Der Schwur des Normannen

Erschienen: Mai 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Der Schwur des Normannen', Originalausgabe

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82

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Carsten Jaehner
Auf der Suche nach einer hoffentlich entführten Frau

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2019

Süditalien, 1054. Gerlaine, die Geliebte des jungen Normannen Gilbert, wurde entführt, und allein wegen des gemeinsamen Sohnes Ivo entschließt er sich spontan, Gerlaine zurück zu erobern. Dies ist umso schwieriger, als dass er dafür von den meisten seiner Kameraden mit Kopfschütteln bedacht wird, hat er doch nur einen winzigen Hinweis dafür, wer die Entführer sein könnten - wenn sie denn überhaupt noch lebt. Doch mit seinen zwei Freunden Thore und Ivain und seinem treuen Hund Loki macht er sich auf den abenteuerlichen Weg.

Dieser Weg führt ihn ins Reich der Sarazenen nach Sizilien, wo er echte und unechte neue Freunde findet, die ihn unterstützen. Darunter ist auch der Zwerg Aristoteles, Anführer einer Gauklergruppe und eine zwielichtige Gestalt, der vielleicht mehr weiß, als er zugibt. Gilbert verfolgte eine dürftige Spur und findet einen Hinweis auf eine Gruppe mit Tätowierungen eines schwarzen Skorpions. Sind sie für die Entführung verantwortlich?

Während seiner Reise gerät Gilbert mit seinen Kameraden nicht nur immer tiefer in Schwierigkeiten, sondern auch in den Kampf zwischen den verschiedenen Religionen, Sklavenhändlern und Stammesfehden, und nur wenige sind auskunftsfreudig und wollen ihm helfen. Doch er gibt nicht auf und entwickelt seine eigenen Strategien, um am Ende doch noch Geschichte zu schreiben.

Gelungener dritter Teil

"Der Schwur des Normannen" ist der dritte Teil der Normannen-Tetralogie, die mit "Der Sturm der Normannen" beendet werden wird. Hauptprotagonist ist wiederum der Normanne und Ich-Erzähler Gilbert, der bei der angesehenen und gefürchteten Hauteville-Familie aufgewachsen ist und trotz Nicht-Verwandtschaft als volles Familienmitglied gilt. In diesem Band wurde seine Geliebte Gerlaine entführt, wobei durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass sie gar nicht mehr lebt, woran Gilbert aber nicht glauben mag.

Eine weitere Motivation ist für ihn, dass er erfährt, dass er einen Sohn hat, den er besucht und als er den Säugling im Arm hält, steht erst recht sein Entschluß fest, nach Gerlaine zu suchen. Es gibt mehr oder weniger nur den Ansatz einer möglichen Spur, aber dieser folgt er, auch wenn alle anderen um ihn herum ihn für verrückt erklären. Diese Spur führt ihn und seine beiden Kameraden Ivain und Thore nach Sizilien.

Ein dickköpfiger Protagonist

Anhand einer vagen Spur zieht Schiewe diesen dritten Teil auf und immer wieder nagen an Gilbert Zweifel, ob er das Richtige tut. Ein paar mal weniger hätte dem Roman gutgetan, dennoch folgt man gerne ihm und den dürftigen Spuren. Schiewe versteht es durch seine Erzählweise, den Leser in die Zeit und in die Region zu holen und immer wenn Leerlauf droht, überbrückt er dies mit interessanten Beschreibungen oder historischen Begebenheiten wie beispielsweise den verschiedenen Aspekten der Sklaverei. So hält er den Leser im positiven Sinne bei Stange.

Wie dem äußerst interessanten Anhang zu entnehmen ist, beruht die Geschichte auf wahren Begebenheiten, und auch die Familie der Hauteville hat es wirklich gegeben, Ich-Erzähler Gilbert hingegen nicht. Dennoch schafft es Schiewe, die Geschichten um Gilbert so in die Zeit einzubetten, dass man das nicht merkt, und schon steckt man mittendrin im Strudel der Ereignisse. Da gibt es Berberfürsten und Emire, die nach Macht streben und die weder vor Schlachten noch vor Entführungen zurückschrecken, die Männer der Schwarzen Skorpione sind undurchsichtig und vielleicht gar nicht existent, und über allem schwebt der sizilianische Hauch von Exotik. Schiewe weiß gekonnt all diese Elemente miteinander zu verbinden und präsentiert dem Leser ein spannendes Bild der Zeit, vor allem auch aus einer Region, aus der man sonst nicht so viel erfährt, geschweige denn von deren Personen.

