Medici - Das Blut der Königin

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2017, Titel: 'Medici. Und regina al potere', Originalausgabe

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Annette Gloser
Königin und Mutter

Buch-Rezension von Annette Gloser Jul 2017

Als im August 1536 der Dauphin Franz stirbt, werden Prinz Heinrich und seine Gemahlin Caterina de' Medici offiziell die Thronfolger des französischen Königs Franz I. Damit wird Caterina als Dauphine zur Ersten Dame am französischen Hof, denn König Franz ist schon lange Witwer. Aber die Stellung der jungen Frau ist gefährdet, denn bisher hat sie noch keinen Thronfolger zur Welt gebracht. Ihr Ehemann lässt sie links liegen. Für ihn ist sie ein lästiges Anhängsel. Seine Liebe gilt der schönen Diana von Poitiers, die viele Jahre älter ist als er selbst, die ihn schon als Kind betreut hat und die ihn in allen Dingen lenkt und leitet. Caterina ist zwar klug und hat politisches Geschick, doch sie bleibt ohne wirklichen Einfluss, ungeliebt, als "italienische Krämerstochter" verlacht und als hässlich verspottet. Erst als Diana ihn schickt, kommt Heinrich in Caterinas Bett und endlich wird sie schwanger, bekommt in den folgenden Jahren ein Kind nach dem anderen. Aber obwohl sie als "Brutofen" beschäftigt und politisch kaltgestellt werden soll, verliert Caterina nie den Blick auf die Politik. Nach dem Tod ihres Mannes, als Caterina die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn ausübt, werden die Königsfamilie der Valois und Frankreich ihr Lebenszweck. Inmitten politischer Intrigen und religiöser Streitigkeiten verzichtet sie auf ihr persönliches Glück um einem höheren Ziel zu dienen.

Im Dschungel der Intrigen

Das Blut der Königin ist der dritte Teil der Medici-Trilogie von Matteo Strukul. Diese Trilogie gestattet einen außergewöhnlich intensiven Blick auf die florentinische Adelsfamilie. Der dritte Band nun ist Caterina de' Medici gewidmet, die wohl unter den Damen der Familie die am meisten herausragende Stellung einnimmt. Dies nicht nur, weil sie als Königin von Frankreich wohl die höchstmögliche Sprosse der adligen Karriereleiter erklomm, sondern auch, weil sie eine geschickte Taktikerin auf dem politischen Parkett war. Dabei macht der Roman deutlich, wie stark Caterinas Entscheidungen eingebunden waren in die politischen Ränke am französischen Hof, wie wenig Spielraum ihr eigentlich blieb um die Dinge umzusetzen, die sie als richtig und notwendig erachtet hatte. Matteo Strukul stellt dabei sehr detailliert das Geflecht der Beziehungen und Abhängigkeiten unter Frankreichs Adel dar, zeigt auf, wer welche Ziele anstrebte und wessen Interessen vertrat. Als Leser erhält man so einen sehr tiefen Einblick in eine Welt voll Unmoral, Machtgier und gegenseitiger Abhängigkeit. Umso mehr Respekt nötigt einem eine Frau wie Caterina ab, die es versteht, sich in dieser Welt zu behaupten. Selbst wenn man sie bisher nur als die böse Hintergrundfigur der Bartholomäusnacht kannte, so bekommt man jetzt die Chance, Caterina de Medici aus einer anderen Perspektive zu sehen, ihre Motive zu verstehen und ihr möglicherweise auch die Achtung zu zollen, die sie, trotz aller emotionaler Distanz, als starke Frau verdient hat.

Die Ungeliebte

Der Autor stellt seiner Caterina zumindest einen treuen Helfer zur Seite, Raymond de Polignac, der sie liebt und ehrt. So steht sie nicht ganz allein gegen den Rest der Welt, aber immer noch einsam genug. Kontakte zu ihrer Familie in Florenz werden im Roman kaum erwähnt, und in Anbetracht der Tatsache, dass Matteo Strukul sehr genau auch auf viele Kleinigkeiten eingeht, so scheint es solche Kontakte kaum gegeben zu haben, sonst hätte der Autor sie wohl erwähnt. Natürlich ist Caterina die Person im Roman, deren Charakter am intensivsten ausgearbeitet wurde. Es gelingt dem Autor jedoch, auch andere historische Persönlichkeiten sehr genau zu beleuchten. Oft reicht dafür eine Szene im Roman, ein Streiflicht, sozusagen. Die Rolle des Nostradamus wird allerdings, entgegen der historischen Realität, sehr stark betont und mystifiziert. Aber damit kann man als Leser gut leben, zumal der Autor in seinem Nachwort auf diese Abweichung von der Realität hinweist und sie mit dramaturgischen Gründen verteidigt. Großen Raum nimmt die Zurückweisung ein, die Caterina nach ihrer Hochzeit immer wieder erfährt. Man bekommt eine gute Vorstellung davon, welchen Schaden die Seele dieser Frau durch die permanente Zurückweisung nahm. Und es wird verständlich, woher dieser gnadenlose politische Ehrgeiz kam, der sie für ihre Gegner zu einer schrecklichen Feindin machte. Dabei wird im Roman auch deutlich, dass Caterina keineswegs einfach eine Hasserin der Reformation war, sondern sich im Gegenteil sehr offen mit den Ideen der Hugenotten auseinandersetzte. Die Gründe, die dann letztendlich (aus der Sicht des Autors!) zur Bartholomäusnacht führten, werden für den Leser sehr klar und verständlich geschildert.

Detailfreude und emotionaler Tiefgang

Das Blut der Königin ist ein Roman, der mit viel emotionalem Tiefgang ebenso punktet wie mit Detailfreude und historischer Genauigkeit. Solide geschrieben, über weite Strecken spannend und mit wenigen Längen, da macht das Lesen Freude. Man muss nicht unbedingt die anderen beiden Bände der Medici-Trilogie gelesen haben, denn dieser Band steht, ebenso wie seine Vorgänger, für sich und für eine eigenständige Persönlichkeit aus der Familiendynastie. Empfehlenswerte Lektüre für alle, die Interesse an der Florentiner Adelsfamilie und ihren illustren Angehörigen haben, aber auch für jene, die sich für französische Geschichte und die Religionskriege in Frankreich interessieren.

Medici - Das Blut der Königin

Medici - Das Blut der Königin

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Letzte Kommentare:
09.08.2017 10:54:43
U. Juracek

Mir ist an dem Buch aufgefallen, dass die im Stammbaum angegebenen Geburts - und Sterbedaten von Caterina de Medici (1549 - 1609) falsch sind. Richtig muss es heißen 1519 - 1589. Ebenso die Daten ihres Vaters. Aufgefallen ist mir dies beim Vergleich der Jahreszahlen in der Inhaltsangabe mit dem Stammbaum. Ich denke, da ist einiges schief gelaufen.
Von den drei Büchern dieser Serie, fand ich dieses Buch nicht ganz so gelungen, wie die ersten beiden. Trotzdem ist es lesenswert.