Das Schwert des Normannen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Das Schwert des Normannen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87

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Carsten Jaehner
Die Normannen erobern den Mezzogiorno

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2013

Kurzgefasst:

Die Normandie im 11. Jahrhundert: Der berüchtigte Robert Guiscard von Hauteville, genannt das Schlitzohr, ist auf der Flucht nach Süditalien, wo seine Brüder sich als Kriegsherren einen Namen gemacht haben. Unter Roberts Gefährten befindet sich der 17-jährige Gilbert, dessen Herkunft im Dunkeln liegt und der bei den Hautevilles als Schweinehirt aufgewachsen ist. Seine Treue und Waghalsigkeit lassen ihn schnell zu Roberts engstem Vertrauten werden. Sie beginnen als Raubritter, für die nichts als Gold zählt, und sind doch dabei, ein Reich zu schaffen, das in ­Europa seinesgleichen suchen wird.

 

In der Normandie des 11. Jahrhunderts leben unter anderem die reichen Hautevilles, von denen sich die Söhne nach und nach auf nach Italien machen, um dort in fremden Heeren Dienst zu tun, wie es sich einst für Normannen gehörte. Nachdem einige bereits erfolgreich nach Süden gezogen sind und sich dort als Kriegsherren einen Namen gemacht haben, zieht es auch Gilbert nach Italien. Gilbert wurde einst von den Hautevilles entführt, zählt aber nach all den Jahren als Familienmitglied.

Der 17jährige Gilbert zieht gemeinsam mit Robert de Hautville, genannt Robert Guiscard, das Schlitzohr, und weiteren Normannen nach Süden. Unter ihnen ist auch Gerlaine, Gilberts "Freundin", die ihm zwar zugeneigt ist, aber sie sind kein Paar. Als junger Mann verkleidet begleitet sie ihn dennoch, zumal sie ihre Familie verloren hat und über seherische Fähigkeiten verfügt.

Sie gehen nach Melfi, wo ihre Brüder Williame und Drogo als Grafen residieren und sich einen Namen gemacht haben. Robert langweilt sich schnell bei seinen Brüdern und begeht mit seinen Männern Raubzüge, die seine Brüder bald in Erklärungsnot bringen. Abgesehen davon hat er sich dabei recht geschickt angestellt, auch wegen der Mithilfe von Gilbert, der einen klugen Kopf hat und auch mit dem Schwert immer besser umgehen kann. Trotzdem gelingt es Robert, sich ebenfalls im Mezzogiorno einen Namen zu machen und ein gefeierter Kriegsheld zu werden. Wenn da nicht doch noch die Frauen wären...

Flotte Erzählung

Ulf Schiewe entführt den Leser mit seinem Roman Das Schwert des Normannen in die Normandie und vor allem das Mezzogiorno Italiens im 11. Jahrhundert und verschafft dem Leser auf knapp 400 Seiten einen interessanten Einblick in Zeit und Ort. Damit bleibt er deutlich unter seiner sonst gewohnten Seitenzahl, was aber der Intensität seiner Erzählung keinen Abbruch tut.

Schiewe kommt schnell zur Sache und hält sich nicht mit unnötigem Einleitungsgeplänkel auf. Überhaupt legt er mit seinem Roman ein gehöriges Tempo vor, doch auch ruhigere Momente kommen nicht zu kurz. Schiewe erzählt in der Einleitung nur das nötigste, was für die Romankonstellation wichtig ist und schickt seine Protagonisten recht schnell über die Alpen in den Mezzogiorno. Dort trifft Robert auf seine Brüder, und schon bald wird ordentlich gekämpft. Da werden Heiligtümer überfallen und Dörfer niedergemacht, und die Normannen werden schnell ihrem Ruf gerecht. Wurden die Normannen jedoch vormals hauptsächlich als Söldner von Lombarden angeheuert, so werden die Normannen bald durch ihre Erfolge ermutigt und kämpfen auf eigene Rechnung.

