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Carsten Jaehner
Mord im Kloster Frauenchiemsee

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Dez 2020

September 1933. Am Ufer der Fraueninsel im Chiemsee wird der tote Körper einer jungen achtzehnjährigen Frau gefunden. Sie war Novizin im Kloster Frauenchiemsee und die Tochter eines berühmten Münchener Schauspielerehepaars. Dorfpolizist Gustav Fanderl vom Festland macht sich auf die Suche nach dem Täter, unterstützt wird er dabei von Benedikt Lindgruber aus München, der ihm bereits vor drei Jahren bei einem Fall geholfen hat.

Neben dem hochnäsigen Elternpaar machen sich auch zahlreiche Dorfbewohner verdächtigt. Flora, so der Name der Toten, fuhr fast täglich mit dem Boot über den See um Einzukaufen und hatte wohl auch Bekanntschaft mit einem jungen Mann gemacht, woraus sich vielleicht mehr als nur Freundschaft entwickelt hat. Zudem gibt es auch Kreise, die den Kommunisten angehören und einige vertreten energisch die neue Regierung, die seit Januar des Jahres an der Macht ist und die sich allmählich über ganz Bayern ausbreitet. Fanderl und Lindgruber ermitteln in alle Richtungen, am Chiemsee, in München und natürlich auf der Fraueninsel selbst und decken dabei so manche unangenehme Geschichte auf.

Zweiter Chiemsee-Krimi

Der bereits zweite Chiemsee-Krimi von Gretel Mayer setzt drei Jahre nach „Der Tod des Chiemseemalers“ ein und beschreibt einen neuen Fall des damaligen Ermittlerduos, die seitdem Kontakt gehalten hatten, aber nicht mehr zusammengearbeitet haben. Fanderl ist inzwischen verheiratet und Vater seines Sohnes Korbinian, Lindgruber ist eigentlich immer noch in München, allerdings übernimmt die NSDAP mehr und mehr die politischen und polizeilichen Geschicke in München, und wer nicht auf Linie ist, wird ins Archiv oder in die Provinz versetzt. So landet Lindgruber am Chiemsee, wo er ja schon einmal gewesen ist und wo er bereits mit Fanderl zusammengearbeitet hat, und das ausgerechnet in seinen Flitterwochen.

Bei seinen Recherchen im Kloster auf der Fraueninsel erfährt Fanderl, dass die Tote die Nichte der Äbtissin Klara Rottmann war und die Äbtissin die Schwester der Schauspielerin Henriette von Prielmayer, die mit dem Schauspieler Siegfried von Prielmayer verheiratet ist; das Paar ist in München stadtbekannt. Prielmayer wollte seine Tochter zu einer Schauspielerin gehobenen Ranges machen, doch diese hat sich dann, sich dem Druck des Vaters entziehend, für eine Weile zu ihrer Tante auf die Insel zurückgezogen.

Verdächtige auf dem Festland

Im Dorf ermitteln Fanderl und Lindgruber auch im „Seewirt“, der Wirtschaft, die in Besitz der Familie Habegger ist und wo Flora ihre Einkäufe getätigt hat. Dort soll sich angeblich mit dem Sohn der Familie und ihr eine Liebelei angebahnt haben. Die Dorfjugend tratscht und organisiert sich gerade neuerdings politisch, und so gibt es Neid und Eifersüchteleien, die auch die Ermittlungen nicht erleichtern.

Fanderl und Lindgruber ermitteln in München bei den Prielmayers, wobei diese sich hochnäsig und wenig kooperativ zeigen. Die Mutter scheint ihre Trauer überzogen zu spielen und der Vater ist überzeugt, aus seiner Tochter eine große Mimin gemacht zu haben. Doch zeigt die Realität, dass beide Eltern wohl gar nicht die großen Bühnenhelden sind, die sie vorgeben zu sein. Kein Wunder, dass die Tochter die Flucht ergreift.

Es geht nicht voran

So tasten sich die beiden Polizisten nach und nach durch das Dickicht der Zeugen, Beteiligten und Verdächtigen. Alles geht recht ruhig vor sich hin. Doch so kommen sie auch nicht recht weiter, denn entweder haben die Verdächtigen ein Alibi, oder sie sind nicht verdächtigt. Auffällig im Roman ist tatsächlich ein gewisser Stillstand in den Ermittlungen. Zu jeder neu auftauchenden Figur wird ein kurzer Lebenslauf erzählt. Dieser ist interessant und alle diese Geschichten malen in ihrer Gesamtheit ein interessantes Bild der Zeit des Chiemgaus zu Beginn des Dritten Reichs. Überhaupt ist die Stärke der Erzählerin das Historische des Romans, das allmähliche Durchwehen des Nationalsozialismus, von dem man noch nicht ahnen kann, was er über die Jahre anrichten wird.

Hier, im tiefsten Bayern, treffen Traditionen und Politik aufeinander, gut dargestellt allein durch die Idee der Frau von Lindgrubers, einen eigenen Hutmacherladen zu eröffnen und dafür den in München aufzugeben, wo sie schon an den Chiemsee „strafversetzt“ wurden. Unterstützt wird diese Darstellung auch durch das „Bayrische“, den Formulierungen des Dialektes, was für manchen zunächst ungewohnt sein dürfte, man liest sich aber rein und so bekommt der Krimi ordentlich Lokalkolorit. Und man weiß gleich: Wer hochdeutsch spricht, gehört nicht dazu und ist per se verdächtig.

Der angemerkte Stillstand in den Ermittlungen wirkt sich allerdings leider auch auf die Erzählung an sich aus. Ohne die kleinen Geschichten wäre das Buch wohl nicht so lang geworden (bei sowieso „nur“ 235 Seiten aus dem Hause Emons, diesmal direkt als Taschenbuch statt als Hardcover), es passiert einfach schlicht nicht so viel, zumal ein Teil der Geschichte ja auch den Privatleben Fanderls und Lindgrubers und ihren Frauen gehört. Hier wäre mehr Aktion und mehr Handlung wünschenswert gewesen, und insofern auch mehr Überraschung. Dadurch gerät auch die Auflösung mehr oder weniger zufällig aus dem Nichts, da wäre ein organischerer Bogen schöner gewesen. Die Anspielungen auf die Fernsehserie „Rosenheim-Cops“, die dem ersten Roman eine besondere Würze verliehen, fehlen hier fast ganz.

Fazit:

Gretel Mayers zweiter Chiemseekrimi gerät nicht so stark wie sein Vorgänger, besticht aber durch seine Beschreibungen von Ort und Zeit, gerade über das Jahr 1933, als in Bayern nach und nach die Nazis das Ruder übernehmen. Der Fall selber ist gut angelegt, aber mäßig spannend. Trotz allem bietet die Konstellation der Ermittler, des Ortes und der Zeit noch viele Möglichkeiten, und so wird ein hoffentlich nächster Fall wieder packender werden.

Die Tote vom Chiemsee

Die Tote vom Chiemsee

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