Kommissar Gennat und die Tote im Reisekorb

  • Elsengold
  • Erschienen: Februar 2021
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Jörg Kijanski
751001

Histo-Couch Rezension vonMär 2021

Auftakt der Gennat-Kaminski-Reihe

Tja, so kann es gehen. Da liest der Rezensent den vorliegenden Roman und merkt erst bei der anschließenden Hintergrundrecherche, dass er diesen vor rund dreizehn Jahren schon einmal gelesen und 2008 für die Krimi-Couch bereits rezensiert hat. 2003 erschien der Roman unter dem Titel „Habgier“ im be.bra-Verlag, jetzt in neuer Ausgabe bei Elsengold unter dem Titel „Kommissar Gennat und die Tote im Reisekorb“. Ein entsprechender Hinweis wäre nett gewesen. Nun könnte man einfach auf die Krimi-Couch verweisen, aber ein kurzes „Update“ soll es denn doch geben.

Frühjahr 1916. Der Krieg ist noch immer nicht gewonnen, der ursprünglichen Begeisterung weicht Ernüchterung, immer mehr Kriegsversehrte dominieren das Bild auf der Straße. Die Lebensmittel werden ständig geringer, der Hunger kann kaum mehr gestillt werden. Da die üblichen Berichte vom Kriegsverlauf die Leute kaum noch überzeugen, kommt man beim Berliner Abendblatt auf die Idee, eine Serie über die Arbeit der Berliner Kriminalpolizei zu veröffentlichen. Der junge Reporter Max Kaminski soll dabei dem bekannten Kriminalkommissar Ernst Gennat über die Schulter schauen. Am ersten Arbeitstag im Präsidium bekommt Max, der versehentlich in die Vermisstenabteilung gerät, mit, dass eine Frau ihre Nachbarin Martha Franzke vermisst. Von dieser fehlt jede Spur, dabei hätte sie doch niemals ihren geliebten Hund zurückgelassen. Doch die Polizisten winken ab, sie sei noch nicht so lange weg. Wenig später berichtet Max seinem neuen „Chef“ Gennat den Vorfall, doch auch dieser winkt ab. Tausend Menschen verschwinden jedes Jahr in Berlin, da könne man nicht immer gleich springen.

„Warum haben Sie den Mann nicht festgenommen?“
„Und womit hätte ich die Festnahme begründen sollen?“
„Mit Mordverdacht!!“

„Solange wir keine Leiche haben, mein lieber Kaminski, können wir auch niemanden des Mordes bezichtigen. Wir wissen nicht einmal, ob die Frau überhaupt ermordet worden ist. Vielleicht hat sie ja Selbstmord verübt und wir fischen in den nächsten Tagen ihre Leiche aus der Spree.“„Oder Rosinski hat sie zerstückelt und Sie können demnächst ihre Einzelteile einsammeln.“
„Mensch, Kaminski! Was haben Sie bloß für eine schmutzige Fantasie!“

Rund drei Wochen später muss sich Gennat eines Besseren belehren lassen, denn die vermisste Martha Franke wird bei einer Routinekontrolle in einem Reisekorb auf dem Stettiner Bahnhof gefunden. Zahlreiche Schnittverletzungen und eine durchgeschnittene Kehle bezeugen die Todesursache.

Die Historikerin Regina Stürickow ist eine Expertin für das kriminelle Berlin

Gennat und Max ermitteln gemeinsam in einem Milieu, das zumindest Max völlig fremd ist. Es geht in verwahrloste Hinterhöfe, wo ebensolche Menschen hausieren und in die Berliner Unterwelt. Obwohl es kaum noch genügend Männer gibt, versuchen immer mehr Frauen durch Prostitution das Nötigste zu verdienen. In das Visier der Ermittler geraten letztlich vier Frauen, deren Lebenswege sich in einem wüsten Knäuel aus Eifersucht, Liebe, Raffgier und Gewalt verknoten. Es wird gelogen und integriert was das Zeug hält. Doch Gennat zeigt schon hier, dass er ein großer Ermittler ist.

„Der Kommissar gloobt ma ja doch nischt.“
„Was glaubt er Ihnen nicht?“
„Dass ick mit den Mord nischt zu tun hab. Ick hab ja nich mal jewusst, dass die Martha totjejangen ist.“
„Schade, dass Sie keine Zeitungen lesen.“
„Kann eben nich jeder jebildet sein.“

Zahlreiche Bücher hat die Historikerin Regina Stürickow schon über die Kriminalgeschichte Berlins geschrieben, die seit geraumer Zeit im Elsengold Verlag veröffentlicht werden. Dass dabei die Ermittlerlegende Ernst Gennat im Fokus ihres journalistischen Interesses steht, ist verständlich. Kaum ein anderer Kommissar hatte je eine höhere Aufklärungsquote und außerdem hat Ernst Gennat die Arbeit der Polizei in den 1920er Jahren maßgeblich in ein neues Zeitalter katapultiert.

Fazit

In „Kommissar Gennat und die Tote im Reisekorb“ erlebt man eine Zeitreise nach Berlin, erfährt viel über die bedrückenden Lebensumstände der einfachen Leute und erhält intensive Einblicke in die Polizeiarbeit während des Ersten Weltkrieges.

Kommissar Gennat und die Tote im Reisekorb

Regina Stürickow, Elsengold

Kommissar Gennat und die Tote im Reisekorb

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