Die Normannen machen sich selbständig

Höhepunkt des Buches ist die Schlacht von Civitate 1053, wo die Normannen gegen Soldaten von Papst Gregor IX., Schwaben von Kaiser Friedrich, Lombarden und Langobarden kämpfen und einen ersten wirklich bedeutenden Sieg davontragen und sich somit in Italien festsetzen. Diese Schlacht wird von Schiewe auch taktisch gut beschrieben und weidet sich nicht in unnötigen blutigen Details, wenngleich der Schrecken des Schlachtfeldes trotzdem authentisch eingefangen wird.

Schiewes Charaktere sind gut und authentisch beschrieben, zumal es sich zum Großteil um tatsächlich reale Personen handelt (hier wäre ein Personenregister aufschlussreich gewesen). Schiewe bemüht sich, seine Figuren lebendig zu zeichnen und sie mit menschlichen Zügen auszustatten, was auch in den meisten Fällen gelingt. Der Ich-Erzähler Gilbert durchlebt eine enorme Entwicklung vom Aufbruch in der Normandie bis zur Schlacht von Civitate, auch gebeutelt durch sein stetes hin und her in seiner Beziehung zu Gerlaine. Robert ist ein Schlitzohr, der sich nicht leicht etwas sagen lässt und hauptsächlich auf sich selbst und seinen Erfolg und Ruhm fixiert ist. Das wird ihn zu einer historisch bedeutenden Persönlichkeit machen, in der Nachfolge seiner Brüder, die, so sie denn auftauchen, ebenfalls gut beschrieben werden. Überhaupt wird das Verhältnis der Brüder untereinander und mit Gilbert als anerkanntem Familienmitglied immer wieder betont und zeigt so, das Blut doch dicker als Wasser ist.

Gilberts Verhältnis zu Gerlaine ist nicht die einzig komplizierte Beziehungsgeschichte im Roman. Robert verliebt sich direkt bei seiner Ankunft in Italien in Alberada, eine Tante seines Wohltäters, deren Schönheit ihrem Ruf weit vorauseilt. Doch auch hier ist alles nicht so einfach, denn er ist mit seiner Verliebtheit nicht der einzige.

Pralles Leben

Insgesamt ist Ulf Schiewe ein authentischer Roman gelungen, der sich flott lesen lässt und der einen hervorragenden Einblick in geschichtliche Ereignisse gibt, die sonst nicht im Fokus historischer Romane stehen. Dabei hat Schiewe gut recherchiert und die Lebensgeschichte der Familie der Hautevilles beschrieben, wie sie tatsächlich passiert ist. Seine Charaktere sind bunt gewürfelt und voll prallem Leben, und Langeweile kommt auf keiner Seite auf.

Allerdings birgt die straffe Erzählung auch die Gefahr, dass manche Erzählstränge vielleicht zu kurz und zu oberflächlich werden, wie beispielweise die Reise über die Alpen, bei der man das Gefühl hatte, dass der Autor sie lieber ganz weggelassen hätte, um seinem eigentlichen Erzählziel schneller näher zu kommen. Hier hätte man noch dramatischer und intimer erzählen können, zumindest aber etwas ausführlicher.

Der Roman hält sich nicht mit unwichtigen Erzählteilen auf und kommt schnell, manchmal zu schnell, auf den Punkt. Lesenswert ist auf jeden Fall das ausführliche Nachwort, in dem Autor noch einmal zur Ausgangssituation Stellung nimmt und einige Fakten, die er aus dramaturgischen Gründen geändert hat, ins rechte Licht rückt. Eine Karte Süditaliens ergänzt den Roman, allerdings fragt man sich, warum dort einige Orte verzeichnet sind, die für den Roman unerheblich sind und umgedreht, warum Orte fehlen, die im Buch beschrieben wurden.

Unterm Strich bleibt ein lesenswerter, flotter und spannungsreicher Roman, bei dem man sich eine Fortsetzung vorstellen und wünschen kann.

