Schwertgesang

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2007, Titel: 'Sword Song', Originalausgabe

Couch-Wertung:

92
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Carsten Jaehner
Cornwell ist und bleibt ein Meister der Erzählkunst!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Dez 2008

Kurzgefasst:

Uhtred, der Kämpfer, ist von König Alfred beauftragt, die dänisch besetzte Stadt Lundene zurückzuerobern. Wer sie hält, kontrolliert die Themse, Englands Lebensader. Aber herrschen soll nicht er, sondern sein unfähiger Vetter. Uhtred fühlt sich an seinen Eid gebunden, er nimmt die Stadt für Æthelred ein. Der aber begeht prompt eine furchtbare Dummheit seine schwangere Frau gerät in die Hände der Nordmänner. Nur einer wagt sich ins feindliche Lager: Uhtred. Dort wartet eine ungeheure Überraschung auf ihn...

 

Im Jahr 855 ist das bekannte England der Zeit fast komplett unter dänischer Herrschaft. Uhtred von Bebbanburg, immer noch durch einen Schwur an Alfred gebunden, kämpft mit seinen Männern in Wessex gegen die Dänen, als er an Alfreds Hof beordert wird. Neue dänische Feinde sind auf der Insel gelandet und so erhält Uhtred von Alfred die Aufgabe, Lundene, das heutige London, zurückzuerobern.

Leider soll Uhtred die Stadt nicht für sich erobern, sondern für seinen Vetter Æthelred, einen unfähigen und sturen Mann, der zudem mit einer von Uthreds ältesten und besten Freundinnen verheiratet ist. Diese Æthelflaed ist schwanger und hat auch einen recht eigenen und eigensinnigen Kopf, da sie sich nicht dafür geschaffen sieht, am heimischen Herd zu versauern. Sie nimmt Uhtred einen neuen Eid ab, für sie zu kämpfen und er begibt er sich mit alten und neuen Weggefährten die Temes (Themse) hinunter.

Während sich Sigefrid und Erik Thurgilson, das dänische Brüderpaar, in Lundene breit machen, spioniert Uhtred nicht nur die Verteidigungsstellungen des Feindes aus. Neben Lundene gibt es noch andere Kampfschauplätze und an einem dieser Schauplätze wird die schwangere Æthelflaed von den Nordmännern entführt. So wartet auf Uhtred eine Menge Arbeit und sein Schwert wird viel zu singen haben.

Gesellschaftliche und religiöse Konflikte

Im vierten Teil seiner Sachsen-Saga zieht Bernard Cornwell wieder alle Register seines Könnens. Auf 476 Seiten lässt er die finstersten Seiten des Frühmittelalters wieder auferstehen und knüpft nahtlos an seine drei Vorgänger Das letzte Königreich, Der weiße Reiter und Die Herren des Nordens an. Schon nach wenigen Sätzen lässt er den Leser tief in eine Zeit eintauchen, in der Ehre und Ansehen höher standen als Familie und Frauen. Und dies tut er in gewohnt hoher Qualität.

Erzählt aus der Perspektive des alten Uhtreds, werden wieder viele Gedankengänge der damaligen Zeit deutlich, die einen ungewohnten Blick in die Zeit erlauben. Dies sind neben gesellschaftlichen Themen vor allem auch religiöse, denn immer stärker scheint sich das Christentum auch in Britannien auszubreiten und nicht jedem ist diese Religion geheuer. Auch und gerade weil die Dänen sie nicht wollen und nicht verstehen.

Länger als in den anderen Büchern sind in diesem Teil die Erzählstränge, die den alten erzählenden Uhtred zu Wort kommen lassen. Zwar wird nicht viel über sein jetziges Leben verraten, aber es ist schon lesenswert, wie er seiner Frau gegenüber seine Chronistenpflicht verteidigt.

Starker Erzählstil

Cornwells Stärke ist sicherlich zum Einen, dass er dem Leser die Zeit unkompliziert nahe bringen kann, zum Anderen aber auch, dass er seine Charaktere nicht nur schwarz und weiß zeichnet, sondern für jede Person auch noch Charakterzüge hinter einer gewissen Fassade parat hat. Auch der Feind ist letztlich ein Mensch, der nach seiner Ansicht richtig handelt, wenn auch dies nicht mit Uhtreds Ansicht übereinstimmt.

Es ist erfreulich, dass Cornwell den hohen Standard seiner historischen Reihe auch in diesem vierten Teil mühelos aufrecht erhalten kann. Die Erzählungen der zahllosen Kämpfe werden allmählich abgelöst durch das Durchdenken und Anwenden verschiedener Kriegsstrategien, dabei immer im Hinterkopf, dass der Feind sich schließlich auch welche ausdenkt. Umrahmt von historischen Fakten bietet Cornwell hervorragende Unterhaltung, die jeden Leser schnell in den Bann zieht. Cornwell beschönigt nichts, aber er übertreibt auch nichts - und so zeichnet sich ein realistisches Bild des 9. Jahrhunderts. Eine leichte Prise teils sehr schwarzen britisch-nordischen Humors verleihen der Erzählung zusätzliche Glanzlichter.

Cornwell als Meister der Erzählkunst

Durch seine Kenntnis der verschiedenen Traditionen der verschiedenen Kulturen wird Cornwells hervorragende Erzählkunst noch aufgewertet. Im lesenswerten Anhang erklärt er, dass er aufgrund der Quellenlage in diesem Buch mehr selbst erfinden musste, als dass es ihm durch die Historie vorgegeben worden wäre. Geschichtskenner werden es ihm verzeihen und alle anderen Interessenten werden es nicht bemerken. Zwei Karten und ein Ortsnamenverzeichnis am Beginn des Buches runden ein gelungenes Werk ab.

Mit Schwertgesang beweist Bernard Cornwell wiederholt, dass er zu den großen Schriftstellern historischer Romane unserer Zeit gehört. Auf seiner hervorragenden und interessanten Homepage wird bereits der fünfte Teil angekündigt und viele seiner Leser werden es zu Recht kaum erwarten können, ihn in den Händen zu halten. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wenn Cornwell weiterhin seinen eigenen Standard so hochhalten kann, wird man an seinen Büchern noch viel Freude haben.

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