Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht

Erschienen: September 2018

Bibliographische Angaben

Andrea Brandl (Übersetzung)

Couch-Wertung:

70

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Nicole Goersch
Der Krimi ist nur schmückendes Beiwerk

Buch-Rezension von Nicole Goersch Sep 2019

London 1920: Florence Nightingale Shore, eine ehemalige Krankenschwester, steigt in London in einen Zug, um eine Freundin in einem kleinen Ort an der Küste zu besuchen. Dort wird sie nicht lebend ankommen.

Nach diesem Prolog springt der Roman in der Zeit zurück von Januar 1920 auf Heiligabend 1919. Louisa Cannon ist auf der King’s Road in London unterwegs, als sie ihre alte Schulfreundin Jennie trifft. Diese hat eine Bekannte, Nancy Mitford, dabei, die erzählt, dass das Kindermädchen durchgebrannt und ihre Familie nun auf der Suche nach einer neuen Angestellten wäre. Louisa nutzt diese Chance, um ihrem Onkel zu entkommen, der seit dem Tod des Vaters bei ihr und ihrer Mutter lebt, weil dieser sie prostituieren will, um seine Schulden begleichen zu können.

Als er sie zu seinem Schuldner verschleppen will, kann sie aus dem Zug entkommen und lernt dabei die Bahnhofspolizisten Guy und Harry kennen. Besonders ersterer ist sehr hilfsbereit und wird noch eine größere Rolle spielen, da er zu dem Mord an Florence Nightingale Shore gerufen werden wird. Mit der Hilfe von Louisa und Nancy ermittelt er, auch als die offiziellen Ermittlungen schon eingestellt werden, was nicht nur sein Leben auf den Kopf stellen wird.

Alleinstehende Frauen

Das Buch beginnt recht spannend mit dem Mord an Florence Nightingale Shore und Louisas Leben, dazu wird die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr gut eingefangen und zeigt insbesondere, wie schwer es für alleinstehende Frauen war, die sich ihren Lebensunterhalt selber verdienen mussten. Viele Möglichkeiten ergaben sich dabei nicht.

Leider flaut die Spannung dann ziemlich schnell ab und es wird beschrieben, wie sich Louisa bei der Familie Mitford einlebt und wie sich ihre Freundschaft zu Nancy Mitford entwickelt. Dabei geht es hauptsächlich um Nancys gesellschaftliche Einführung, auf die sie schon ganz versessen ist, und ihre Bekanntschaft zu Roland Lucknor, den sie auf einem Ball, den sie verbotenerweise besucht hatte, kennengelernt hat.

Die Verstrickungen der einzelnen Personen untereinander bergen das ein oder andere Geheimnis, so dass man gerne rätselt, wie die konkreten Abhängigkeiten und Verbindungen sein könnten, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Handlung dahindümpelt. Die Sprache allerdings mutet mitunter recht modern an, so dass der Roman lebendig wirkt und sich dadurch gut lesen lässt.

Krimi mit Schwächen

Außer dass Louisa oder Nancy die ein oder andere Person bezüglich des Mordfalls befragen, passiert nichts. Als Leser vergisst man gar, dass man einen Krimi liest. Wichtiger erscheinen die Freundschaft zwischen den Frauen, die Diskussionen über das Erwachsenwerden und das alltägliche Leben. Als ein wenig mehr Spannung aufkommt – die beiden Frauen besuchen einen Ball und Louisa wird von einem ehemaligen Soldaten bedroht –, verpufft diese ziemlich schnell und verliert sich in belangloseren Szenen. In den letzten Kapiteln wird es dann rasanter und der Mordfall rückt wieder in den Vordergrund.

Dass die Mitford-Schwestern vorkommen, ist eher Zufall. Es hätte auch jede andere adlige Familie in England sein können, auch eine fiktive, aber natürlich ist es reizvoller, eine zur damaligen Zeit berühmte Familie zu nehmen.

Fazit:

Für einen Krimi ist die Handlung zu behäbig und teilweise zäh, für einen historischen Roman hingegen sehr gefällig geschrieben, auch wenn die Mitford-Schwestern eher als Kulisse dienen und weniger aktiv ins Geschehen eingreifen. Der Auftakt dieser Reihe, bei der sich jeder Band schwerpunktmäßig um eine der Schwestern bemüht, lässt Luft nach oben.

Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht

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Letzte Kommentare:
30.10.2019 02:13:55
Sagota

"Die Schwestern von Mitford" von Jessica Fellowes, hier mit dem Untertitel von Bd. 1 "Unter Verdacht" ist der Auftakt zu einer Romanserie von 6 Bänden, in dem sich jeder Roman einer der Mitford-Schwestern widmet. Im vorliegenden Début ist es Nancy Mitford, die älteste der Schwestern.