Interessante Geschichtsstunde

Mit neuen Freunden und alten Feinden gerät Gilbert in Gefangenschaft, wo sich die Gefangenen aus Langeweile selbst Griechisch beibringen, und man mag wirklich nicht mit ihnen tauschen, so real versteht es der Autor, dem Leser Geschmäcker und Gerüche vor Augen zu bringen. Gilbert ist nicht der Überheld und hat seine Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten, vor allem sein fast penetranter Wille, seine Geliebte zu finden, trotz aller Widrigkeiten, kann einem schon auf die Nerven gehen. Doch Schiewes Erzählkunst macht den Roman zu einer gelungenen Geschichtsstunde, nach deren Genuß man sich auf den letzten Teil der Tetralogie freuen darf.

Der Anhang besteht aus einer Karte Süditaliens (warum kommen da die im Buch erwähnten Orte nicht vor und stattdessen zahlreiche unwichtige andere?), einem Personenregister mit realen Figuren (drei Seiten) und fiktiven (eineinhalb Seiten) sowie einem aufschlussreichen Nachwort, dass man NACH der Buchlektüre unbedingt lesen sollte. Es empfiehlt sich, die beiden vorangegangenen Teile vorher gelesen zu haben. Erst dann sollte man zugreifen, was sich aber tatsächlich lohnt. Wir freuen uns aufs Finale!

Der Schwur des Normannen

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Letzte Kommentare:
03.09.2015 19:02:11
Hannes

Auch der dritte Band hält das, was die beiden vorangegangenen erwarten ließen. Ulf Schiewe hat einfach eine Hand dafür, unbekannte Ereignisse aus einer Gegend, die man geschichtlich nur mit dem Grab im Busento und Stupor Mundi in Verbindung bringt spannend, unterhaltend und gut fundiert näher bringt.
Das tollste ist, dass es wahrscheinlich mindestens noch einen vierten Band geben wird.

12.07.2015 15:55:34
wampy

Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Der Schwur des Normannen

„Der Schwur des Normannen“ erschien 2015 als Taschenbuch im Knaur Verlag.

Klappentext:

Süditalien 1054: Gerlaine, die Geliebte des jungen Normannen Gilbert, ist von Sklavenjägern entführt wurden. Die einzige Spur führt mitten in Feindesland nach Sizilien, dem Reich der Sarazenen. Nur zwei seiner Gefährten sind bereit, ihm zu folgen. Bald schon geraten sie in höchste Gefahr  Machtkämpfe zwischen Berberfürsten, tödliche Anschläge arabischer Gotteskrieger und die Heimtücke des berüchtigten schwarzen Emirs bedrohen sie.

Meine Meinung:
Auch im nunmehr dritten Teil der Serie um Gilbert gelingt es dem Autor, eine spannende und fesselnde Geschichte zu erzählen. Er erfährt, dass er Vater geworden ist und das seine große Liebe Gerlaine von Sklavenjägern verschleppt wurde. Ohne großes Nachdenken macht sich Gilbert auf die Suche. Mit ein paar Vertrauten und seinem Hund Loki nimmt er die Suche in Sizilien auf. Wie immer erleidet er den ein oder anderen Rückschlag, findet aber auch die ein oder andere unerwartete Unterstützung. Wie bei den beiden Vorgängerromanen verknüpft Ulf Schiewe gekonnt fiktive und historische Elemente. Besonders beeindruckt hat mich die Entwicklung Gilberts von einem willfähigen Werkzeug zu einem unabhängigen Mann, der sich so seine Gedanken macht und sein Tun reflektiert. Hinzu kommt der bildhafte Schreibstil des Autors, der dem Leser das Gefühl gibt, sich vor Ort zu befinden und im Geschehen eingebunden zu sein. Es ist diese Mischung zwischen den den sehr spannenden Abenteuerelementen und den ruhigen Elementen mit Reflektion oder Informationsvermittlung, die dieses Buch so faszinierend macht. Obwohl Gilbert längst nicht alles richtig macht und auch die ein oder andere Charakterschwäche hat, ist er der Sympathieträger schlechthin. Vielleicht auch wegen seiner Schwächen fiebert man mit ihm.
Eine Landkarte, ein Personenregister und Anmerkungen des Autors zu seiner Interpretation der historischen Fakten runden das Buch ab.

