Medici - Die Macht des Geldes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2016, Titel: 'I Medici. Una dinastia al potere', Originalausgabe

Couch-Wertung:

83
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Annette Gloser
Il Vecchio Der Alte

Buch-Rezension von Annette Gloser Mär 2017

Im Februar 1429 stirbt Giovanni de Medici. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo übernehmen die Geschäfte in dem florierenden Bankhaus. Lorenzo, der kühle Rechner und heißblütige Kämpfer, und Cosimo, der feinsinnige Kunstliebhaber und taktisch kluge Politiker. Ihr eigener Lebensstil ist eher bescheiden, doch sie wenden viel Geld auf, um die Schönheit und den Ruhm ihrer Heimatstadt zu mehren. Cosimo finanziert den Bau der Kuppel auf dem Dom, das Bankhaus Medici stellt Geld zur Verfügung um Söldnerhauptmänner wie Francesco Sforza zu bestechen und die politischen Interessen der Stadt Florenz zu wahren. Dennoch haben die Medici Feinde, einige davon mit großem Einfluss im Stadtrat. Zu ihnen gehört Rinaldo degli Albizzi, der nichts unversucht lässt, um den Medici zu schaden und der auch nicht vor Mordversuchen zurück schreckt. Ihm gelingt es, die Medici-Brüder aus der Stadt verbannen zu lassen und selbst die Herrschaft in Florenz an sich zu reißen. Doch er scheitert katastrophal. Schon nach einem Jahr holt der Stadtrat Cosimo und Lorenzo zurück. Und wieder stürzen sich beide in die Arbeit, für das Gemeinwohl und für ihre Heimatstadt Florenz.

Vater des Vaterlandes

Medici: Die Macht des Geldes ist der erste Roman einer Trilogie über die Medici. Matteo Strukul führt seine Leser mitten hinein in eine unruhige, gefährliche Zeit, lässt sie regelrecht die giftige Atmosphäre einatmen, die Florenz und den Norden Italiens in der Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte. Es geht um Macht und Einfluss, in der Region oder auch einfach nur in der Stadt. Und recht schnell erfährt man, warum der Roman über Cosimo il Vecchio den Titel Die Macht des Geldes bekam. Oft berichtet der Autor auch aus der Perspektive der Medici-Gegner, so dass man als Leser beide Seiten nachvollziehen kann. Hier gibt sich Matteo Strukul große Mühe, die verwirrende politische Situation im Norden Italiens für den Leser verständlich darzustellen. Es ist also nicht notwendig, Stunden im Internet zu verbringen um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Wer es ganz genau wissen will, kann selbstverständlich das world wide web zu Rate ziehen, aber einen guten Überblick erhält man auch im Laufe des Romans.

Man bekommt den Eindruck, dass der Autor seinen Roman auf einer genauen Recherche aufgebaut hat. Dabei gelingt es Matteo Strukul, vor allem Cosimo als einen Menschen darzustellen, der vorausschauend dachte, politisch in einem fast schon europäischen Rahmen, und dem daran gelegen war, den Ruhm seiner Vaterstadt vor allem durch Kunst und Kultur zu mehren. Und falls man Florenz kennt, dann wird einem beim Lesen bewusst, welche großartige Kunstwerke und Gebäude die Welt der finanziellen Unterstützung Cosimo de Medicis verdankt. In diesem Roman geht es um das Fundament der Macht, welche die Medici aufbauen und über einen langen Zeitraum halten konnten. Dieses Fundament legten Lorenzo und Cosimo wohl gemeinsam, aber Cosimo war offenbar derjenige, der mit seinen Ideen und klugen politischen Schachzügen der Vordenker war. In Florenz wird er "il Vecchio", der Alte, genannt, der Gründer einer großen Dynastie. Als älterer Bruder war er Herr des Hauses Medici und seine Verdienste um Florenz so groß, dass seine Stadt ihn mit dem Titel "Vater des Vaterlandes", pater patriae, ehrte.

Wie ein einfacher Florentiner Bürger!

So fordert es Giovanni de Medici von seinem Sohn Cosimo auf dem Sterbebett. Der Sohn wird sich Zeit seines Lebens daran halten. Matteo Strukul ist es gelungen, auch die innere Haltung Cosimos und Lorenzos aufzuzeigen. Eine ebenso wichtige Rolle spielt das Familienleben, die Verbundenheit der Familie untereinander. Dabei entstehen spannende Charakterbilder der einzelnen Familienmitglieder, vor allem Cosimos und Lorenzos, aber auch ihrer Mutter Piccarda und ihrer Ehefrauen Contessina und Ginevra. Lorenzo und seine Frau Ginevra stehen dabei allerdings im Schatten Cosimos und seiner Contessina. Ebenso interessant, jedoch nicht unbedingt vielschichtig,  ist das Charakterbild Rinaldo degli Albizzis. Natürlich kann auch der Autor in einigen Fällen nur spekuliert haben, es ist ihm jedoch gelungen, ein stimmiges Bild zu schaffen, welches man als Leser gut annehmen kann.

Matteo Strukul erzählt seinen Roman mit viel Elan, baut Spannung auf und kann sie über viele Seiten aufrechterhalten. Ebenso wie im realen Leben der Medici gibt es dann auch die ruhigeren Phasen, die jedoch keineswegs langweilig sind, erfährt man hier doch viel über das Leben in der Familie Medici und über die Stadt Florenz. Einen nicht unerheblichen Anteil hat hier der Bau der gigantischen Domkuppel durch Filippo Brunelleschi, an dem Cosimo regen finanziellen und emotionalen Anteil nahm und dessen Fortschritte er intensiv verfolgte.

Gelungener Auftakt

Medici: Die Macht des Geldes ist der gelungene Auftakt für MediciTrilogie. Ein Roman-Portrait, das Spannung vermittelt, aber auch viele wissenswerte Fakten. Das Nachwort des Autors sollte man durchaus beachten, denn es wirft noch einmal einen sehr genauen Blick auf die Zeit Cosimos und auf einige im Roman geschilderte Begebenheiten. Der Roman liest sich flüssig und ist durchaus geeignet, seinen Lesern ein paar interessante und durchaus auch vergnügliche Stunden zu bescheren. Da kann man nur eine Leseempfehlung aussprechen.

Medici - Die Macht des Geldes

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