Der Schwur des Normannen

Erschienen: Mai 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Der Schwur des Normannen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Carsten Jaehner
Auf der Suche nach einer hoffentlich entführten Frau

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2019

Süditalien, 1054. Gerlaine, die Geliebte des jungen Normannen Gilbert, wurde entführt, und allein wegen des gemeinsamen Sohnes Ivo entschließt er sich spontan, Gerlaine zurück zu erobern. Dies ist umso schwieriger, als dass er dafür von den meisten seiner Kameraden mit Kopfschütteln bedacht wird, hat er doch nur einen winzigen Hinweis dafür, wer die Entführer sein könnten - wenn sie denn überhaupt noch lebt. Doch mit seinen zwei Freunden Thore und Ivain und seinem treuen Hund Loki macht er sich auf den abenteuerlichen Weg.

Dieser Weg führt ihn ins Reich der Sarazenen nach Sizilien, wo er echte und unechte neue Freunde findet, die ihn unterstützen. Darunter ist auch der Zwerg Aristoteles, Anführer einer Gauklergruppe und eine zwielichtige Gestalt, der vielleicht mehr weiß, als er zugibt. Gilbert verfolgte eine dürftige Spur und findet einen Hinweis auf eine Gruppe mit Tätowierungen eines schwarzen Skorpions. Sind sie für die Entführung verantwortlich?

Während seiner Reise gerät Gilbert mit seinen Kameraden nicht nur immer tiefer in Schwierigkeiten, sondern auch in den Kampf zwischen den verschiedenen Religionen, Sklavenhändlern und Stammesfehden, und nur wenige sind auskunftsfreudig und wollen ihm helfen. Doch er gibt nicht auf und entwickelt seine eigenen Strategien, um am Ende doch noch Geschichte zu schreiben.

Gelungener dritter Teil

"Der Schwur des Normannen" ist der dritte Teil der Normannen-Tetralogie, die mit "Der Sturm der Normannen" beendet werden wird. Hauptprotagonist ist wiederum der Normanne und Ich-Erzähler Gilbert, der bei der angesehenen und gefürchteten Hauteville-Familie aufgewachsen ist und trotz Nicht-Verwandtschaft als volles Familienmitglied gilt. In diesem Band wurde seine Geliebte Gerlaine entführt, wobei durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass sie gar nicht mehr lebt, woran Gilbert aber nicht glauben mag.

Eine weitere Motivation ist für ihn, dass er erfährt, dass er einen Sohn hat, den er besucht und als er den Säugling im Arm hält, steht erst recht sein Entschluß fest, nach Gerlaine zu suchen. Es gibt mehr oder weniger nur den Ansatz einer möglichen Spur, aber dieser folgt er, auch wenn alle anderen um ihn herum ihn für verrückt erklären. Diese Spur führt ihn und seine beiden Kameraden Ivain und Thore nach Sizilien.

Ein dickköpfiger Protagonist

Anhand einer vagen Spur zieht Schiewe diesen dritten Teil auf und immer wieder nagen an Gilbert Zweifel, ob er das Richtige tut. Ein paar mal weniger hätte dem Roman gutgetan, dennoch folgt man gerne ihm und den dürftigen Spuren. Schiewe versteht es durch seine Erzählweise, den Leser in die Zeit und in die Region zu holen und immer wenn Leerlauf droht, überbrückt er dies mit interessanten Beschreibungen oder historischen Begebenheiten wie beispielsweise den verschiedenen Aspekten der Sklaverei. So hält er den Leser im positiven Sinne bei Stange.

Wie dem äußerst interessanten Anhang zu entnehmen ist, beruht die Geschichte auf wahren Begebenheiten, und auch die Familie der Hauteville hat es wirklich gegeben, Ich-Erzähler Gilbert hingegen nicht. Dennoch schafft es Schiewe, die Geschichten um Gilbert so in die Zeit einzubetten, dass man das nicht merkt, und schon steckt man mittendrin im Strudel der Ereignisse. Da gibt es Berberfürsten und Emire, die nach Macht streben und die weder vor Schlachten noch vor Entführungen zurückschrecken, die Männer der Schwarzen Skorpione sind undurchsichtig und vielleicht gar nicht existent, und über allem schwebt der sizilianische Hauch von Exotik. Schiewe weiß gekonnt all diese Elemente miteinander zu verbinden und präsentiert dem Leser ein spannendes Bild der Zeit, vor allem auch aus einer Region, aus der man sonst nicht so viel erfährt, geschweige denn von deren Personen.

Interessante Geschichtsstunde

Mit neuen Freunden und alten Feinden gerät Gilbert in Gefangenschaft, wo sich die Gefangenen aus Langeweile selbst Griechisch beibringen, und man mag wirklich nicht mit ihnen tauschen, so real versteht es der Autor, dem Leser Geschmäcker und Gerüche vor Augen zu bringen. Gilbert ist nicht der Überheld und hat seine Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten, vor allem sein fast penetranter Wille, seine Geliebte zu finden, trotz aller Widrigkeiten, kann einem schon auf die Nerven gehen. Doch Schiewes Erzählkunst macht den Roman zu einer gelungenen Geschichtsstunde, nach deren Genuß man sich auf den letzten Teil der Tetralogie freuen darf.

Der Anhang besteht aus einer Karte Süditaliens (warum kommen da die im Buch erwähnten Orte nicht vor und stattdessen zahlreiche unwichtige andere?), einem Personenregister mit realen Figuren (drei Seiten) und fiktiven (eineinhalb Seiten) sowie einem aufschlussreichen Nachwort, dass man NACH der Buchlektüre unbedingt lesen sollte. Es empfiehlt sich, die beiden vorangegangenen Teile vorher gelesen zu haben. Erst dann sollte man zugreifen, was sich aber tatsächlich lohnt. Wir freuen uns aufs Finale!

Der Schwur des Normannen

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