Fazit:
Zusammenfassend kann ich nur sagen, das mich dieses Buch noch mehr als die ersten Bände beeindruckt hat. Ich hatte das Gefühl live dabei zu sein und habe viel von einem mir unbekanntem Stück Geschichte erfahren. Ich freue mich schon auf den angekündigten vierten Teil. Die Kenntnis der Vorgängerromane ist für das Verständnis des Buches nicht erforderlich. Wer aber die Entwicklung Gilberts in vollen Zügen genießen will, der sollte die Romane in Erscheinungsfolge lesen.

24.06.2015 08:23:57
leseratte1310

Gilbert muss erfahren, dass seine Gerlaine von Sklavenhändlern entführt wurde. Obwohl ihm alle abraten, versucht er Gerlaine zu finden. Ein Hinweis führt ihn nach Sizilien. Begleitet wird er von seinen Freunden Thore und Ivain. Die Reise ist voller Gefahren und dann geraten sie auch noch in Gefangenschaft. Haben sie die Mühen etwa vergebens auf sich genommen?
Es handelt sich um den dritten Teil der Normannen-Saga.
Gilbert berichtet uns aus seiner Sicht, was ihn bewegt und warum er die Gefahren auf sich nimmt. Er ist jung, abenteuerlustig und liebt Gerlaine. Im Traum hat er Bilder gesehen und er weiß, dass es seiner Liebsten nicht gut geht und er sie unbedingt finden muss. Seine Freunde raten ihm ab, es sei hoffnungslos, doch Gilbert kann und will nicht aufgeben. Er ist sympathisch, stur, optimistisch und bisweilen ein wenig leichtsinnig. Seine Freund Thore ist ein richtiger Weiberheld, doch auf Sizilien trifft auch er eine Frau, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Sie werden beobachtet und obwohl sie es bemerken, sehen sie die Gefahr nicht und geraten sehr bald in Gefangenschaft. Im Kerker versuchen Gilbert und seine Freunde, nicht lethargisch zu werden. Sie lenken sich ab, indem sie versuchen Griechisch zu lernen. Als sie weitergereicht werden, stellen sie fest, dass auch sie nur Sklaven vom Emir und seiner Frau Maymunah sind. Gilbert weiß zu reden und redet sein Gegenüber schwindelig, um weiter seine eigenen Ziele zu verfolgen.
Immer wieder taucht auch Loki, der Hund von Gilbert, auf. Ohne Rücksicht verteidigt er heldenhaft sein Herrchen.
Die Geschichte beginnt spannend und hält den hohen Spannungsbogen bis zur letzten Seite. Dabei geht es nicht nur um Liebe und Freundschaft, sondern auch um Rache und Verrat. Dabei kann trotzdem noch sehr schön seine Geschichtskenntnis auffrischen oder sogar erweitern. Sehr gut hat mir auch die Beschreibung der Handlungsorte gefallen, so dass ich die Bilder förmlich vor Augen hatte. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und oft auch sehr humorvoll.
Ein wundervoller historischer Roman.

01.06.2015 07:27:13
Orange

Mit „Der Schwur des Normannen“ liegt uns nun der dritte Teil der Normannen-Saga von Ulf Schiewe vor.
Nach Gerlains Entführung durch Sklavenhändler macht sich Gilbert zusammen mit seinen Gefährten Thore und Ivain und natürlich seinen treuen Hund Loki auf nach Sizilien um sie zu suchen. Ohne Sprachkenntnisse und Wissen über die politischen Gegebenheiten ist dies keine einfache Aufgabe. Zudem tobt in Sizilien der Machtkampf um die Vorherrschaft. Auf Gilbert und seine Männer warten also eine Menge Abenteuer.
Mit seinen bildlichen Schreibstil nimmt der Autor den Leser sogleich gefangen. Man spürt förmlich die flirrende Mittagshitze und hält bei einigen Situationen gespannt den Atem an. Sehr gut dargestellt werden auch die Unterschiede der einzelnen Religionen und das Unverständnis untereinander. Hier ist ein Gegenwartsbezug sicher nicht ungewollt. Auch das teilweise unwürdige Leben der SklavenInnen wird thematisiert und geschildert.
Wer alle drei Bände gelesen hat, wird die Entwicklung Gilberts vom unbedarften Jüngling zum jungen Mann erkennen, der nicht mehr alles blind hinnimmt und sich seine einigen Gedanken macht. Diese Entwicklung ist für mich absolut glaubwürdig. Auch über seine leiblichen Eltern erfährt er in Sizilien einiges.
Obwohl man sicher diesen Band einzeln lesen kann, empfehle ich die Einhaltung der Reihenfolge. Erst dann wird das Bild richtig rund, erschließen sich manche Szenen und man kann die Handlungen besser nachvollziehen. Zudem hat man damit auch zwei weitere Bücher voller Lesegenuss vor sich.