Das Schwert des Normannen

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Letzte Kommentare:
30.06.2019 16:16:53
TianeDK

Ich habe lange gezögert, eine Meinung zu diesem Buch abzugeben. Ebenso lange, wie ich gebraucht habe, um es überhaupt zu lesen, denn vor einem halben Leben studierte ich Geschichte in Köln und tat dies mit Leidenschaft und Hingabe. Wenn ich irgendwelche historischen Personen wirklich bis zum "erbrechen" kenne, und ich meine KENNE, als stünden sie neben mir, sind es Lucius Cornelius Sulla und Robert Hauteville, den man Guiscard nannte. Bevor Herr Schiewe sich Roberts annahm, hatte noch niemand über ihn geschrieben, bis auf Heinrich von Kleist, der ihm ein Theaterstück widmete. Insofern zögerte ich, las "Das Schwert des Normannen" dann aber doch. Die Nachfolgebände nicht mehr, denn ich stellte mir stets eine Frage: Wer ist dieser Mann?
Ich fand den den blitzgescheiten, doch skrupellosen, charismatischen, doch berechnenden, brutalen, doch nicht grausamen gut aussehenden Normannen nicht, der Robert Hauteville war. Ich könnte jetzt wie Louisa, die fit zu sein scheint, lange über Robert reden und hier Quellen aufzählen ohne Ende. Vielleicht hat der Autor diese Quellen ja auch gelesen, denn schlecht recherchiert ist das Buch nicht.
Es ist auch flott erzählt, wobei ich hier eine Frage zum Anfang des Buches gleich hintan stellen möchte.
Es ist unterhaltsam.
Und ja, in allgemeiner Unkenntnis der Ereignisse um die normannischen Eroberungen Süditaliens ist es vielleicht sogar lehrreich.
Aber das ist nicht Robert Hauteville.
Ich könnte auch mit dem Autor lange darüber reden, warum er ihn nicht verstanden hat. :-)
Ich sehe ein, dass das mein Problem ist, insofern rate ich von der Lektüre nicht ab.
Und nun zu einem Verständnissproblem meinerseits: Der Anfang.
Ich verstehe den Anfang nicht: Auf den ersten Seiten wird erzählt, wie Gilbert in den Haushalt Hauteville kam. Indem er als Kleinkind zusah, wie seine Mutter von den Hauteville niedergemetzelt wurde. Das wird grausam dargestellt, aber mir ist überhaupt nicht schlüssig, welche Rolle diese Szene für den gesamten Rest des Buches spielt.
Die Szene kommt mir vor, als hätte der Agent des Autors nach Erstlektüre darum gebeten, an den Anfang irgendetwas Brutales und Spektakuläres zu setzen, dass völlig sinnlos für den weiteren Handlungsverlauf ist.
Das problematisiert das Verhältnis Gilberts zu Robert, denn wieso sollte ein Junge den Schlächter seiner Mutter derart anbeten?

25.06.2018 18:41:30
Louisa

Der Schreibstil erinnert an Jugendbücher, weshalb er für mich nicht wirklich spannend ist. Möglicherweise liegt es an der Perspektive; die Geschichte von jemandem so unbedarftem wie Gilbert erzählen zu lassen, vereinfacht natürlich auch die Sprache. Bedauerlicherweise haben die Figuren mich nicht "gepackt", weil sie m.E. recht oberflächlich bleiben. Zu Miks Kommentar möchte ich noch anfügen; der gesamten Geschichte der frühen Normannen mangelt es an aussagekräftigen Quellen, wirklich besser ist die Quellenlage zum normannischen Königreich Siziliens, dass auf des Guiscards Bruder Roger zurückzuführen ist. Robert betreffend müssen wir uns mit Amatus und Wilhelm von Apulien begnügen. Zu Civitate gibt es eine Schilderung von Wilhelm von Apulien in lateinischen Hexametern. Aber zurück zum Buch; es gereicht dem Buch/den Büchern sicherlich zum Vorteil, dass es zuvor keine Romane über Robert Hauteville gegeben hat. Inzwischen gibt es noch welche.

17.02.2016 13:30:27
Marie

Sehr unterhaltsames Buch von Autor Ulf Schiewe um die Besiedlung von Apulien und Süditalien durch die Normannen.
Es wird anhand der fiktiven Figur Gilbert - ein normannischer Junge, der durch einen Überfall seines Dorfes zur Familie Hauteville kommt und dort praktisch wie ein Ziehsohn aufwächst - die Geschichte des Robert Guiscards sowie die seiner Brüder erzählt, als diese sich bei den lombardischen Fürsten als Söldner verdingten und später selbst ihre Macht langsam aber sicher in Italien ausbauten.
Die Hauptfigur Gilbert sowie seine Gefährten sind lebendig und echt und mir sehr sympathisch geworden während des Lesens.
Darüber hinaus gibt es eine Liebesgeschichte zwischen dem jungen Gilbert und der Normannin Gerlaine, welche mich aber nicht überzeugen konnte. Die Figur der Gerlaine war für mich sehr unsympathisch...
Aber, das tut den Roman keinen Abbruch: es ist flüssig zu lesen und kurzweilig. Man möchte wissen wie die Geschichte weiter geht. Ulf Schiewe ist ein sehr guter Erzähler. Es ist das erste aber nicht das letzte Buch, das ich von U. Schiewe lese.

