Die Stadt der Tränen

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Dietmar Schmidt (Übersetzung)

Couch-Wertung:

90
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Karin Speck
Das Schicksal einer Familie

Buch-Rezension von Karin Speck Apr 2021

Minou Reydon und ihr Mann Piet leben inzwischen in Puivert. Sie haben sich eine Oase des Friedens geschaffen. Seit 10 Jahren leben sie friedlich an diesem Ort auf dem Land. Sie haben eine Familie gegründet und sind glücklich. Dann erhalten sie die Einladung zu der wohl größten Hochzeit ihres Landes. Der Hugenottenkönig Heinrich von Navarra und die Katholikin Margarete von Valois wollen den Bund der Ehe eingehen. Jeden zieht es in diesen Augusttagen des Jahres 1572 nach Paris. Auch ihre Feinde werden in der Stadt sein. Nichts ahnend, was auf die Familie zukommt, machen Minou und ihr Hausstand sich auf den Weg.

Die Schrecken einer Nacht

„Die Stadt der Tränen“ ist der zweite Band der Autorin Kate Mosse, der von den Hugenottenkriegen erzählt. Dieser Teil setzt 10 Jahre nach „Die brennenden Kammern“ ein. Für Minou und ihre Familie waren es einige Jahre, die sie in Frieden leben durften. Kurz gibt die Autorin Einblicke darüber, wie sie sich ihr Leben eingerichtet haben. Dann wechselt der Schauplatz aus dem ruhigen Puivert nach Paris. Die Stadt ist übervoll mit Menschen. Alle wollen zur Hochzeit. Mosse hat diese Stimmung gut wiedergegeben. Sie schildert die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten und auch die Aufregung, die Minou und vor allem ihre 7-jährige Tochter Marta ergriffen haben in facettenreichen Einzelheiten.

Die Autorin versteht es gut, ihre Protagonisten lebendig werden zu lassen. Glaubhaft schildert sie nicht nur die Ereignisse der Bartholomäusnacht, sondern auch die Tage davor und danach. Minou und ihre Familie sind zwar fiktive Charaktere, aber sie könnten durchaus so gelebt haben. Ihr Schicksal ist so anschaulich beschrieben, dass man der Autorin jedes Wort glaubt. Zudem hat sie ihre fiktive Geschichte wirklich gut in den historischen Hintergrund eingebettet. Sie hat nicht nur jene Tage in Paris nahe an den Leser geholt, sondern auch Einblicke in die gesamt politische Lage Europas gegeben - vor allem, wie gerade die Niederlande sich in dieses Gefüge einpasst.

Den Aberglauben gekonnt eingebunden

Zu dem historischen Hintergrund hat die Autorin eine fiktive aber dennoch authentische Geschichte rund um den Reliquienhandel eingebettet. Diese Szenen zeigen, wie die Menschen in dieser Epoche die Verehrung von heiligen Gegenständen in ihren Tagesablauf integriert haben. Mit Vidal, der geradezu besessen von Reliquien ist, hat die Autorin der Geschichte noch mehr Dramatik gegeben. Gleichzeitig wird aber auch die damalige Bedeutung der Heiligenverehrung sichtbar.

Geschickt erzählte Geschichte

Unterteilt ist der gesamte Roman in 4 Teile. Während die ersten zwei Teile ausführlich das Jahr 1572 beschreiben, macht die Autorin mit Teil 3 einen kleinen Zeitsprung und schildert die Ereignisse nach der Bartholomäusnacht. Teil 4 enthält dann sogar einen noch größeren Zeitsprung von 10 Jahren. Durch diese Straffung der Handlung ist es der Autorin möglich gewesen, Ereignisse zusammenzufassen, die für den Leser interessant sind und Fragen beantworten, die sonst nicht oder nur unzureichend hätten geklärt werden können.

Der Erzählstil von Kate Mosse ist flüssig zu lesen. Gleich zu Beginn des Buches hat Mosse die historischen Fakten offengelegt und ein Personenregister klärt über die Protagonisten auf, es trennt die historisch belegten, von den fiktiven Personen. Die ersten Sätze beginnen allerdings nicht mit den Ereignissen aus dem Jahre 1572, sondern erzählen von einer Frau aus dem Jahre 1862. Was sie mit Minou und Piet genau verbindet, werden die Leser wohl erst im letzten Band dieser Reihe erfahren. Das Schicksal der Hugenotten soll ja über 300 Jahre erzählt werden, mit diesem Buch sind es aber mal gerade ca. 50 Jahre, die erzählt worden sind. Es bleibt also spannend.

Fazit:

Kate Mosse hat einen historischen Roman über die Hugenottenkriege vorgelegt, der nicht nur gut recherchiert ist, sondern eine spannende fiktive Geschichte erzählt, die zugleich glaubhaft ist. Die Leser werden auf anschauliche Weise in die Welt des 16. Jahrhunderts entführt.

Die Stadt der Tränen

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