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Annette Gloser
Robin Hood in Nordeutschland

Buch-Rezension von Annette Gloser Sep 2019

Kalabrien / Schaumburg / Hamburg etwa im Jahr 1647: Anneke Claen, vor Jahren der Hexenverfolgung in Hamburg entkommen, hat mit ihrem geliebten Mann in Kalabrien gelebt. Nach seinem Tod scheint ihr Leben seinen Sinn verloren zu haben und Anneke stürzt in eine tiefe Krise. Da erreicht sie ein Brief aus Hamburg: Sie soll noch einmal in die Stadt ihrer Jugend zurückkehren. Vielleicht hilft diese Reise ja, Anneke aus ihren finsteren Gedanken zu reißen. Mit ihrem Sohn und der jüngsten Tochter macht sich Anneke auf den Weg in ihre Heimatstadt. Doch ausgerechnet in Lemgo machen sie Station, einer Stadt, in der die Hexenverfolgung erbarmungslos wütet. Und hier trifft Anneke auf einen alten Feind.

Etwa zur gleichen Zeit stirbt der alte Köhler auf dem Hüggel in der Nähe von Hasbergen. Zurück bleiben sein Enkel Jacob und sein Adoptivsohn Christoffer. Christoffer soll Jacob zurück zur Familie des Köhlers bringen. Er selbst aber weiß nichts über die Zeit, bevor er in den Wald auf dem Hüggel kam. Ob er sich je wieder erinnern wird, wer er einst gewesen ist?

Drauf los fabuliert

Antje Windgassen legt hier die Fortsetzung ihres Romans „Die Hexe von Hamburg“ vor. Allerdings gibt es zwischen beiden Büchern gravierende Unterschiede. Während man im ersten Teil der Autorin durchaus eine glaubwürdige Schilderung, verbunden mit einer gründlichen Recherche, bescheinigen konnte, so ist der zweite Teil ganz anders geartet. Offenbar hat die Autorin hier wirklich der Fantasie frei Bahn gelassen und munter drauf los fabuliert. In der Handlung häufen sich die Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten. Da sind eine Burg, an die sich keiner mehr erinnert (die aber in bestem Zustand ist) und wilde Räuber mit goldenem Herzen noch das kleinste Problem. Da sind mothers little helpers im Einsatz, Drogen werden nur noch auf Rezept verkauft, eine Drogentherapie entspricht heutigem Standard, die Räuber gehen sich nach erfolgter Plünderung brav waschen und umziehen um sich dann wie in einer Betriebskantine jeder mit seinem eigenen Schüsselchen an den sauber gedeckten Tisch zu setzen, eine vornehme Witwe wandert nachts allein durch die Stadt…Das alles in einer Zeit, als es undenkbar war für eine Dame von Stand, ohne Begleitung einen Fuß vor die Tür zu setzen, als das arme Volk sich zu Tisch an einen Topf setzte und jeder draus löffelte, was er kriegen konnte. Und der Bewohner eines großen Gutes freut sich von ganzem Herzen darüber, dass der wahre Erbe plötzlich auftaucht und rückt problemlos alles raus von dem er bis eben glaubte, es gehöre nun ihm? Auch eher unwahrscheinlich.

Modernes Märchen im historischen Gewand

Antje Windgassen nutzt für ihre Erzählung eine sehr moderne Sprache. Dazu gehören auch Worte, die nicht unbedingt in die Zeit der Romanhandlung passen.  Auch viele Schilderungen innerhalb der Handlung scheinen eher der Moderne entsprungen. Wer erwartet im Jahre 1647 schon Zimmerservice in einem Landgasthaus? Und dann ist da dieser Räuberhauptmann, der nur Räuberhauptmann wird, damit er den armen Menschen im herrenlosen Schaumburger Land helfen kann, der eine veritable Nothilfe mit Buchführung organisieren lässt… Die Hexenverfolgung in Lemgo und die Tatsache, dass da ein kleines Ländchen zwischen Hannover und Minden keine Regierung hatte, dies allerdings sind tatsächlich Fakten aus dem Jahre 1647.

Doch trotz aller Kritik: Beim Lesen spürt man den Spaß, den die Autorin hatte, als sie die Geschichte erzählte. Da sind Empathie und Engagement für die einzelnen Romanfiguren, ein gekonnt aufgebauter Spannungsbogen und auch unerwartete Wendungen der Handlung. Und nicht zuletzt sind da auch Protagonisten, denen man als Leser vielleicht einfach die Krätze an den Hals wünscht. Und die anderen, denen man von Herzen wünscht, dass sie glücklich werden. Keine tiefen Charaktere, ein bisschen mit der Gut-und-böse-Schablone angelegt, aber wer braucht das schon bei einer veritablen Räuberpistole? Und diese Bezeichnung möge man bitte im positiven Sinne verstehen, denn Liebe, Abenteuer und Räuber im Wald machen zusammen eine durchaus lesenswerte Geschichte aus.

Fazit:

„Die Hexe von Hamburg und der König der Diebe“ steht für sich allein. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, der bekommt sie auf den ersten Seiten in einer Einführung zum Roman geliefert. Und auch wenn dieser Roman nicht sonderlich authentisch daher kommt und sicher auch mancher Anlass zur Kritik da ist: Wer aufhört zu nörgeln und zu mäkeln, wer sich ganz einfach von der Geschichte mitreißen lässt, dem sind ein paar unterhaltsame und entspannte Stunden gewiss. Hier kann man eintauchen in eine Geschichte, die etwas von einem Märchen hat, und eins ist bei Märchen (fast) immer gewiss: Das Happy End!

Die Hexe von Hamburg und der König der Diebe

Die Hexe von Hamburg und der König der Diebe

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