31.05.2015 18:54:03
tassieteufel

Ulf Schiewes großartige Normannensage wird nun mit dem 3. Band nahtlos fortgeführt. Der junge Normanne Gilbert macht sich nach einem Streit mit Robert Hauteville auf den Weg nach Argentano um dort nach dem Verbleib seiner Geliebten Gerlaine zu forschen, die von Sklavenhändlern entführt wurde. Doch zunächst wird er damit konfrontiert, dass er Vater geworden ist. Die Suche nach Gerlaine gestaltet sich schwierig, da überhaupt nicht klar ist, wo er mit seinen Nachforschungen beginnen soll. Doch je mehr Gilbert zu hören bekommt, die Sache sei aussichtslos, um so hartnäckiger treibt er sein Ansinnen voran. Schließlich setzte er mit seinen Freunden Thore und Ivain nach Sizilien über und gerät schon bald zwischen die Fronten machthungriger Berberfürsten und ins Visier des heimtückischen schwarzen Emirs.

Wie man es aus den Vorgängern kennt, verknüpft der Autor auch diesmal reale historische Begebenheiten mit seiner spannenden, fiktiven Geschichte um den jungen Normannen Gilbert. Hier gelingt es dem Autor auf großartige Weise und mit sehr bildhafter Sprache ein Stück Geschichte zu vermitteln, das vermutlich den Wenigsten bekannt ist.
Ich-Erzähler Gilbert, dem der Leser bereits durch 2 spannende Geschichten gefolgt ist, hat dabei eine glaubwürdige und sehr interessante Entwicklung durchlaufen und ist inzwischen zu einem ungewöhnlichen Mann herangereift, der vieles hinterfragt und dabei keineswegs perfekt ist. Seine Suche nach Gerlaine bringt viele Gefahren mit sich und ihm und seinen Begleitern wird viel abverlangt. Auch hier zeichnet Gilbert aus, dass er erkennt und hinterfragt, was er den Gefährten eigentlich alles zumutet und ob das gerechtfertigt ist.
Auch die Nebencharaktere schildert der Autor lebensnah und mit viel Liebe zum Detail, so dass keiner von ihnen bloße Staffage bleibt. Man fühlt mit ihnen mit und kann sich in die einzelnen Schicksale hineinversetzen. Und so hat man das Gefühl, dass auch die fiktiven Figuren in dieser Weise durchaus gelebt haben könnten.
Gilberts Suche nach Gerlaine ist von Anfang an spannend und das liegt auch an den überraschenden und unerwarteten Wendungen mit denen der Autor hier aufwartet. Es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen und sich dem Sog der Geschichte zu entziehen.
Neben der gelungenen Verknüpfung von Fakten und Fiktion hat Ulf Schiewe einen wunderbar bildhaften und plastischen Schreibstil. Land und Leute werden detailliert und prägnant beschrieben, ohne dass das Ganze zu ausufernd wird. Vielmehr kann man förmlich eintauchen in Farben und Gerüche, sieht Landschaften und fremde Kulturen vor sich und kann in eine ferne Welt eintauchen. Man riecht förmlich den Gestank im Kerker oder den Duft der in der Mittagshitze den Kräutergärten entströmt. Ebenso ist es dem Autor gelungen, die Unterschiede und das Unverständnis zwischen den Religionen aufzuzeigen, die sich auch über 1000 Jahre bis heute gehalten haben. Gilbert der als Normanne weder Christ noch Moslem ist, hat hier einen ganz einzigartigen Blick als Außenstehender und kann mit Verwunderung auf viele Unsinnigkeiten blicken, die religiöser Wahn hervorgebracht hat.

In Anhang gibt es ein Personenregister und einige Erläuterungen des Autors zu Fakten und Fiktion, sowie seiner Interpretation einiger geschichtlicher Ereignisse. Diese runden das Buch gut ab und machen neugierig auf ein recht unbekanntes Stück Geschichte.

