Der Spielmann

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • List, 2018, Titel: 'Der Spielmann: Die Geschichte des Johannes Georg Faustus', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95
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Karin Speck
Aude sapere - Wage zu wissen

Rezension von Karin Speck Sep 2018

Johann Georg wächst im Kraichgau auf. Es ist ein ruhiges Leben im ausgehenden 15. Jahrhundert. Aber dann kommen die Gaukler in die Stadt. Johann ist fasziniert von dem Magier Tonio del Moravia. Dieser Mann liest Johann aus der Hand und sagt ihm eine große Zukunft voraus. Für Johann steht schnell fest: er will mehr von diesem Magier lernen. So beginnt seine Zeit als Lehrling und Student. Doch die Gefahr, die auch von diesem seltsamen Mann ausgeht, sieht der Junge nicht. Dunkle Mächte umgeben Tonio del Moravia. Mächte, die auch nach Johann Georg Faustus greifen.

Vom Jungen zum Gelehrten

In Der Spielmann erzählt Oliver Pötzsch die Geschichte eines über seine Zeit hinaus bekannten Zauberers, Gauklers und Lebenskünstlers überhaupt. Johann Georg Faustus, auch genannt der Glückliche, ist vermutlich jedem ein Begriff, der sich für Literatur interessiert. Aber eigentlich ist über diesen Mann nur wenig bekannt, viele halten ihn vermutlich auch nur für eine Sagengestalt aus dem 16. Jahrhundert. Aber inzwischen ist man sich ziemlich sicher, Faustus hat wirklich gelebt und war in seiner Zeit ein berühmter Mann.

Oliver Pötzsch hat nun dieses Leben geschildert. Er geht dazu ins Detail und lässt den Gelehrten auferstehen. Er erzählt von dem Kind Johann, von seiner ersten Liebe zu Gretchen und seiner ersten Begegnung mit dem Teufel. Dann geht es weiter in den Jahren, der Leser ist dabei, als er zu lernen beginnt. Er schaut zu, wie aus dem jugendlichen Faust ein erwachsener Mann und Gelehrter wird.

Lebendig und magisch

Lebendig und vor allem authentisch erzählt der Autor eine Geschichte, vom Leben eines Mannes, der doch eigentlich nur sein Leben leben wollte. Dabei erlebt man gleichzeitig einen Streifzug durch die Zeit um die Jahrhundertwende vom 15. Jahrhundert ins 16. Jahrhundert. Die Menschen waren abergläubisch und fest verankert in ihren Glauben an Gott. Es gab Menschen, die sich dies zunutze machten und so ihr Geld und Auskommen hatten. Gaukler galten als unehrlich und auch fahrende Studenten waren nicht unbedingt angesehen. Faustus aber hat es geschafft, sich einen gewissen Ruhm zu erarbeiten und eben genau dies schildert Pötzsch, und zwar so bildhaft und authentisch, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Auch wenn einem der Werdegang und der Umgang mit dem Teufel bekannt sind, es hier noch einmal in Romanform zu lesen, ist fast unwiderstehlich. Johann Georg Faustus zieht einen magisch in den Bann.

Spannender als so mancher Krimi

Gleichzeitig erzeugt Pötzsch einen gewissen Gruseleffekt und sorgt für Spannung durch einen Handlungsstrang, der es mehr knistern lässt als so mancher Krimi, über den hier aber nichts weiter verraten wird, auch wenn im Klappentext schon etwas über verschwundene Kinder zu lesen ist. Der geneigte Leser soll selbst feststellen, was es mit Faustus, den Kindern und dem Teufel auf sich hat.

Dem Autor ist es gelungen, ein spannendes Leben zu schildern und bringt dem Leser damit eine Geschichte näher, die doch wohl eher etwas Mystisches als Reales hat. Hier aber liest es sich so, als wenn jedes Wort der Wahrheit entspräche. Man kann das Buch nur schwer aus der Hand legen, dies zeugt dann wohl davon, dass Oliver Pötzsch alles richtig gemacht hat. So hat man nach 760 Seiten zwar das Ende des Buches erreicht, aber doch nur des Fausts ersten Teil gelesen.

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