betreffenden Moment. Ob nun als Geistliche oder als Krieger, alle Charaktere sind überzeugt dargestellt und handeln auch für sich nachvollziehbar. Das ist ein Vorteil, den leider nicht jedes Buch für sich verbuchen kann. Und trotzdem bietet das Buch immer wieder Überraschungen, die hier natürlich nicht verraten werden sollen.

Die Liebe spielt auch in diesem Buch eine untergeordnete Rolle, wenngleich sie mehr Platz einnimmt als im Letzen Königreich. Das macht natürlich das Kämpfen nicht einfacher, im Gegenteil, es macht einen angreifbarer. Überhaupt ist es so, dass nicht alle Personen die letzte Seite des Buches lebend erreichen. Feinde überleben, Freunde sterben und anders herum, man kann sich nie sicher sein. Auch so erhält Cornwell die Spannung und erzählt so, dass das wahre Leben nicht immer so verläuft, wie man es gerne hätte.

Gelungene Erzählung

Die vorne im Buch angefügte Karte von Südengland hilft dem Leser, das Geschehen auch geographisch einordnen zu können. Da Cornwell auch die alten Ortsnamen benutzt, ist ein zweiseitiges Glossar für diese Namen angefügt, das diese in die heutigen Ortsnamen übersetzt. Zudem erklärt Cornwell im ausführlichen Nachwort, wie genau er sich an die überlieferten historischen Fakten hält. Man mag es kaum glauben, dass man sich so nah an einer real passierten Geschichte befinden kann.

Insgesamt ist Der weiße Reiter die mehr als gelungene Fortsetzung der Sachsen-Saga um den Kämpfer Uhtred, der zum Ende des Buches erst 21 Jahre alt sein wird. Zu Beginn hat die Handlung ein paar Holperigkeiten, findet aber sehr schnell in die gewohnt klaren Erzählstrukturen zurück. Man hat Schwierigkeiten, das Buch aus der Hand zu legen, ehe man auf der letzten Seite ist und würde gerne die weiteren Teile sofort hinterher lesen. Der nächste lässt jedoch noch ein halbes Jahr auf sich warten. Cornwell beweist mit diesem Band, dass er weiterhin ein Meister der Erzählkunst ist und dies lässt hoffen, dass es auch in den Folgebänden so bleibt.

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