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Carsten Jaehner
Eine Weltstadt vor dem Untergang

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2021

Berlin, Juli 1936. Überall in der Stadt hängen neben den Hakenkreuzfahnen weiße Fahnen mit fünf Ringen darauf, denn in einer Woche starten die Olympischen Spiele. Da stirbt im Olympischen Dorf in einem Restaurant ein Sportfunktionär aus Amerika. Das beobachtet unter anderem Fritze Thormann, der gerade seinen Ehrendienst ableistet und für einen Sportler Besorgungen macht. Da man sich keinen Skandal um die friedlichen Spiele in Berlin leisten kann, wird in alle Richtungen ermittelt, auch wegen Mord, und so wird Oberkommissar Gereon Rath von höchster Stelle abkommandiert, um dem Fall auf den Grund zu gehen.

Derweil hat Gereon zu Hause Ärger, denn seine Frau Charly ist ausgezogen. Dies allerdings nur für die Zeit der Spiele, denn Gereon musste olympische Gäste in seiner Wohnung aufnehmen, ohne Rücksprache mit Charly, die sich währenddessen bei ihrer Freundin Greta einnistet. Während Fritze weiter seinen Ehrendienst schiebt und am liebsten von seinen neugierigen Kameraden in Ruhe gelassen werden würde, ereignen sich rund um Berlin weitere Unfälle, hinter denen auch Mord stecken könnte. Sie alle zeigen eine Vorgehensweise, die Gereon nur zu bekannt vorkommt.

So muss Gereon nicht nur den, wie sich herausstellt, Mord an dem Sportfunktionär aufklären, sondern auch Licht hinter die Mordserie an ehemaligen Offizieren bringen. Gibt es da einen Zusammenhang? Was steckt dahinter? Zudem gibt sich Berlin während der Spiele zwar weltoffen, doch fürchten sich viele vor dem, was nach den Spielen passieren wird. Gereon gerät zwischen die Fronten der SS und alten Bekannten. Er muss nicht nur um das eigene Leben fürchten, sondern auch um das von Fritze und Charly…

Mehr Schein als Sein

Mit seinem achten Roman um Oberkommissar Gereon Rath führt Autor Volker Kutscher seine Krimireihe im Berlin der Vorkriegszeit konsequent fort und bezieht sich dabei auch auf die sieben vorherigen Bände. Nicht nur tauchen alte Bekannte wieder auf, auch Handlungsstränge aus den Vorgängern werden wieder aufgenommen und weitererzählt.

Gut eingefangen hat der Autor die Stimmung in Berlin, zunächst vor den Spielen, wo alle Welt darauf wartet, dass es endlich losgeht, dann bei der Eröffnungsfeier, zu der Gereon glücklicherweise Karten bekommen hat, und in den folgenden zwei Wochen immer wieder auf dem Olympischen Gelände. Dabei entlarven gerade Charly und ihre Bekannten die Spiele immer wieder als das, was sie eigentlich waren: Nicht die Beruhigung der Welt, dass Berlin und das Deutsche Reich eine friedliche, antisemitische, ausländerfreundliche Nation sind, sondern dass im Hintergrund und fernab der großen sportlichen Bühne doch alles viel schlimmer ist - und es nach den Spielen noch schlimmer werden wird. Wer auch nur ansatzweise unter dem Verdacht stehen könnte, nicht linientreu zu sein, wird seines Lebens nicht mehr froh werden. Dies wird an einigen Stellen deutlich, die Kutscher eindrucksvoll beschreibt und beim Leser mehr als nur ein mulmiges Gefühl hinterlässt.

„Es geht um Deutschlands Ruf in der Welt!“

Geschickt nutzt Kutscher mehrere Perspektiven, um die Situation in Berlin zu beschreiben. Nicht nur Gereon, Charly und Fritze sind Protagonisten in diesem Roman, sondern auch Gereons Gastfamilie, die von seiner Schwiegermutter bewirtet wird, wie auch Reinhold Gräf, Gereons Vorgesetzter und auch dessen Vorgesetzter Sebastian Tornow, der nur die Aufgabe hat, sich um die Witwe des ersten Opfers im Olympischen Dorf zu kümmern. Nebenbei übernimmt sie die Karten ihres Mannes und schaut sich als ehemalige Schwimmerin Wettkämpfe an, sehr zum Leidwesen Tornows, der sie gerne früher abgereist gesehen hätte, damit er sich mehr um seine eigenen Angelegenheiten kümmern kann.

