Der dunkle Thron

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2011, Titel: 'Der dunkle Thron', Originalausgabe

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99

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Dirk Jaehner
Ein großartiges und farbenprächtiges Bild der Tudor-Zeit

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Sep 2011

Kurzgefasst:

London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die Papisten, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater.

 

1529-1553

 

 

Dieser Roman ist Ihnen gewidmet. Genauer gesagt, all jenen Leserinnen und Lesern, die mir mit Zuschriften, Appellen, Drohbriefen und auf vielfältige andere Weise zu verstehen gegeben haben, dass sie wissen wollen, wie es mit dem Geschlecht derer von Waringham weitergeht.

 

So beginnt Rebecca Gablés Vorwort zu ihrem neuesten Buch. Es ist der inzwischen vierte Band der Waringham-Saga, die sich um ein englisches Adelsgeschlecht in den Wirren zwischen Hundertjährigem Krieg und Heinrich VIII. dreht. Die Zeit zwischen 1360 und 1485 wird in den ersten drei Bänden der Saga abgehandelt, die Handlung des neuen Romans Der dunkle Thron setzt 1529 ein (und geht bis 1553) - ein bemerkenswerter Zeitsprung. Denn während in der Trilogie die Generationen direkt aufeinander folgen - Robin of Waringham ist Hauptfigur in Das Lächeln der Fortuna, sein jüngster Sohn John in Die Hüter der Rose, dessen jüngster Sohn Julian wiederum in Das Spiel der Könige - ist Nicholas of Waringham, Protagonist in Der dunkle Thron, beim Einsetzen der Handlung 14 Jahre alt und der Urenkel von Julian, der 1485 in der Schlacht von Bosworth angeblich die Krone des gefallenen Königs Richard III. aus einem Busch auflas und sie dem Sieger Henry Tudor aufs Haupt setzte - und ihn so zu König Henry VII. von England machte, dem Vater von Henry VIII.

Ein schwieriges Erbe

Doch Nick hat bemerkenswert wenig von der Tat seines Urgroßvaters. Sein Vater Jasper of Waringham ist bei König Henry VIII. in Ungnade gefallen. Die Pferdezucht, einst Haupteinnahmequelle der Baronie, liegt am Boden, weil der König seinen Adligen und Rittern untersagt hat, Waringham-Pferde zu kaufen. Außerdem ist das Zeitalter der Schlachtrösser unwiederbringlich vorbei. Und weil Jasper seine Zeit lieber mit dem Studium von Büchern und dem Verfassen religiöser Streitschriften verbringt, sind Gut und Gestüt abgewirtschaftet. Hinzu kommt, dass Jasper mit den "Ketzern" sympathisiert. Vorgeblich deswegen wird er in den Tower of London gesperrt und gefoltert. Dort stirbt er im Beisein seines Sohnes. Nick erbt den Titel, das Gut, das Gestüt und die Schulden und muss sich nicht nur mit der schlechten wirtschaftlichen Lage, sondern auch mit der verhassten zweiten Frau seines Vaters und seiner Stiefschwester auseinandersetzen, die ihm den Neuanfang nicht leicht machen.

Zu seinen privaten Problemen gesellt sich unversehens die hohe Politik. Nick findet den wahren Grund für den Foltertod seines Vaters heraus und geht umso heftiger in Opposition zum König und besonders zu dessen zweiter Frau Anne Boleyn. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist die Annullierung der Ehe Henrys mit Katharina (Catalina) von Aragon und die Verstoßung der Tochter Mary aus der Thronfolge. Nick lehnt sich gegen die Reformen des Königs auf, einerseits, weil er überzeugter Katholik ist, andererseits, weil sie von dessen Sekretär Thomas Cromwell forciert werden. Er hält sich lieber an Thomas More, den er seit seiner Ausbildung bewundert. Doch als der wegen seiner Weigerung, des Königs Handlungen zu sanktionieren, hingerichtet wird, muss Nick in den Untergrund verschwinden. Catalina hatte ihm das Versprechen abgenommen, sich um ihre Tochter zu kümmern. Also verpfändet Nick sein Schloss endgültig und schleicht sich als Stallbursche ("Das ist eine Familientradition.") in den Haushalt der Prinzessin Elisabeth ein, in dem Mary inzwischen lebt. Von hier aus hält er Kontakt mit Chapuys, dem kaiserlichen Botschafter in England, mit Catalina und mit seinen Verwandten und Freunden.
Der Zufall kommt ihm auf die Schliche, er landet als Gefangener im Tower, nur um zu beobachten, wie König Henry auch seine zweite Frau abserviert, weil sie ihm keinen Sohn gebären kann. Ihre Nachfolgerin Jane Seymour sorgt für die Aussöhnung des Königs mit seinen Töchtern, und so kann Nick wieder als Earl of Waringham auf seine Burg zurückkehren. Doch das ist noch lange nicht das Ende seines Lebensweges. Es folgen noch einige steinige Abschnitte, unter anderem eine Fast-Enthauptung, bis er Mary zu ihrer Krönung führen kann.