08.08.2015 21:57:32
Mik-

>Höhepunkt des Buches ist die Schlacht von Civitate 1053, wo die Normannen gegen Soldaten von Papst Gregor IX., Schwaben von Kaiser Friedrich, Lombarden und Langobarden kämpfen und einen ersten wirklich bedeutenden Sieg davontragen und sich somit in Italien festsetzen. Diese Schlacht wird von Schiewe auch taktisch gut beschrieben<
Weitgehend stimme ich mit der Einschätzung des Histo-Couch Rezensenten überein, nur bezüglich der Kämpfe und der großen Schlacht nicht. Das die Normannen damals gewonnen haben ist ein historische Tatsache, nur beim Wie halte ich Schiewes Schilderung für unwahrscheinlich. Nach allem was man über Reiterkrieger gegen geschlossene, disziplinierte Fußtruppen lesen kann, geht es nicht siegreich für die Reiter aus. Das funktionierte nur für berittene Bogenschützen. Die historischen Quellen beschreiben die Schlacht nur sehr ungenau, schade dass dem Autor kein glaubhafter Verlauf eingefallen ist.

03.07.2015 09:41:58
Hannes

Genau so muss ein historischer Roman sein. Hervorragend recherchiert, spannend , unterhaltsam und er muss Appetit auf nachfolgende Bände machen, die es ja Gott sei Dank auch schon gibt. Ein einziges Lesevergnügen für diese heißen Julitage. Ich werde mir heute noch die zwei nächsten Bücher besorgen und mich damit vergraben.
Von mir uneigeschränkte Punktzahl.

15.01.2014 14:06:40
unclethom

Das Schwert des Normannen ist als Einstieg in eine Buchreihe zu verstehen. Deshalb darf man sich nicht über das etwas offengelassene Ende wundern. Allerdings nicht so offen dass man das folgende Buch unbedingt lesen muss! Aber ich für mich kann sagen ich will es unbedingt lesen.
Eine tolle Story über die Normannen, die man so bisher nicht kannte.
Ulf Schiewes Schreibweise lässt einen nur schwer eine Pause einlegen, falls man es doch schafft, man kommt bestens wieder in die Story hinein, die sich zumindest bei mir schon nach den ersten Seite wie ein Film vor meinem inneren Auge abgespielt hat.
Fein ausgearbeitet seine Protagonisten, und ebenso auch die Schauplätze beschreibt der Autor so plastisch, dass man wirklich das Gefühl hat dass man mit in die Schlachten gezogen wäre.
Jede Seite konnte mich fesseln, ich litt mit den Protagonisten und spürte jede Gefühlsregung der Figuren.
Für mich war schon früh klar, dass diese Buchreihe mir gehören muss, und ich bin schon sehr gespannt auf den nachfolgenden Band.
Hochverdient gibt es hierfür von mir 5 von 5 Sternen.

08.01.2014 18:27:24
Thomas Abbenhaus

Normandie, Süditalien, 11.Jahrhundert. Robert Guiscard überfällt, in Ulf Schiewes Roman 'Das Schwert des Normannen', das Dorf des fünfjährigen Gilbert, seine Mutter wird vergewaltigt und getötet, das Dorf niedergebrannt und der Junge als Geisel genommen. Da sein Vater aber nicht aufzufinden ist, wächst Gilbert schließlich bei den Hautevilles, der Familie von Robert auf, die ihn wie ein eigenes Kind behandelt.
Während der Junge aufwächst, verdient Robert seinen Lebensunterhalt mit Raubzügen. Als Gilbert siebzehn Jahre alt ist, muss Robert die Normandie verlassen. Er geht nach Süditalien, in das Land, in dem schon zwei seiner älteren Brüder Fuß gefasst haben. Gilbert zieht als Roberts Knappe mit. Auch dessen Freundin Gerlaine schließt sich der Söldnertruppe an. Im weiteren Verlauf des Romans erleben wir Roberts Aufstieg zum Fürsten, und Gilberts Aufnahme in die Familie und seinen Aufstieg zum Schildträger Roberts mit.