Versteckter und offener Antisemitismus

Da Fritze sich um den amerikanischen Hochspringer Dave Albritton kümmert, einen schwarzen Athleten, der später die Silbermedaille gewinnen sollte, ist man als Leser auch direkt involviert in das Leben von Menschen, die nichts gegen Farbige haben, und wie man mit ihnen umging. Kutscher erweist sich wieder als geschickter Beobachter und beschreibt alle Situationen realistisch und nicht beschönigend. Das gilt für alle offiziellen Situationen wie auch die im kleinen Kämmerlein, die sowieso nicht bekannt werden sollen. Im Zentrum stehen dabei nicht nur die Spiele, sondern auch ein neues Medikament, das inzwischen verboten ist, namens Heroin, das aber vor allem von sogenannten Morphinisten eingenommen wird.

Kutscher hält seine Leser bis zur buchstäblich letzten Seite im Bann, aber mehr soll hier nicht verraten werden. Die einzelnen Erzählstränge sind so geschickt ineinander verwoben, dass man kaum einen herausnehmen kann, ohne wegen eines anderen in Erklärungsnot zu geraten. Zur Lektüre dieses Buches empfiehlt sich daher in jedem Fall die Kenntnis der vorherigen Bände, damit alle Zusammenhänge und alle Drahtziehereien richtig verstanden werden. Dann werden die 540 Seiten aus dem Hause Piper ein „unerträglich“ spannender Lesegenuß.

Fazit:

Gereon Raths achter Fall „Olympia“ ist nach dem spannenden „Marlow“ ein weiterer hoch-spannender Roman, der seinen Vorgängern in nichts nachsteht und dem Leser die beklemmende Atmosphäre der Stadt vor, während und nach den Olympischen Spielen 1936 sehr nahebringt. Der Autor zeigt sich in Bestform und aufgrund des kaum zu ertragenden Cliffhangers kann man den nächsten Band kaum erwarten. Besonders lesenswert.

Olympia

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Letzte Kommentare:
09.01.2021 23:17:42
Carsten Jaehner

Lieber Stefan Roth, soweit ich weiß, hat Volker Kutscher seine Reihe auf zehn Bände angelegt, dass heisst wir bekommen auf jeden Fall noch zwei Bände geliefert, die dann 1937 bzw. 1938 spielen. Er meinte wohl mal, er wolle vor dem Weltkrieg aufhören und quasi den Weg dahin mit aufzeigen.

07.01.2021 18:42:52
Stefan Roth

Gleich einmal die Lobeshymne vorweg. Volker Kutscher liefert mit seinem 8. Gereon Rath Roman ein Meisterwerk ab.

Auch in „Olympia“ gelingt es dem Autor wieder Gereon Raths Arbeit als Polizist, und seine Spitzeltätigkeit für SS und SD, und sein Privatleben, so genial miteinander zu verquicken, dass alles wie aus einem Guss wirkt.

Eigentlich umso erstaunlicher, da es sich wie geschrieben bereits um Band Nummer 8 handelt, hier liefern viele Schriftsteller zumeist nur noch ideenlose Routine ihren Verlagen ab, damit die Tantiemen weiter fließen, scheint es bei Volker Kutscher eher so zu sein das seine Bücher immer besser werden.

Allerdings gibt es leider auch einen größeren Wermutstropfen, der aber nichts mit der Qualität des Buches zu tun hat, alle Fans der Reihe um Gereon Rath müssen wohl befürchten das Buch Nummer 8 auch das letzte der Serie darstellt, obwohl die Deutsche Geschichte auch nach dem Unglück von Lakehurst einige sehr einschneidende Geschehnisse bereitgehalten hat. Vielleicht „erbarmt“ sich Volker Kutscher und schreibt noch ein letztes Buch rund um die Reichskristallnacht (9. auf 10. November 1938) oder den Beginn des 2. Weltkrieges (1. September 1939).