Die Wunsch-Königin

Dies alles deutet lediglich an, wie tief dieser Roman in der englischen Geschichte verankert ist. Denn eigentlich erzählt Rebecca Gablé englische Geschichte nach. Sie recherchiert für jeden Roman mehrere Jahre, oftmals in Original-Quellen und Chroniken. In die Lücken der Überlieferung schmuggelt sie ihre Figuren ein. Und sie bezieht Stellung. In Die Hüter der Rose ist Jeanne d'Arc, die Jungfrau von Orléans, nicht die strahlende Freiheitskämpferin, sondern ein selbstsüchtiges, zumindest psychisch labiles Kind. Im Nachwort zum Dunklen Thron bezeichnet sie König Henry VIII. als "faulen, destruktiven, feigen Schwächling" und stellt ihn auch so dar. Seine Handlanger Thomas Cromwell und Richard Rich erledigen die Regierungs- und Drecksarbeit - oft genug ohne Wissen, aber im Namen des Königs. Seine älteste Tochter Mary hingegen ist die Königin, die sich die Engländer wünschen - was auch den historischen Tatsachen entspricht. Dieses Bild wurde erst von der Geschichtsschreibung durch das grausame der "bloody Mary" überlagert. Doch lange bevor Mary diesen Beinamen durch den Versuch, den Katholizismus in England durch zahlreiche Todesurteile gegen Protestanten wieder einzuführen, erwirbt, endet das Buch.

Ausgewählte Episoden

Zwar erzählt Rebecca Gablé die englische Geschichte nach, doch sie begeht nicht den Fehler, sich sklavisch an die Chroniken zu halten. Sie wählt lediglich die zweite (Anne Boleyn) und fünfte (Katherine Howard) Frau Henrys VIII. für nähere Behandlung aus, von den anderen - mit Ausnahme von Catalina - erfahren die Leser nur durch Nacherzählungen etwas, weil Rebecca Gablé sie überspringt. Warum ausgerechnet die beiden? Weil Nick of Waringham oder seine Familie mit beiden eng zu tun haben oder sogar verwandt sind: Anne Boleyn ist der Grund für Nicks Widerstand gegen den König, und sein Halbbruder Raymond ist ein entfernter Cousin der fünften Königin.
Sehr strukturiert legt Rebecca Gablé die Familiengeschichte an. Die Handlungsepisoden schwenken immer zwischen Nicks problematischem Privatleben und den politischen Episoden hin und her. Das eine hat zwar immer Einflüsse auf das andere, aber die Dosierung ist so vollkommen, dass der Leser immer im richtigen Moment vom einen zum anderen geführt wird. Ebenso wie ihrem Protagonisten Nick gönnt die Autorin den Lesern eine Auszeit im Waringhamschen Gestüt und auf dem Schloss, wenn Nick mal wieder einem Gefängnisaufenthalt entkommen ist. Andersherum wirft sich Nick und mit ihm die Leserschaft in ein neues Abenteuer am Hof, wenn die Mauern der Burg Waringham (übrigens im Internet auf der Homepage der Autorin zu betrachten) zu eng werden.

Noch nicht Schluss

Rebecca Gablé verwendet all die Zutaten, die auch schon in ihren anderen historischen Romanen zum Einsatz kommen: Ein junger Mann erbt einen Titel, muss ihn gegen Widerstände verteidigen, kommt in Kontakt mit dem Königshaus, landet mehrfach im Gefängnis, kann fliehen oder wird freigelassen und muss sich verstecken. Doch sie beherrscht ihr Handwerkszeug so souverän, dass ein Roman dabei herauskommt, der ein Vorbild dafür ist, wie historische Romane sein sollten: Figuren (nicht nur die historisch belegten), die den Leser mitfühlen lassen, eine Handlung, die die Leser erleben wollen, eine Ära, in die die Leser eintauchen wollen. Das Buch hat wie seine Vorgänger nur zwei Probleme: Es ist zu lang, um es in einem Rutsch zu lesen, obwohl man gerne möchte. Und es ist zu kurz, weil man nicht genug davon bekommen kann.

Aber Rebecca Gablé hat ihre Saga nicht wieder - wie am Ende von Das Spiel der Könige - für beendet erklärt. Stattdessen hat sie sich mit dem Satz "Wer Mary sagt, muss auch Elisabeth sagen" die Möglichkeiten für noch mehr Geschichten offen gehalten. Die Fans dürfen also auf Band fünf warten und hoffen.