'Das Schwert des Normannen' ist ein ungewöhnlicher historischer Roman. Ulf Schiewe erzählt seine Geschichte ganz aus der Perspektive der fiktiven Figur Gilbert, und erreicht dadurch eine Unmittelbarkeit des Erlebens, die ich selten so intensiv in einem historischen Roman lesen konnte. Das Buch ist mit 400 Seiten für das Genre kurz und knapp, aber dafür spannend, actiongeladen und ohne jegliche Längen, eben eher ein Abenteuerroman. Dennoch fehlt es dem Buch, der erste Teil einer Reihe über die Normannen in Süditalien, nicht an historischem Hintergrund und Detailreichtum, der allerdings so gut in die Geschichte verwoben ist, das er niemals stört oder zum Selbstzweck wird.
Ulf Schiewe ist es gelungen, einen wunderbar authentischen historischen Abenteuerroman zu schreiben, der sich wohltuend von den Klischees und Konventionen des Genres abhebt. Ich freue mich seit langem zum ersten Mal auf die Fortsetzung.

04.01.2014 15:46:03
wampy

„Das Schwert des Normannen“ ist ein historischer Roman von Ulf Schiewe, der 2013 im Knaur Taschenbuch Verlag erschienen ist.
Normandie im 11. Jahrhundert: Robert de Hauteville hat bei politischen Intrigen auf das falsche Pferd gesetzt und muss aus der Normandie fliehen. Er beschließt, einigen seiner Brüder zu folgen, die als Söldner nach Süditalien gezogen sind. In seinem Gefolge befindet sich der 17-jährige Gilbert, der selbst als fünfjähriger von den Hautevilles entführt wurde und von ihnen aufgezogen wurde. Die fortgesetzten Beutezüge gegen Kirchen und Klöster lassen den Papst und die ihn unterstützenden Lombarden einen Feldzug gegen die Normannen starten, der zur Schlacht bei Civitate führt, deren Ausgang das Schicksal der Normannen in Süditalien bestimmt.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Gilbert in der Ich-Form. Durch den Verzicht auf den allwissenden Erzähler ist der Leser sehr viel näher an der Figur dran und „erleidet“ Gilberts Schicksal um so intensiver. Allgemeine Informationen werden in vielen Gesprächen eingestreut, ohne das die Entwicklung der Geschichte gestört wird. Dadurch ist Gilbert und damit der Leser gut über die allgemeine Lage und den politischen Hintergrund informiert.
Roberts ältere Brüder sind bei seiner Ankunft auf gutem Wege durch Einheirat in den örtlichenAdel seßhaft zu werden. Roberts marodierende Söldnertruppe stört dabei gewaltig und es kommt zu Reibereien innerhalb der Normannen. Diese werden erst durch die anstehende Schlacht mit den zahlenmäßig überlegenen Truppen der Allianz aus Papst und Lombarden beendet.
Ulf Schiewe verbindet gekonnt historische und fiktive Geschehnisse zu einer fesselnden Geschichte. Die Hauptfigur Gilbert entwickelt sich nachvollziehbar und glaubhaft von einem bedingungslosen Gefolgsmann Roberts zu einem selbstständigen jungen Mann, der auch in der Liebe den ein oder anderen Rückschlag erleidet. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen vermittelt der Autor die allgegenwärtige Gewalt der damaligen Zeit, die auch das Handeln der Hauptfigur bestimmt. Im Anhang erläutert Ulf Schiewe, welche Elemente historisch sind und welche fiktiv und auch an welchen Stellen er die historischen Fakten für die Geschichte angepasst hat.
Durch dieses Buch habe ich eine Menge über eine Geschichtsepoche erfahren, die mir bisher fremd war. Während der gesamten knapp 400 Seiten kam nie Langeweile auf und ich hoffe sehr, dass Herr Schiewe die Geschichte der Normannen in Italien fortsetzen kann.