FaziT: eine lebendige und sehr spannende Geschichte wird hier fortgeführt, die mit einer bildhaften und intensiven Schilderung der Geschehnisse, lebensnahen und glaubwürdigen Charakteren und einer gekonnten Verknüpfung von historischen Fakten und Personen mit fiktiven Ereignissen aufwartet. Hier darf man mehr als gespannt auf die Fortsetzung sein, sich darauf freuen und hoffen das es nicht zu lange dauert!

30.05.2015 21:50:48
Jana68

Die normannische Eroberung Süditaliens im 11. Jahrhundert unter Führung der Hautevilles ist bei historischen Romanen ein eher vernachlässigtes Thema. Ulf Schiewe greift es in seiner Normannen-Saga auf und schafft ein großes Leseabenteuer, bei dem Fiktion und belegte Geschichte bestechend miteinander verwoben sind und der Leser das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein.
Der gerade erschienene 3. Band "Der Schwur des Normannen" macht die Saga zu einer runden und stimmigen Geschichte, die mit dem ersten Eingreifen der Hautevilles in die Geschicke Siziliens einen vorläufigen Abschluss findet.
Erzählt wird aus der Sicht der fiktiven Person Gilbert, der als kleiner Junge in diese normannische Adelsfamilie aufgenommen und inzwischen wie einer der ihren behandelt und verstanden wird. Durch die ICH-Perspektive steht man dem Protagonisten bei Entwicklung und Werdegang zur Seite, durchlebt mit ihm Zweifel, Hoffnung, Niederlage und Erfolg, als könnte man in seine Seele blicken.

Gilberts große Liebe Gerlaine ist entführt wurden und unser Held macht sich auf, sie zu suchen - nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihren gemeinsamen Sohn Ivo, der zu Hause auf seine Eltern wartet. Zunächst erscheint das Unterfangen beinah aussichtslos, denn es gibt nur vage Vermutungen, durch wen und vor allem wohin Gerlaine entführt wurde. Gilbert folgt vor allem Indizien und seinem Instinkt, als er sich auf den Weg nach Sizilien macht. Zu Beginn dieser Suche liegt er mit Robert "Guiscard" im Streit, dessen Verhalten in Salerno (Bd. 2) er keineswegs gut hieß und durch den er sich in seiner Treue und Ergebenheit bereits mehrfach ausgenutzt fühlte.
Gilbert ist ein außergewöhnlicher Mensch, aber keineswegs perfekt. Er ist klug und mutig, mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit; einer der die Welt verstehen will anstatt nur für einen Sold die Schlachten der anderen zu schlagen. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass er Religionen wie den Islam und das Christentum ehrlich hinterfragt und sich Gedanken macht, über Sinn und Unsinn kriegerischer Auseinandersetzungen, die damit im Zusammenhang stehen.
Die Suche nach Gerlaine unternimmt er quasi im Alleingang, immerhin zwei seiner treuesten Freunde, Thore und Ivain, begleiten ihn. Neue Gefährten und Verbündete kommen dazu, wie Ismael und Gunnar. Schnell wird Gilbert bewußt, welche enorme Verantwortung er übernommen hat. Das läßt ihn gelegentlich wanken, aber niemals aufgeben.

