Die Schwestern von Mitford Manor – Gefährliches Spiel

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

Andrea Brandl (Übersetzung)

Couch-Wertung:

75

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Nicole Goersch
Viel Party und wenig Mord

Buch-Rezension von Nicole Goersch Nov 2019

1925: Pamela, zweitälteste Schwester der Mitfords, macht ihre ersten Erfahrungen im Partyleben Londons, das ausschweifend und ausgelassen ist. Vor allem ihre ältere Schwester Nancy animiert sie immer wieder, so auch zu einer Party auf dem familieneigenen Landsitz, an deren Ende ein Freund tot sein wird. Warum ist Adrian vom Turm gestürzt? Wurde er womöglich ermordet?

Partyleben der 1920er

Wie schon im ersten Band verpufft die Spannung sehr schnell und macht ausführlichen Beschreibungen des Partylebens der 1920er Jahre Platz. Die Darstellungen der Personen und des Lebensgefühls sind sehr bildlich und passen perfekt in die damalige Zeit. Die Ausgelassenheit und Partyfreude, die der Zeit zu eigen war, lassen sich gut nachvollziehen, ebenso wie der Übergang der alten Strukturen, die rigoros aufgebrochen werden, zu der freieren Einstellung der jungen, feierlaunigen Leuten.

Wer den ersten Teil gelesen hat, was allerdings kein unbedingtes Muss ist, um sich in diesem zurechtzufinden, wird auf alte Bekannte treffen. Neben der Familie Mitford mit ihrem Kindermädchen Louisa ist auch Guy wieder mit von der Partie. Eine kurze Erläuterung seines Lebensweges bis hierher festigt die Vorstellung seines Charakters.

Die wechselnden Szenarien haben ihren Reiz, weil sie Spannung reinbringen, aber zeitlich können sie nicht gleichzeitig erfolgt sein, so dass man manchmal verwirrt ist.

Mordfall als Hintergrundkulisse

Obwohl Louisa alles andere als behütet aufgewachsen ist und durch ihren Onkel viele dunkle Seiten des Lebens mitbekommen hat, schleust sie doch arglos Dulcie ins Haus ein und ist im Anschluss überrascht, als bei ihr einige Schmuckstücke gefunden werden, die sie entwendet hat. Eine ziemlich naive Handlung, die so gar nicht zu ihr passen mag. Zumal sie Dulcie erst kürzlich kennengelernt hat, auch wenn im Klappentext anderes behauptet wird. Deren Verbindung zu den 40 Thieves ist direkt ersichtlich, so dass man über einen Diebstahl nicht überrascht sein dürfte.

Als Dulcie in unmittelbarer Nähe des Toten gefunden wird, mit dem sie gar zuvor Streit hatte, scheint der Mord schnell aufgeklärt. Einzig Louisa mag es nicht glauben, anfangs aus Solidarität zu dem Dienstmädchen, das unter ähnlichen Lebensumständen aufgewachsen ist wie sie selbst, dann aus logischer Überzeugung. Sie schwankt zwischen den Gefühlen der Freundschaft zu den Schwestern und der Zugehörigkeit zu der Familie und den Gefühlen und Status eines einfachen Dienstmädchens.

Wie im ersten Teil ist der Mordfall nur Hintergrundkulisse. Im Vordergrund stehen die jungen Frauen mit ihren verschiedenen Lebenseinstellungen. Die Beschreibungen der Lebensumstände und der abwechselnden Umgebungen, zum Beispiel das Gefängnis, in dem Dulcie einsitzt, werden sehr anschaulich beschrieben. Alltägliches wird gut eingebunden wie Frisuren oder Kleidungsstile. Es hat allerdings auch den Anschein, dass außer Party nichts passiert und nichts erledigt werden muss.

Solide

Wenn man sich darauf einstellt, eher einen historischen als einen Kriminalroman zu lesen, dann ist man hier gut aufgehoben. Im Kielwasser von Downton Abbey behauptet sich die Reihe von Jessica Fellowes achtbar. Die Einbindung in die damalige Zeit ist begreiflich und ausführlich, hält sich vielleicht ein bisschen zu sehr mit dem Partyleben auf.

Fazit:

Ein solider historischer Roman, in dem nebenbei ein Mord geschieht, der nur zu Anfang und zum Ende hin eine größere Rolle spielt. Als Charakterstudie der jungen Feierleute der 20er-Jahre gut geeignet.

Die Schwestern von Mitford Manor – Gefährliches Spiel

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Letzte Kommentare:
03.12.2019 01:01:49
Sagota

Es handelt sich hier um Band 2 der Reihe der "Schwestern von Mitford Manor" - UT Gefährliches Spiel, das im Pendo-Verlag (broschiert, 2019) erschienen ist.

