Tod am Semmering

Erschienen: Oktober 2016

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2016, Titel: 'Tod am Semmering', Originalausgabe

Couch-Wertung:

65
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Jörg Kijanski
Bekanntes Szenario mit Anlaufschwierigkeiten

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2019

1922. Ernestine Kirsch, Lehrerin im Ruhestand, unterrichtet die Kinder des Süßwarenherstellers Rosenstein, um ihre bescheidene Rente zu erhöhen. Da dessen Frau sich den Knöchel gebrochen hat, schenkt er Ernestine kurzerhand zwei Eintrittskarten für einen exklusiven Tangotanzkurs im Nobelhotel Panhans am Semmering. Ernestine bittet ihren Vermieter, den Apotheker Anton Böck, sie zu begleiten, was der Witwer nicht zuletzt auf Anraten seiner Tochter gerne annimmt. Schließlich locken den Hobbykoch herausragende Speisen, und eine Ausrede für den Tanzkurs wird ihm schon noch einfallen. Insgesamt kann die Gastgeberin zwanzig Personen begrüßen, die nahezu ausschließlich aus höhergestellten Kreisen stammen. Doch schon am ersten Abend zeigen sich erste Probleme, denn offenbar hat man am Personal gespart. Zudem fällt Generaloberst von Rauch wiederholt unangenehm auf, beschwert sich über das vermeintlich schlechte Essen, den miserablen Service und langt später mehr als reichlich beim Whisky zu. Am nächsten Morgen findet ihn das Zimmermädchen tot in seinem Bett.

Ein heftiges Schneetreiben sorgt derweil dafür, dass an ein Verlassen des Hotels nicht zu denken ist. Der Betrieb der Semmeringbahn wurde eingestellt, die Telefonverbindung ist tot. Böck, der Apotheker, kommt gemeinsam mit einem anwesenden Arzt zu dem Ergebnis, dass ein von dem Generaloberst benutztes Whiskyglas nach Schierlingskraut riecht; womöglich ist auch Arsen im Spiel. Die Gäste sind entsetzt, allein Ernestine, die sonst üblicherweise Kreuzworträtsel löst, ist begeistert…

Der Mörder ist mitten unter uns

Das Krimidebüt von Beate Maly greift auf ein bekanntes Setting zurück. Die Gäste des Tanzkurses sowie das Hotelpersonal sind eingeschneit. Ein Verlassen oder Betreten des Hotels ist nicht möglich, so dass sich der Mörder unter den anwesenden Personen befinden muss. Da die Polizei ebenfalls nicht eingreifen kann, „muss“ eine andere Person die Arbeit übernehmen, womit wir bei Ernestine Kirsch wären. Sie löst gerne Zeitungsrätsel aller Art und ist vor allem eines: neugierig. Allerdings bleibt ihr auch kaum etwas Anderes übrig als die „Ermittlungen“ an sich zu reißen, denn wer weiß, ob der Mörder nicht ein weiteres Mal zuschlägt?

„Wir dürfen nicht voreilig handeln. Stellen Sie sich bloß vor, was diese Meldung bewirken wird. Einer von uns ist ein Mörder, und keiner kann in den nächsten Stunden das Hotel verlassen. Panik wird die Folge sein. Hysterie und im schlimmsten Fall Nervenzusammenbrüche. Denken Sie bloß an Frau Zuckerberg, die psychisch nicht sehr stabil wirkt.“

„Ist das nicht furchtbar spannend?“

Soweit so bekannt und so kommt „Tod am Semmering“ etwas altbacken daher. Die beiden Protagonisten Ernestine und Anton werden eingeführt, die weiteren Personen ausreichend vorgestellt. Es zeigt sich schnell, dass außer den beiden Hauptfiguren alle anderen aus besseren Kreisen kommen, jedoch mitunter auf fragwürdige Art an ihr Vermögen kamen. Dass das Opfer der Generaloberst sein wird, ist früh vorhersehbar, denn er hatte fast ausschließlich Feinde unter den Anwesenden; allerdings verstirbt er erst nach rund einem Drittel des Romans. Der Spannungsbogen ist bis dahin überschaubar, um nicht zu sagen unmittelbar über der Null-Prozent-Grenze. Stattdessen: Vorstellung der Personen, die erste Tanzstunde und natürlich reichlich gutes Essen und Trinken. Man befindet sich schließlich in einem Grandhotel.

Der „historische“ Aspekt wird erheblich dadurch eingeschränkt, dass der Roman nahezu ausschließlich in dem Hotel spielt. So beschränkt sich die Autorin darauf, dass über die Kriegserlebnisse einiger Figuren berichtet wird, wenngleich dies recht oberflächlich geschieht. Die zwölfte Isonzoschlacht findet Erwähnung, wo erstmals bunt geschossen wurde, also verschiedene Giftgasgranaten zum Einsatz kamen. Von grausigen Details des Kriegsgeschehens wird man weitgehend verschont, was zum leichten Unterhaltungsstil passt. Wer einen Krimi lesen möchte, der in Wien nach dem Ersten Weltkrieg spielt und dies erlebbar rüberbringt, der ist mit den Romanen von Alex Beer deutlich besser aufgehoben.

Fazit:

Der vom emons-Verlag bemühte Vergleich mit Agatha Christie (man denke an Miss Marple) mag etwas hochgegriffen erscheinen, aber man bekommt einen ungefähren Eindruck, was einen erwartet. Ein cosy, der nur langsam Fahrt aufnimmt und am Ende mit einem altbekanntem Muster aufwartet. Wenig Neues und dennoch lesenswert für Krimileser, die eine Vorliebe für eine leicht schrullige Hauptfigur haben und die vor allem bei der Schilderung der Verbrechen nicht knietief im Blut stehen möchten.

Tod am Semmering

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