Er ist durch eine raue Schule gegangen auf der Suche nach dem Sinn seines Daseins. Er ist aufrichtig und offen, manchmal noch ein wenig zu gutgläubig, wagemutig und draufgängerisch. Auf seiner langen und steinigen Reise findet er seine eigenen Wurzeln und erfährt wahre Freundschaft. Sie geraten mitten hinein in eine Fehde zwischen Berberfürsten, werden von den schwarzen Wüstenskorpionen, einer fanatischen Schlägertruppe um al-Malik, gefangengenommen und als Sklaven verkauft. Es tun sich Parallelen auf zu radikalen Gruppierungen von heute, wodurch eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen wird, denn es ist vor allem der ewige Kampf zwischen verschiedenen Religionen, der unsere Welt schon so oft an den Rand des Abgrunds geführt hat.
Mit Strategie und Cleverness gelingt Gilbert der Befreiungsschlag, denn er kann sich auf seine normannischen Gefährten auf dem Festland verlassen. Sie greifen in den Krieg zwischen den Berberfürsten al-Thumnah und al-Hawwas ein, wohl nicht ganz ohne Hintergedanken an Bündnisse, die in Zukunft noch von politischer und strategischer Bedeutung sein könnte. Hierbei kann besonders Roger, der jüngste Sohn der Hautevilles durch Ausstrahlung und Einsatzbereitschaft beeindrucken. Er überzeugt als eine echte Führungspersönlichkeit, von ihm werden wir ganz bestimmt noch lesen...
Die Wirrnisse dieser Auseinandersetzungen ermöglichen es Gilbert und seinen Helfern, Gerlaine zu befreien. Doch es lauert noch immer spürbare Gefahr, denn ein echter Sarazene läßt sich nur ungern bezwingen.
Die Lebendigkeit dieser Saga ist auch der beeindruckenden Beschreibung der Schauplätze zu verdanken. Es gelingt dem Autor nahezu perfekt, die Orte des Geschehens und die Atmosphäre darin so eindrucksvoll einzufangen, dass man in der Tat durch die Gassen schlendert, das Obst riecht und schmeckt, dem Rauschen des Meeres lauscht und in Ehrfurcht vor dem steilen Felsen der Burg Aci Castello erstarrt. Dadurch wird eine Authentizität vermittelt, welche eine besondere Stärke dieser Saga ist. Chapeau!

Das Ende des Buches ist ein Gutes; doch ist die Geschichte damit noch nicht zu Ende. Es wird weiter gehen und wir dürfen gespannt sein, wie sich Gilbert behauptet, denn nun wird er eine eigene Familie haben und somit eine ganz andere Verantwortung tragen. Er ist den Hautevilles in gewisser Weise verpflichtet, vielleicht jetzt erst recht. Ich bin sicher, sie werden das einfordern, denn da ist ja noch Sizilien, das die Normannen noch erobern wollen...Lass uns bitte nicht zu lange warten, Ulf!

30.05.2015 11:04:00
LizzyCurse

So spannend wie der letzte Band zu Ende ging, so aufregend beginnt dieser dritte Band der Normannensage von Ulf Schiewe.
Gerlaine, Gilberts Geliebte wurde geraubt und er macht sich gemeinsam mit zwei Gefährten auf nach Sizilien um seine Geliebte zurückzuholen. Bald schon geraten sie zwischen die Fronten der Berberfürsten und die Heimtücke des berüchtigten schwarzen Fürsten bedrohen sie. Zudem stellt sich noch das Rätsel um den schwarzen Skorpion!

Es gibt nicht viele historische Romane, die meinen Geschmack genau ins Herz treffen. Dieses Buch hat es geschafft. Gewann ich Gilbert und seine Jungs, Gerlaine und all die anderen in den vorherigen Bänden lieb, wurden sie mir in diesem Buch richtig teuer. Gilbert, der seine Liebste retten will, voran. Und natürlich die Promenadenmischung Loki, die ich besonders ins Herz geschlossen hatte. Dieser Hund verdient einen riesen großen Knochen mit Fleischbeilage! Ich konnte von Beginn an mit den Charakteren mitfiebern. Manche habe ich auch hassen gelernt, und manchen musste ich meinen größten Respekt zollen. Den neuen wie den alten Charakteren. Den Araber Ismael und den Gaukler, hinter dem mehr steckt, als das Auge auf den ersten Blick sieht, fand ich besonders Interessant. Alles in allem stellt Ulf Schiewe tolle Charakter auf, um das Abenteuer an Gilberts Seite zu bestreiten. Nichts anderes erzählt er nämlich in diesem Roman. Eine Abenteuergeschichte, voller Intrigen, Gefahren, Gefangenen und Gold. Listigen Schachzügen und Freundschaft und Mut.
Der Autor beweist einmal mehr seine Fähigkeit, den historischen Rahmen ebenso detailgetreu wie interessant, mit einer Spannenden Handlung und tollen Charakteren zu verknüpfen. Er erzählt Geschichten, in die man förmlich hineingesorgen wird und aus der man auch nicht wieder so einfach entkommen kann. Er schafft es selbst fünf Minuten zu einer spannenden Odyssee werden zu lassen.

Im Endeffekt fühlte ich mich vom gesamten Buch köstlich unterhalten. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mit ihnen gelitten, geflucht und gelacht! Und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste an einem guten Buch. So ganz „nebenbei“ gelingt es Ulf Schiewe Wissen zu vermitteln über eine historische Epoche, über die ich erst durch seine Normannenbücher weis. Und ich bin gespannt, mehr darüber zu erfahren! Aus diesem Grund vergebe ich liebend gern fünf Sterne für ein Abenteuerliches Buch und knabbere an meinen Nägeln in Erwartung auf das nächste!