 

Der dunkle Thron

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Letzte Kommentare:
16.04.2015 18:16:32
Catie

Eigentlich war es reiner Zufall, dass ich den "Dunklen Thron" gelesen habe. Meine Mutter hatte das Buch geschenkt bekommen und gelesen. Vor dem Abendessen saß sie -wenn sie den Zeit hatte- im Wohnzimmer und konnte sich einfach nicht von dem Ding trennen. Das hat meine Neugier geweckt. Vor gut einem Jahr (mit vierzehn also) habe ich mich voll und ganz den Waringham verschrieben. Erst einmal, weil die Hauptfigur auf ihre weise so liebenswert ist. Nick, ein vom Schicksal gebeutelter Vierzehnjähriger, der unversehens zum Earl wird und sich noch dazu um eine kleine Prinzessin kümmern muss. Eigentlich verzeihlich, dass er das unmissverständliche Angebot seiner Magd Polly nicht ausschlägt, oder? Dass er sie jahrelang benutzt schon weniger. Aber irgendwann kann man trotzdem nicht anders. Eiegntlich verzeihlich, dass er Katholik bleibt, eigentlich verzeihlich, dass er eine Affäre mit einer "Nonne" anfängt. Aber das gute an Nick ist nicht nur, dass man ihm nicht nur verzeihen kann, sondern vor allem muss, den bei dem, der keine Fehler macht, gibt es nichts zu verzeihen. Stellenweise möchte man ihm am liebsten den Hals umdrehen, dann wieder möchte man seine verhasste Stiefmutter die "Sumpfhexe" tröstend in die Arme schließen. Das ist das Schöne an Gablé-Romanen. Jede einzelne Figur ist weder ganz gut noch ganz böse.
Auch dieses Buch habe ich dreimal gelesen, und ich persönlich finde es immer toll, wenn alte Gegenstände aus den vorhergehenden Romanen auftauchen, die man schon fast wieder vergessen hat, wie zum Beispiel das alte Waringham-Bett, das dem kleinen Francis solche Angst macht, Mortimers Aeneas-Dichtung, die er am Ende vom "Lächeln der Fortuna" schreibt, und das Janis und Nick wieder ausgraben. Es führt einem vor Augen, dass die Waringham eine große gemeinsame Geschichte haben, und auch, wenn sie nur ausgedacht ist, hat sie mich trotzdem komplett in ihren Bann geschlagen. Ich könnte aus dem Gedächtnis den kompletten Stammbaum aufzeichnen. Inzwischen gehe ich meinen Eltern tierisch auf die Nerven mit Waringham, aber selbst, wenn sich die Faszination für mich mal vermindern sollte, haben sie trotzdem noch keine Ruhe. Denn ich habe bereits meinen kleinen Bruder infiziert...

02.12.2013 13:53:46
isabelle

Ein klassischer Gablé-Roman: Handwerklich sehr gut gemacht, ein liebenswerter (zum Teil geradezu naiver) Held, eine ungewöhnliche Perspektive und ein gutes Gefühl der Autorin, welche Klischees funktionieren, und wovor man sich besser hütet.

Wie immer ein Lesevergnügen, aber man merkt, daß die Zeit der Autorin nicht ganz liegt. Passagenweise vergißt man beim Lesen (und sie wohl auch beim Schreiben), daß die Geschichte nicht im Mittelalter spielt. Macht aber nichts, Qualität bleibt Qualität.

23.09.2012 08:40:18
groundhog20

Meine Gefühle zu diesem Buch sind etwas zwiespältig, aber allen voran sei einmal gesagt: es ist eine Rebecca Gablé Roman und damit, wie immer, um Längen besser als das meiste, dass sich sonst so Historischer Roman nennt. Nur ist es eben kein Rebecca Gablé Mittelalter-Roman: Ich werde das Gefühl nicht los, und ich hoffe sehr dass ich mich dabei irre, dass sie diesen Roman nur geschrieben hat um den Verlag ein Buch zu präsentieren. Mir fehlt einfach die Liebe zu noch so jeder kleinen Nebenfigur, sei es nun Schurke oder König die sonst jeden ihrer Romane durchwirkt. Auch habe ich das Gefühl, dass sie ihren Protagonisten Nicholas of Waringham eigentlich nicht mal wirklich mag.
Vielleicht ist es aber auch nur dieser traurige Abgesang auf das Mittelalter, welcher auf fast jeder Seite des Romans sichtbar wird...

04.01.2012 18:40:36
PMelittaM

Nicholas Waringham muss, nachdem sein Vater in Ungnade gefallen ist und schließlich im Tower von London an den Folgen einer Folter stirbt, als Vierzehnjähriger die inzwischen sehr heruntergekommene Baronie übernehmen. Das ist nicht leicht, denn es fehlt an Geld und seine Stiefmutter macht ihm das Leben schwer. Durch den Tod seines Vaters und als überzeugter Katholik hält er auch nicht viel von König Henry VIII, der gerade dabei ist, seine Scheidung von Katharina von Aragon zu betreiben.

Als Nicolas Katharina trifft, nimmt sie ihm das Versprechen ab, sich um ihre Tochter Mary zu kümmern. Nicholas verschreibt sich nun ganz der Sache Marys und wer ein bisschen Ahnung von englischer Geschichte hat, kann sich vorstellen, dass das nicht einfach ist. Er kommt öfter in Lebensgefahr, landet mehrmals im Tower und muss eine Ehe eingehen, die er ablehnt. Allerdings bringt er auch seine Baronie auf Vordermann und lernt einige Familienmitglieder kennen (eine große, weit verzweigte Familie). Am Ende des Buches hat er sein Ziel erreicht: Mary wird zur Königin gekrönt.

