Die brennenden Kammern

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

Dietmar Schmidt (Übersetzung)

Couch-Wertung:

90
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Karin Speck
Zwischen Glaube und Liebe

Buch-Rezension von Karin Speck Mär 2020

Das Leben in Carcassonne im Jahre 1562 geht seinen gewohnten Gang für Minou Joubert. Sie ist die Tochter des Buchhändlers Joubert und im katholischen Glauben erzogen. Doch dann erhält sie einen ominösen Brief, nur ein Satz steht auf dem Zettel: „Sie weiß, dass ihr lebt“. Was mag dieser Satz für Minou bedeuten? Zeit, der Sache nachzugehen, hat die junge Frau nicht.

Piet Reydon stolpert förmlich in ihr Leben und bittet um Hilfe. Er ist Hugenotte und nur mit ihm gesehen zu werden, ist schon gefährlich. Für Minou und ihre Familie beginnt die Suche nach der Vergangenheit und ihrer aller Zukunft. Ein Krieg zerteilt das Land und die Frage nach dem rechten Glauben bestimmt das Leben.

Auftakt einer Reihe

Mit dem Roman „Die brennenden Kammern“ startet Kate Mosse eine neue Reihe über die Zeit der Religionskriege in Frankreich. Das Buch beginnt mit einer kurzen Erläuterung zu den Hugenottenkriegen. Ein Personenregister und eine kleine Karte rund um Carcassonne sind ebenso vorhanden, wie auch die Information, dass dieses Buch der Auftakt einer Reihe ist und die Geschichte über einen größeren Zeitraum gehen wird.

Das Leben von Minou verläuft völlig normal, bis zu dem Tag, an dem zunächst ihr Vater sich verändert und dann dieser Brief auftaucht und der jungen Frau klarmacht, dass es so einige Geheimnisse in der Familie gibt. Minou ist zwar als gläubige Katholikin aufgewachsen, aber mit wachem Verstand. Sie hat gelernt, dass alle Menschen gleich sind. Dann taucht Piet in ihrem Leben auf und sie merkt, dass nicht alle so denken, wie sie es von ihrem Vater gelernt hat. Piet ist Hugenotte und tritt für die Rechte der Protestanten in Frankreich ein. Es stellt sich die Frage: Auf welcher Seite will die junge Frau stehen? Die Gewissenskonflikte und die Art und Weise, wie Minou damit umgeht, ist glaubwürdig in Szene gesetzt worden. Die Autorin gibt spannende Einblicke, wer gegen wen in den Krieg zog und warum. Sie hält sich dabei an die historischen Ereignisse und verbindet sie mit ihrer fiktiven Geschichte rund um ihre Protagonisten. Entstanden sind ein glaubhaftes Bild dieser Zeit und eine Ahnung davon, was damals geschah und wie schlimm Verfolgung und Flucht gewesen sind. Die Bartholomäusnacht von 1572 ist wohl vielen bekannt, aber nicht die Ereignisse, die davor in Frankreich stattgefunden haben. Genau diese Zeit wird hier beschrieben.

Ein Prolog der Fragen aufwirft

Der Prolog beginnt allerdings im Jahre 1862 und scheint nicht wirklich etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun zu haben. Vermutlich wird es sich erst im letzten Band aufklären, was es mit dem Prolog auf sich hat. Einen kleinen Einblick bekommt man allerdings ganz am Ende des Buches schon.

Ein zerstörerischer Kampf der Religionen

Der Autorin ist es gelungen, das 16. Jahrhundert lebendig werden zu lassen. Sie erzählt von den Zerwürfnissen zwischen dem Glauben der Menschen. Plötzlich geht es nicht mehr nach dem klassischen „Gut gegen Böse“, sondern nach „Bist du Hugenotte oder Katholik“. Ein Kampf, der alles zerstören kann, nimmt seinen Lauf. Für Piet ist es wichtig, sein Leben so leben zu können, wie er es möchte, aber leider sehen dies nicht alle so. Dieser Krieg zerstört alles. Gerade diese Glaubensfragen hat Kate Mosse gekonnt in ihre fiktive Handlung rund um Minou und ihre Familie gewoben.

Ein weiterer Handlungsstrang ist einem Priester gewidmet. Er ist auf der Suche nach einer höchst brisanten Reliquie. Mithilfe dieses Erzählstranges schildert Mosse Folter und Verfolgung. Sie geht dabei ins Detail und beschönigt nichts. Allerdings ist die Handlung rund um den Priester Valentin auch schon mal etwas verworren. Es erfordert ein aufmerksames Lesen, um die Gedankengänge dieses Charakters nachvollziehen zu können.

Fazit:

„Die brennenden Kammern“ erzählt von einem schrecklichen Glaubenskrieg, von der Liebe zwischen zwei jungen Leuten und von dem Traum der Freiheit und Gleichheit. Kate Mosse ist der Auftakt ihrer neuen historischen Reihe über die Frage des Glaubens und der Liebe gelungen. Sie zieht ihre Leser von der ersten Seite in die Geschichte und gibt spannende Einblicke in das 16. Jahrhundert. Auch wenn sich einige Fragen am Ende klären, das Gefühl für die Familie Joubert/Reydon, ist der Weg noch nicht zu Ende, bleibt.

Die brennenden Kammern

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