28.05.2015 20:36:41
mabuerele

„...Aber wenn man sich auf eines verlassen kann, dann ist es, dass die Weiber tratschen...“

Der Normanne Gilbert reitet nach San Marco Argentano. Hier in Kalabrien wartet sein Söhnchen Ivo auf ihn. Gerlaine, die Mutter des Jungen, wurde von Sklavenhändlern entführt. Gilbert kennt kein anderes Ziel, als Gerlaine zu finden und auszulösen. Alle raten ihn davon ab, doch er schwört, sie zu suchen und zurück zu bringen.
Wir schreiben das Jahr 1054. Gilbert erzählt uns die Geschichte selbst. Dass der Ich-Erzähler ein Mann mit dem einen oder anderen Vorurteil ist, beweist das obige Zitat.
Gilbert macht sich mit seinen Freunden und Kampfgefährten Thore und Ivain auf den Weg nach Sizilien. Seinen Sohn weiß er in sicherer Obhut bei Alberada, der Frau von Robert..
Es handelt sich um den dritten Teil der Normannen-Saga. Die Geschichte beginnt spannend und kann den hohen Spannungsbogen bis zur letzten Seite halten.
Die Protagonisten sind gut charakterisiert. Gilbert ist zielstrebig, manchmal auch stur, aber ein Mann des Ausgleichs. Das ist in einer Weltgegend, in der in der damaligen Zeit verschiedene Völker und Religionen aufeinandertreffen, von unschätzbarem Wert. Trotzdem sind auch bei ihm Fehlentscheidungen nicht ausgeschlossen. Thore und Ivain stehen ihm treu zur Seite, trotz dass Thore die Augen nicht von den Frauen lassen kann, die ihnen hie und da begegnen. Eine interessante Persönlichkeit war für mich auch Vater Georgius. Harte Schale, weicher Kern trifft es bei ihm ziemlich gut. Sicher fehlen hier eine ganze Reihe von Namen, doch das würde den Rahmen der Rezension sprengen. Eine besondere Rolle spielt Loki, der Hund von Gilbert. Er ist der eigentliche Held der Geschichte.
Das Buch lässt sich flott lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Das liegt an der abwechslungsreichen Handlung und den angenehmen Schriftstil. Der Autor lässt mich tief in die Historie der damaligen Zeit eintauchen. Er erzählt nicht nur ein spannendes Abenteuer, sondern legt auch die historischen Zusammenhänge und Gegebenheiten offen. Dazu gehören auch Rückblenden in die Vergangenheit von Kalabrien und Sizilien. Dabei gelingt es ihm, das wie nebenbei in die Geschichte einzuflechten.
Die Handlungsorte werden so ausführlich beschrieben, dass sofort ein Bild im Kopf entsteht. Aussagekräftige Dialoge beschäftigen sich nicht nur mit den Fortgang der Handlung, sondern auch mit Themen, die bis heute aktuell sind. Dazu gehören unter anderem die Toleranz gegenüber dem Glauben des anderen und die Unmenschlichkeit der Sklaverei. Natürlich prallen dabei unterschiedliche Meinungen hart aufeinander. Stellen voller trockenem Humor lockern die Handlung auf.
Kampfszenen werden umfassend dargestellt, ohne bei dem in dieser Zeit blutigem Gemetzel zu sehr ins Detail zu gehen. Sehr gut werden die grundlegenden Unterschiede in der Lebensweise und den Ansichten zwischen den Normannen und den Sarazenen herausgearbeitet. Verrat, Rache und Intrige ziehen sich genauso durch die Geschichte wie Treue und Freundschaft.
Der Autor versteht es, manch zusätzliche Information über das historische Umfeld im Text unterzubringen.
Eine Karte, ein Personenverzeichnis und ein informatives Nachwort des Autors vervollständigen das Buch.
Das Cover mit dem Kopf des Normannenkriegers vor dunklen Hintergrund passt zum Inhalt.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist ein historischer Roman, der seinen Namen verdient. Es wurde nicht nur eine fesselnde Geschichte erzählt und historische Fakten vermittelt. Viele kleine Feinheiten und Einfälle machen Lesen des Buches zu einem Genuss.