Die Waringham-Saga macht diesmal einen Sprung von mehreren Jahrzehnten, Nicholas ist der Urenkel Julians, des Protagonisten aus dem letzten Band. Das ist ein bisschen schade, als Waringham-Fan will man ja eigentlich „alles“ miterleben, doch nach einigen Seiten hat man sich daran gewöhnt und im Laufe des Buches erfährt man auch ein bisschen darüber, was zwischenzeitlich passiert ist. Außerdem springen wir in die Zeit Henrys VIII, die ja sehr interessant ist, da dort sehr viel passiert.

Genau wie alle anderen Waringham-Bücher habe ich auch dieses geliebt. Rebecca Gables Schreibstil lässt einen mittendrin sein. Ihre Protagonisten sind nicht immer einfache Menschen, doch sie handeln bezogen auf ihre Zeit und ihren Charakter immer nachvollziehbar. Man lebt mit den Figuren mit, man will alles über sie wissen, man möchte möglichst schnell alles lesen und hat andererseits Angst davor, dass das Buch zu Ende ist.

Ich hoffe, Rebecca Gable lässt uns nicht hier sitzen, ich möchte sehr gerne wissen, wie die Waringhams mit der Regentschaft Marys klar kommen, die ja sehr blutig war, und wie sie die Zeit Elisabeths I erleben. Außerdem möchte ich gerne mehr mit Nick und seiner Familie, allen voran sein Sohn Francis, erleben. Also, bitte mehr Waringham!!

28.10.2011 20:08:32
Leseratte

Was mich persönlich bei Henry VIII immer irritiert ist folgendes: Henry HATTE doch Söhne, die zwar auf der falschen Seite des Bettes geboren worden waren (sie waren Ba$tarde), aber Wilhelm der Eroberer wurde AUCH außerhalb des "heiligen Stand der Ehe" auf die Welt gekommen und wurde zum mächtigsten Mann der damaligen Zeit. Also WARUM hat Henry VIII nicht einfach einen seiner Söhne adoptiert und von klein auf zum zukünftigen König erzogen? Cataline (Katharina von Aragon) war SO SEHR in Henry verliebt, dass sie gewiss mitgemacht hätte.
Was nun das Buch betrifft: Es ist wieder ein ÜBERAUS GELUNGENES WERK mit "Klebe-Effekt". D.h. einmal angefangen, kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin SEHR FROH, dass Frau Gablé sich DOCH dazu durchgerungen hat, über Henry VIII, bzw. seine älteste Tochter zu schreiben. Nun bin ich mal neugierig, ob sie mit den Waringhams weiter macht und mit welchem König, bzw. welcher Königin. Mary hatte schon ihr Buch, also bleibt entweder Elisabeth the virgin queen, oder aber Jakob I. Bislang hat RG keine großen Zeitsprünge gemacht, also könnte ich mir denken, dass - wenn sie uns erneut mit den Waringhams beglückt was ich sehr hoffe - es wohl ein Buch über Jakob sein wird.

26.10.2011 09:21:36
Clema

Am Anfang habe ich mir schwer getan, zugegeben. Kein Mittelalter, kein ritterlicher Robin oder John Waringham.
Nick Waringham ist Earl der Zeit Heinrich des VIII und die ist
Renaissance.
Dieser Zeit habe ich mich dann noch mit Tante Google näher gebracht...und am Schluß ist es mir (wie immer), schwer gefallen von den Waringhams Abschied zu nehmen.
Rebeca Gablé hat es auch hier wieder verstanden, diese Epoche für den Nichthistoriker verständlich rüber zu bringen.

16.10.2011 11:10:42
Klaus Kröger

"Der dunkle Thron" war wieder ein sehr unterhaltsamer Roman meiner Lieblingsautorin. Als norddeutscher Protestant war es für mich durchaus reizvoll, dass mal die Katholiken die Guten und die Reformer die Bösen waren. Ich schließe mich der Meinung der Autorin an: Heinrich VIII. war eine faule Socke und absolut skrupellos. Seine Tochter Maria hingegen hatte auch nette Seiten, doch scheiterte sie letztlich an ihrem fanatischen Katholizismus und an den falschen Beratern. Mit Nick Waringham als Kanzler wäre es vielleicht besser gelaufen.

Frau Gable fängt die unruhige, aber auch facettenreiche Zeit der Renaissance mit ihren farbenfrohen und lebendigen Ausführungen wunderbar ein und streut immer wieder mit leichter Hand historische Informationen ein.

Schade nur, dass sich manche Formulierungen zu häufig wiederholen. So benutzt sie sage und schreibe 34 mal die Wendung "Sei(d) so gut".

Den großartigen Gesamteindruck schmälert diese kleine Schwäche aber in keiner Weise.

