Medici - Die Kunst der Intrige

Erschienen: Mai 2017

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2016, Titel: 'I Medici. Un uomo al potere', Originalausgabe

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Annette Gloser
Die süße Verlockung der Macht

Buch-Rezension von Annette Gloser Mai 2019

Im Dezember 1469 stirbt Piero de‘ Medici. Für die Parteigänger der Medici ist klar, dass nur sein Sohn Lorenzo nun die politische Führung in Florenz übernehmen kann. Pieros älterer Sohn ist ambitioniert, aber seine Liebe gilt auch der Kunst, er verfolgt humanistische Ideale, er liebt Lucrezia Donati, er unterstützt mit Leonardo da Vinci nicht nur einen großen Künstler sondern auch einen guten Freund… Lorenzo zweifelt, ob er die richtige Entscheidung trifft. Aber was bleibt ihm? Soll er die Macht in Florenz den Pazzi, den Pitti und all den anderen Familien überlassen, die schon lange neidisch auf die Medici schauen und immer wieder versuchen, sie zu stürzen? Lorenzo übernimmt den ihm angetragenen Posten und hofft, dass er seinen Idealen gerecht werden kann. Doch sein Amt fordert schwere Entscheidungen von ihm und schon bald merkt Lorenzo, dass seinen Träumen und Wunschvorstellungen eine brutale Realität entgegensteht. Die Macht verändert ihn, und schon bald muss er feststellen, dass auch er nicht gegen die süßen Verlockungen der Macht gefeit ist. Die Feindschaft gegen die Medici schwelt im Verborgenen weiter, Intrigen werden gesponnen, tödliche Anschläge geplant, denn Lorenzos Feinden reicht es nicht, die Medici in die Verbannung zu schicken. Sie wollen den Tod der ganzen Familie!

Ein großer Mäzen und kluger Politiker

„Die Kunst der Intrige“ stellt mit Lorenzo il Magnifico ein weiteres illustres Mitglied der Medici-Familie in den Mittelpunkt eines Romans. Und unter den Männern der Familie ist Lorenzo vielleicht der Interessanteste, obwohl die Medicis wahrhaftig mit zahlreichen interessanten Männern aufwarten können. Matteo Strukul stellt in seinem Roman Lorenzo vor allem als vorausschauenden Politiker dar, aber er zeigt auch den Menschen Lorenzo mit seiner schwierigen Freundschaft zu Leonardo da Vinci und mit seiner großen Liebe Lucrezia Donati. Dabei bemüht sich Strukul zwar weitgehend um eine Darstellung der historischen Fakten, allerdings bekommt Lucrezia eine Rolle, die sie in der Realität wohl nie hatte. Zeitgenossen beschreiben die Beziehung zwischen Lorenzo und Lucrezia als eine rein platonische Liebe, als eine Art damals übliches Gesellschaftsspiel. Solche „Spiele“ entstanden in der Renaissance unter dem Einfluss der Literatur, insbesondere „Canzoniere“ Petrarcas. Nirgends im Roman wird erwähnt, dass Lucrezia Donati 1469 bereits verheiratet war und es bis zum Tod ihres Ehemannes 1496 auch blieb. Der Leser erlebt Lucrezia als eine Frau ohne starke familiäre Bindungen, die eine freie sexuelle Beziehung zu Lorenzo pflegt und ihre eigenen Entscheidungen trifft. Das liest sich gut, das gibt dem Roman auch die sehr emotionale Seite der heimlichen Liebe, aber es ist die freie Erfindung des Autors.

Einen sehr interessanten Blick bekommt der Leser auf Leonardo da Vinci. Strukul zeigt ihn als einen Mann, der von seiner Kunst regelrecht besessen war, sich in naturwissenschaftlichen Studien verlor, oft nicht zu Ende brachte, was er angefangen hatte und doch großartige Werke schuf. Auch der Prozess wegen „Sodomie“, der in Florenz gegen ihn geführt wurde, hat Eingang in den Roman gefunden. Und Matteo Strukul hat eine überraschende Lösung für den Freispruch Leonardos gefunden, auch sie sicher nicht der Realität entsprechend, aber im Verlauf des Romans schlüssig und logisch.

Italienische Politik

Strukul gelingt es, im Roman die verschiedenen Machtinteressen rund um Florenz darzustellen. Da geht es um Land und Alaunminen, um die Herrschaft über Städte und Beziehungen zu einflussreichen Menschen. Es gibt die Anti-Medici-Parteigänger in Florenz, es gibt den Papst, dem die Medici verhasst sind und es gibt die (fiktive) Laura Ricci, deren Groll gegen die Medici schon seit Jahrzehnten schwelt und die nun gemeinsam mit ihrem Sohn und anderen Verschwörern das große Komplott gegen Lorenzo und seine Familie entwirft. Schade allerdings, dass unter den Medici-Gegnern niemand ist, der noch etwas anderes ist als abgrundtief böse und verdorben. Während auf der Medici-Seite unterschiedlichste Charaktere aufwarten, während Lorenzo vielschichtig und konfliktreich geschildert wird, sind seine Gegner eigentlich immer nur eins: Ziemlich fies. Schade, denn der Roman ist durchaus spannend erzählt, selbst wenn man die Geschichte der Pazzi-Verschwörung kennt, aber die einseitige Schilderung der Gegenseite kommt dann eher langweilig daher.

Fazit:

„Die Kunst der Intrige“ ist das gelungene literarische Portrait eines großen Menschen. Groß im Sinne von besonders, herausragend. Matteo Strukul zeigt Lorenzo de‘ Medici als Persönlichkeit mit vielen Konflikten, mit Stärken und Schwächen, mit angenehmen und weit mit weitaus weniger liebenswerten Eigenschaften. Ein Muss für alle, die sich mit italienischer Geschichte beschäftigen, vor allem der Geschichte von Florenz. Durchaus zu empfehlen aber auch für Verschwörungsforscher oder einfach nur für jene Leser, die schon immer etwas mehr über die Medici wissen wollten.

Medici - Die Kunst der Intrige

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