Das Spiel der Könige

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2007, Titel: 'Das Spiel der Könige', Originalausgabe

Couch-Wertung:

99
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Katharina Lewald
Gablé steht für historische Unterhaltung auf hohem Niveau

Buch-Rezension von Katharina Lewald Jun 2007

Es gibt Romane, bei denen man vorher schon weiß, dass sie ein Erfolg werden. Sei es, weil die Vorgängergeschichten schon Renner waren oder weil der Autor einen Namen hat, mit dem er für die Qualität seiner Werke einsteht.

So auch bei Rebecca Gablé, obwohl hier mehrere Argumente zutreffen. ";Das Spiel der Könige" ist der dritte Teil einer Serie, die mit ";Das Lächeln der Fortuna" begann und erst acht Jahre später mit ";Die Hüter der Rose" fortgesetzt wurde.

Zwischen Tradition und Leidenschaft

Der 18jährige Julian of Waringham hat es nicht leicht. Weil er den Duke of York verehrt und mit dem schwächlichen Lancaster-König Henry auf dem Thron so gar nicht einverstanden ist, hat er sich mit seinem Vater überworfen, der seit jeher treuer Lancastrianer war. Julians Mitmenschen erinnern ihn immerhin regelmäßig daran... als sein Vater jedoch in einer Schlacht fällt, findet sich der junge Mann plötzlich in einem Wirrwarr aus Intrigen, Ränkespielen und politischem Kalkül wieder - und wird vor eine Wahl gestellt. Nach einem einschneidenden Erlebnis mit Richard of York entscheidet sich Julian für die richtige Seite...

Während ihr Bruder in politischen Angelegenheiten involviert ist, hat Blanche ganz andere Probleme. Der ihr ausgewählte angetraute Ehemann nimmt kirchliche Pflichten sehr genau und hat schlagkräftige Argumente, mit denen er sie durchzusetzen versucht. Als er eines Tages zu weit geht, schlägt die selbstbewusste Frau ihm im Eifer des Gefechts die Hand ab und befindet sich bald auf der Flucht vor dem Gesetz Englands. In Wales trifft sie auf Jasper Tudor und aus gegenseitigem Respekt wird schnell Liebe - diese ist jedoch alles andere als schicklich, bedenkt man die Umstände und die Tatsache, dass beide nicht verheiratet sind.

Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und die persönlichen Probleme der Zwillingsgeschwister treten in den Hintergrund: Edward IV. reißt die Krone an sich und wird als Erster aus dem Hause  York König - Blanche und Julian müssen mehr denn je für ihre politischen Überzeugungen einstehen und riskieren nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch das ihrer Verwandten und Freunde. Die erbitterten Rosenkriege beginnen...

Über Edwards, Henrys und Margarets...

 

Ich habe früher gelegentlich gesagt, ich würde niemals einen Roman über die Rosenkriege schreiben. Nur ein Wahnsinniger könnte seinem Publikum eine Geschichte zumuten, in der beinah alle Hauptakteure Edward oder Henry heißen und alle Frauen Margaret.

 

So Rebecca Gablé im Nachwort von ";Das Spiel der Könige". Wer diesen neuen Roman jedoch liest, wird heilfroh sein, dass sie es doch noch gewagt hat.

Wie schon die beiden Vorgängerromane, überzeugt auch ";Das Spiel der Könige" mit geschichtlichen Fakten, ansprechenden Charakteren und der besonderen Liebe zum Detail, die Gablés Stil so eigen ist. Allein die Tatsache, wie viele Monate die Autorin für ihre Recherchen nutzt und wie häufig sie Reisen an die Originalschauplätze vornimmt, spricht Bände. Auch wenn im ";Spiel der Könige" mitunter einige Charaktere oder Situationen etwas zu kurz kommen - immerhin werden auf 1.200 Seiten 30 Jahre englische Geschichte erzählt - kann man sich in eine andere Welt fallen lassen und mit den Akteuren mitfiebern.

Mit ihrem neuen Roman schafft die Autorin zum dritten Mal eine authentische mittelalterliche Welt, in die die Leser eintauchen können. Man glaubt, die frische, englische Luft förmlich riechen, den Erbseneintopf schmecken und Julians Schritte über den Burghof hören zu können.

Ein mittelalterlicher Politthriller

Gelegentliche Behauptungen, Gablés Romane seien ";zu wenig historisch" oder ";reine Frauenbücher", erscheinen nahezu grotesk, wenn man ";Das Spiel der Könige" liest. Es ist im Gegenteil viel mehr so, dass dieser Roman - so merkwürdig es klingen mag - eher als mittelalterlicher Politthriller zu bezeichnen ist. Liebesszenen spielen eine untergeordnete Rolle und dienen mehr der Ausschmückung der Geschichte. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängerbänden kann man sogar sagen, dass die Liebe noch weiter in den Hintergrund rückt und noch mehr politische Zusammenhänge erläutert werden. Dies geschieht auf eine authentische Art und Weise, denn sämtliche, auch Nebencharaktere erscheinen vor dem inneren Auge des Lesers so echt, als könnten sie jeden Moment aus den Buchdeckeln springen. Und trotz der geschichtlichen Schilderungen wird es nie langweilig - denn wenn es in der Politik für kurze Zeit ruhig zugeht, wird das Privatleben von Julian und Blanche unter die Lupe genommen.

An dieser Stelle sei auch die Aufmachung des Romans lobend hervorgehoben, verbirgt sich doch im Innern des Schutzumschlages ein wunderschöner Waringham-Stammbaum. Auch die altbekannten Stammbäume der Lancasters, Yorks, der Nevilles und der Tudors sind wieder dabei, sowie eine wirklich herausragende farbige Karte Europas im 15. Jahrhundert.

Rebecca Gablé im Interview

Anlässlich dieses kleinen Specials über ";Das Spiel der Könige" finden Sie hier ein aktuelles Interview mit Rebecca Gablé, in der sie unter anderem über ihre nächsten Pläne, sowie über ";Das Spiel der Könige" spricht.

Gäbe es eine Art Qualitätssiegel für historische Romane, so würden wir Rebecca Gablés Bücher bedenkenlos mit der Goldmedaille prämieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieses einzigartigen Werkes über die Rosenkriege.

Das Spiel der Könige

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