29.12.2013 14:06:54
Orange

In seinen neuen Roman “Das Schwert des Normannen” entführt Ulf Schiewe den Leser nach Italien. Im 11. Jahrhundert beginnt die Eroberung Italiens durch die Normannen.

Gilbert, als Knabe bei einen Überfall auf sein Dorf geraubt, wächst als Schweinehirte bei der Familie Hauteville auf, wird aber wie ein Sohn behandelt. Als Robert Hauteville fliehen muss und beschließt zu seinen älteren Brüdern nach Italien zu ziehen, schließt sich Gilbert diesen Zug an. Ebenfalls mit von der Partie ist Gerlaine, ein einfaches Mädchen aus dem Dorf, welches sich nach einen besseren Leben sehnt. Die Reise ist alles andere als einfach und auch in Italien werden die Neuankömmlinge alles andere als mit offenen Armen empfangen. Bis sich Robert seinen Platz geschaffen hat und Gilbert vom Jungen zum selbstbewussten Mann heranreift, sind viele Abenteuer zu bestehen und viele Schlachten zu schlagen.
Die Beziehung, die sich zwischen Gilbert und Gerlaine entwickelt gibt der Geschichte einen zusätzlichen Reiz.

Der Roman ist flüssig und leicht verständlich geschrieben. Auch wenn man so wie ich keine Vorkenntnisse über diese Zeit hat, verliert man nie den Überblick. Obwohl diese Zeit alles andere als friedlich war und auch hier Kampfszenen beschrieben sind, ist es doch nie übermäßig blutrünstig geschrieben.

Ich hatte das Glück, diesen Roman in einer vom Autor begleiteten Leserunde lesen zu dürfen. Ich danke dem Autor für die Zeit die er sich für unsere Fragen genommen hat und um uns großzügig mit Zusatzinformationen zu versorgen. Dem Verlag ein großes Dankeschön für die Bereitstellung des Leseexemplars.

16.12.2013 16:52:35
tassieteufel

Die Normandie im 11. Jahrhundert: bei einem Überfall auf sein Dorf wird der fünfjährige Gilbert von dem berüchtigten Robert de Hauteville, genannt das Schlitzohr, entführt und lebt fortan bei dessen Familie. Jahre später muß Robert seine Heimat verlassen und beschließt, seinen Brüdern nach Melfi zu folgen, wo diese schon Fuß gefaßt haben. Gilbert schließt sich ihm an und begleitet Robert mit einem Haufen abenteuerlustiger Kerle ins Mezzogiorno. Roberts Bruder Drogo, inzwischen Graf von Apulien und Kalabrien ist aber alles andere als begeistert, als Robert mit seinen Mannen eintrifft und als Robert auf Beutezug auszieht, ist der Ärger vorprogrammiert, denn die Normannen werden inzwischen von den Lombarden als Plage angesehen und es formiert sich Widerstand, der in der Schlacht von Civitate gipfelt.