Mitford Manor und London, 1925:

Zur Feier des 18jährigen Geburtstages von Pamela wird eine Party organisiert, die auch eine Schnitzeljagd beinhalten soll, da diese in London 'en vogue' sind: Was weder die Familie Resdesdale, der die 6 Schwestern von Mitford Manor entstammen, noch die Partygäste wissen: Ein Teilnehmer, der junge charismatische, wenn auch nicht sonderlich beliebte Adrian Curtis, wird von einer der zu bewältigenden Aufgaben nicht mehr zurückkehren:

Das junge Dienstmädchen Dulcie Long findet ihn unter dem Kirchturm mit verdrehten Gliedmaßen und mausetot: Der Verdacht des ermittelnden Inspectors in Hampshire fällt sofort auf sie und sie wird in Untersuchungshaft verbracht: Einzig Louisa Cannon, ebenfalls Dienstmädchen im Hause der Redesdales, glaubt an Lucies Unschuld und ist überzeugt, dass diese zwar vorhatte, Schmuck mitgehen zu lassen, aber nicht, Adrian vom Kirchturm gestoßen zu haben.

Mit den Ermittlungen zum Fall ist Guy Sullivan, LeserInnen des ersten Bandes bereits bekannt, zwar nicht direkt betraut, steht dieser jedoch (aufgrund seines Ehrgeizes und Beförderungswillens, aber auch, weil er Louisa sehr zugetan ist), Louisa zur Seite und beide nehmen sich in diesem Roman des sprichwörtlichen Falles von Adrian Curtis an. Wer von den Partygästen könnte ein Motiv haben? Was ist an jenem Abend wirklich geschehen und wer hat Adrian zuletzt lebend gesehen?

Um diese Fragen geht es in "Gefährliches Spiel", das teils auf Mitford Manor, dem Landsitz der Redesdales in den Cotswolds spielt und auch in London, wo Alice Diamond und ihre 40 Diebinnen ihr Unwesen treiben. Die Autorin hat hier gekonnt historische Fakten mit fiktionalen Handlungen verknüpft, was auch aus dem Anmerkungen zu den historischen Fakten ersichtlich ist.

Die Sympathieträger und Hauptprotagonisten Louisa Cannon als auch Guy Sullivan, der nun nicht mehr bei der Bahn arbeitet, sondern bei der Londoner Polizei, ermitteln sozusagen im Verborgenen und versuchen, den wahren Mörder zu finden: Einige Spuren führen nach Soho und in den lasterhaften Club "43", in dem sich die berüchtigte "Königin der Diebinnen" gerne aufhält. Louisa, intelligent und mit scharfer Beobachtungsgabe, versucht Alice Diamond und ihren Diebinnen nahezukommen und begibt sich dabei in höchste Gefahr; doch sie möchte Dulcie helfen, die eine sehr ähnliche Biografie aufweist wie sie selbst und an deren Unschuld sie fest glaubt.

Neben der Krimihandlung geht es auch in Band 2 um den Einblick in das (teils recht mondäne) Leben der Redesdales; um Bälle, Empfänge und das Leben der Upperclass, das in diesen Jahren entscheidende Veränderungen erfährt: Viele Adelige können es sich nicht mehr leisten, unzählige Bedienstete zu haben und im gleichen Zeitraum der "Roaring 20ies" emanzipieren sich immer mehr Frauen, in dem sie arbeiten, Stenografie und Schreibmaschine erlernen und in Büros z.B. tätig sind, ihr eigenes Leben führen wollen und sich nicht mehr von einem Mann abhängig machen wollen. In London beeindrucken solche Frauen Louisa so sehr, dass sie die Abgeschiedenheit und ihre Aufgaben in Mitford Manor nunmehr mit anderen Augen sieht: Am liebsten würde sie es diesen Frauen gleichtun...

Während Louisa sehr kreativ und erfinderisch ist, wenn es um ihre Ziele geht, ist der akribische Guy Sullivan sehr darauf bedacht, befördert zu werden und in seinem Beruf die Karriereleiter zu erklimmen. So liest er sich im Zug von London nach Shipton auf dem Weg nach Mitford Manor sorgfältig seine Notizen durch und ist überzeugt, den wahren Mörder von Adrian Curtis zu stellen....

Ein unterhaltsamer Roman mit kriminalistischen Elementen, der zum Miträtseln anregt und durch die sich abwechselnden Kapitel, in denen entweder Louisa und die Mitfords oder Guy und Mary, seine Kollegin präsent sind, sich mehr und mehr Spannung aufbaut; der aber auch gesellschaftliche Verhältnisse in den 20er Jahren mit all ihren Umbrüchen in England (und auf dem Kontinent) zum Thema hat. Ich bin sehr gespannt, ob Louisa nach London ziehen wird und ihre Ziele ansteuert (was ich ihr durchaus zutraue) und freue mich auf Band 3! 4* und 87°

Zeitpunkt.
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