11.10.2011 14:27:39
€nigma

Rebecca Gablés vierter Waringham-Roman behandelt die Jahre 1529 (Heinrich VIII möchte sich von Katharina von Aragon scheiden lassen, um Anne Boleyn zu heiraten) bis 1553 (nach dem Tod von Heinrichs sechzehnjährigem Sohn Edward kommt mit dessen ältester Schwester Mary I zum ersten mal eine Frau als eigenverantwortliche Regentin auf den englischen Thron).
Der Protagonist unter den Waringhams ist Nicholas Waringham (*1515), der im Gegensatz zu seinem Vater keine reformatorische Gesinnung hegt, als guter Katholik folglich dem Scheidungsbegehren Heinrichs kritisch gegenübersteht und Katharina von Aragon loyal ist. Als diese ihn bittet, ihrer Tochter Mary schützend zur Seite zu stehen, überträgt er sine unbedingte Loyalität auf Mary und setzt sich immer wieder für ihre Rechte ein, bis er triumphierend an ihrer Krönung teilnehmen kann.
In den schwierigen und gefährlichen Jahren als Marys zuverlässigster Freund erlebt er mit, wie Heinrich wegen Anne Boleyn mit dem Papst/der Katholischen Kirche bricht und sich selbst zum geistlichen Oberhaupt der neuen Glaubensrichtung macht. Er muss mitansehen, wie Mary von ihrem Vater zum Bastard erklärt wird und ihrer kleinen Halbschwester Elizabeth im Rang nachgestellt wird. Nach dem Fall Anne Boleyns erlebt er vier weitere Königinnen an der Seite des unberechenbaren und selbstsüchtigen Königs. In jeder dieser Phasen tun sich am Hof neue Günstlinge hervor, meist männliche Verwandte der jeweiligen Königin, und helfen eifrig mit, die Köpfe früherer Günstlinge rollen zu lassen.

Die Autorin hat wieder einmal hervorragend recherchiert und verbindet die historischen Fakten gekonnt mit dem Schicksal der fiktiven Familie Waringham. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf Mary Tudor, die - in der Geschichtsschreibung als "Bloody Mary" bekannt - wegen der zahlreichen Hinrichtungen von "Ketzern" auf dem Scheiterhaufen keinen guten Ruf hat. Rebecca Gablé gelingt es, Mary dem Leser menschlich nahe zu bringen und Verständnis für ihre persönliche Entwicklung zu wecken. Sie verschweigt den religiösen Fanatismus der späteren Königin nicht, lässt diesen aber zumindest vor dem Hintergrund ihrer von Unsicherheit geprägten Jugend nachvollziehbar werden.
Äußerst interessant ist auch das Bild, das von weiteren wichtigen Persönlichkeiten der Zeit gezeichnet wird, so ist zum Beispiel der Charakter des Thomas More differenziert ausgestaltet mit seinen Vorzügen und Nachteilen. Auch die fiktive Figur des Nick Waringham erscheint hier nicht durchgehend als Sympathieträger, sondern weist auch negative Eigenschaften auf.
Heinrich VIII selbst wird sehr negativ dargestellt, mir erscheint diese Darstellung allerdings nach der Lektüre anderer Romane sowie Sachbücher zum Thema durchaus realistisch. Die Unsicherheit des Lebens in der Umgebung des Königs wird drastisch verdeutlicht, viele Höflinge und Amtsträger mussten ihr Mäntelchen nach dem Wind hängen, wenn sie ihren Kopf auf den Schultern behalten wollten.
Der Erzählstil der Autorin ist sehr ansprechend und stellenweise erfrischend humorvoll, am liebsten würde man das Buch trotz der über 900 Seiten nicht aus der Hand legen. Da Pausen dennoch erforderlich sind, sind die Unterteilung des Romans in vier große Teile (1529 -1530, 1533 - 1536, 1540 - 1547, 1553) und die Überschreibung der einzelnen Kapitel mit genaueren Orts- und Zeitangaben sehr hilfreich.
Ein Verzeichnis historischer und fiktiver Personen vor dem eigentlichen Roman rundet das Buch ab und erleichtert das Verständnis für Leser, die keine Experten für die Tudorzeit sind.

04.10.2011 14:47:15
Mephistopheles

Ich habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen. Ich muss sagen ich war angenehm überrascht. Bis jetzt habe ich alle Bücher der Waringham-Saga gelesen un dich finde dieses Buch kann sich mit den anderen messen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einige Passagen zweimal lesen musste um den ganzen Inhalt zu erfassen. Am meisten ärgerte ich mich über den Charakter von Henry VIII. Meiner Meinung nach hat die Autorin ihn ein bisschen zu schlecht dargestellt. Da ich geschichtlich sehr interessiert bin, weiss ich, das der König zu der Zeit als er um Anne B. freite noch (relativ) jung war und gut aussah. Im Buch wird er schon zu beginnt als alt und fett beschrieben. Das hätte nich sein müssen. Auch nervte mich das alle Nase lang irgendwelche Leute hingerichtet wurden und die Schleimer, die um die Gunst des Königs kämpften.
Ich persönlich hätte mir ein bisschen mehr Romantik gewünscht.

