Was sich lohnt

Erschienen: Januar 2021

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85
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Birgit Stöckel
Der Kampf des Kreisauer Kreises und sein Scheitern

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Mär 2021

Nach ihrem 2012 erschienen Roman „Wer wir sind“, in dem die Geschichte aller wichtigen Widerstandsgruppen im Dritten Reich erzählt wird, veröffentlich die Autorin Sabine Friedrich nun eine Roman-Trilogie, in der sie sich erneut diesem Thema widmet. Nach „Einige aber doch“, in dem es um die „Rote Kapelle“ geht, ist nun „Was sich lohnt“ erschienen, das den Kreisauer Kreis in den Mittelpunkt stellt.

„Was sich lohnt“ ist ein ungewöhnliches Buch im Genre Historienroman, dessen Lektüre unbedingt empfehlenswert ist. Allerdings macht es einem der Roman nicht leicht. Zum einen liegt es an der Vielzahl an Personen, die auftauchen und die mal häufiger, mal seltener eine eigene Perspektive bekommen. Zur Orientierung gibt es am Ende des Buchs eine kurze Übersicht über die wichtigsten Figuren. Zum anderen erschwert die Erzählweise den Zugang zur Geschichte. Es ist keine fortlaufende Geschichte mit durchgehendem Handlungsfaden, sondern eine mosaikartige Erzählung mit vielen Zeit-, Ort- und Handlungssprüngen, die hohe Konzentration erfordern. Immerhin läuft alles chronologisch ab, aber es liegen zwischen den einzelnen Abschnitten oft Wochen, Monate oder sogar Jahre.

Anstrengende, aber lohnende Lektüre

Es fällt auch schwer, mit den Protagonisten mitzufiebern und zu fühlen. Erstens sind es einfach zu viele Figuren, um eine zügige tiefergehende Charakterisierung zu ermöglichen. Zweitens wird viel über die Außensicht berichtet, was die Figuren sagen oder wie sie handeln, aber wenig über ihre Gefühle und Gedanken. Weitere Distanz schafft der Schreibstil, der sehr nüchtern ist und über weite Strecken eher an ein Sachbuch als an einen Roman erinnert. Doch wer sich darauf einlässt, wird belohnt und lernt sogar nach und nach einige der Figuren tatsächlich besser kennen und folgt ihnen mit Interesse und Begeisterung, insbesondere Helmuth James Graf von Moltke.

Was das Buch vor allem so lesenswert macht, ist das Thema an sich. Es ist faszinierend zu sehen, wie kritisch Hitler in gewissen Kreisen von Anfang gesehen wurde und dass selbst überzeugte Nationalsozialisten nicht viel von ihm hielten und überzeugt waren, ihn bald los werden zu können. Auch einige hochrangige Militärs waren in die Überlegungen um Putsch und Attentat verwickelt. Interessant ist auch, welche Ideen für eine Neuordnung Deutschlands und ganz Europas herrschten. Bereits damals gab es den paneuropäischen Gedanken, der weit über das hinaus ging, was heute die EU abbildet. Doch es ist auch frustrierend zu lesen, dass zwar viel geplant und geredet wurde, dass aber nie konkrete Handlungen erfolgten. Das Ringen um eine gemeinsame Linie zerstört nach und nach alle Möglichkeiten und verhindert auch den Zusammenschluss mit anderen Gruppierungen, da es zu sehr um Details geht, in denen sich alle Diskussionen verlieren, um die gefeilscht und gekämpft wird, anstatt dass das große Ganze konsequent verfolgt wird. Es wird schmerzlich klar, wie auch Hitlers Gegner zu seinem „Erfolg“ beigetragen haben.

Nicht für Einsteiger gedacht

Es empfiehlt sich, bereits Vorkenntnisse über die damalige Zeit und idealerweise auch über den Widerstand zu haben, denn oft werden für die Gruppierung wichtige Ereignisse erwähnt, jedoch nicht näher ausgeführt. Das kann die Lektüre zusätzlich erschweren.

Noch kurz ein Wort zum Klappentext: Die dort erwähnten Frauen der Mitglieder des Kreisauer Kreises spielen eine viel geringere Rolle, als der Text suggeriert. Natürlich haben sie ihren Anteil, aber das Hauptaugenmerk ist ganz klar auf die Männer gerichtet.

Fazit

„Was sich lohnt“ ist ein anstrengendes, forderndes Buch, das für Neulinge nur bedingt geeignet ist und es seinen Lesern nicht leicht macht, sie aber dennoch mit einer faszinierenden und lesenswerten Geschichte rund um den Kreisauer Kreis belohnt.

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