Ulf Schiewe ist es mit seinem ersten Band der Normannen Reihe wieder gelungen, mir ein Stück Geschichte näher zu bringen, von dem ich so gut wie gar nichts wußte!
Erzählt wird aus der Sicht von Gilbert in Ich-Form, eine Erzählweise, die mir eigentlich nicht so liegt, doch hier ist man sofort mitten drin im Geschehen und dieser Erzählstil läßt Gilbert und seine Gefährten sehr authentisch und lebensnah erscheinen. Neben den politischen Verwicklungen, Intrigen, Raubzügen und Plünderungen erlebt der Leser daher auch sehr intensiv Gilberts Entwicklung vom abenteuerlustigen Knaben, der Robert Hauteville bedingungslos verehrt und folgt, zu einem jungen Mann der eine durchaus differenzierte Einstellung zu seinem Idol hat und dessen Entscheidungen auch hinterfragt. Mit Gerlaine, einer jungen Frau aus dem Dorf, die Gilbert auf der Reise begleitet, kommt auch ein kleine Liebesgeschichte ins Spiel, die allerdings für Gilbert nicht ganz so verläuft wie gewünscht. Ihre Beziehung ist reichlich kompliziert und hält für beide Seiten Enttäuschungen parat, so dass man hier gespannt sein darf, wie es weiter geht.
Natürlich gibt es im Buch reichlich Raubzüge, Plünderungen und Schlachtengetümmel, zimperlich war man damals nicht, die Normannen schon gar nicht, demzufolge fließt reichlich Blut und es geht öfter auch recht brutal zu. Doch hat der Autor es hier verstanden, diese Episoden einerseits sehr Realitätsnah und authentisch zu beschreiben, anderseits werden aber übermäßig ausufernde Gewalt Exzesse vermieden, das hat mir gut gefallen. Die Geschehnisse gipfeln dann in der Schlacht um Civitate, durch deren Ausgang es den Normannen gelingt, sich dauerhaft in Italien festzusetzen.
Gekonnt verknüpft Ulf Schiewe reale Geschehnisse und Figuren mit fiktiven Begebenheiten und Charakteren und bietet so interessante Einblicke in die damalige Zeit. Wie auch seine anderen Bücher, so ist auch dieses hervorragend recherchiert! Ich hatte das Glück, das Buch in einer vom Autor begleiteten Leserunde zu lesen und habe so nebenbei noch einige Hintergrundinfos zu vielen realen Geschehnisse erhalten, die im Buch geschildert werden.
Die 400 Seiten lesen sich flott und bieten eine von Anfang bis Ende spannende Geschichte, die neugierig auf den nächsten Teil macht!

FaziT: ein spannender, opulenter und sehr glaubhafter historischer Roman über ein Stück Geschichte, von dem ich so gut wie gar nichts wußte und das bei mir auf jeden Fall das Interesse für diese Zeit geweckt hat.

05.12.2013 10:59:13
Minz

11. Jahrhundert, Normandie. Beim Überfall auf ein Dorf wird der fünfjährige Gilbert von Robert de Hauteville mitgenommen und wächst von da an bei dessen Familie, halb als Familienmitglied, halb als Schweinehirt, auf. Auf der falschen Seite in der Auseinandersetzung mit William dem Eroberer beschließt Robert, nach Italien zu seinen Brüdern zu fliehen. Gilbert schließt sich ihm an und begleitet Robert als sein Knappe nach Süditalien zu seinen Brüdern, auf Plünderungen, bis in die Spitze des Stiefels und zurück und schlussendlich in die Schlacht von Civitate.

Geschildert werden die Erlebnisse dieser Jahre aus der Sicht Gilberts. Die Beschreibung seiner Gefährten, darunter historische Figuren wie Robert und seine Brüder, aber auch eine Reihe fiktionale Charaktere wie seine Freundin Gerlaine, und deren Beziehungen untereinander lässt diese lebensecht und mit teilweise überraschenden Facetten erscheinen. Es geht schnell voran – Entführung, neue Heimat, Reise, Ankunft, Aufbruch, Überfälle, Weiterreise… - ein Ereignis folgt dem nächsten, Beschreibungen von Ortschaften und Gefühlen werden sparsam, aber wirkungsvoll verwendet. Dieser Erzählstil lässt es wie eine spannende Tatsachenbeschreibung von Gilberts Leben wirken. Trotzdem merkt man durchaus, wie sich Gilberts Sichtweise und sein Verhalten allmählich verändern und während dieser Zeit reifer werden.

Normalerweise keine begeisterte Leserin von Romanen in der Ich-Form, war ich hier sofort mitten in der Geschichte und sehe das Geschehen durch Gilberts Augen. Seine Art, wie er erzählt und seine Betrachtungsweise wirken authentisch, ein bisschen trocken, ein bisschen distanziert, manchmal fast ein bisschen ironisch, wundervoll! Das Gleiche gilt für die Art, wie das Leben und die Sitten der damaligen Zeit beschrieben werden, ohne Entschuldigungen oder übermäßige Zweifel. Die Thematik macht diesen Roman nicht zu einem einfachen Buch, Überfälle und die Schlacht werden zwar nicht ausufernd, doch durchaus eindringlich und sehr echt wirkend beschrieben. All das führt zu einem sehr interessanten und durchgehend spannenden Buch, bei dem man beim Lesen das Gefühl hat, genau so könnte es damals gewesen sein!