Aber alles in allen gefiel mir das Buch sehr gut, auch wenn der erste Teil "Das Lächeln der Fortuna" meiner Meinung der beste bis jetzt war.
Ich würde mich freuen, wenn es noch einen Teil über die Zeit Elisabeth I. geben würde

30.09.2011 14:17:35
arno

Ich bin der Meinung, daß es jedem Autor freisteht, seine Lieblingspersonen und Feindbilder zu haben. Das Heinrich VIII. bei den Damen bestimmt nicht besonders angesehen ist, kann man sicher verstehen. Ein 14 jähriger ist damals schon ein Mann gewesen, nur nicht ganz ausgewachsen. Das tägliche Training was er absolvieren mußte, wo hier nicht viel erwähnt wird, hat sein übriges getan um ihn abzuhärten. Das Buch hat mit der Thronbesteigung von Mary I. im Prinzip sein Ende gefunden, nur im Nachwort wird Mary I. als blutige Mary erwähnt und die versuchte Umkehr zum Katholizismus. Protestanten sind zu damaliger Zeit wie eine Herde Hyänen über die Katholiken hergefallen wenn keine ordnende Hand eingegriffen hat.
Ich bin mit dem Buch sehr zufrieden, nur fehlen mir ca.200 Seiten, aber ich habe die Hoffnung das die Harringtons unter Elisabeth I. ein Wiedersehen mit uns feiern können.

28.09.2011 21:31:01
hinterwald

puh ... also, ich liebe die bisherigen bücher von gablé, aaaaber ...

dummerweise existieren "die tudors" als opulente serie zum thema und damit so etwas wie ein maß, an dem sich das buch irgendwo messen lassen muss.

und da muss ich ehrlich sagen: sorry, aber mir schlafen da irgendwo die füsse ein.

leider versäumt es die autorin, ein spannungsfeld aufzubauen - follet (der mich mit seinem letzten werk allerdings auch nur langweilt) zb. baut einen fiesen bösewicht auf, dem der held, die heldin ausgeliefert ist.

frau gablé breitet hingegen wohlbekannte und nach den "tudors" hinlänglich durchgekaute historische fakten aus, bei denen selbst das spiel a (tudors) mit b (gablé) abzugleichen irgendwo keinen spass macht.

naja, ich habe die lange, vollständige lesung gekauft und das war wohl der fehler, die auf das wesentliche zusammengestutzte version hätte es wahrscheinlich auch - vielleicht sogar besser - getan.

27.09.2011 19:51:06
maimonides

Ich habe mir das Buch hauptsächlich gekauft, weil ich wissen wollte wie jemand die "Sucht" Henrys nach einem Thronfolger beschreiben würde, der vorher die Rosenkriege zum Thema seiner Bücher gemacht hat. Irgendwo hatte ich auch schon gehört, daß Frau Gable Henry VIII. nicht mag - dieser Aussage hätte ich besser mehr Gehör geschenkt.

Für mich ist ein historischer Roman ua. sehr gut, wenn ich auch sagen kann: es könnte so gewesen sein. Diese Aussage trifft hier gar nicht zu. Aber der Reihe nach:

Was mir gefallen hat waren die vielen Schilderungen des mittelalterlichen Lebens gerade in Bezug auf die einfacheren Leute.

Nick ist bei Beginn der Handlung 14 Jahre alt und benimmt sich von Anfang an eher wie ein Erwachsener. Gleich zu Beginn der Buches wird er zusammengeschlagen (Wrestling in Vollendung) und steckt das so ziemlich locker weg. Er ist mit 14 Jahren in seinen Denkstrukturen schon viel zu erwachsen - von einen unfertigen jungen Mann, der eine entsprechende Entwicklung durchmacht ist nichts zu merken. Nick handelt häufig ziemlich unüberlegt und legt sich mit fast allen Mächtigen seiner Zeit an. Sein Schutzengel hatte viel zu tun - einer wird wahrscheinlich auch nicht gereicht haben. Henry ist in allem was er tut und sagt ein ausgesprochener Mistkerl - komisch nur das Nick alle seine Großkotzigkeiten bei solchem Herrscher überlebt. Das ist schon ein Widerspruch an sich.

Dieses Buch ist in meinen Augen ein persönlicher Rachefeldzug gegen Henry VIII und hat nicht einmal halbwegs etwas von einer differenzierten Darstellung der handelnden Personen an sich. Es gibt nur weiße Personen oder schwarze. Das allerdings in Vollendung.

Die Darstellung der verschiedenen Glaubensrichtungen ist sehr einseitig pro katholisch und contra Reformer. Henry wird von Anfang an als dick und humpelnd dargestellt - auch zu einer Zeit da er noch ziemlich gutaussehend und stattlich war. Aber die Glorifizierung von Mary ist an manchen Stellen nicht mehr zu überbieten. Nur gut, daß der Roman mit der Krönung Marys endet - Frau Gable hätte sicher noch einen Grund gefunden, warum Mary so viele (weit mehr als ihr Vater) in den Tod geschickt hat. Mir ist auch nicht ganz klar, warum eine erzkatholische Mary gegen die Scheidung ihres Vaters war und an anderer Stelle wo es so schön paßt eine Scheidung ohne entsprechenden Kommentar hinnimmt und auch noch unterstützt. Auch sonst gibt es einige sehr merkwürdige Szenen und immer sehen die "Reformer" schlecht dabei aus und die Katholiken gut dastehen. Die Szene mit der Handfeuerwaffe kann ich hier ohne zu spoilern leider nicht darstellen.

