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Jörg Kijanski
Ein Protagonist, so ungewöhnlich wie seine Fälle

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2020

Berlin. Mai/ Juni 1888. Einst rettete er seinem Kriegskameraden das Leben, jetzt lebt er in dessen Pension in Kreuzberg-Ost unter bescheidenen Bedingungen. Gabriel „Gabi“ Landow, Sohn des Freiherrn von Landow, hat sich von seiner Familie entzweit, nachdem er unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Seitdem arbeitet er in Berlin als Ermittler, inzwischen allein, nachdem sich sein Partner nach Amerika abgesetzt hat, oder treibt das Geld von zwei Prostituierten ein, die für seinen Vermieter arbeiten. Landow geht langsam das Geld aus, denn er hat nur noch einen Fall. Heinrich Gürtler, von seiner Frau der Untreue verdächtigt, betritt eines nachts den Übungsplatz der Ballonstaffel in Tempelhof. Kurz darauf fällt er Landow, der ihn observiert, förmlich vor die Füße, als er aus einem Ballon stürzt. Somit wäre sein letzter Fall „gelöst“, doch es kommt anders. Ganz anders, denn auf dem Heimweg wird Landow vermeintlich entführt, landet im Innenministerium, wo er einen Geheimauftrag erhält. Mit Gürtler seien bereits drei Reichsbeamte, die an einem geheimen Militärprojekt arbeiteten, gewaltsam zu Tode gekommen. Wegen der Geheimhaltung suche man einen externen Ermittler und Landow sei ihnen von einem Geheimrat empfohlen worden.

„Alles spricht dagegen, diesen Auftrag anzunehmen, denkt Landow. Alles. Deshalb sagt er „Ja“.“

Da man Landow das fünffache seines üblichen Gehalts anbietet, nimmt er an, versteht allerdings die Welt nicht mehr. Warum soll ausgerechnet er, der auf Seitensprünge und ähnlich Kleinfälle spezialisiert ist, als Sonderermittler eine vermeintliche Mordserie auflösen? Dies ist nicht die einzige Frage, die ihn umtreibt und so sucht er sich zunächst einen Partner. Orsini, ein einarmiger Taschendieb, der erst kürzlich versucht hat, Landow zu bestehlen, lässt sich ebenfalls durch das Geld ködern. Fortan ermittelt eines der außergewöhnlichsten Ermittlerduos in einem ebensolchen Fall. Denn alle Toten hatten eines gemeinsam: Ein Märchenbuch der Brüder Grimm.

Ermittlungen in der bewegenden Kaiserzeit

„Eisenblut“ von Axel Simon erzählt den Plot aus überwiegend drei Perspektiven: Landows bewegter Familiengeschichte, den aktuellen Ermittlungen und der allgemeinen Lage im Land. Mit der Familie, es gibt nur noch die Mutter und Bruder Perikles, hat sich Landow überworfen, wenngleich es nach etlichen Jahren ein Wiedersehen mit seinem Bruder geben wird. Die aktuellen Ermittlungen sind verworren, man tritt auf der Stelle und durch einen befreundeten Pathologen erfährt Landow, dass zudem noch ein Frauenmörder sein Unwesen treibt. Doch davon erfährt die Öffentlichkeit nichts; absolutes Presseverbot, die Stimmung im Land ist aufgeheizt genug.

„Unsere Schlagkraft gegenüber Frankreich und Russland wäre immens.“
„Steht denn ein Krieg bevor?“
„Ein Staat, noch dazu eine junge Nation wie unsere, umkreist von stärkeren Allianzen, befindet sich tatsächlich nie vollständig im Frieden. Zu glauben, dass in Friedenszeiten Mädchen in weißen Kleidern auf Wiesen tanzen, diese Vorstellung ist naiv und das Vorrecht von Zivilisten.“

Die Stimmung im Land könnte kaum angespannter sein. Kaiser Wilhelm I. starb erst im März dieses Jahres und sein Nachfolger Friedrich III. liegt bereits im Sterben; er hat Halskrebs. Dessen Nachfolger Wilhelm II. ist noch keine dreißig Jahre alt und so wähnt sich Reichskanzler Otto von Bismarck als Mann der Stunde. Viele Menschen freut dies, denn sie verübeln dem aktuellen Kaiser, der mit einer Tochter von Königin Victoria verheiratet ist, seine Nähe zu England. Umgeben von vermeintlichen Feinden wie England, Frankreich, Österreich und Russland denken nicht wenige Menschen bereits an den nächsten Krieg, dabei ist der letzte noch in böser Erinnerung. Doch auch hier lockt viele das große Geld.

„Noch, da sind sich alle einig, ist nicht klar, wer hier Krieg führen wird und gegen wen. Auch das Wann und das Weshalb ist noch nicht näher definiert. Fest steht jedoch, dass sie und die Konzerne und Banken, denen sie angehören, zu den Siegern zählen werden.“

Gabriel Landow ist ein ungewöhnlicher Protagonist, denn er ist mit seinem Leben ohnehin überfordert. Sein Hund heißt wie sein Lieblingsgetränk Cointreau, wobei der übergewichtige Ermittler dem Alkohol gerne schon vormittags zuspricht. So gesehen passt der einarmige Taschendieb Orsini ganz gut zu ihm. Aber war eventuell genau das das Ziel? Hat man den gänzlich unqualifizierten Landow gerade deswegen angeheuert, damit die Ermittlungen im Sande verlaufen?

Fazit:

Wer ungewöhnliche Ermittler in einem undurchsichtigen Fall mag ist hier genau richtig. Die Kaiserzeit, der nächste große Krieg ist noch nicht in Sicht, wird ansprechend dargestellt und auch die neuesten Erfindungen führen in eine spannende Epoche.

Eisenblut

Eisenblut

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