Obwohl in den letzten Jahren der Deutsche Historische Kriminalroman (nicht zu vergessen Österreich) stark in den Vordergrund gerückt ist, und viele Schriftsteller gute und sehr gute Krimis abliefern, so steht für mich Volker Kutscher, gerade zuletzt mit „Marlow“ und „Olympia“, tatsächlich auf dem Olymp des Deutschen Historischen Krimis und so möchte ich hervorragende

99 von 100 °

vergeben.

Wer in die Reihe neu einsteigen möchte, sollte dies trotzdem mit Band 1 („Der nasse Fisch“) tun, gerade weil viele Personen durchgehend von Band 1 bis 8 „auftauchen“

19.11.2020 14:32:19
buecherwurm1310

Von den unangenehmen Veränderungen, die sich in den letzten Jahren zunehmend in Berlin ausgebreitet haben, ist plötzlich nicht mehr viel zu spüren, denn Deutschland will sich mit der Olympiade positiv in der Welt darstellen. Man befürchtet allerdings, dass die Kommunisten die Spiele sabotieren könnten. Daher muss der Todesfall im olympischen Dorf unbedingt ein natürlicher Tod sein, damit die Welt nur Positives sieht. Rath wird vom LKA abgezogen und soll für den SD in dieser Richtung unauffällig ermitteln, damit niemand die Todesursache anzweifeln kann. Aber Gereon Rath ist nun einmal wie er ist, er geht seine eigenen Wege, dabei muss er vorsichtig sein, denn Obersturmbannführer Sebastian Tornow wartet nur darauf, dass Rath einen Fehler macht. Während Gereon seine Ermittlungen führt, zieht Charly wieder zu ihrer Freundin Greta, denn sie ist wütend, weil Gereon gegen ihren Willen amerikanische Olympiatouristen aufgenommen hat. Ein Zeuge mit kommunistischer Vergangenheit wird festgenommen, obwohl Rath von seiner Unschuld überzeugt ist. Dann geschieht noch ein weiterer Mord und bald zeigt sich, dass der letzte Fall noch sein Nachspiel hat. Gereon befürchtet schon, dass Marlow wieder in der Stadt ist. Es wird immer enger für Rath. Wird er heil aus der Sache herauskommen?
Ich hatte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Rath-Reihe gewartet und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Volker Kutscher geling es immer wieder mich zu packen. Beim Lesen konnte ich gut nachvollziehen, wie man sich fühlen muss, wenn man kein freund des Systems ist und immer ganz vorsichtig sein muss, weil man denunziert werden könnte. Rath hat immer versucht unter dem Radas der Nazis zu bleiben, doch dass ist nun nicht mehr möglich. Auch der Berliner Pflanze Charly fällt es immer schwerer, in diesem Deutschland zu leben, in dem Recht und Gesetz keine Bedeutung mehr haben. Obwohl die Raths in diesen Zeiten mehr den je zusammenhalten sollten, haben sie immer noch Geheimnisse voreinander. Mir aber hat Fritze leidgetan, der den Boden unter den Füßen verloren hat. Er, der Junge von der Straße, war stolz darauf, die weiße Uniform des Jugendehrendienstes zu tragen. Bei den Raths hat er sich wohl gefühlt, doch dann hat ihn das Jugendamt in die Familie von HJ-Führer Rademann gesteckt. Doch dann verliert er das Vertrauen in alles, was ihm wichtig war.
Dieser Wechsel zwischen Olympia-Euphorie und den Machenschaften, die im Hintergrund laufen, war schon erschreckend. Aber es war auch spannend zu erleben, wie Rath in seinem Fall weiterermittelt, obwohl die Leine, an die man ihn hält, immer kürzer wird. Dann hat es auch noch jemand auf sein Leben abgesehen. Am Ende wird es sehr dramatisch und für mich bleiben eine Menge Fragen offen. Leider wird es wohl wieder lange zwei Jahre dauern, bis ich hierauf Antworten bekomme.
Ein großartiger, gut recherchierter Kriminalroman, der mich wieder von Anfang an gefesselt hat.

Zeitpunkt.
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