Der Lehrmeister

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  • Erschienen: Oktober 2019
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Der Lehrmeister
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Karin Speck
901001

Histo-Couch Rezension vonFeb 2020

Mit dem Teufel im Bunde

Der berühmte Magier Johann Georg Faustus reist noch immer durch die Lande. Begleitet wird er von seiner Ziehtochter Greta und von Karl Wagner. Faustus ist ein begehrter Astrologe und Magier. Ihre Darbietungen sorgen für ein gutes Auskommen, aber obwohl seit dem letzten Zusammentreffen mit seinem Feind Tonio schon 6 Jahre vergangen sind, fühlt Johann sich immer noch nicht sicher. Er weiß, er muss seinen Feind noch besiegen, bevor dieser ihn einholen kann und alles zerstört was ihm lieb und teuer geworden ist.

Düster und gleichzeitig magisch

„Der Lehrmeister“ ist der zweite Band über das Leben des berühmten Dr. Faust. Es liegen 6 Jahre zwischen den Ereignissen aus dem „Spielmann“ und dem Beginn dieses Teils. Dieser Band beginnt im Jahre 1518 und greift das Geschehen des ersten Bandes auf. Die Geschichte von Johann Georg Faustus wird weitererzählt, allerdings ist es nicht unbedingt erforderlich, den ersten Band gelesen zu haben. Es gibt ausreichend Rückblenden, die den Leser auf dem Laufenden halten. Sicherlich ist das Bild vollständiger, liest man beide Bücher.

Allerdings ist dieser Teil sehr düster und erzählt von alten Mächten, die ihr Unwesen treiben. Faust ist quasi davon besessen, seinen alten Lehrmeister zu finden und zu besiegen. Er merkt dabei nicht einmal, dass ihm das eigene Leben durch die Finger rinnt. Oliver Pötzsch hat es gut verstanden, diese Düsternis aufzubauen und um seine Charaktere zu spinnen. Der Autor versteht es, Spannung zu halten und seine Protagonisten agieren zu lassen. Die Atmosphäre ist dabei düster und angespannt. 

Tod und Teufel sind immer gegenwärtig

Der Aberglaube im 16. Jahrhundert war weit verbreitet. Tod und Teufel waren immer Thema eines jeden Tages. Auch Faust glaubt an die Macht Gottes und damit auch an den Teufel. Er fürchtet aber nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das von Greta und dem Rest der Welt. Er will das Böse finden und auslöschen oder zumindest besiegen. Pötzsch ist es gelungen, diesen Gedanken zu vermitteln. Faust handelt logisch und gut durchdacht, jedenfalls aus seiner Sicht. Greta sieht das alles ein wenig anders. Für sie scheint der Magier den Verstand zu verlieren und nur noch seinen Erzfeind zu sehen. Trotz allem folgt sie ihm und will helfen. Die Gefühle von Greta und allem was sie antreibt, um Faust zu unterstützen und ihm hilfreich zur Seite zu stehen, sind nachvollziehbar wiedergegeben worden. Die junge Frau hat einiges durchzustehen und zu überstehen, dabei fragt sie sich öfter, ob es einen Sinn ergibt, Johann weiter zu helfen oder ob sie lieber gehen soll. Diese Gewissensfragen und noch einige mehr sind gut ausgearbeitet und fließen in die Handlung der Geschichte ein.

Leider ist dieser Roman auch mit einigen Wiederholungen gefühlt, die sich nicht nur auf die Geschehnisse und Rückblenden aus dem „Spielmann“ beziehen, sondern auch aus den bereits gelesenen Seiten des vorliegenden Bandes. Diese manchmal sinnlosen Wiederholungen strecken nur den Roman und fordern dem Leser auch so einiges ab. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen. Aber das ist nur ein kleiner Mangel, den man sicherlich gut überlesen kann. Das Leben dieser Epoche und vor allem, wie das Leben von Faustus gewesen sein könnte, hat der Autor hingegen gekonnt wiedergegeben. Es wirkt authentisch und echt und ist zudem facettenreich erzählt. Jeder, der sich schon mal mit dem Thema Faust beschäftigt hat, wird hier zudem einige Zitate wiederfinden. Der Autor hat sie geschickt in das Leben seines Faustus eingeflochten und ihn damit zum Leben erweckt.

Ein ausführliches Nachwort beendet auch diesen Teil und wie immer bei Oliver Pötzsch, befindet sich am Schluss ein kleiner Reiseführer. So kann, wer mag, den Spuren der Protagonisten folgen. Zudem sind auch noch eine Karte Europas und ein Stadtplan von Rom vorhanden, und ganz am Ende hat der Autor auch noch einmal die Zitate zusammengefasst, die er von Goethe übernommen hat und seinem Faust in den Mund gelegt hat.

Fazit:

„Der Lehrmeister“ ist zwar ein düsterer zweiter Teil, dafür aber auch spannend und abwechslungsreich. Pötzsch überzeugt wieder einmal mit seinem Erzähltalent und versteht es, die Leser zu unterhalten und gleichzeitig eine aufregende Geschichte zu erzählen.

Der Lehrmeister

Oliver Pötzsch, List

Der Lehrmeister

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