Sehr, sehr selten werden mal gute Taten der Reformer erwähnt. Das wird allerdings ziemlich schnell abgehandelt und ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, daß dies nur passiert damit ein Waringham an der Seite Elisabeths I. stehen kann.

Keine Frage das Buch ist schnell durchgelesen. Frau Gable schreibt sehr fesselnd und man will/muß immer weiter lesen. Das können nicht viele Autoren - man wird förmlich durchs Buch getrieben. Aber ich habe keinen Satz zweimal gelesen und das ist es was für mich ein gutes Buch auszeichnet, etwas langsam lesen oder einen Abschnitt nochmal lesen. Hier war das überhaupt nicht nötig - ich die 900 Seiten rucki zucki runter gelesen, ohne den Eindruck zu haben etwas zu verpassen. Aber es vermittelt kein differenziertes Bild der damaligen Zeit. Auch sprachlich ist es ziemlich einfach gestrickt - so ein paar poetische Blüten hätten dem Buch gut getan.

Leider hat mich das Buch auf der ganzen Linie enttäuscht. Ich bin niemand der Henry VIII in den Himmel heben will, aber ich bin auch niemand der Mary so schrankenlos bewundern kann oder will. Aber ich hätte mir ein differenzierteres Bild der damaligen Zeit gewünscht. Nick kann man schon gar nicht bewundern, er lockte mir an vielen Stellen nur ein Kopfschütteln hervor. Ich habe nie mit ihm gelitten und gebangt. Frau Gable hat es leider nicht geschafft, Mary einen entsprechenden Platz in der Literatur zu schaffen.

So aber ist es bisher mit Abstand der schwächste Roman den ich in diesem Jahr gelesen habe.

24.09.2011 20:20:23
anath

Das ist mal wieder ein ausgesprochen opulentes Menü, das Frau Gablé da serviert. Und ich gestehe, ich habe es vom ersten bis zum letzten Gang genossen. Natürlich sind die Waringhams mittlerweile den scheppernden Rüstungen entwachsen, wir sind in der Renaissance gelandet, aber sie sind immer noch so richtig ritterlich im Herzen. Zum Glück nicht ganz fehlerlos, aber immerhin handelt es sich um verzeihbare Fehltritte.

Wie immer zieht sich ein bunter Reigen realer und fiktiver Persönlichkeiten durch das Buch und führt den Leser durch ein spannendes Stück Geschichte. Es ist nicht so, daß das Buch ganz und gar neue Sichtweisen eröffnet, das war wohl auch nicht der Sinn. Aber es macht einfach Spaß, in diese Welt einzutauchen. Ein wenig zu glatt gestrickt erscheint mir in der Familie der Gegensatz zwischen Altkatholiken und Reformern (die Waringhams verkraften das mit einer Form der friedlichen Koexistenz, die bisher weltweit nur zu wünschen wäre ), aber irgendwie muß es ja dann auch nach Königin Mary weiter gehen. ;-)
Aber ich habe in dem Buch alle wieder getroffen, die mir schon lange ans Herz gewachsen sind : die Waringhams, die Durhams und sogar Helmsby hatte einen Kurzauftritt. Irgendwie schön, wenn man so viele alte Bekannte trifft, man ist gleich viel entspannter.
Letztendlich also ein Schmöker der Extraklasse der mir zwei sehr spannende Abende (also eigentlich sind Nächte draus geworden !) geschenkt hat. Vielen Dank, Frau Gablé, ich hoffe, Sie haben mal wieder Lust, einen neuen Waringham zu schreiben. Ich muß im Moment leider auf das Buch verzichten. Es wurde mir regelrecht aus der Hand gerissen, kaum daß ich die letzte Seite noch zu Ende lesen durfte. Mittlerweile weiß ich auch, daß es so schnell nicht in mein Bücherregal einziehen kann. Hier liegt eine Anmeldeliste weiterer Familienmitglieder, die schon ungeduldig warten.

Und übrigens weiß ich jetzt auch, wer Lappidot ist. ;-) Lesen bildet eben.

18.09.2011 16:27:29
nina2401

Endlich … die Geschichte der Waringshams geht weiter. Ich – und mit mir unzählige weitere Leser – habe sehnsüchtig auf eine Fortsetzung gewartet. Meine Geduld wurde belohnt … mit einem wunderbaren Roman, für den ich Rebecca Gablé von Herzen danke.

Schon beim ersten Durchblättern war ich sehr angetan von der Aufmachung, dem wunderschönen Cover, der liebevollen Widmung an uns Leser, der Aufzählung der wichtigsten Personen und den schönen Zeichnungen, die mir schon bei Hiob´s Brüder so gut gefallen haben.