Schon im Prolog begibt man sich in eine andere Zeit, die der 20er Jahre in London, in der ein Mord in einer (Dampf)eisenbahnlinie geschieht: Die Krankenschwester Florence Nightingale Shore wird brutal während der Zugfahrt ermordet; real ist dieser authentische Mordfall bis heute nicht aufgeklärt worden; im Roman jedoch sind die Hauptprotagonisten Louisa Cannon, Nancy Mitford und Guy Sullivan, seines Zeichens Bahnpolizist, dem Mörder auf der Spur....

Zum Inhalt:

Louisa Cannon, die in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, erfährt von einer Freundin, dass die glamouröse Familie Mitford ein neues Kindermädchen sucht - und ergreift mutig ihre Chance, sich ein Leben in stabileren und besseren Verhältnissen aufbauen zu können. Sie bekommt die Stelle und freundet sich mit Nancy, der 17jährigen Tochter, an und wird deren Vertraute. Als die jungen Frauen von dem brutalen Mord erfahren, der einer Freundin der Familie zum Verhängnis wurde, sind sie nicht davon abzubringen, den Mörder zu finden. Hilfe finden sie hierbei von Guy Sullivan, einem Bahnpolizisten, der durch Zufall Louisa dabei hilft, die ersehnte Arbeitsstelle auf Mitford Manor zu bekommen - und sich dabei in sie verliebt...
Wer war der Mann im braunen Mantel, der zu Florence Shore in das Abteil stieg? Werden sie den Mörder finden, auch wenn es Guy von seinem Vorgesetzten Jarvis untersagt ist, im Fall Shore weiterzuermitteln, obgleich er abgeschlossen ist?

Meine Meinung:

Bereits von der ersten Seite an fand ich Zugang zu dieser recht spannenden und historischen Geschichte, deren Protagonisten real existieren und die den Leser ins London der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts entführen: Die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen reich und arm werden sehr durch die Figur der Louisa deutlich: Ihr gelingt es durch Intelligenz und auch Fleiß, in der Upper Class Fuß zu fassen und Nanny von 6 Mädchen zu werden, besonders Nancy, die sehr schlagfertig ist und gute Geschichten und Abenteuer liebt sowie auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, sehr zugetan ist. Gemeinsam mit Guy gelingt es den beiden jungen Frauen, dem Mörder eine Falle zu stellen und im showdown, das bei der Party für Nancy stattfindet, diesen zu enttarnen....

Der Autorin, die eine Nichte von Julian Fellowes ist und die Begleitbücher zu "Downton Abbey" schrieb, gelingt es von Beginn an, den Leser in die Welt der 20er Jahre zu katapultieren: Der Roman ist in 3 Teile gegliedert und hat 79 recht kurze Kapitel, die den Spannungsbogen steigern, da die Erzählperspektiven wechseln. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen sowie absolut unterhaltsam. Auch die Spannung kommt m.E. nicht zu kurz; über Louisa, die eine große Sympathieträgerin ist, kann man zuweilen schmunzeln, sich mit ihr vor ihrem üblen Onkel Stephen fürchten - und respektvoll ihre ermittlungstechnischen Fähigkeiten bestaunen! Auch Guy Sullivan ist ein sehr netter, wenn auch kurzsichtiger junger Polizist, der über ungeheure Ausdauer, Kombinationsgabe und Willensstärke verfügt - was ihm letztendlich nicht zum Nachteil gereicht. Das Zeitkolorit spielt ebenfalls sehr authentisch mit Rückblicken in den gerade erst beendeten 1. Weltkrieg durch die Briefe von Florence Shore eine wichtige Rolle, da das Leben von den Auswirkungen dieses schrecklichen Krieges - überall in Europa - geprägt war. Was für die Zeit zwischen den Weltkriegen mit den technischen Entwicklungen, dem Aufatmen und der Lebenslust der Menschen, die sich in neuer Musik und Tänzen z.B. widerspiegelt, sehr gut von der Autorin dargestellt und bildhaft gemacht wird. Andererseits sind die gesellschaftlichen Prägungen sehr eindrucksvoll geschildert und die starken Grenzen zwischen "oben und unten" sowie auch die Stellung der Frau, die sich in diesen Zeiten wandelte...

Fazit:

Eine sehr unterhaltsame und auch spannende Reise in die Vergangenheit des Englands der 20er Jahre in eine glamouröse Familie, in deren Auftakt der Serie die älteste Tochter Nancy Mitford eine der Hauptrollen einnimmt. Eine wirklich gelungene Mixtur aus Gesellschaftsstudie, historischem Roman und Krimi, der mir sehr gut gefallen hat, mich hier und da (ich sage mal nur "Mrs. Stobie" )auch an Downton Abbey erinnerte und den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte! 4,5 *