Die Krankenschwester von St. Pauli – Tage des Schicksals

  • Piper
  • Erschienen: Mai 2020
  • 1
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Alexandra Hopf
881001

Histo-Couch Rezension vonAug 2022

Gelungener Start einer Hamburg Trilogie

1885 muss die dreizehnjährige Svantje mit ihrer Mutter und dem kränklichen kleinen Bruder Piet den geliebten Hof nach einem Hochwasser verlassen. Sie ziehen zum Vater ins Hamburger Gängeviertel, denn der Vater arbeitet schon länger auf einer Hamburger Werft. Sie freundet sich dort mit dem jungen Raik an, der sich dort alleine durchs Leben kämpft. Schockiert von den Zuständen im Gängeviertel, wächst in ihr der Wunsch Krankenschwester zu werden und den Armen zu helfen. Ihre Eltern unterstützen sie bei diesem Vorhaben. Eines Tages lernt sie die Freunde Friedrich Falkenberg und Richard Harkenfeld kennen, die beide aus wohlhabenden Familien stammen. Vor allem Friedrich hat es ihr angetan und auch er verliebt sich in die junge Svantje. Doch ihre unterschiedliche Herkunft stellt einen unüberwindlichen Graben dar. Aber all diese Gedanken werden hinfällig, denn Hamburg wird von einer schrecklichen Cholerawelle heimgesucht und Svantje muss sich als Krankenschwester beweisen

Gute Recherchearbeit kombiniert mit fiktiver Geschichte

Mit ihrem wunderbar bildhaften Erzählstil, der sich noch dazu auch sehr flüssig liest, lässt uns die Autorin schnell in die Geschichte abtauchen. Man fühlt sich direkt in das Hamburg gegen Ende des 19.Jahrhunderts versetzt. Besondere Authentizität bringt die Verwendung des ein oder anderen Ausrufs in typischem aber verständlichem Plattdeutsch. Des Weiteren schildert sie intensiv und gut, erklärt die Örtlichkeiten, wo der Roman spielt, nämlich in den armen Hamburger Gängevierteln. Ein Teil des Romans spielt im Hafen und den dortigen Werften. Auch hier gelingt es ihr, ihr gut recherchiertes Wissen an den Leser weiterzugeben.

Die wechselnden Erzählperspektiven beleuchten das Ganze aus den verschiedenen Blickwinkeln der Protagonisten. Leider wird immer aus der Sicht der dritten Person erzählt und verwehrt uns tiefere Einblicke in die Gefühlswelt der Figuren, die alle gut und authentisch dargestellt sind. Insbesondere die junge weibliche Hauptperson Svantje kann den Leser für sich gewinnen. Im Romanverlauf wächst sie über sich selbst hinaus. Sie ist selbstlos und hilfsbereit. Dies trifft besonders auf die Menschen in den Gängevierteln zu, denn sie vergisst zu keiner Zeit, dass sie eine von ihnen ist.

Hamburg und die Cholera

Das Buch liest sich soweit flüssig. Allerdings nimmt Rebecca Maly im Roman zwei größere Zeitsprünge vor. Einmal die Jugendzeit, die Svantje im Gängeviertel erlebt. Diese Zeit wird nur anfangs erzählt, gerne hätte man dazu vielleicht noch das ein oder andere Erlebnis miterlebt. Gänzlich fehlt die Ausbildungszeit des Mädchens und auch da wären sicher ein paar Informationen dazu interessant gewesen.

Trotz dieses Mankos gelingt es dem Roman, etwa ab Hälfte, den Leser komplett zu fesseln. Mit erzählerischer Finesse erlebt man mit, wie die Seuche Cholera langsam aufflammt und welch verheerenden Verlauf sie nimmt. Das Dahinsiechen der Kranken und die Ohnmacht der Ärzte und des Pflegepersonals sind detailliert geschildert und machen betroffen.

Verschiedene Handlungsstränge sorgen für Abwechslung

Doch in diesem ersten Band einer Trilogie geht es nicht nur um eine Liebesgeschichte oder die große Cholera Seuche 1892. Frau Maly spricht noch mehr Themen, die zur damaligen Zeit präsent waren, an. Das große Gefälle zwischen Arm und Reich, die schlechten Arbeitsbedingungen in den Werften und die mangelnde Absicherung bei Unfällen, die leider an der Tagesordnung waren.... all diese Themen flicht die Autorin in ihre fiktive Geschichte ein und verbindet alles zusammen zu einem harmonischen Handlungsverlauf. Man ist gefesselt von den Geschehnissen und kann die Fortsetzung kaum erwarten. Umso mehr, weil dieser Band mit einem unglaublichen Cliffhanger endet.

Fazit

Vielversprechender Start einer Trilogie, die man unbedingt weiterverfolgen will und erfahren möchte, wie die vielen offenen Fragen beantwortet werden

Die Krankenschwester von St. Pauli – Tage des Schicksals

Rebecca Maly, Piper

Die Krankenschwester von St. Pauli – Tage des Schicksals

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