Schon nach wenigen Sätzen war ich mitten im Geschehen und habe alles um mich herum vergessen, ich bin förmlich in die Geschichte versunken. Diese Kunst beherrschen nur wenige Schriftsteller, die ich kenne. Als erstes lerne ich Nicholas of Waringham kennen, ein sympathischer Junge, der mich an einige seiner Vorfahren erinnert. Sein Vater Jasper widmet sich nur seinen Büchern und hat seinen Besitz ziemlich verkommen lassen. Obwohl es nur ein fiktives Gebäude ist, das ich aber schon in den Vorgängerbüchern besuchen durfte, geht mir der Zerfall doch sehr nahe. Jasper wird der Ketzerei beschuldigt und kurze Zeit später stirbt er im Tower und Nick muss schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Die verstoßene Königin Catalina nimmt ihm das Versprechen ab, auf ihre Tochter Mary aufzupassen und so entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen Nick und Mary. Ich begleite Nick und Mary bis zu Marys Krönung und erlebe Höhen und Tiefen, Freude und Leid.

Über diesen Teil der englischen Geschichte ist schon oft geschrieben worden, aber durch diesen Roman habe ich so viele neue Details erfahren und vor allem Mary in einem anderen Licht gesehen. Ich weiß, dass dies ein ganz besonderes Anliegen der Autorin war und es ist ihr wunderbar gelungen, diesen Teil der englischen Geschichte endlich aus einer anderen Perspektive zu erzählen.

Ich habe in diesem wunderbaren Buch viel Bekanntes wieder gefunden und schon nach ein paar Seiten habe ich mich "zu Hause" gefühlt. Gleichzeitig habe ich viel Neues kennen gelernt, ich habe geschmunzelt und manchmal auch laut gelacht und ich habe – was mir beim Lesen äußerst selten passiert – geweint. So viele Emotionen hat schon lange kein Buch mehr bei mir ausgelöst. Rebecca Gablé schafft es immer wieder, mich in den Bann ihrer Geschichten zu ziehen, ihre Schreibweise ist so wohltuend lebendig, aber nicht aufdringlich. Sie vermittelt mir Geschichte mit einer Leichtigkeit, die ich bei anderen Autoren vergeblich suche. Als ich den letzten Satz gelesen habe, war ich so traurig, dass es zu Ende war, aber ich musste auch wie so oft über ihren besonders feinen Humor schmunzeln, so dass sie mir den Abschied etwas leichter gemacht hat. Am liebsten würde ich die Waringhams bis zur heutigen Zeit verfolgen … ich weiß, das ist unrealistisch, aber ich hoffe doch sehr, dass es noch eine Fortsetzung geben wird.

18.09.2011 13:54:23
lord.byron

Der 14jährige Nicholas of Waringham ist sehr stolz darauf Thomas More als seinen Gönner und Mäzen zu wissen und seine Schule besuchen zu dürfen. Doch eines Tages bittet More den jungen Waringham zu einem Gespräch: Er möchte, dass Nick so schnell wie möglich nach Hause zurückkehrt um seinen Vater Jasper zu warnen, dass er in den Tower wandert, wenn er es nicht unterlässt mit den Lutheranern gemeinsame Sache zu machen. Selbst Moore könne ihn dann nicht mehr schützen. Nick ist alles andere als erfreut darüber, dass er nach Hause zurückkehren soll, warten dort doch außer seiner Schwester Laura, seinem kleinen Bruder und seinem Vater auch noch die Stiefmutter Yolande und Stiefschwester Louise auf ihn, denen sie die passenden Namen Sumpfhexe und Brechnuss verliehen haben. Jasper hört nicht auf die Warnungen seines Sohnes und wird kurz darauf von Thomas Cromwell verhaftet, in den Tower geworfen und gefoltert. Er erliegt seinen Verletzungen und Nicholas ist mit seinen 14 Jahren der neue Herr auf Waringham. Bei König Heinrich VIII sowieso schon in Ungnade gefallen, ist es sicherlich nicht sehr förderlich für ihn, dass Noch Königin Catalina Nick bittet auf ihre Tochter Mary aufzupassen. Zwischen den Beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft die weder Religionskriege noch wechselnde Königinnen zerstören können.

Wie sich die Geschichte zwischen Nicholas of Waringham und Prinzessin Mary entwickelt und wie Nick sich in dieser schwierigen Zeit versucht über Wasser zu halten, können wir in dem neuen Roman von Rebecca Gablé "Der dunkle Thron" lesen.

Ich hatte das große Glück, dieses Buch vorab in einer Leserunde lesen zu dürfen und bin begeistert. Ich war schon immer ein großer Fan von Frau Gablés Romanen, aber mit "Der dunkle Thron" hat sich die Autorin selbst übertroffen. Kein anderer Autor versteht es Geschichte so lebendig werden zu lassen. Die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet und sind niemals nur gut oder böse. Sie haben sehr viel Tiefe und man kann sich gut mit ihnen identifizieren. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und sehr gut zu lesen, der historische Teil penibel recherchiert und die Liebesgeschichte hält sich angenehm im Hintergrund. Meiner Meinung nach ist das bisher der beste Roman der Autorin und ich hoffe sehr, dass wir noch in den Genuss einer Fortsetzung kommen. Aber auch Leser, die die vorherigen Bände nicht kennen, werde in den vollen Lesegenuss kommen, da man bei keinem ihrer Romane Vorkenntnisse braucht.

Jeder der sich auch nur ein kleines bißchen für Geschichte interessiert, sollte dieses Buch lesen. Großes Kino,das man nicht so schnell vergisst.